Large Carnivore Monitoring in the Carpathian Mountains

Wien, 12.05.2021

Die Karpaten sind eines der Hauptvorkommen von Bär, Wolf und Luchs in Europa. Für ein nachhaltiges Management, das vom Schutz bis zur Kontrolle der Bestände reicht, ist ein nachvollziehbares Monitoring der drei Arten notwendig. In einer aktuellen Publikation aus der Reihe BOKU-Berichte zur Wildtierforschung und Wildbewirtschaftung werden  in Hinblick auf die großen Beutegreifer die aktuellen Monitoringmethoden aller sieben Karpatenländer erstmals in Englisch dokumentiert. Die Publikation, die in Kooperation zwischen dem Internationalen Rates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) und dem Sekretariat der Karpatenkonvention entstand, wurde von Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer, Prof. Dr. Jacqui Frair (SUNY College of Environmental Science and Forestry, Syracuse NY, USA) und Prof. Dr. Ovidiu Ionescu (Transylvania University of Brasov, Rumänien) herausgegeben.

Link zur Publikation (PDF)

Wissenschaftlicher Kontakt: Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer (klaus.hacklaender(at)boku.ac.at), Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, Gregor Mendel Straße 33, 1180 Wien.


Rechtlicher Status des Goldschakals in Zentraleuropa

Wien, 19.04.2021

Goldschakale (Canis aureus) werden in Europa in immer neuen Gebieten nachgewiesen. Dies führt durchaus zu Konflikten, welche sich durch abgestimmte Gesetzgebung im Idealfall reduzieren lassen. Eine aktuelle Studie unter Mitwirkung von Jennifer Hatlauf MSc und Univ. Prof. Dr. Klaus Hackländer vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft sowie DDr. Kathrin Bayer (Kanzlei Eisenberger Rechtsanwälte GmbH) und Ass.Prof. Dr. Arie Trouwborst (Universität Tilburg, NL) beleuchtet die rechtliche Basis hinsichtlich des Goldschakals in Europa. Die Ergebnisse dokumentieren die große Diversität der juristischen Behandlung des Goldschakals in Europa, insbesondere aber auch in föderalen Staaten wie Österreich. Eine Übersichtskarte fasst die aktuelle Situation zusammen.

Link zum Artikel/ erster download hier: https://www.goldschakal.at/artikel/

Hatlauf, J., Bayer, K., Trouwborst, A. & Hackländer, K. (2021). New rules or old concepts? The golden jackal (Canis aureus) and its legal status in Central Europe. Eur. J. Wildl. Res. 67, 25.


NEUE BROSCHÜRE! Integrales Rotwildmanagement – Ein Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis

Wien, 21. April 2021

Rotwild möglichst wildschadensfrei in die Kulturlandschaft des Alpenraums zu integrieren und gleichzeitig den Wiederaufbau sowie Erhalt stabiler Waldbestände zu fördern ist eine Herausforderung, aber kein Ding der Unmöglichkeit. Im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojekts konnten Wissenschaftler und Praktiker gemeinsam geeignete Maßnahmen aufzeigen, um ein konfliktarmes Miteinander zwischen Mensch und Tier zu ermöglichen. Die Broschüre „Integrales Rotwildmanagement“ blickt hinter die Kulissen dieses Projekts und soll praktische Beispiele für eine zielgerichtete Bewirtschaftung dieser Wildart vermitteln. Gelingt es hierbei, zusammen am selben Strang und in die gleiche Richtung ziehend, diese Wildart möglichst wildschadensfrei in eine durch uns Menschen geprägte Kulturlandschaft einzubinden, wird dadurch schlussendlich auch das Rotwild, eine der faszinierendsten Wildarten des Alpenraumes, profitieren.

Das Projekt „Integrales Rotwildmanagement: Strategievernetzung zwischen Forst-, Land-, Jagd- und Tourismuswirtschaft“ war ein von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördertes Forschungsvorhaben unter der Leitung des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (Universität für Bodenkultur Wien). Das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (Veterinärmedizinische Universität Wien) fungierte als wissenschaftlicher Partner. Unternehmenspartner waren die Gutsverwaltung Fischhorn GmbH & Co KG sowie die Gletscherbahnen Kaprun AG.

Ein Dank gilt allen Projektpartnern, dem ANBLICK sowie allen Autoren, die an der Erstellung dieser Broschüre mitgewirkt haben.

Publikation zum Download (PDF)

Wissenschaftlicher Kontakt: Paul Griesberger (paul.griesberger(at)boku.ac.at)


 

Wildruhezonen für die Gams

Wien, 28. März 2021

Gemeinsam mit der Deutschen Wildtier Stiftung hat das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU für Bayern eine Habitatsanalyse für die Gämse durchgeführt und ein Instrument zur Planung von Wildruhezonen entwickelt. Dieses GIS-Tool kann wesentlich dazu beitragen, dass wir der Gämse jenen Raum zugestehen, der für die Erhaltung und nachhaltilgen Nutzung dieser geschützten Tierart notwendig ist - nicht nur in Bayern.

