36. Deutscher Naturschutztag

Hannover, im Juni 2022

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des 36. deutschen Naturschutztages wurde am 29.06.22 der Wolfgang-Erz-Förderpreis des Bundesverband Beruflicher Naturschutz e.V. (BBN) an den Doktoranden und Mitarbeiter des IWJ, Jörg Fabian Knufinke verliehen.

Mit dem Förderpreis wird seine Masterarbeit "Human influence on ungulates' usage of crossing structures" (Betreuung am IWJ: Klaus Hackländer und Alfred Frey-Roos) für herausragende und beispielhafte anwendungs- und umsetzungsorientierte wissenschaftliche Arbeiten im Rahmen des Naturschutzes ausgezeichnet. Im Rahmen eines Kurzvortrages während der Preisverleihung durfte Herr Knufinke eine Zusammenfassung seiner Masterarbeit liefern und darstellen, welchen Einfluss die menschliche Nutzung von Querungsbauwerken auf Huftiere in Deutschland und Schweden haben kann.


Wolfspopulationsstudie vorgelegt: deutschlandweit einmalige Untersuchung gibt Grundlage für ein bestandsicherndes Wildtiermanagement

Mit aktuell 39 Wolfsrudeln und 4 residenten Einzelwölfen hat Niedersachsen einen biologisch erforderlichen Mindestbestand für die Art Wolf erreicht. Eine am 14.7.2022 in Hannover vorgestellte Studie des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der Universität für Bodenkultur Wien hat dazu eine wissenschaftliche Grundlage für ein Wildtiermanagement, welches diesen Bestand sichern kann, entwickelt.

Link zur Wolfspopulationsstudie (PDF)


6th World Lagomorph Conference

Posterpreis für Anna Schertler

Auf der 6th World Lagomorph Conference, Montpellier (Frankreich) gewann BOKU-Studentin Anna Schertler einen der drei begehrten Posterpreise. Mit ihrem Beitrag "Distribution ranges and ecological niches of leporids in Africa and Near East" überzeugte sie die über 100 TeilnehmerInnen aus 28 Ländern. Gemeinsam mit ihr freuten sich die Co-Autoren und Masterarbeitsbetreuer Klaus Hackländer (am Foto links) und Paulo C. Alves
(am Foto rechts).

Wir gratulieren herzlich!


Aller guten Dinge sind DREI Akademische Feiern an der BOKU!

  • Die Akademischen Jagdwirtinnen und Jagdwirte des XI. Jahrgangs Vordere Reihe v.l.n.r.: MMag. Dr. Karl-Maria Pfeffer, Dipl.-Ing.(FH) Rolf Kautz, Dr. Franz Kotzent, Mag. Klaus Hehenberger MBA, Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer, Vize-Rektor Univ.Prof. Dr. Karsten Schulz, David Gerke, Tamo Stöver, Univ.Ass.Dr. Alfred Frey-Roos Hintere Reihe v.l.n.r.: Gernot Freimann, Mag. Christine Thurner, Cathrin Braun, Landesjägermeister-Stv. Mag. Gabi Fidler, Dr. Georg Singer, Michael Neuner, Robert Urthaler
  • Die Akademischen Jagdwirtin und Jagdwirte des XII. Jahrgangs Vordere Reihe v.l.n.r.: Peter Walti, Andreas Stupka, Thomas Wallisch, Dipl.-Kfm. (FH) Wolf Thalhammer LL.B, Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer, Vize-Rektor Univ.Prof. Dr. Karsten Schulz, Tassilo Brennikmeyer, Mag. Luca Complojer MSc, Markus Haller Hintere Reihe v.l.n.r.: Mag. Christine Thurner, Thomas Walcher, Peter Pointner, Silvan Eugster, Magret Cornicius, Gerwin Leus MSc MBA, Univ.Ass.Dr. Alfred Frey-Roos, Univ.Prof. Dr. Christian Kolbitsch

Wien, im Mai 2022

Gleich drei großartige Anlässe durften wir in den letzten Tagen im Festsaal der Universität für Bodenkultur Wien BOKU feierlich begehen: Zwei Abschlussfeiern der neuen AbsolventInnen des Universitätslehrgang Jagdwirt/in der beiden Jahrgänge XI und XII sowie die Verleihung des GRANSER – Global Academy Forschungspreises für eine nachhaltige Jagd 2022.

Damit die jagdliche Zukunft auch wissenschaftlich erforscht bleibt und monetär prämiert wird, gibt es zahlreiche Initiativen und Ausschreibungen für Publikationen, die einen wesentlichen Beitrag für die Entwicklung von Managementstrategien im Sinne einer nachhaltigen Jagd leisten. Eine der bekanntesten ist der „Granser - United Gobal Academy Forschungspreis für eine nachhaltige Jagd“, der dieses Jahr an Herrn Florian Kunz MSc durch den Stifter Ehrensenator Botschafter Prof. Dr.h.c. Günther A. Granser und den Laudator, Chefredakteur und Akademischer Jagdwirt Martin Ossmann überreicht wurden. In seiner wissenschaftlichen Arbeit untersucht der junge Wissenschafter am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU, Populationen und Teilpopulationen von Birkwild. Dafür verwendet er vor allem genetische Methoden in Verbindung mit Habitatmodellierungen und Simulationen. Dies ermöglicht beispielsweise eine Beurteilung des genetischen Zustands von Populationen oder das Ableiten wichtiger Korridore zur Vernetzung.

Der Universitätslehrgang Jagdwirt/in
Neben der grundsätzlichen Ausbildung zum Jäger kommt der Weiterbildung eine immer größer werdende Bedeutung zu – auch in der Jagd. Das besondere Interesse der Jäger an einer hochqualifizierten Ausbildung an der BOKU führte daher 2008 zur Implementierung des Universitätslehrgangs „Jagdwirt/in“, bei dem die Jagd mit all ihren Facetten und Wechselwirkungen mit anderen Naturnutzungsarten gelehrt wird. Der Lehrgang findet berufsbegleitend an zehn Lehreinheiten in Wochenend-Blockveranstaltungen statt und verbindet abwechslungsreich Theorie und Praxis, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die vielfältigsten Wildtierlebensräume und Jagdreviere Österreichs führt. Nach vier Semestern wird der Universitätslehrgang mit der Bezeichnung „Akademischer Jagdwirt“ bzw. „Akademische Jagdwirtin“ abgeschlossen. Die Themen der Abschlussarbeiten der AbsolventInnen der Universitätslehrgänge Jagdwirt/in machen laufend das breite Spektrum der Betätigungsfelder jagdlichen Tuns und seiner AutorInnen sichtbar. Die Arbeiten finden Sie zum download unter www.jagdwirt.at - Überzeugen Sie sich selbst davon!

