Technik im Fluss

Kinder und Jugendliche erforschen die Ingenieurbiologie als innovative und nachhaltige Technik in urbanen Flussräumen

Projektlaufzeit: 1. Juni 2013 – 31. Jänner 2015
 
Das Projekt „Technik im Fluss“ thematisierte die ingenieurbiologische Forschung als technisch-naturwissenschaftliche Disziplin im Rahmen eines naturnahen Wasserbauprojektes. Durch eine aktuelle Baustelle am Wienfluss bot sich die Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, das Wirkungsgefüge und die Zusammenhänge zwischen Technik und Natur hautnah zu erleben. Aufbauend auf einer Wissensvermittlung und einem Wissenstransfer in interaktiven Workshops war es Ziel, alle Beteiligten für die Bedeutung und Nachhaltigkeit von intakten Fließgewässern zu sensibilisieren. Auf der Baustelle vor Ort, bei experimentellen Forschungsarbeiten in den Bildungseinrichtungen und im Rahmen einer Zukunftswerkstatt für „junge PlanerInnen“ konnten die Kinder und Jugendlichen über die typischen Geschlechterrollen hinaus selbst „anpacken“ und zu ForscherInnen werden. In den folgenden Links finden sie die Projektbeschreibung und Fotoberichte:

- Projektbeschreibung (PDF)
- Fotoberichte

Bildungsmaterialien Im Rahmen des Projektes sind Bildungsmaterialien zur Fließgewässerökologie, naturnahmen Wasserbau und Ingenieurbiologie entstanden. In folgender Datei finden sich sämtliche Zusatzmaterialien und digitale Spielpläne zum Ausdrucken in Originalgröße, die in den Materialien „Wie bringt die/der INGENIEURIN die BIOLOGIE zurück in den Fluss?“ genannt und mit diesem Symbol gekennzeichnet sind: Bildungsmaterialien Ingenieurbiologie (PDF) Zusatzmaterialien (PDF) Innerhalb des Projektes wurde an zehn PädagogInnen ein Kooperationszuschuss für eigene Projekte zum Thema Fließgewässer, naturnaher Wasserbau und Wasserqualität in der Höhe von je 1.000 Euro vergeben.

Das Projekt Technik im Fluss wird im Rahmen des Programms Talente regional durchgeführt. Dieses ist eine Förderung des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) ist und wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) abgewickelt.
Projektteam
Unternehmenspartner:

  • Ingenieurbüro für Landschaftsplanung Hans Peter Rauch
  • MA 45 – Wiener Gewässer    

Wissenschaftliche Partner:

  • Universität für Bodenkultur, Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau    

(vor-) schulische Bildungseinrichtungen:

  • Kindergarten Heidi Wien 14
  • Volksschule Hütteldorf
  • Freie Waldorfschule Wien-West
  • BRG 6 Marchettigasse
  • Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik Kenyongasse  

 
Ergebnisse des Projektes

  • Weitergabe von Wissen zu den Themen Fließgewässer, Revitalisierung, Ingenieurbiologie und der Wichtigkeit der Forschung auf diesem Gebiet
  • Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung für die Wichtigkeit und Nachhaltigkeit von intakten Fließgewässern
  • Das Interesse und die Begeisterung an der ingenieurbiologischen Forschung wecken
  • Einblick in das Berufsfeld der Landschaftsplanung
  • Materialien für den Unterricht: „Wie bringt die/der INGENIEURIN die BIOLOGIE zurück in den Fluss“.
  • Gekührte Gewinner des Fotowettbewerbes
  • Schaffung von nachhaltigen Kooperationen zwischen allen Projektbeteiligten