Publikation zum Download (PDF)

Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer
Universität für Bodenkultur Wien (BOKU)
Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft
Gregor-Mendel-Str. 33
1180 Wien
Österreich
Tel: +43-1-47654-83211
email: klaus.hacklaender@boku.ac.at


 

Windkraftanlagen im Wald

Wien, 24. März 2021:

Welche Auswirkungen haben Windkraftanlagen auf die Habitatwahl waldbewohnender Wildtierarten?

Dies ist nur eine der Fragen, die im Rahmen einer umfassenden Literaturrecherche vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft beantwortet wurde. Anlass zur Studie ist der Umstand, dass in den letzten Jahren Windkraftanlagen in zunehmendem Ausmaß auch in Strauch- und Waldgebieten und entlang von bewaldeten Bergrücken errichtet wurden.

Die Durchsicht der wissenschaftlichen Literatur zeigte, dass das Wissen über die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf strauch- und waldbewohnende Tierarten noch sehr begrenzt ist. Mehrere Studien lieferten Hinweise, dass Bau, Betrieb und Wartung von Windkraftanlagen das Verhalten von Säugetieren und Vögeln beeinflussen. Allerdings ist das Ausmaß, in dem Windkraftanlagen strauch- und waldbewohnende Wildtierarten beeinflussen, stark von artspezifischen Lebensraumansprüchen abhängig.

Systematische Untersuchungen, in welchen Daten vor und nach der Errichtung von Windkraftanlagen mit Daten aus Kontrollflächen verglichen werden (engl. before-after control-impact study design) sind dringend erforderlich, um Wissenslücken zu schließen und konkrete Planungsentscheidungen in praktischen Kontexten besser unterstützen zu können.

Die Studie wurde vom World Wide Fund for Nature (WWF) Österreich finanziert. Der Geldgeber hatte keinen Einfluss auf das Manuskript, das Studiendesign, die Methoden oder die Interpretation der Ergebnisse.

Link zur Publikation: Schöll, E.M.; Nopp-Mayr, U. (2021): Impact of wind power plants on mammalian and avian wildlife species in shrub- and woodlands. Biological Conservation 256: 109037, https://doi.org/10.1016/j.biocon.2021.109037.

 

Wissenschaftliche Kontakte:

Eva Schöll, eva.schoell(at)boku.ac.at; Ursula Nopp-Mayr, ursula.nopp-mayr(at)boku.ac.at


Methode zur Abschätzung visueller Einflüsse von Windenergieanlagen in Waldgebieten

Wien, 05.03.2021

Windenergieanlagen stellen eine wichtige Strategie im Umstieg auf erneuerbare Energien dar. Der Betrieb solcher Anlagen kann dabei potentielle Auswirkungen auf ihre Umgebung und die dort beheimateten Wildtiere haben. Schattenwurf und Lärm werden oft berücksichtigt, die Sichtbarkeit von Rotorblättern (vor allem in bewaldeten Gebieten) ist jedoch weitestgehend unbeachtet.

In einer neuen Studie konnten Ursula Nopp-Mayr, Florian Kunz, Franz Suppan und Eva Schöll von der BOKU gemeinsam mit Joy Coppes von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg eine Methode entwickeln, wie die Sichtbarkeit bewegter Rotorblätter in Waldgebieten modelliert werden kann. Dabei wurden Informationen aus Orthofotos mit Airborne-Laserscan Daten kombiniert. Das resultierende Modell wurde zudem mit Beobachtungsdaten aus Feldbegehungen validiert, und konnte damit seine Eignung unter Beweis stellen.

Link zur Publikation im Fachmagazin PFG – Journal of Photogrammetry, Remote Sensing and Geoinformation Science mit den detaillierten Ergebnissen: Ursula Nopp-Mayr, Florian Kunz, Franz Suppan, Eva Schöll und Joy Coppes "Novel Application and Validation of a Method to Assess Visual Impacts of Rotating Wind Turbine Blades Within Woodland Areas", PFG 2021. https://link.springer.com/article/10.1007/s41064-021-00141-4

Wissenschaftlicher Kontakt: Ursula Nopp-Mayr, ursula.nopp-mayr(at)boku.ac.at


Wildtiere und Windenergie – zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Wien, 04.03.2021

Im Kampf gegen die globale Erwärmung ist ein Umstieg auf erneuerbare Energien unumgänglich. Diese Energiewende erfolgt jedoch in einer Landschaft, die Lebensraum von Wildtieren ist, die ihrerseits selbst im Fokus übergeordneter Naturschutzziele stehen. Es ist daher nachvollziehbar, warum in den letzten Jahren vielfach das Thema „Wildtiere und Windenergie“ in der Forschung und in den Medien aufgegriffen wurde. In den letzten Tagen ließen Meldungen über den steirischen Windpark Pretul aufhorchen, bei dem die Birkhuhnpopulation sogar gewachsen sei, nachdem der Windpark errichtet wurde.

Die gesamte Stellungnahme des IWJ dazu, zum Nachlesen (PDF)!


 

Schwarzwälder Auerhühner unter der Lupe: genetische Differenzierung in 2050?