Jährlich beginnen an die 20 TeilnehmerInnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum den Universitätslehrgang Jagdwirt/in, darunter Jagdfunktionäre, Berufsjäger und viele andere mehr. Mehr als 200 Akademische Jagdwirte und Jagdwirtinnen gibt es bereits im deutschsprachigen Raum, von den Niederlanden bis nach Südtirol, von der Schweiz bis in das östlichste Bundesland Österreichs, dem Burgenland. Bewerbungen für den XV. Jahrgang, der im September 2022 starten wird, werden gerne noch angenommen.

Bildmaterial und Rückfragehinweis:
Mag. Christine Thurner
Lehrgangsmanagement & Marketing/PR
Universität für Bodenkultur Wien
Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ)
Telefon: +43 (1) 47654 83229
Mobil: +43 (0)664 812 4190
Email: christine.thurner(at)boku.ac.at
http: www.jagdwirt.at


Klimawandel und Wildtiere

Wien, 5. Mai 2022,

Auf Einladung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und des Naturparks Ötscher-Tormäuer trafen sich am 25.04.2022 rund 25 Vertreter:innen namhafter Österreichischer Forschungseinrichtungen zum Netzwerken auf der Hohen Warte und unterzeichneten Interessenbekundungen, an einem Klimaforschungszentrum für den Alpinen Siedlungsraum mitzuwirken. Das IWJ will seine Expertise auf dem Gebiet der Folgen des Klimawandels für Wildtiere einbringen und wurde von Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer vertreten.


Änderung des Curriculums des Masterstudiums "Wildtierökologie und Wildtiermanagement"

Das geänderte Curriculum tritt mit 1. Oktober 2022 in Kraft.

Studierende, die den bisher gültigen Masterstudienplan für „Wildtierökologie und Wildtiermanagement“ bei Inkrafttreten dieses Mastercurriculums nicht abgeschlossen haben, werden auf das gegenständliche Mastercurriculum umgestellt.

Bei Fragen: Sprechstunde Dr. Eva SCHÖLL, 17.05.2022, 17:00 Uhr, Meeting-ID: 983 8092 4837, Kenncode: 921622, https://bokuvienna.zoom.us/j/98380924837?pwd=bFBNazNtMy9NbUd0YXRCdVNDbG9WZz09

Veröffentlichung im Mitteilungsblatt Studienjahr 2021/22 27.04.2022 15. Stück

Zum Download (PDF): Curriculum Kennzahl 066 223


Publikation des IWJ für das Cover von Wildlife Biology ausgewählt!

Wien, 27. April 2022

Der graphical abstract der Publikation “Hunting suitability model: a new tool for managing wild ungulates” wurde für das Cover der wissenschaftlichen Zeitschrift Wildlife Biology (Ausgabe Mai/Juni 2022) ausgewählt.

Link zum Cover:

https://www.wildlifebiology.org/content/mayjune-2022

Link zur Publikation:

Griesberger, P., Obermair, L., Zandl, J., Stalder, G., Arnold, W. & Hackländer K. (2022). Hunting suitability model: a new tool for managing wild ungulates. Wildlife Biology, 1–11. https://doi.org/10.1002/wlb3.01021

Wissenschaftliche Kontakte (BOKU): Paul Griesberger (paul.griesberger(at)boku.ac.at), Klaus Hackländer (klaus.hacklaender(at)boku.ac.at)


Do you want to learn more about white-tailed deer and their management in the USA?

Dr. Steve Demarais, an expert on white-tailed deer ecology and management, is visiting BOKU! He is the MSU (Mississippi State University) Deer Lab co-director and the Taylor Chair in Applied Big Game Research and Instruction. Take the opportunity to get to know Steve Demarais and his work by listening to his talks (see below).

When: Monday 23.05.2022 (13:00 – 17:00) *

Where: BOKU, Gregor-Mendel Haus HS I

Costs: none! no pre-registration required!

Contact for additional information: paul.griesberger(at)boku.ac.at

The COVID-19 regulations of BOKU apply!

* Continuous attendance is not mandatory!                             

students are most welcome!

TALKS
#1 13:30 – 14:00

“While Males Fight, Females Choose: Male Phenotypic Quality Informs Female Mate Choice,” covers a manipulative experiment evaluating if females prefer males based on antler size, body size, and/or age.

#2 14:45 – 15:15

“Soil, Land Use, and Genetic Potential – Connecting the Dots of Deer Ecology and Management,” summarizes a 10-year effort to quantify cause and effect relationships underlying regional variation in antler and body size of white-tailed deer.

#3 16:00 – 16:30

“Using Large- and Small-Scale Vegetation Management to Recouple Forage Nutrients with Herbivore Nutrient Demands,” reviews our work to understand how fire timing and plant responses can be used to improve forage quality during periods of nutritional limitations.

The most important metric is whether or not our research gets applied. If what we do informs land management, conservation and hunting practices and if I can see excitement in the eyes of these stakeholders when I’m discussing our work, that’s what makes the job meaningful and fun

- Steve Demarais


Botanische Spaziergänge

Wien, 4. April 2022

Wie bewusst nehmen Sie Natur und botanische Vielfalt wahr, wenn Sie durch die Stadt gehen? Das neu im Falter Verlag erschienene Werk „Botanische Spaziergänge” lädt dazu ein, den städtischen Raum ganz neu zu erfahren: Anhand von 11 Spaziergängen innerhalb der Grenzen Wiens werden verschiedene botanische Kapitel der Stadtgeschichte aufgeschlagen. Leserinnen und Leser werden auf eine Reise durch die urbane Vegetation mitgenommen und erfahren vielfältige Details über ihre Bedeutung für die Stadt, sei es in ökologischer, kultureller, ästhetischer oder wirtschaftlicher Hinsicht. So werden an allen Ecken Wiens plötzlich Dinge sichtbar, die bisher unbeachtet geblieben sind – von unscheinbaren Wegesrandpflanzen oder mächtigen Bäumen, die zuvor im Alltagsgeschehen nur als Kulisse wahrgenommen wurden, bis hin zum Angebot essbaren Grüns historischer Märkte. Gemeinsam mit der Historikerin Cristina-Estera Klein hat Birgit Lahner, administrative Mitarbeiterin am Institut für Wildbiologie, Ende März die „Botanischen Spaziergänge“ herausgebracht. Silvia Ungersböck hat eigens dafür 40 stimmungsvolle Illustrationen angefertigt.

Kontakt: DI Birgit LAHNER - birgit.lahner(at)boku.ac.at

Link zum Buch auf faltershop.at


Verbreitungskarten der Säugetiere verfügbar gemacht

Wien, 30. März 2022,

Auf der Welt wurden bislang mehr als 6000 Säugetierarten beschrieben. Viele davon werden in der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Für den Artenschutz ist die Darstellung der Verbreitung der Arten eine wichtige Grundlage. Nun wurden die Verbreitungskarten aus drei Standardwerken zusammengefasst und auf der Website Maps of Life (mol.org) zur Verfügung gestellt. Klaus Hackländer und Stéphanie Schai-Braun, die für das Handbook of the Mammals of the World die Verbreitungskarten für die Hasentiere zur Verfügung gestellt haben, stellen gemeinsam mit ihren Kollegen diesen Meilenstein in der Säugetierforschung im Journal of Biogeography vor.