Projektverlauf
(mehr dazu bei den Fotoberichten) In einem anfänglichen Workshop wurde der unterschiedliche Zugang zu Fließgewässern zwischen ForscherInnen, PlanerInnen, Verwaltungsbehörden und PädagogInnen diskutiert, um das für das Projekt notwendige Fachwissen abzustimmen und eine gemeinsame Vorgangsweise für die Bildungsaktivitäten des kommenden Jahres im Detail festzulegen. Die Kindergartenkinder und SchülerInnen starten das Projekt „Technik im Fluss“ mit dem Beginn des neuen Schuljahres im September 2013 und arbeiten an diesem ein Jahr lang. Als Startveranstaltung fanden Workshops mit den ProjektpartnerInnen und den Kindern und Jugendlichen statt, in welchen altersgerecht und interaktiv das spezielle Thema „naturnaher Wasserbau“ und die Rolle der grünen Technik Ingenieurbiologie erarbeitet und der Wienfluss als Projektgebiet vorgestellt wurde. Die Kinder und Jugendlichen brachten hier durch die unterschiedlichen Standorte der Kindergärten und Schulen (innerstädtisch oder Stadtrand) einen unterschiedlichen Bezug zum Wienflusses ein. Die Workshops fanden in der Schule und vor Ort am Wienfluss statt, wo erste Messungen und Experimente durchgeführt wurden. Außerdem wurde die Universität für Bodenkultur besucht und ForscherInnen und PlanerInnen interviewt. Die Ergebnisse dieses Arbeitsschrittes sind die Basis für das weitere gemeinsame Arbeiten und Forschen. Anschließend starteten die verschiedenen Kindergärten und Schulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die sich in verschiedenen „Forschungs- und Planungsprojekten“ äußerten und teilweise selbstständig bearbeiten wurden. Die Forschungsprojekte teilten sich in Modellversuche und Freilanderhebungen. Den Kindern und Jugendlichen wurden die Bedeutung der Forschung und die Anwendung in der Praxis nähergebracht. Ergänzend wurde die Implementierung von Forschungsarbeiten in Planungsprozessen bearbeitet und die Umsetzung in einer Flussbaustelle am praktischen Beispiel Wienfluss miterlebt. Folgende Projekte wurden in den verschiedenen Altersklassen und Schultypen durchgeführt: Flussbaustelle
Im naturnahen Wasserbau ergeben sich spezifische Bedingungen und Abläufe die im Rahmen eines realen Projektes am Wienfluss als Fallstudie von den Kindern und Jugendlichen unter aktiver Beteiligung mitverfolgt wurden. Sie durften selbst Steckhölzer setzen und erstellen altersgerecht eine Baudokumentation zusammen. Die aktive Teilnahme erfolgt von sehr spielerischen Formen bis hin zu spezifischen wissenschaftlichen Methoden. Die Dokumentation erfolgt bildungsstufenabhängig im Rahmen des Unterrichts oder des Kindergartenalltages. Nach der Baufertigstellung und einiger Entwicklungszeit wurde der bearbeitete Abschnitt gemeinsam mit MitarbeiterInnen der MA45 besichtigt und die Veränderungen zur vorherigen Situation (Morphologie, Pflanzen, Flusslebewesen) erforscht und diskutiert. Flusspflanze
Die Ingenieurbiologie basiert auf der Verwendung von lebenden Pflanzen als Baustoff. Diese müssen ähnlich den konventionellen Baustoffen dimensioniert und hinsichtlich ihrer technischen Wirkung erforscht und beurteilt werden. Der Kindergarten Heidi und die Volksschule Hütteldorf widmeten sich diesem Thema. Gemeinsam mit dem Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau (IBLB) wurde in Anlehnung an ein bestehendes Forschungsprojekt ein kleiner Versuch designt und selbstständig betreut. Alle Bearbeitungsschritte eines Forschungsprojektes von Planung, Durchführung, Beobachtungen und Messungen, Auswertung und Interpretation wurden mit den Kindern durchgeführt. Zu Beginn der Vegetationsperiode wurden unter der Betreuung der Forscherin des IBLB Versuche zu technisch biologischen Eigenschaften von Gehölzen in Partner- und Gruppenarbeiten durchgeführt: Im Kindergarten