Wien, 01.03.2021

Langfristig stabile Populationen zeichnen sich durch hohe genetische Variabilität aus. Kontinuierlicher Genfluss durch wandernde Individuen wirkt dabei gegen genetische Verarmung und Differenzierung. Die Auerhuhnvorkommen im Schwarzwald sind jedoch seit Jahrzehnten im Abnehmen. Die Zahlen beobachteter Hähne sinken kontinuierlich und die Vorkommen sind inzwischen in vier Teilgebiete aufgeteilt. Diese Teilgebiete sind nur mehr marginal miteinander vernetzt, womit die Gefahr zunehmender genetischer Differenzierung bis hin zur Isolation besteht.

In einer neuen Studie konnten Florian Kunz, Annette Kohnen, Ursula Nopp-Mayr und Joy Coppes in einer Kooperation von BOKU und der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg die Auerhuhnpopulation im Schwarzwald genetisch verfolgen. Dafür wurde der Blick in die Vergangenheit, in die Gegenwart und in die Zukunft geworfen und die genetische Differenzierung zwischen den Teilpopulationen analysiert. Dank umfangreicher Simulationen in das Jahr 2050 konnten auch potentielle Szenarien entwickelt und getestet werden, wie beispielsweise die Wiederherstellung eines wichtigen Korridors zum Austausch von Individuen. Es zeigte sich, dass selbst bei auf heutigem Niveau stabilen Populationszahlen die derzeitigen Austauschraten zwischen den Teilpopulationen dazu führen können, dass sich diese genetisch weiter voneinander entfernen. Maßnahmen wie die Förderung des Austausches zwischen den Teilpopulation können diesen Effekten allerdings entgegenwirken.


Link zur Publikation im Fachmagazin Conservation Genetics mit den detaillierten Ergebnissen: Florian Kunz, Annette Kohnen, Ursula Nopp-Mayr und Joy Coppes" Past, present, future: tracking and simulating genetic differentiation over time in a closed metapopulation system", Conservation Genetics 2021. https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10592-021-01342-5


Wissenschaftlicher Kontakt: Florian Kunz, florian.kunz(at)boku.ac.at


Extrem-Flieger in hohen Bergregionen

OE1 Radiobeitrag Vom Leben der Natur

Alpine Spezialisten.
Die Wildtierökologin Sabine Hille über die Schneesperlinge.
Gestaltung: Maria Harmer

Der Schneesperling lebt oberhalb der Baumgrenze und fühlt sich erst in Höhen zwischen 1.900 und 3.100 Metern richtig wohl. Daher ist er nicht nur in den Alpen, sondern auch in den Pyrenäen, im Balkan, in den italienischen Abruzzen sowie in Griechenland und im Kaukasus beheimatet. Eine Unterart wurde auch in China auf mehr als 5.000 Metern Seehöhe gesichtet.

Ihre Brutplätze befinden sich in Felsspalten im Gebirge, die Brutzeit ist kurz, die Schlupfzeit der Jungen fällt idealerweise mit der Schneeschmelze und dem größten Angebot an fett- und proteinreicher Nahrung zusammen. Ein Federflaum schützt die Küken vor der Kälte, und auch sonst ist der Schneesperling optimal an die extremen Herausforderungen des Gebirges angepasst.

Aber die Veränderungen, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden, stellen besondere Herausforderungen dar.


Habitatnutzung des Goldschakals in Bosnien-Herzegowina

Wien, 08.02.2021

Das akustische Monitoring des Goldschakals in Mitteleuropa gewinnt zunehmend an Bedeutung. Besonders für die einfache Anwesenheitskontrolle ist es entscheidend, da darauf aufbauend die potenzielle Habitatnutzung untersucht werden kann. In Zusammenarbeit von Aldin Selimovic, MSc., Dr. Eva Maria Schöll, Larissa Bosseler, BSc und Jennifer Hatlauf, MSc.  vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft wurde in dieser Studie die potenzielle Habitatnutzung von Goldschakalen (Canis aureus) in Flussregionen Nord-Bosniens untersucht.

Die Ergebnisse - auf Grundlage von 92 erhobenen Rufpunkten auf einer Fläche von 1150 km2 - zeigen, dass Strauchvegetation und Offenflächen als Strukturen signifikanten Einfluss auf die Anwesenheit von Goldschakalen haben. Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Goldschakale anwesend sind und auf Rufstimulation reagieren mit zunehmendem Anteil an Offenflächen und Sträuchern in der Nähe der Rufpunkte. Die Entfernung von Goldschakalgruppen zu Siedlungen war relativ gering. Es ergab sich eine relative Dichte von 3,5 territorialen Gruppen pro 100 km2.