Paper zum Download (PDF)


Neues Paper: Bejagbarkeitsmodell – Ein neues Werkzeug für das Management wildlebender Huftiere

Wien, 24. März 2022

Steigende Bestandeszahlen wildlebender Huftiere quer durch Europa können negative Effekte wie Schäden an Wäldern nach sich ziehen. Um diesen unerwünschten Effekten entgegenzuwirken, benötigt es ein gut abgestimmtes Wildmanagement. Jagdliche Bestandesregulierungen sind als Teil dieses Managements anzusehen. Das Problem hierbei ist, dass herkömmliche jagdliche Maßnahmen häufig das Ziel dieser Regulierung verfehlen, da Huftiere auf den Menschen reagieren und sich in für die Jagd ungeeignete Gebiete zurückziehen. Mit anderen Worten wird das Wild unsichtbar und entzieht sich der jagdlichen Greifbarkeit. Es besteht folglich ein dringender Bedarf an neuen innovativen Werkzeugen für das Management wildlebender Huftiere, um Arten wie den Rothirsch (Rotwild) wieder sichtbar und damit jagdlich regulierbar zu machen.

Im Rahmen einer Studie des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur Wien, in Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Gutsverwaltung Fischhorn GmbH & Co KG sowie der Gletscherbahnen Kaprun AG wurde erstmals ein Bejagbarkeitsmodell für das Management wildlebender Huftiere in Gebirgsrevieren entwickelt. Rotwild wurde hierbei als Modellart gewählt. Die Bejagbarkeit, das heißt die Eignung einer Fläche zur Ausübung der Jagd, wurde mit einer Genauigkeit von 10 m, basierend auf Fernerkundungsdaten, Felderhebungen und Expertenwissen von Berufsjägern ermittelt. Zusätzlich wurde Rotwild mit modernen GPS-Halsbandsystemen besendert, um das Raum-Zeit-Verhalten dieser Art in Bezug auf Flächen unterschiedlicher Bejagbarkeitseignung untersuchen zu können. Die Ergebnisse konnten bestätigen, was Jägerinnen und Jäger tagtäglich in ihren Revieren beobachten. Rotwild entzieht sich dem menschlichen Auge und der jagdlichen Greifbarkeit, indem während der Schusszeit viele gut bejagbare Bereiche kaum oder nur nachts aktiv aufgesucht werden. In Kombination dazu werden schwer zugängliche Lagen und dichte Einstände, in welchen die Bejagung nicht möglich oder nur mit außerordentlich großem Aufwand durchführbar ist, vom Wild während des Tages als Rückzugsort bevorzugt genutzt. Rotwild scheint folglich eine Landschaft mit einem heterogenen anthropogenen Prädationsrisiko wahrzunehmen, welche durch Flächen unterschiedlicher Bejagbarkeitseignung geprägt ist, exakt wie es im Rahmen dieser Studie modelliert werden konnte. Dies bestätigt die Realitätsnähe des entwickelten Bejagbarkeitsmodells.

Mithilfe dieses Modells wird es zukünftig möglich sein Vorhersagen zu treffen, wohin sich Arten wie Rotwild zurückziehen, wenn der menschliche Jagddruck ansteigt. Das Modell liefert zusätzlich nützliche Erkenntnisse über die jagdliche Eignung bestimmter Flächen. Dies kann eine wertvolle Information für Personen sein, welche das jeweilige Revier nicht wie die eigene Westentasche kennen. Darüber hinaus kann das Modell als Planungsinstrument eingesetzt werden, um Jagdmethoden und -strategien möglichst effizient umsetzen zu können. Ein zukunftsorientiertes Management wildlebender Huftiere wird dadurch ermöglicht, wodurch Konflikte, ausgelöst durch diese Wildarten, reduziert werden können.

Die detaillierten Ergebnisse dieser Studie finden sich in der Open Access-Publikation von Wildlife Biology.

Link zur Publikation:

Griesberger, P., Obermair, L., Zandl, J., Stalder, G., Arnold, W. & Hackländer, K. (2022). Hunting suitability model: a new tool for managing wild ungulates. Wildlife Biology, 1–11. doi.org/10.1002/wlb3.01021

Wissenschaftliche Kontakte (BOKU): Paul Griesberger (paul.griesberger(at)boku.ac.at), Klaus Hackländer (klaus.hacklaender(at)boku.ac.at)

(Foto: Paul Griesberger)


 

NEUES PROJEKT!

Wien, 24. März 2022

Lebensraumkonkurrenz zwischen der Alpengämse und anderer (Wild-)Wiederkäuer

Die Konkurrenz um die Ressource „Raum“ ist auch im Tierreich zu spüren, besonders im Alpenraum wo mehrere (Wild-)Wiederkäuerarten sich ihren Lebensraum teilen. Studien konnten bereits zeigen, dass die Alpengämse (Rupicapra r. rupicapra) gegenüber Rothirschen oder Weidevieh sehr empfindlich reagieren kann und Gebiete räumlich meidet, die von konkurrenzstärkeren (Wild)-Wiederkäuern genutzt werden. Derartige Konkurrenzsituationen können sich negativ auf die Verfügbarkeit hochwertiger Äsung aus der Sicht der Gams auswirken. Fehlen entsprechende Äsungsmöglichkeiten kann dies zu einem geringeren Wachstum der Kitze, zu niedrigeren Gewichten von Kitz und Geiß vor Wintereinbruch und damit zu einer erhöhten Wintermortalität führen. Auch das Setzgewicht der Kitze im Folgejahr kann durch das Fehlen geeigneter Äsung negativ beeinflusst werden.

Wie verhält sich nun die Situation, wenn weitere Wildwiederkäuer ins Spiel kommen?

In diesem Projekt sollen räumliche Konkurrenzsituationen zwischen der Alpengämse, Rothirschen, Rehen, Steinböcken und Weidevieh im Salzburger Teil des Nationalparks Hohe Tauern untersucht werden. Wildkameras werden hierbei eingesetzt, um Interaktionen zwischen diesen Arten auf der Alpennordseite der Hohen Tauern analysieren zu können. Die Ergebnisse aus diesem Projekt werden zu einem besseren Verständnis der Habitatwahl der Alpengämse und damit auch zum Management sowie dem Erhalt dieser Art in Mitteleuropa beitragen.

Die Projektlaufzeit ist von April 2022 - bis August 2024 geplant.