Heidi wurden diese Versuche sehr spielerisch durchgeführt. Zeitgleich mit der Baustelle am Wienfluss wurden Steckhölzer verschiedener Arten in Pflanztöpfen eingebracht und bezüglich ihrer Entwicklung (Höhe) beobachtet. Im Maßstab 1:1 werden die Höhen im Kindergarten mit Papierstreifen in einem Balkendiagramm festgehalten. Des Weiteren stellten die Kinder einen Bezug zu ihrem eigenen Wachstum her (Wie viel wächst eine Pflanze in einem Jahr? Wie viel wachsen die Gruppenmitglieder in einem Jahr?). Zum Abschluss des Projektes wurden die Steckhölzer ausgewaschen und die verschiedene Wurzelentwicklung überprüft. In der Volksschule Hütteldorf wurde das gleiche Thema methodisch anders behandelt. Die Kinder entwickelten einen Aufnahmebogen, erfassten die Entwicklung der Steckhölzer (Höhe und Durchmesser) mit einfachen quantitativen Messungen (Schublehre, Maßband) und werteten diese gemeinsam mit einer Forscherin aus. Im Laufe des Jahres wurden weitere ausgewählte Eigenschaften wie zum Beispiel Elastizität, Biegefestigkeit und Bodendurchwurzelung geprüft bzw. beobachtet. Flussplanung
In einer Zukunftswerkstatt wurden von den SchülerInnen des BRG6 Marchettigasse gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Rauch, dem IBLB und der MA45 Planungsschritte eines naturnahen Wasserbauprojektes anhand des Wienflusses ausarbeitet. Gemeinsam wurden Planungsvorschläge für eine theoretische Revitalisierung des Wienflusses erarbeitet. In der Vorbereitungsphase eignen sich die SchülerInnen Wissen über den Wienfluss (Internetrecherche) und die ingenieurbiologischen Bauweisen an und erhoben den Ist-Bestand eines verbauten Abschnittes in Hietzing vor Ort. In der Kritikphase wurden alle Bedenken gesammelt, um dann in der Phantasiephase der Kreativität freien Lauf zu lassen und ohne Einschränkungen in Gruppen- bzw. Partnerarbeiten Flussträume als Wohlfühlräume zu entwickeln. In der Verwirklichungsphase wurde ein realisierbarer Planungsvorschlag erarbeitet. Anhand der entstandenen Visionen in Form von Collagen, Pläne, … wurden die Auswirkungen dieser Veränderungen hinsichtlich Flussmorphologie, Wasserqualität, Hochwassersicherheit und Erholungsnutzen diskutiert. Flussbehelfe
Nach dem einführenden Workshop bekamen die SchülerInnen der BAKIP Kenyongasse  eine Liste mit einer Auswahl an Themen, zu denen sie in Teams elementarpädagogische Einheiten für den Kindergarten und Lehrbehelfe für die Volksschule (Hort) erstellten. Zuerst erarbeiteten sie die thematischen Hintergründe,  anschließend erstellen die Teams die entsprechenden Lehrbehelfe unter Supervision der PraxislehrerInnen und ProjektpartnerInnen. Im April 2014 wurden diese im Kindergarten getestet und bei der Abschlussveranstaltung abgehalten. Als Abschluss des Projektes wurden „Flussbehelfe“, aller durchgeführten Einheiten gemeinsam von SchülerInnen wie auch ProjektpartnerInnen und PädagogInnen und WissenschaftlerInnen erstellt.   Im Mai 2014 wurde eine auf der BOKU stattfindende, gemeinsame Abschlussveranstaltung als Kommunikationsplattform organisiert. Die SchülerInnen der BAKIP hielten ihre Einheiten für Kindergarten und Volksschule ab, die „PlannerInnen“ präsentierten ihre Entwürfe vor einem Mitarbeiter der MA45 und Unimitarbeitern und abschließend gab es ein Buffet. Während des gesamten Projektverlaufs wurde für alle teilnehmenden SchülerInnen und Kindergartenkinder die Möglichkeit der Teilnahme an einem schulübergreifenden Fotowettbewerbs zum Thema „Technik im Fluss“ abgehalten. Die SiegerInnen werden bei der Abschlussveranstaltung gekürt, die Jury wird von den ProjektpartnerInnen zusammengestellt.
Projektleitung „Technik im Fluss“


Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau
DI Dr Gerda Kalny
T 01-47654-87415
E gerda.kalny(at)boku.ac.at