Link zum Artikel:

Selimovic, A., Schöll, E.M., Bosseler, L., Hatlauf J. (2021) Habitat use of golden jackals (Canis aureus) in riverine areas of northern Bosnia and Herzegovina. Eur J Wildl Res 67, 14. https://doi.org/10.1007/s10344-021-01457-7

Jennifer Hatlauf, MSc.; www.goldschakal.at


Rotwild in den Hohen Tauern – Herausforderungen und Lösungswege

Wien, 29.01.2021

Das Rotwildmanagement in den Hohen Tauern steht in den kommenden Jahren aufgrund sich verändernder Rahmenbedingungen vor großen Herausforderungen. Die Mehrfachnutzung der Kulturlandschaft, die zunehmende Erschließung des Alpenraumes, die Intensivierung der Waldwirtschaft, die ansteigende Nutzung der Alpen durch Erholungssuchende im Sommer und Winter, aber auch ein teilweise größer werdender Jagddruck beeinflussen diese Wildart zunehmend. Vielerorts konnte bereits eindrucksvoll dokumentiert werden, dass sich die oben genannten Rahmenbedingungen wesentlich auf das Raum-Zeit-Verhalten dieses Wildwiederkäuers auswirken. Das Rotwild hält sich in Folge vermehrt in schwer zugänglichen Lebensraumbereichen auf, die sich im unglücklichsten Fall in wildschadensanfälligen (Objekt-)Schutzwäldern befinden können. Gleichzeitig wird dadurch sowohl die Erlebbarkeit als auch die Bejagbarkeit dieser Wildart erschwert.

Um mit den oberhalb genannten Herausforderungen umgehen zu können, bedarf es eines gut abgestimmten Rotwildmanagements, im Rahmen dessen die angesprochenen Rahmenbedingungen, insbesondere menschliche Einflüsse auf diese Wildart berücksichtigt werden. Um die Auswirkungen dieser Rahmenbedingungen auf Rotwild einschätzen zu können, benötigt es wiederum wissenschaftlich fundierter Grundlagen.

Ein im Februar 2021 gestartetes gemeinschaftliches Projekt des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der Universität für Bodenkultur Wien, des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Gutsverwaltung Fischhorn GmbH & Co KG, der Gletscherbahnen Kaprun AG sowie des Nationalparks Hohe Tauern Salzburg versucht derartige Grundlagen zu generieren. Konkret wird das Raum-Zeit-Verhalten und die Aktivität von Rotwild im nördlichen Teil der Hohen Tauern mit Hilfe telemetrischer Daten untersucht, um eine fundierte Basis für zukünftige Managemententscheidungen zu schaffen.

Von Seiten des IWJ wird das Projekt vom wissenschaftlichen Mitarbeiter und Doktoranden Paul Griesberger betreut.

Wissenschaftlicher Kontakt: paul.griesberger(at)boku.ac.at


Neue Wege in der Langzeit-Analyse von Huftiereinfluss auf die Waldverjüngung

Wien, 13. 01. 2021

Die Analyse und das Verstehen von Herbivoren-Einflüssen innerhalb der Dynamik von Ökosystemen stellt ein ökologisch hochrelevantes und gleichzeitig forderndes Forschungsfeld dar. Meist werden Einflüsse von wildlebenden Huftieren auf die Waldverjüngung anhand von Pflanzendichten oder Diversitätsmaßen innerhalb und außerhalb von Kontrollzäunen erhoben und es werden häufig nur kurze Zeithorizonte abgebildet. Dabei kann es zu einer Überschätzung der langfristigen Auswirkungen der Pflanzenfresser kommen, weil die Mortalität der Bäume in frühen Entwicklungsstadien von vielen Faktoren abhängt. In der vorliegenden Studie wurden 82 Vergleichsflächenpaare (Zaunflächen, ungezäunte Vergleichsflächen) in einem Bergmischwald ausgewertet, wobei Zeiträume bis zu 24 Jahren abgedeckt sind. Die Aussagekraft von Maximalhöhen und Stammzahlen der Baumarten wurde verglichen. Um Effekte auf Ebene der Waldgesellschaft gleichzeitig mit jenen auf Ebene der Baumarten berücksichtigen zu können, wurden Principle Response Curves (PRC) verwendet. Dieser Berechnungsansatz lieferte auf beiden Ebenen (Gesellschaft und Baumart) plausible Ergebnisse und zeigte, dass die Maximalhöhen im Gegensatz zu den Stammzahlen signifikante Effekte ergaben. Die Effekte wurden teilweise erst nach längerer Zeit sichtbar, und manche Baumarten änderten ihre Reaktion auf Herbivorie über einen langen Zeitraum hinweg. Maximalhöhen der Baumarten können infolgedessen zweckmäßig sein, um eine sich ändernde lokale Dominanz von Baumarten durch asymmetrische Konkurrenz innerhalb und außerhalb von Kontrollzäunen über längere Zeithorizonte adäquat darzustellen.

Die detaillierten Ergebnisse der Studie, sowie weiterführende Empfehlungen für entsprechende Erhebungen finden sich in der Open Access-Publikation in Scientific Reports.

Link zum Artikel: Ursula Nopp‐Mayr, Susanne Reimoser, Friedrich Reimoser, Frederik Sachser, Leopold Obermair & Georg Gratzer „Analyzing long‐term impacts of ungulate herbivory on forest‐recruitment dynamics at community and species level contrasting tree densities versus maximum heights“. Scientific Reports (2020) 10:20274 doi.org/10.1038/s41598-020-76843-3https://doi.org/10.1038/s41598-020-76843-3

Wissenschaftlicher Kontakt: U. Nopp-Mayr, ursula.nopp-mayr@boku.ac.at


Bestandserhebungen bei der Gams: Die Bedeutung von Jagdstreckenanalysen

Wien, 11.12.2020

Kenntnisse über Populationshöhe und -Entwicklung sind von zentraler Bedeutung für ein nachhaltiges Wildtiermanagement. Die Suche nach einfachen und kostengünstigen Methoden zur Bestandesschätzung ist daher eine zentrale Aufgabe der Wildtierforschung.