Wissenschaftlicher Kontakt: Paul Griesberger, MSc (paul.griesberger(at)boku.ac.at)


 

Jetzt auch auf Englisch verfügbar! Empfehlungen zur Dokumentation und Beurteilung von Hinweisen des Goldschakals (Canis aureus) in Europa

Die bereits auf Deutsch erschiene Publikation wurde nun auch einer breiteren Leserschaft zugänglich gemacht und kann damit die Diskussion zur Durchführung der Beurteilung von Goldschakal-Hinweisen auf einem internationalen Level eröffnen.

Englische Version:

Hatlauf J & Böcker F (2022): Recommendations for the documentation and assessment of golden jackal (Canis aureus) records in Europe. BOKU reports on wildlife research and wildlife management 27. Ed.: Institute of Wildlife Biology and Game Management (IWJ) University of Natural Resources and Life Sciences, Vienna. 1-30. ISBN: 978-3-900932-94-7

The link to the publication

Der Goldschakal besiedelt neue Lebensräume, in denen er vorher nicht existierte. Hierdurch entsteht in vielen Gebieten eine neue Situation deren Erfassung und Beobachtung eine neue Herausforderung darstellt. Die europäische Rechtslage und das zunehmende gesellschaftliche und politische Interesse machen ein strukturiertes und vergleichbares Monitoring des Goldschakals stetig notwendiger. Etablierte Monitoringstandards von Wolf, Luchs und Bär ermöglichen heute den Vergleich erhobener Daten in vielen Ländern Europas. Erst gemeinsame Monitoringregeln und Darstellungsformen erlauben es, über politische Grenzen hinweg verlässliche und nachvollziehbare Daten zur Verfügung zu stellen. Damit diese Ansprüche auch bei der weiteren Beobachtung der Goldschakalvorkommen in Mitteleuropa bedient werden können, erstellte Jennifer Hatlauf MSc. vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft gemeinsam mit Kooperationspartner Felix Böcker, MSc. von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg Empfehlungen für das Monitoring des Goldschakals. Ziel war es, eine Monitoringgrundlage für zentraleuropäische und weitere angrenzende Länder zu schaffen, um die Transparenz und Vergleichbarkeit im Goldschakalmonitoring zu gewährleisten.

Deutsche Version:

Hatlauf J & Böcker F (2021): Empfehlungen zur Dokumentation und Beurteilung von Hinweisen des Goldschakals (Canis aureus) in Europa. BOKU-Berichte zur Wildtierforschung und Wildbewirtschaftung 26. Hrsg.: Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) Universität für Bodenkultur Wien. ISBN 978-3-900932-89-3

Hier der link zu BOKU-Bericht

Kontakt: jennifer.hatlauf(at)boku.ac.at


 

Wiedereinbürgerung von Luchsen zeigt deren Anpassungspotential

Wien, 9. März 2022:

Luchse, die vor 30 Jahren in der Schweiz ausgewildert wurden, kamen aus den Karpaten. Dort lebten sie fern der Zivilisation im Wald und ernährten sich vorwiegend von Rehen. In der Schweiz waren sie mit einem gänzlich anderen Lebensraum konfrontiert, in dem es mehr Störungen gab. Folglich wichen sie in die vom Menschen dünn besiedelten Gebiete oberhalb der Waldgrenze aus und wechselten auf ein bis dato unbekanntes Beutetier, die Gams. Die Studie von Daniela Nagl, Absolventin des
Masterstudiums Wildtierökologie und Wildtiermanagement, und Kollegen wurde in der Zeitschrift Ecology and Evolution publiziert.
Link: https://doi.org/10.1002/ece3.8614

 

Heiße Sommer machen der Gams zu schaffen

Wien, 9. März 2022:

In einer aktuellen Studie des IWJ werden die Effekte heißer Sommer auf die Gewichtsentwicklung von Gämsen im Alpenraum beleuchtet. Individuen, die oberhalb der Waldgrenze leben, sind von hohen Temperaturen deutlich mehr betroffen als jene, die sich in den tieferliegenden Wald zurückgezogen haben. Die Publikation in der Zeitschrift Ecology and Evolution verdeutlicht am Beispiel Gams, wie sich die globale Erwärmung auf unsere Wildtiere auswirken wird.
Link: https://doi.org/10.1002/ece3.8650


Artenschutz an Gebäuden – Citizen Scientists gesucht!

Wien, 2. März 2022

Im Zuge eines Citizen Science Projekts der Stadt Wien – Umweltschutz und des Naturschutzbundes Wien werden Brutplätze von gebäudebrütenden Vögeln in Wien mithilfe der Bevölkerung erfasst und exakt verortet. Diese Informationen stehen allen im Neubau und in der Sanierung tätigen Menschen online zur Verfügung und helfen dabei die Brutplätze dieser Arten dauerhaft zu schützen und zu erhalten.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem partizipativen Ansatz des Projektes. Auch heuer werden wieder motivierte Mithelferinnen und Mithelfer gesucht, welche Brutplätze von Mauerseglern, Turmfalken, Dohlen, Mehlschwalben, Haussperlingen und weiteren Gebäudebrütern melden. Jede/Jeder kann mitmachen und beliebig viel Zeit in die Kartierung von Brutplätzen investieren, Vorkenntnisse sind nicht notwendig! Im Rahmen von Einschulungsexkursionen bekommen neue Kartiererinnen und Kartierer alle notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt. Es werden mehrere beliebig wählbare Exkursionen angeboten! Mehr Informationen zur Flaggshiffart des Projekts, dem Mauersegler, findest Du in der Broschüre „Mauersegler: Die Könige der Luft“.

Falls Du das Projekt durch Deine Mithilfe gerne unterstützen möchtest, nimm bitte Kontakt mit DI Ferdinand Schmeller von der Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 auf. Danke Dir!

Kontakt:

DI Ferdinand Schmeller (Wiener Umweltschutzabteilung MA 22)

ferdinand.schmeller(at)wien.gv.at


Der Schneehasenevolution auf der Spur

Wien, 24. Jänner 2022:

In einer neuen Publikation hat ein internationales Forscherteam mit Beteiligung von IWJ-Vorstand Klaus Hackländer die Evolution von Anpassungen bei Schneehasen untersucht. Verglichen wurden drei Teilpopulationen aus Irland, den Alpen und Fennoskandinavien, die offensichtlich nacheiszeitlich vor 20000 Jahren voneinander getrennt wurden. Lokale Anpassungen (z.B. die fehlende Weißfärbung der
Schneehasen in Irland) haben sich nach der Studie sowohl durch genetische Isolation als auch durch Hybridisierung mit anderen Hasenarten entwickeln können. Die Studie wurde in Molecular Ecology
veröffentlicht und findet sich hier:
https://doi.org/10.1111/mec.16338


 

NEUES PROJEKT – Erforschung klimatischer und anthropogener Einflüsse auf die Gämse zur Entwicklung eines nachhaltigen Managements

Wien, 11. Jänner 2022

Die Alpengämse (Rupicapra r. rupicapra) wird als eine Leitart der alpinen und montanen Regionen Europas angesehen, welche auf Lebensraumveränderungen durchaus sensibel reagieren kann. Obwohl die Gams europaweit als „nicht gefährdet“ eingestuft wird, verzeichnen einige Regionen in den vergangenen Jahrzehnten einen Rückgang der gezählten Gamsbestände bzw. -jagdstrecken (insbesondere im Alpenraum). Diese Entwicklung wird auf eine Kombination verschiedenster Faktoren zurückgeführt, wobei anthropogene Störungen, hoher Jagddruck und der Klimawandel als wesentliche Einflussgrößen definiert werden.

