Der Drache als Symbol

Der Drache spielt in den Sagen und Mythologien fast sämtlicher Kulturvölker eine bedeutende Rolle. Er ist ein fabelhaftes Tier von ungeheurer Größe, geringelt, manchmal mit mehreren Köpfen und einem furchtbarem Blick. Drachen galten als wirkliche Lebewesen.

Auch in den Bergen der Alpen sollen sie gehaust haben, meist in Schluchten oder Höhlen. In Erzählungen und Sagen werden sie oft mit Muren und Naturgewalten in Verbindung gebracht. So wie der Drache aus der Höhle, so wälzen sich bei Unwetter Gestein und Wasser aus der Schlucht und verwüsten Wiesen und Dörfer. Den Ungetümen konnte niemand Herr werden. Nur besonders Mutigen oder den Heiligen war es vorbehalten, gegen die Drachen zu bestehen.

Das Institut für Alpine Naturgefahren tritt heute als moderner Kämpfer gegen die Drachen an. Naturgefahren wecken das Interesse einer breiten Öffentlichkeit und gerade in Österreich sind noch immer große Teile besiedelter Gebiete von Naturgefahren bedroht. Deshalb betrachten wir es als unsere Aufgabe, Natur und Technik sinnvoll zu verbinden und dabei die in unserer Kulturlandschaft erforderlichen Fragestellungen zum Schutz vor Naturgefahren mittels integraler Ansätze zu lösen.

Das Logo wurde freundlicherweise von OR Dipl.Ing. Gieselher Ofner entworfen.

Der Drache als Fabelwesen

Der Wurmstein bei Goisern

Uralten Chroniken zufolge war Goisern in grauer Vorzeit eine große Stadt gewesen, die sieben Klöster, sechzehn Kirchen und eine bischöfliche Residenz in ihren Mauern aufzuweisen hatte. Nahe bei Goisern auf dem Reichenstein erhob sich die königliche Burg, Goisernburg genannt. Auf dem Reichenstein hauste aber in einer großen Höhle ein mächtiger Lindwurm. Das Untier brach eines Tages aus und riss so viel Wasser mit sich, dass Land und Leute und die ganze Stadt in den Fluten versanken. Das Schloss auf dem Reichenstein stürzte ein und alles Lebende wurde unter seinen Trümmern begraben: König Cleonus, dessen Bruder, die Königin und ihre vier Kinder, das Hofgesinde, Ritter, Edelleute und Lakain – alle, alle fanden den Tod. Der Fels, in dem die Höhle des Lindwurm war, wird der Wurmstein genannt und der Bach, der das Dorf durchfließt, der Wurmbach.

Österreichische Sagen. Cäcilie Tandler, Wilhelm Andermann Verlag, Wien (1964)

Der Lindwurm in der Wildbachklamm

Noch heute wird der Wildbach, der zwischen Zirl und Inzing dem Inn auf dem linken Ufer zufließt, bei Hochwasser oft gefährlich; er hat bis in die jüngste Zeit in Feldern und Wiesen durch Vermurung und Überschwemmung großen Schaden angerichtet. Man erzählt sich, dass in der Wildbachklamm, auch Hundsstall genannt, einst ein riesiger Drache, ein Lindwurm, lebte, der viele Jahre nicht zu vertreiben oder gar zu erlegen war.
Als einst an einem Sommertag ein furchtbares Hagelwetter losbrach, sodass der Wildbach hoch anschwoll, riss er mit Baumstämmen und Felsblöcken auch den Lindwurm mit zu Tal und trug ihn hinaus zu einer Wiese, auf der das Untier unter Felsgeröll und Schlamm, zuckend und giftigen Atem ausstoßend, liegenblieb. Niemand wagte es, sich dem Lindwurm, der trotz seiner schweren Wunden noch Schrecken verbreitete, zu nahen; aus weiter Entfernung wurde das Tier endlich durch einen Kanonenschuss getötet. Der Platz, auf welchem der Lindwurm erlegt wurde, hieß noch lange die Drachenwiese, auf der des giftigen Hauches wegen jahrelang kein Gras wuchs.

Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 162

Der Drache vom Pischinggraben

Kalwang soll einstens gegenüber seiner gegenwärtigen Stätte, an der Einmündung des Pischinggrabens in das Liesingtal, gestanden sein. Ein großer Wolkenbruch zerstörte die Ortschaft, und aus dem Pischinggraben kroch ein riesiger Lindwurm hervor, verschlang Menschen und Tiere, deren er habhaft werden konnte, und hinderte so den Wiederaufbau des Dorfes. Aus Furcht vor diesem Ungeheuer verließen die Bewohner die Gegend und trieben ihr Vieh hinweg, so daß es dem gefräßigen Ungeheuer bald an Nahrung fehlte, worauf es aus der Gegend verschwand.

Sagen aus der grünen Mark, Hans von der Sann, Graz 1911