ACHTUNG - wegen Corona kann es bei Alterschätzungen durch Zahnschliff zu längeren Wartezeiten kommen!!!! Wir bitten um Verständnis!

Zahnschliff bei Rotwild und Rehwild

Zur Überprüfung der für jagdliche Entnahmen in den Jagdgesetzen verankerten Altersklassenzuordnung ist es notwendig eine möglichst genaue Alterszuordnung der erlegten Stücke, vor allem beim Rotwild durchzuführen. Die erforderliche Altersschätzung wird in der Praxis an Hand des Abnutzungsgrades der Zähne durchgeführt. Da eine zuverlässige Schätzung mit dieser Methode oft nicht möglich ist, sind Fehleinschätzungen und dadurch Unsicherheiten oft vorprogrammiert.

Als Ergänzung zur Altersschätzung nach der Zahnabnutzung bietet das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur Wien nun an, zusätzlich eine Alterschätzung mittels Zahnschliff (in Anlehnung an MITCHELL 1967) zum Preis von Euro 40,-- durchführen zu lassen. Leider müssen wir die Mehrwertsteuer in der Höhe von 20% dazu berechen, da auch die Universität für Bodenkultur für Dienstleistungen Umsatzsteuerpflichtig ist! Der Gesamtbetrag für einen Zahnschliff beträgt € 48,-- incl. MwSt.!

Das Prinzip der Zahnschliffmethode beruht darauf, dass zwischen den Wurzeln der Zähne während des ganzen Lebens Zahnzement in Schichten abgelagert wird. Dadurch werden die Zähne im Laufe der Jahre etwas angehoben, um dem Abrieb einigermaßen entgegen zu wirken. MITCHELL (1967) hat diese Zahnzementschichten als Hinweis für das Lebensalter bei schottischem Gatterwild beschrieben.

Für die Altersschätzung ist wichtig, dass die Ablagerung des Zahnzementes durch veränderte Stoffwechselbedingungen im Winter deutlich zurückgefahren wird. Als Anpassung an den Nahrungsmangel und die härteren Wetterbedingungen im Winter werden auch der Stoffwechsel und damit der Energiebedarf erheblich beeinflusst, was sich auch auf den Aufbau der Zementschichten auswirkt. Im Sommer und Herbst entstehen deshalb breite, zellreiche Schichten, die im geschnittenen Zahn mit dem Mikroskop und am Scannerbild weiß erscheinen. Diese Linien grenzen sich durch schmale, dünne, im Winter und Frühjahr entstandenen, durchsichtig erscheinende Linien ab.

Diese Zementzonen, die hauptsächlich bei Rotwild untersucht wurden, finden sich auch bei Rehwild, wobei aber die Ausbildung von erkennbaren Abgrenzungen zwischen den einzelnen „Jahrringen“ beim Rehwild oft weniger deutlich erscheint als beim Rotwild. Das führt dazu, dass der Anteil der nicht schätzbaren Stücke beim Rehwild wesentlich höher ist, als beim Rotwild.

Wir schneiden für unsere Zahnschliffe zwei Schnitte, mit einer feinen diamantierten Trennscheibe (Ø 38 X 0,6 mm – Drehzahl: 10.000 – 12.000 U/min) durch den zu entnehmenden Zahn

Nach der Entnahme der Zahnhälfte wird die Schnittfläche mit einem Nassschleifstein der Körnung 150 und 320 poliert. Die polierte Fläche wird nun unter dem Mikroskop betrachtet und im Scanner ein Bild mit der Auflösung von 1200dpi angefertigt, um eventuell erkennbare Zementzonen zu zählen. Das digitale Bild hat den Vorteil, dass in einem Grafikprogramm Farben und Kontraste geändert werden können und so die Erkennbarkeit der Jahrringe erhöht werden kann. Unter dem Auflichtmikroskop ist eine Verstellmöglichkeit des Lichteinfalles sehr vorteilhaft. Der Vergleich beider Betrachtungsmethoden und der Schätzung nach der Zahnabnutzung lässt sicherlich eine Verbesserung der Schätzgenauigkeit zu.

Auf die damit ermittelte Anzahl von Ringen muss noch ein Jahr für die Zahnentwicklung hinzuaddiert werden, da im ersten Jahr des Zahnwachstums meist noch kein Jahrring erkennbar ist.

Doch perfekt ist auch diese Methodik nicht! Aufgrund nicht beeinflussbarer Umstände wie unterschiedliche Stressbelastung des Stückes, Äsungsverhältnisse oder Witterungseinflüsse, kann es vorkommen, dass entweder gar keine oder auch mehrere Jahresringe pro Jahr erkennbar ausgebildet werden. Auch eine übermäßige Winterfütterung kann das Ergebnis beeinflussen. Wird die natürliche Absenkung des Stoffwechsels eben durch eine übermäßige Winterfütterung unterbunden, kann es vorkommen, dass keine Linienbildung und damit keine erkennbare Schichtabgrenzung erfolgen. Das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft gibt daher die Schätzgenauigkeit von ± einem Jahr für diese Methode an. In manchen Fällen kann jedoch nur die Zahnabnutzung Auskunft über das Alter des Stückes geben.

Falls Sie auch Ihren Hirsch oder Rehbock einer Alterschätzung unterziehen lassen wollen, senden Sie einen Unterkieferast (wenn möglich bitte nur einen Unterkeiferast schicken, da die Versendung per Post dadurch einbfacher und billiger ist) an die

Universität für Bodenkultur Wien

Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft

zHd. Rudolf Hafellner

Gregor Mendel Straße 33

1180 Wien

Wir werden umgehend einen Zahnschliff anfertigen und Ihnen den Unterkiefer mit dem Ergebnis in einem Schätzgutachten incl. Rechnung zurücksenden. Wir benötigen für die Bearbeitun Ihrer Altersschätzung etwa eine Woche. In den Monaten Oktober, November und Dezember kann es auch etwas länger dauern, da wir in diesem Zeitraum die meisten diesbezüglichen Anfragen zu bearbeiten haben.

Wir bitten aus organisatorischen und zeittechnischen Gründen von telefonischen Anfragen zu den Zahnschliffen Abstand zu nehmen!

Literatur:

AZORIT, C., MUNOZ-COBO, J., HERVÀS, J., ANALLA, M. (2004): Aging through growth marks in teeth of Spanish Red Deer. Wildlife Society Bulletin, 32: 702-710

DRECHSLER, H. (1988): Altersentwicklung und Altersansprache beim Rotwild; Paul Parey Verlag, Hamburg und Berlin;

HABERMEHL, K.H. (1985): Altersbestimmung bei Wild- und Pelztieren, 2. Aufl-; Paul Parey Verlag, Hamburg und Berlin;

MITCHELL, K.H. (1967) Growth layers in dental cement for determining the age of Red deer (Cervus elaphus L.). Journal of Animal Ecology, 36: 279-293

PEREZ-BARBERIA, F.J., DUFF, E.I., BREWER, M.J., GUINESS, F.E. (2014) Evaluation of methods to age Scottish red deer: the balance between accuracy and practicality. Journal of Zoology 294: 180-189

WÖLFEL, H. (2002) Selbst ist der Mann – Altersdiagnose beim Rotwild mittels Zementmethode. unsere jagd Heft 7/2002: 26-27