Im Rahmen dieses von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) geförderten Projekts werden deshalb die Bewegungsmuster von Gämsen und damit deren Habitatnutzung mit Hilfe moderner GPS-Halsbandsysteme analysiert. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft sowie der zur Zisterzienserabtei Heiligenkreuz zugehörigen Forstverwaltung Wasserberg. Ebenfalls beteiligt sind das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die steirische Landesjägerschaft, die Stiftung Fürst Liechtenstein sowie das Benediktinerstift Admont.

Die Habitatnutzung der Gämse in Raum und Zeit werden vor dem Hintergrund möglicher Einflussfaktoren (Vegetation, Klima, menschliche Störungen, etc.) erforscht. Zusätzlich werden den besenderten Gämsen Pansensonden verabreicht, welche zur Messung des Herzschlages und der inneren Körpertemperatur dienen. Damit kann der Energiestoffwechsel quantifiziert werden und somit physiologische Konsequenzen der äußeren Rahmenbedingungen als auch der Verhaltensanpassungen dokumentiert werden. Basierend auf den Ergebnissen dieses Projekts wird es möglich sein, die Einflüsse klimatischer Effekte als auch menschlicher Aktivitäten auf das Raum-Zeit-Verhalten, die Aktivität sowie den Stoffwechsel von Gämsen abzuschätzen. Dadurch kann ein Beitrag zu einer fundierten wissenschaftlichen Grundlage für ein nachhaltiges Management dieser Wildart geschaffen werden, um einen negativen Trend der Gamsbestände sowie unerwünschten Wildeinfluss an der Waldvegetation entgegenzuwirken. Ein derartiges Management soll dazu beitragen, den Wald, die Berge und die Gämse dauerhaft erhalten und gleichzeitig die Nutzungsansprüche des Menschen gewährleisten zu können.

Wissenschaftlicher Kontakt: Paul Griesberger (paul.griesberger(at)boku.ac.at)

(Foto: Paul Griesberger)


Genetische Variation wird durch Landschaft beeinflusst

Wien, 22. Dezember 2021

Die genetische Variation innerhalb einer Population ist nicht zufällig verteilt. Idealerweise hängen Teilgebiete miteinander zusammen und Individuen können frei wandern, um somit für Genfluss und hohe genetische Diversität zu sorgen. Barrieren und Widerstände in der Landschaft können allerdings Wanderungen hindern und damit starken Einfluss auf die beobachtete räumliche genetische Variation ausüben.

In einer neuen Studie konnten Florian Kunz MSc., Dr. Marica Sittenthaler, Univ. Prof. Dr. Klaus Hackländer und Assoc. Prof. Dr. Ursula Nopp-Mayr vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft zusammen mit Dr. Martin Schebeck und Ao. Univ. Prof. Dr. Christian Stauffer vom Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz sowie Dr. Peter Klinga (Technische Universität Zvolen, Slowakei) und DDr. Veronika Grünschachner-Berger (Wildbiologisches Büro, Steiermark) die Birkhuhn-Population der Steiermark genetisch untersuchen. Dabei wurden basierend auf einem Lebensraummodell Korridore für den Austausch zwischen Teilpopulationen eruiert und zusammen mit den genetischen Daten ausgewertet. Es zeigt sich, dass trotz allgemein hoher genetischer Diversität die Widerstände der Landschaft einen Einfluss auf die Population, über die reine Entfernung zwischen Teilgebieten hinausgehend, ausüben.

Link zur Publikation im Fachmagazin Ecology and Evolution mit den detaillierten Ergebnissen: Kunz et al. (2021) Assessment of drivers of spatial genetic variation of a ground-dwelling bird species and its implications for conservation. Ecology and Evolution. https://doi.org/10.1002/ece3.8460

Wissenschaftlicher Kontakt: Florian Kunz, florian.kunz(at)boku.ac.at


Rudolf Reiner zum Thema Gams promoviert

Wien, 22. Dezember 2021,

Kurz beschert DI Rudolf Reiner MSc dem Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft ein großes Geschenk. Mit der Verteidigung seiner Dissertation zum Thema "Die Auswirkungen von Lebensraum und Klima auf die Populationsdynamik und die körperliche Entwicklung beim Gamswild (Rupicapra rupicapra) im Ostalpenraum" schloss er sein Doktoratsstudium an der BOKU erfolgreich ab. Der studierte Forstwissenschaftler und Wildtierökologe bringt nun im Nationalpark Berchtesgaden seine Expertise in das Schutzgebietsmanagement ein.

Das gesamte IWJ-Team gratuliert herzlich zum Doctor rerum naturalium technicarum!


NEUES PAPER - Zur Klärung taxonomischer Unklarheiten bei den Wolfs-, Hunde- und Schakallinien Afrikas, Eurasiens und Australasiens

Wien, 18. Dezember 2021

Ein erfolgreicher Schutz hängt von einer genauen Taxonomie ab. Derzeit ist die Taxonomie der Caniden in Afrika, Eurasien und Australasien eher instabil, da neuere molekulare und morphologische Studien frühere Klassifizierungen in Frage gestellt haben. Als Teil eines großen Forscherteams widmete sich Jennifer Hatlauf MSc. vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft – einigen Fragen zu diesen aktuellen Themen. Im Rahmen der Studie überprüfte das Team die verfügbaren Informationen über mehrere Canis-Taxa der Alten Welt und Australasiens, bei denen phylogenetische Unsicherheiten bestehen, um die Gültigkeit der vorgeschlagenen wissenschaftlichen Namen zu bewerten und eine wissenschaftliche Grundlage für einen taxonomischen Konsens zu schaffen. Die stützt sich in erster Linie auf molekulare Daten, aber umfasst auch Morphologie, Biogeografie und Verhaltensökologie. Es werden wichtige Wissenslücken aufgezeigt und Empfehlungen für die künftige Forschung gegeben .

Der Goldschakal (Canis aureus) aus Eurasien, der Afrikanischen Wolf (C. lupaster) aus Afrika, Schabrackenschakale und Streifenschakale (L. adusta bzw. L. mesomelas), die Himalaya-/Tibet- und indischen Wolfslinien (Canis lupus chanco und Canis lupus pallipes) wurden demnach genauer betrachtet.