In einer soeben erschienenen Publikation präsentieren Rudolf Reiner, Andreas Zedrosser, Hubert Zeiler, Klaus Hackländer und Luca Corlatti die Kohortenanalyse als geeignetes Instrument zur Erfassung von Bestandestrends beim Gamswild. Bei dieser Methode können Wilditerbestände mittels der Rückrechnung aus Jagdstrecken und natürlicher Mortalität rekonstruiert werden. Die Autoren konnten unter anderem zeigen, dass die mit dieser Methode errechneten Trends hoch mit jenen aus Gamszählungen aus den letzten 28 Jahren in den Studiengebieten im Tennengebirge und den Seckauer Tauern korrelieren. Sofern Jagdstreckendaten über einen ausreichend langen Zeitraum zur Verfügung stehen, ist die Kohortenanalyse somit eine praktikable und kostengünstige Methode zur Bestandesschätzung von bejagten Wildtierpopulationen.

Link zur Publikation im Fachmagazin Wildlife Biology mit den detaillierten Ergebnissen: Rudolf Reiner, Andreas Zedrosser, Hubert Zeiler, Klaus Hackländer, and Luca Corlatti "Population reconstruction as an informative tool for monitoring chamois populations," Wildlife Biology 2020(4), (7 December 2020). https://doi.org/10.2981/wlb.00757

Wissenschaftlicher Kontakt: Rudolf Reiner, rudi.reiner@boku.ac.at


Welche Faktoren beeinflussen die DNA-Qualität in Fischotterlosungen?

Wien, 10.12.2020

Die genetische Analyse von Kotproben hat in der Erforschung von Wildtierpopulationen stark an Bedeutung gewonnen. Insbesondere schwer erfassbare und nachtaktive Arten, wie z. B. Fischotter (Lutra lutra), können mithilfe dieser Methode untersucht werden, ohne die Tiere beobachten oder fangen zu müssen. Kotproben als nicht-invasiv gesammeltes DNA-Ausgangsmaterial für genetische und genomische Analysen sind allerdings durch eine niedrige DNA-Konzentration und Qualität gekennzeichnet. Damit einhergehend ist die Verwendung von Kotproben mit kostenintensiven Laborverfahren verbunden.

In Zusammenarbeit mit Co-Autoren der Universität für Bodenkultur Wien, des Naturhistorischen Museums Wien und der Universität Wien hat Dr. Marcia Sittenthaler daher untersucht, welche Faktoren die Genotypisierungsqualität von Fischotterlosungen beeinflussen. Als Untersuchungsmaterial dienten Fischotterlosungen, die an österreichischen Gewässern gesammelt wurden.

Es konnte unter anderem gezeigt werden, dass Kotproben mit hohem Schleimanteilen (Analsekret) am besten geeignet sind, da sie einen höheren Genotypisierungserfolg und niedrigere Fehlerraten bei der Genotypisierung aufwiesen. Darüber hinaus war die Qualität der Proben von den Wetterbedingungen beeinflusst. Feuchte Bedingungen während der Probensammlung fördern den Abbau der DNA, was zu verminderten Erfolgsraten bei der Genotypisierung führte.

Die detaillierten Ergebnisse der Studie, sowie weiterführende Empfehlungen für die Probensammlung, -lagerung und DNA-Extraktion können in der im European Journal of Wildlife Research veröffentlichten Publikation nachgelesen werden.

Link zum Artikel: Sittenthaler, M., Schöll, E.M., Leeb, C., Haring, E., Parz-Gollner, G., Hackländer, K. (2021) Factors influencing genotyping success and genotyping error rate of Eurasian otter (Lutra lutra) faeces collected in temperate Central Europe. Eur J Wildl Res 67:2. doi.org/10.1007/s10344-020-01444-4

Wissenschaftlicher Kontakt: Dr. Marcia Sittenthaler, marcia.sittenthaler(at)boku.ac.at


Niederländischer Preis erhalten für die Kooperation in einem Vogel-Daten-Netzwerk

Dutch Data Incentive Prize for the Medical and Life Sciences.

Sichern und Zusammenlegen unserer Daten hilft Vogelarten und der Vogelforschung

Europäische ForscherInnen legen ihre Daten zusammen (SPI-Datenhub) - 1,5 Millionen Vögel aus 19 Arten und 80 Populationen - und gestalten einen Pool, der das Herzstück darstellt zur Erforschung evolutionärer und ökologischer Prozesse unter natürlichen Freilandbedingungen. Dafür braucht es Langzeitstudien, langen Atem, viel Einsatz bei Wind und Wetter und ein gutes Forscher-Team.

Die Ziele des SPI Datenhubs liegen auf der Hand: 1) Verhindern von Datenverlust, 2) Leichteres Zusammenführen von Datensätzen und 3) Steigerung zukünftiger Datenqualität.

