Projekt "Gehölzstrukturen an Dämmen und Deichen"

Kurzbeschreibung

Instandhaltung und Stabilität von Hochwasserschutzdämmen sind in den letzten Jahren aufgrund der extremen Hochwasserereignisse und der damit einhergehenden Schäden hoch aktuell geworden. Neben dem Aufbau und der Geometrie wird die Dammstabilität durch die Beschaffenheit der Oberfläche beeinflusst. Dabei übernimmt vor allem die Vegetation eine maßgebliche Schutzfunktion. Pflanzen verankern und stützen durch ihre Wurzeln den Boden und sich selbst. So stabilisiert ein ausgedehntes Wurzelsystem ein großes Bodenvolumen. Die oberirdischen Pflanzenteile reduzieren Schleppspannungen und vermindern im Hochwasserfall die Erosionskraft des angreifenden Wassers. Pflanzenbestände verdunsten je nach Artenzusammensetzung und Aufbau viel Wasser und entwässern somit den Boden. Eine Abnahme der Bodenfeuchtigkeit bewirkt zunehmende Kohäsion der Bodenpartikel, einen geringeren Porenwasserdruck sowie abnehmende Scherkräfte durch Gewichtsverminderung, sodass die Standsicherheit und Scherfestigkeit erhöht wird. So wird nun auch verstärkt das Augenmerk auf die Vegetation an Hochwasserschutzdämmen gelegt, insbesondere auf die Wechselwirkung zwischen Hochwasserschutzdämmen und gehölzartigen Strukturen. Viele Regelwerke wie beispielsweise die DIN 19712 Flussdeiche (1997) dulden Gehölze auf Deichen nur unter besonderen Bedingungen. Die Ablehnung von Gehölzen auf Dämmen und Deichen gründet sich vor allem auf folgende mögliche Auswirkungen:

  • Wurzeln erleichtern entlang ihrer Gänge die Wasserbewegung

  • Abgestorbene Wurzeln hinterlassen Hohlräume im Dammkörper

  • Angreifende Kräfte (Wind, Wasser) übertragen sich auf Wurzeln und lockern den Deichboden

  • Im Schutz von Gehölzen wird die Aktivität von Wühltieren begünstigt

  • Gehölze erschweren Deichüberwachung

  • Gehölze behindern Deichverteidigungsmaßnahmen

Aber: Viele dieser Annahmen basieren auf Erfahrungswerten welche oft mit problematischen und unpassenden Gehölzstrukturen wie Einzelbäumen und einzelnen Baum- und Strauchgruppen gemacht wurden. Dabei gibt es einen Mangel an wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema. Deshalb wird im Rahmen eines vom Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft sowie dem Land Niederösterreich geförderten Projekts, der Einfluss von niedrig bis mittel wüchsiger, flexibler Gehölzvegetation auf die Standsicherheit und Instandhaltung von Hochwasserschutzdämmen untersucht. 

Kontakt: DI. Manuel Sokopp; manuel.sokopp(at)boku.ac.at; Tel. +43 (0)1-47654-87416