Die in dieser Studie vorgestellten Informationen bieten einen aktuellen und konsistenten taxonomischen Rahmen, der von Naturschützern und anderen Fachleuten genutzt werden kann, sollen aber auch zu weiteren Forschungen anregen, um die derzeitigen Unklarheiten bei der Taxonomie der Altweltkaniden zu beseitigen.

Krofel M, Hatlauf J, Bogdanowicz W, Campbell LAD, Godinho R, Jhala YV, Kitchener AC, Koepfli KP, Moehlman P, Senn H, Sillero-Zubiri C, Viranta S, Werhahn G & Alvares F (2021) Towards resolving taxonomic uncertainties in wolf, dog and jackal lineages of Africa, Eurasia and Australasia. Journal of Zoology, 00, 1– 14. https://doi.org/10.1111/jzo.12946

Kontakt: jennifer.hatlauf(at)boku.ac.at


Empfehlungen zur Dokumentation und Beurteilung von Hinweisen des Goldschakals (Canis aureus) in Europa

Wien, 6. Dezember 2021

Der Goldschakal besiedelt neue Lebensräume, in denen er vorher nicht existierte. Hierdurch entsteht in vielen Gebieten eine neue Situation deren Erfassung und Beobachtung eine neue Herausforderung darstellt. Die europäische Rechtslage und das zunehmende gesellschaftliche und politische Interesse machen ein strukturiertes und vergleichbares Monitoring des Goldschakals stetig notwendiger. Etablierte Monitoringstandards von Wolf, Luchs und Bär ermöglichen heute den Vergleich erhobener Daten in vielen Ländern Europas. Erst gemeinsame Monitoringregeln und Darstellungsformen erlauben es, über politische Grenzen hinweg verlässliche und nachvollziehbare Daten zur Verfügung zu stellen. Damit diese Ansprüche auch bei der weiteren Beobachtung der Goldschakalvorkommen in Mitteleuropa bedient werden können, erstellte Jennifer Hatlauf MSc. vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft gemeinsam mit Kooperationspartner Felix Böcker, MSc. von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg Empfehlungen für das Monitoring des Goldschakals. Ziel war es, eine Monitoringgrundlage für zentraleuropäische und weitere angrenzende Länder zu schaffen, um die Transparenz und Vergleichbarkeit im Goldschakalmonitoring zu gewährleisten.

Hatlauf J & Böcker F (2021): Empfehlungen zur Dokumentation und Beurteilung von Hinweisen des Goldschakals (Canis aureus) in Europa. BOKU-Berichte zur Wildtierforschung und Wildbewirtschaftung 26. Hrsg.: Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) Universität für Bodenkultur Wien. ISBN 978-3-900932-89-3

Kontakt: jennifer.hatlauf(at)boku.ac.at

Hier der link zur BOKU-Berichtereihe: https://boku.ac.at/dib/iwj/iwj-aktuell/publikationen/boku-berichte-zur-wildtierforschung


Ö1-Sendereihe "Vom Leben der Natur"

Gestresste Gämsen, verbrannter Wald

Die Wildtierbiologin Ursula Nopp-Mayr erforscht Störereignisse, die sich negativ oder positiv auf Tiere und Pflanzen auswirken.

Ein Rehkitz, das sein Säugen jäh unterbricht, ein Schneehuhn, das nach einer kräfteraubenden Flucht verendet, ein Waldboden, auf dem nach einem Brand wieder junges Grün sprießt und ein Hang, der nach einer Mure sein Aussehen total verändert. Sie alle haben eines gemeinsam: ein Störereignis.

Störereignisse sind aus der Sicht der Wissenschaft weder gut noch schlecht, sondern neutral zu betrachtende und zu untersuchende Ereignisse. Die Definition sei allerdings sehr heterogen und hänge vom jeweiligen Standpunkt ab, hält Ursula Nopp-Mayr vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU Wien fest. Unbestritten sei, dass es eine Vielzahl von Störereignissen in der Natur gäbe, die sich sehr unterschiedlich auf die Tiere und Pflanzen auswirke. Waldbrände und Lawinen zählen dazu ebenso wie Prädatoren und der Mensch.

Insbesondere der Mensch spielt in der Störungsbiologie eine besondere Rolle. Durch Bodenversiegelung in Form von Straßen, Schiliften und Siedlungen werde der Lebensraum der Tiere nicht nur quantitativ eingeschränkt, sondern auch qualitativ verändert und zersplittert, sagt die Wildtierbiologin. Der Mensch sei omnipräsent, die Störung rund ums Jahr gegeben. Die Tiere hätten eine "Landschaft der Furcht" erstellt und suchen Rückzugsgebiete.

Im Winter können diese durch den Menschen verursachten Störungen für Wildtiere tödlich enden: Einige Arten senken ihre Körperfunktionen auf ein Mindestmaß ab, durch eine Störung steigt zum Beispiel bei Gämsen der Energieverbrauch auf bis den zehnfachen Wert - eine Anforderung, der einige Individuen nicht gewachsen sind. Auch durch Schneeschuh- oder Tourengeher aufgescheuchte Hirsche, Rehe, Schneehasen und Schneehühner überleben die oft pittoresk anzusehende Flucht häufig nicht.

Ursula Nopp-Mayr zeigt die breite Palette von Störereignissen und ihre positiven wie negativen Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen auf und plädiert in Bezug auf den Menschen als "Störfaktor" für ein umsichtiges und rücksichtsvolles Verhalten in der Natur.

Link zur ORF-Radiothek - "Vom Leben der Natur"


 

Anwendbarkeit des Benford-Gesetzes auf Bewegungsdaten von Wildtieren

Wien, 23. November 2021

Das Benford-Gesetz besagt, dass in gewissen Datensätzen die Häufigkeit der Anfangsziffern nicht gleich verteilt ist, sondern die „1“ am häufigsten an erster Stelle steht, gefolgt von der „2“ und so weiter. Die Anfangsziffer „9“ hat nach Benford demnach die geringste Auftrittswahrscheinlichkeit. Diese auf den ersten Blick unlogische Verteilung von Anfangsziffern kann verstanden werden, wenn die Welt einfach einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet wird. Folgendes Kurzvideo hilft beim Verständnis des Benford-Gesetzes.

https://www.arte.tv/de/videos/097454-002-A/mathewelten/

Das Benford-Gesetz findet in unterschiedlichen Bereichen Anwendung und wird beispielsweise eingesetzt werden, um manipulierte Datensätze in der Finanzwelt aufzudecken. Basierend auf einer Masterarbeit von Lasse Pröger MSc hat eine aktuelle Studie unter Mitwirkung von Univ. Prof. Dr. Klaus Hackländer und Paul Griesberger MSc vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft sowie Univ. Prof. Dr. Manfred Kühleitner und Univ. Prof. Dr. Norbert Brunner vom Institut für Mathematik untersucht, ob dieses Gesetz ebenfalls bei wildökologischen Datensätzen angewendet werden kann. Konkret wurden die Positionsänderungen innerhalb eines Rotwild-Telemetrie-Datensatzes untersucht. Die Ergebnisse waren erstaunlich! Im Rahmen dieser Studie konnte gezeigt werden, dass scheinbar auch gewisse wildökologische Datensätze einer Benford-ähnlichen Verteilung folgen, wodurch neue Anwendungsmöglichkeiten dieses Gesetzes denkbar sind.