Die Daten von 120 europäischen ForscherInnen an Langzeitstudien mit Vögeln, so auch die Langzeitstudie an Kohlmeisen im Wienerwald geleitet von Sabine Hille bilden die Basis für dieses gemeinsame großräumige Forschungsprojekt

Presseartikel für den Preis:

https://nioo.knaw.nl/en/press/saving-your-data-together-helps-birds-and-bird-research

Wissenschaftlicher Artikel in Animal Ecology:

https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2656.13388 


 

Flexible Feldhasen

Wien, 04.11.2020

In einer soeben erschienenen Publikation im European Journal of Wildlife Research präsentieren Nicolas Cybulska, Klaus Hackländer, Rupert Palme, Fredy Frey-Roos und Stéphanie Schai-Braun spannende Ergebnisse zum Effekt der Getreideernte auf Feldhasen.

Wenn im Juni Weizen, Gerste und Roggen geerntet werden, dann verändert sich der Lebensraum von Feldhasen in der Agrarlandschaft sehr rasant und großflächig. Nicolas Cybulska analysierte die Menge an Stresshormonen, die in dieser Zeit von Feldhasen ausgeschüttet werden und in den Kotpillen nachweisbar sind. Es zeigte sich, dass die Getreideernte für Feldhasen keine besondere Stresssituation darstellt, wenn der Lebensraum kleinstrukturiert und vielfältig ist. Da Feldhasen kein Territorium oder Bau haben, sind sie von Natur aus flexibel und verschieben ihre Streifgebiete entsprechend den verfügbaren Äsungs- und Ruheplätzen. Lediglich in ausgeräumten Agrarlandschaften mit großflächigen Getreidemonokulturen ist zu erwarten, dass Feldhasen rund um die Getreideernte in Stress geraten. Diese Befunde untermauern die Notwendigkeit der Förderung von ökologischen Vorrangflächen in den Agrarförderungsprogrammen der EU und ihrer Mitgliedstaaten.

Die Studie wurde mit Unterstützung des Vereins Grünes Kreuz durchgeführt.

Link zur Studie:
https://link.springer.com/article/10.1007/s10344-020-01430-w


Willkommen (zurück) im WS 2020/21!

Wien, 20.10.2020

Für alle Studierende des Masters Wildtierökologie und Wildtiermanagement wurden die wichtigsten Informationen zum aktuellen Semester zusammengefasst.

Hier die Präsentation zum Download (PDF)

Präsentation ALUMNI - Fachgruppe Wildtierökologie (PDF)

Viel Erfolg und Vergnügen im Studium!


BOKU-Student ist "Wildlife Photographer of the Year"!

Wien, 14.10.2020

Bernhard Schubert BSc erhielt die diesjährige Auszeichnung „Wildlife Photographer of the Year“. Der vom Naturhistorischen Museum London veranstaltete Naturfoto-Wettbewerb (https://www.nhm.ac.uk/wpy/) gilt als der renommierteste seiner Art und erlangt jedes Jahr weltweit Aufmerksamkeit. Dabei werden Bilder prämiert, die verblüffendes Verhalten zeigen, die Schönheit und Komplexität der Natur veranschaulichen, aber auch den ausbeuterischen Umgang mit unserer Erde
und ihren Geschöpfen aufdecken.

Bernhard, der nach seinem Bachelor in Zoologie aktuell im Masterprogramm Wildtierökologie und Wildtiermanagement eingeschrieben ist, nutzt sein Wissen über Tiere und deren Verhalten, um so auf seinen Reisen rund um die Welt einzigartige Aufnahmen zu erstellen.

Zum Bild:
Die Riesenwaldameise (Dinomyrmex gigas) ist über ganz Südostasien verbreitet und mit 21mm (Arbeiter) bzw. 28mm (Soldaten) eine der größten Ameisenarten weltweit. Trotz ihrer Größe beziehen sie etwa 90% ihrer Nahrung aus Honigtau, den zuckerhaltigen Ausscheidungen von Schnabelkerfen, zu denen auch Wanzen, Zikaden und Pflanzenläuse zählen. Mit ihren Fühlern stimulieren die Ameisen diese Spitzkopfzikade (Scamandra rosea), das süße Gut auszuscheiden. Im Gegenzug bieten die Ameisen der Zikade Schutz vor Fressfeinden und Parasiten.


Unterstützung bei der Suche nach Goldschakalen: Erste Erfolge mit Spürhunden!

Wien, 08.10.2020

In dem neuen Artikel „Jackal in hide: detection dogs show first success in the quest for golden jackal (Canis aureus) scats“ werden erste Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Spürhunden im Rahmen des Goldschakalprojektes präsentiert:

Das Monitoring des Goldschakals in Mitteleuropa gewinnt zunehmend an Bedeutung. Für genetische Untersuchungen (via Losungsanalyse) ist die Unterscheidung der Losung verwandter Arten wie z.B dem Rotfuchs (Vulpes vulpes) entscheidend: Wenn die erste Unterscheidung fehlerhaft ist, könnte es Nahrungsstudien verfälschen oder die Kosten von DNA-Analysen erhöhen. In Zusammenarbeit mit Kollegen der FVA (Baden-Württemberg, D), dem Senckenberg Forschungsinstitut (Gelnhausen, D) und der Szent István Universität (Gödöllö, HU - gefördert durch bilaterale Stiftung Aktion Österreich-Ungarn) hat Jennifer Hatlauf, Msc. am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, in dieser Studie die potenziellen Vorteile der Verwendung von Spürhunden untersucht.