Link zum Artikel: https://www.mdpi.com/2571-905X/4/4/55

Wissenschaftliche Kontakte: Klaus Hackländer (klaus.hacklaender(at)boku.ac.at), Paul Griesberger (paul.griesberger(at)boku.ac.at)

Pröger, L., Griesberger, P., Hackländer, K., Brunner, N., & Kühleitner, M. (2021) Benford’s Law for Telemetry Data of Wildlife. Stats 2021, 4, 943-949. doi.org/10.3390/stats4040055


 

Auswirkungen des globalen Klimawandels auf das Verbreitungsgebiet von Alpenschneehühnern und Alpenschneehasen

Wien, Oktober 2021

Der globale Klimawandel führt zu Verschiebungen im Verbreitungsgebiet bei Pflanzen und Tieren und bedroht damit die biologische Vielfalt. Es ist davon auszugehen, dass alpine Arten den Höhenbereich ihrer Verbreitungsgebiete an die durch den globalen Klimawandel verursachten Veränderungen verschiedener Klimavariablen anpassen werden. Um die Auswirkungen des Klimawandels auf alpine Arten zu untersuchen, haben wir Jagdstrecke, Klima und biogeografische Daten von zwei Raufusshuhnarten (Birkhuhn, Alpenschneehuhn) und zwei Hasenarten (Feldhase, Alpenschneehase) im Kanton Graubünden in der Schweiz über einen Zeitraum von 30 Jahren analysiert. Alle vier Taxa reagierten auf den Klimawandel, aber Lebensraumgeneralisten schneller als Lebensraumspezialisten. Die Verlagerung des Verbreitungsgebiets in höhere Lagen aufgrund des globalen Klimawandels wird zu einer Verringerung des Lebensraums für an den Schnee angepasste Arten führen. Der Klimawandel stellt somit eine ernsthafte Bedrohung für die alpine Artenvielfalt dar. Regionen, die reich an alpinen Lebensräumen sind, werden zukünftig eine erhöhte Verantwortung für die Erhaltung dieser Arten haben.

Die detaillierten Ergebnisse der Studie finden sich in der Open Access-Publikation von Global Change Biology.

Link zum Artikel: Schai-Braun, S. C., Jenny, H., Ruf, T., Hackländer, K. (2021): Temperature increase and frost decrease driving upslope elevational range shifts in Alpine grouse and hares. Global Change Biology, 00, 1-13. DOI: https://doi.org/10.1111/gcb.15909

Wissenschaftlicher Kontakt: Stéphanie Schai-Braun, stephanie.schai-braun@boku.ac.at


Aktualisierte Studie: Einfluss der Hauskatze auf die Biodiversität

Wien, Oktober 2021

Der Einfluss von Hauskatzen auf Wirbeltiere ist mittlerweile global bekannt – sie sind ein großes Risiko für gefährdete und bedrohte Arten.
Auch Hybridisierung von Haus- und Wildkatze darf nicht unbeachtet bleiben, so gibt es bereits europaweit Studien mit differenzierten Ergebnissen hierzu. Besonders in den letzten Jahrzehnten wurde die Hauskatze in der gesamten westlichen Welt jedoch ein immer beliebteres Haustier, dessen Anzahl weiter zunimmt, was z.B. in Siedlungen zu unnatürlich hohen Dichten führen kann.

Um den aktuellen Wissensstand zu dieser Thematik zusammenzufassen, haben Jennifer Hatlauf MSc., Frederik Sachser MSc. und Univ. Prof. Dr. Klaus Hackländer vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft das Gutachten von Hackländer et al. (2014) mit aktuellen Daten und Literatur ergänzt. Insbesondere die Themen Hybridisierung, potenzielle Managementmaßnahmen, rechtlicher Rahmen und Nahrungsanalysen, welche sich speziell dem Einfluss der Hauskatze auf die Biodiversität widmen, wurden erweitert betrachtet. Bei den Recherchen zeigte sich der nicht zu unterschätzende Handlungsbedarf in der Thematik und die Notwendigkeit sowohl der Akzeptanz von Eigenverantwortung als auch der konsequenten Umsetzung gegebener politischer Rahmenbedingungen.

Die Arbeit erschien in den BOKU Berichten zur Wildtierforschung und Wildbewirtschaftung und ist online verfügbar.

Link zum Artikel:
Hatlauf J, Sachser F, Lanz J, SteibS, Hackländer K (2021): Einfluss von Hauskatzen auf die Biodiversität - Aktuelles Wissen und Managementstrategien. BOKU-Berichte zur Wildtierforschung und Wildbewirtschaftung 25. Universität für Bodenkultur Wien. ISBN978-3-900932-88-6
 


Zuverlässige Entfernungsschätzungen an Goldschakalen mittels bioakustischer Analysen möglich!

Wien, 21. September 2021:

Goldschakale (Canis aureus) weisen ein sehr komplexes Rufrepertoire auf. Residente Gruppen können sowohl durch aktive bioakustische Stimulation als auch mit Hilfe von passiven Aufnahmegeräten erfolgreich nachgewiesen werden. Im Rahmen einer Studie haben Lukas Graf, MSc. und Jennifer Hatlauf, MSc. vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft versucht, mittels bioakustischer Analysen und autonomer Aufnahmegeräte fundamentale Fragestellungen zu beantworten: Bis zu welcher Distanz können Gruppenrufe mit kostengünstigen Aufnahmegeräten erfasst werden? Kann die Entfernung mittels RSL  (Relative Sound Level) zum Aufnahmegerät abgeschätzt werden? Die Ergebnisse zeigen, dass
zuverlässige Entfernungsschätzungen bis zu 400 m möglich sind und die geschätzte Anzahl der antwortenden Tiere mit zunehmender Distanz abnimmt. Die Studie liefert eine solide Basis für zukünftige Untersuchungen.

Link zum Artikel:
Graf, L. & Hatlauf, J. Distance estimation of howling golden jackals (Canis aureus) using relative sound level. Mamm Res (2021).
https://doi.org/10.1007/s13364-021-00587-2


Mag. Wolfgang Steiner promoviert

Wien, 30.08.2021

Der langjährige Mitarbeiter des IWJ, Mag. Wolfgang Steiner, verteidigte heute im Rahmen eines Rigorosums souverän seine Doktorarbeit zum Thema "Spatio-temporal pattern of roadkills". Die kumulative Dissertation beschäftigte sich mit den Einflussfaktoren, die zu Verkehrsfallwild führen und beleuchtet Maßnahmen zur Verhinderung von derartigen Ereignissen. Damit trägt Wolfgang Steiner wesentlich dazu bei, sowohl Tierleid als auch ökonomischen Schaden (Sach- und Personenschaden) auf unseren Straßen zu reduzieren.