Die Ergebnisse zeigen, dass Spürhunde erfolgreich Goldschakallosung von anderen Arten unterscheiden können. Durch die Kombination mehrerer Methoden können Fragen zu Familienstrukturen und Verwandtschaft, saisonalen Unterschieden in der Lebensraumnutzung und Streifgebietsgröße beantwortet werden. Die regelmäßige Verwendung von Spürhunden kann eine effiziente Methode darstellen, um Goldschakale langfristig zu beobachten und mehr über ihr Verhalten und die Populationsdynamik zu erfahren.

Es gibt bereits ein ÖAD (WTZ) Folgeprojekt!

Link zum Artikel:

Hatlauf J., Böcker F., Wirk L., Collet S., Schley L., Szabó L., Hackländer K., Heltai M. (2020) Jackal in hide: detection dogs show first success in the quest for golden jackal (Canis aureus) scats. Mamm Res https://doi.org/10.1007/s13364-020-00537-4

www.goldschakal.at


Elche verbreiten sich in Europa

Wien, 01.10.2020

In einem aktuellen Übersichtsartikel zur circumpolaren Verbreitung von Elchen wird dokumentiert, dass Elche in Europa ihr Vorkommen nach Südwesten ausdehnen: In Polen, Deutschland, Tschechien und der Slowakei nehmen Elchbestände zu. Auch in Österreich, so Co-Autor Klaus Hackländer, werden regelmäßig Elche gesichtet. Es ist davon auszugehen, dass dies in Zukunft noch häufiger vorkommen wird. Insbesondere im nördlichen Mühl- und Waldviertel wird Europas größter Pflanzenfresser (Bullen wiegen bis zu 800kg und haben eine Widerristhöhe von bis zu 210 cm) bald wohl keine Ausnahmeerscheinung mehr sein.

Link zur Publikation


Keine Angst vor RStudio

Wien, 29.09.2020

Die Fachgruppe Wildtierökologie und Wildtiermanagement, vertreten durch Paul Griesberger und Florian Kunz, veranstaltet am 28.11.2020 einen online Workshop zum Thema "Keine Angst vor RStudio - Vorbereitung auf statistische Analysen".

 

Den TeilnehmerInnen werden Praxistipps sowie Grundkenntnisse hinsichtlich der Funktionsweise von RStudio näher gebracht. Konkret werden die folgenden Themenbereiche behandelt: GUI von RStudio, Erste Schritte in RStudio, Richtiges Einlesen von Daten, Datenmanagement, Umgang mit Fehlermeldungen, Erstellung von Grafiken.

 

Dieser Workshop ist für alle Studierenden sowie Alumnis mit wenig bis keiner Vorerfahrung im Arbeiten mit der Programmiersprache R und/oder der Statistik-Software RStudio gedacht.

Programm und nähere Infos zum Download (PDF)


Habilitationskolloquium Ass.Prof. Dr. Ursula Nopp-Mayr

Ass.Prof. Dr. Ursula Nopp-Mayr führte heute souverän und didaktisch perfekt durch ihr Habilitationskolloquium zum Thema Störungsbiologie. Die Habilitationskommission wird dem Rektorat empfehlen, sie für das Fach Wildtierökologie zu habilitieren.

Das IWJ-Team ist stolz auf ihre Leiterin und gratuliert herzlich!


Ein Leben in der Stadt birgt nicht immer nur Vorteile - diese Erkenntnis macht Singvogelküken zu schaffen

Urbanisierung führt zu drastischen und weitreichenden Veränderungen der Umwelt. Die mit zunehmender Verstädterung einhergehenden Lebensraumveränderungen können jedoch höchst unterschiedlich sein, da selbst hochverdichte Gebiete an Reste natürlicher Lebensräume angrenzen können. Das vielgestaltige, städtische Mosaik verschiedenster Lebensräume unterscheidet sich somit stark von natürlichen Lebensräumen und kann deshalb einen einzigartigen Einblick in das Anpassungspotential von Organismen bieten.

In Zusammenarbeit mit KollegInnen aus Polen (Universität Warschau) und Österreich (Universität Innsbruck) hat Dr. Eva M. Schöll, Univ.Ass. am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, untersucht, inwieweit Urbanisierung das Körpergewicht und die Überlebenswahrscheinlichkeit von Kohlmeisen- und Blaumeisen-Küken beeinflusst. Dafür wurden die Küken beginnend mit dem Schlupf aus den Eiern bis zum Ausfliegen aus den Nistkästen in regelmäßigen Abständen gewogen und der Anteil der versiegelten Fläche um die Nistkasten-Standorte erhoben.