Wir sind stolz auf unseren Kollegen und gratulieren herzlich!


Neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Baummastereignissen und Kleinsäugerpopulationen

Wien, 24.08.2021

Der Einfluß von Baummastereignissen hat weitreichende ökosystemare Konsequenzen und steht im Fokus zahlreicher Forschungsfelder. Um diesbezügliche Aspekte zu untersuchen, sind langjährige Zeitreihen unabdingbar und von großem Wert für die Wissenschaft. In der aktuellen Studie "Differential spatial responses of rodents to masting on forest sites with differing disturbance history" untersuchten Autoren der BOKU die Auswirkungen von Mastereignissen auf Kleinsäugerpopulationen auf verschiedenen Untersuchungsflächen im Wildnisgebiet Dürrenstein zwischen 2004 und 2019. Die Ergebnisse, die auch echte Urwaldflächen beinhalten, zeigten, dass Rötelmäuse /Myodes glareolus/ in Jahren moderater und geringer Baumsamenverfügbarkeit jene Flächen mieden, die durch natürliche Störereignisse (wie Lawinen oder Windwurf) entstanden sind. Im Gegensatz dazu besiedelte die Art diese Flächen nach Mastereignissen im Vergleich zu Waldflächen ohne solche Störereignisse überproportional stark. Dieser habitatspezifische Einfluss wurde hingegen nicht für Langschwanzmäuse der Gattung /Apodemus/ festgestellt. Die Ergebnisse sind einerseits übereinstimmend mit Studien aus bewirtschafteten Ökosystemen und implizieren andererseits weitreichende Folgen für die Waldsukzession auf Störflächen durch den potentiellen Einfluss herbivorer Kleinsäuger. Unter Verwendung eines hierarchischen Modellierungsansatzes konnten darüber hinaus abiotische Faktoren identifiziert werden, welche Auswirkungen auf die Fangwahrscheinlichkeit von Kleinsäugern haben und in zukünftigen Studien berücksichtigt werden sollten.

Der Artikel ist als open-Access Publikation in Ecology and Evolution erschienen:

Frederik Sachser, Mario Pesendorfer, Georg Gratzer & Ursula Nopp-Mayr
"Differential spatial responses of rodents to masting on forest sites with differing disturbance history". Ecology and Evolution (2021).
https://doi.org/10.1002/ece3.7955

Kontakt: F. Sachser, frederik.sachser(at)boku.ac.at


sounds of nature unlimited

Wien, 16.08.2021

In einer Kooperation des IWJ mit der mdw, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, findet vom 20.8.-26.8. 2021 ein interdisziplinäres Lehrprojekt „sounds of nature unlimited“ im Rahmen der isa 2021 statt. Wir suchen nach den Klängen der Natur und nach ihren kompositorischen “Umsetzungen“ in den verschiedenen Stilen und Epochen der Musikgeschichte.

In diesem  Projekt, zum dem generationsübergreifend Studierende aber auch die Bevölkerung der Semmering / Rax-Region eingeladen sind, wird das forschende Hören im Mittelpunkt stehen:
- das Hören von entsprechenden live von isa-Studierenden vorgespielten Musikbeispielen, ebenso wie das Hören ihrer möglichen Vorbilder in der Natur.
Ziel dieser Forschung und Auseinandersetzung ist die Sensibilisierung für das Hören und der eigenen Ohren, egal ob junge und erfahrende Ohren; aber ebenso auch für unsere Umwelt, der Umgang mit ihr und ihre zunehmende Gefährdung v.a. auch durch den Klimawandel. Nachts und bei Morgendämmerung werden die TeilnehmerInnen die Natur und ihre Arten mit der fachlichen Unterstützung von PD Dr. Sabine Hille und BSc Isabella Weis entdecken und beschreiben, die Stimmen und Melodien der verschiedensten Tierarten wie Vögel, Heuschrecken…erkennen, identifizieren und zur Weiterverarbeitung auf Tonträger aufnehmen.
Unter Leitung von Dietmar Flosdorf https://www.musikzumanfassen.at/uni_isa_Outreach21/

werden die Ergebnisse dieser gemeinsamen Forschungsarbeit in die Entwicklung eigener „Kompositionen“ unter Einbindung selbst erfundener Klänge unter Verwendung selbst gebauter oder mitgebrachter Instrumente münden.

 

Eine öffentliche Präsentation dieser „sounds of nature“ als Abschluss des Projektes findet in Reichenau am 26.8.21 um 18:00 statt. https://www.isa-music.org/isafestival/

KONZERT:


 

NEUE BROSCHÜRE! Integrales Rotwildmanagement – Ein Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis

Wien, 21. April 2021

Rotwild möglichst wildschadensfrei in die Kulturlandschaft des Alpenraums zu integrieren und gleichzeitig den Wiederaufbau sowie Erhalt stabiler Waldbestände zu fördern ist eine Herausforderung, aber kein Ding der Unmöglichkeit. Im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojekts konnten Wissenschaftler und Praktiker gemeinsam geeignete Maßnahmen aufzeigen, um ein konfliktarmes Miteinander zwischen Mensch und Tier zu ermöglichen. Die Broschüre „Integrales Rotwildmanagement“ blickt hinter die Kulissen dieses Projekts und soll praktische Beispiele für eine zielgerichtete Bewirtschaftung dieser Wildart vermitteln. Gelingt es hierbei, zusammen am selben Strang und in die gleiche Richtung ziehend, diese Wildart möglichst wildschadensfrei in eine durch uns Menschen geprägte Kulturlandschaft einzubinden, wird dadurch schlussendlich auch das Rotwild, eine der faszinierendsten Wildarten des Alpenraumes, profitieren.

Das Projekt „Integrales Rotwildmanagement: Strategievernetzung zwischen Forst-, Land-, Jagd- und Tourismuswirtschaft“ war ein von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördertes Forschungsvorhaben unter der Leitung des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (Universität für Bodenkultur Wien). Das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (Veterinärmedizinische Universität Wien) fungierte als wissenschaftlicher Partner. Unternehmenspartner waren die Gutsverwaltung Fischhorn GmbH & Co KG sowie die Gletscherbahnen Kaprun AG.

Ein Dank gilt allen Projektpartnern, dem ANBLICK sowie allen Autoren, die an der Erstellung dieser Broschüre mitgewirkt haben.

Publikation zum Download (PDF)

Wissenschaftlicher Kontakt: Paul Griesberger (paul.griesberger(at)boku.ac.at)