Die Studie konnte zeigen, dass sowohl das Körpergewicht, als auch die Überlebenswahrscheinlichkeit vom Ausmaß der Versiegelung rund um den Nistkasten - ein Proxy für den Urbanisierungsgrad - abhängig waren. Eine darüber hinausgehende Analyse der Selektionsunterschiede ergab, dass vor allem in stark versiegelten Gebieten das Gewicht der Küken am Tag 2 nach Schlupf von besonderer Bedeutung für das Überleben zum Zeitpunkt des Ausfliegens aus dem Nistkasten ist.

Mehr dazu findet sich hier: Corsini, M.; Schöll, E.M.; Di Lecce, I.; Chatelain, M.; Dubiec, A.; Szulkin, M. (2020): Growing in the city: urban evolutionary ecology of avian growth rates. Evolutionary Applications. doi.org/10.1111/eva.13081.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Eva Maria Schöll, eva.schoell(at)boku.ac.at


Dichlordiphenylsulfon in Kormoranen und Donaufischen

In einer Pilot- Studie hat das Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur die Substanz untersucht, deren Ursprung und Eintrag in die Umwelt noch wenig erforscht sind. Die Ergebnisse liefern Hinweise, dass sich Dichlordiphenylsulfon in der Nahrungskette anreichert.

Dichlordiphenylsulfon dient zur Herstellung von hitzebeständigen Kunststoffen, die für Mikrowellenkochgeschirr, Wasser- und Ölpumpen, sowie Membranen in der Lebensmittelverarbeitung und Abwasserbehandlung eingesetzt werden. Der Stoff ist auch eine Verunreinigung von technischem DDT, einem Pestizid, und wurde gemeinsam mit diesem ausgebracht.

Immer noch ungeklärt sind Ursprung und Eintrag des Stoffes in die Umwelt. Forschungsergebnisse deuten auf eine Verbreitung über Abwasser und Oberflächengewässer. Im Jahr 1971 konnte Dichlordiphenylsulfon erstmals in schwedischem Lachs nachgewiesen werden. Seither wurde der Stoff in unterschiedlichen Umweltproben gefunden. Aktuelle Monitoring-Daten fehlen allerdings.

In einer Pilot-Studie hat das Umweltbundesamt heimische Fische und Kormorane untersucht. Dichlordiphenylsulfon wurde in allen Proben nachgewiesen. Die Konzentration in den Fischen ist viel niedriger als in den Kormoranen. Die höchsten Konzentrationen wurden in der Leber der Vögel gefunden. Dieses Ergebnis lässt auf eine Anreicherung des Stoffes über die Nahrungskette schließen.

Die Studie wurde im Mai 2020 bei einer Konferenz in Dublin präsentiert und ist in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Chemosphere veröffentlicht.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Rosemarie PARZ-GOLLNER

Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft

Universität für Bodenkultur

Gregor-Mendel-Straße 33

A-1180 Wien

rosemarie.parz-gollner(at)boku.ac.at

Artikel in der Fachzeitschrift Chemosphere


Wie viele invasive Arten vertragen unsere Ökosysteme?

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Neobiota begünstigen zukünftigen Biodiversitätsverlust dramatisch

Schon ein Anstieg von 20 bis 30 Prozent an invasiven Arten wird global zu dramatischen Biodiversitätsverlusten in der Zukunft führen. Zu diesem Schluss kommt die Studie eines internationalen Forscher*innnenteams um Franz Essl, Bernd Lenzner und Stefan Dullinger von der Universität Wien, die in "Global Change Biology" veröffentlicht wurde.

Durch menschliche Aktivitäten werden immer mehr Arten absichtlich und unabsichtlich in neue Regionen der Welt gebracht – etwa durch Reisende oder über den Transport von Waren. Ein Teil dieser gebietsfremden Arten oder Neobiota hat negative Folgen für die Biodiversität und für den Menschen, etwa indem sie andere Arten verdrängen oder Krankheiten übertragen. Während wir relativ gute Informationen über die historische Ausbreitung von Neobiota haben, gibt es bisher aber erst wenige Erkenntnisse über deren zukünftige Entwicklung.

Dramatische Biodiversitätsverluste

"Momentan ist es noch nicht möglich präzise Vorhersagen anhand von Computermodellen zu geben, wie sich die Ausbreitung und der Einfluss von Neobiota in der Zukunft verändern werden. Daher sind Einschätzungen von Expert*innen via standardisierter Umfragen ein wichtiges Werkzeug, um ein besseres Verständnis über die Ursachen und Folgen der Ausbreitung von Neobiota in den kommenden Jahrzehnten zu erhalten und so zu präzisen Vorhersagen zu kommen", sagt Franz Essl, einer der beiden Studienleiter. Dabei zeigt sich, dass schon ein Anstieg um 20 bis 30 Prozent neu eingeschleppter Neobiota als ausreichend für massive globale Biodiversitätsverluste gesehen wird – ein Wert, der angesichts der zunehmenden Anzahl an eingeschleppten Arten bald erreicht sein dürfte.

Klimawandel und Handel bestimmen Anstieg von Neobiota

Weiterhin steht vor allem der Mensch im Zentrum zukünftiger Ausbreitung von Neobiota. Die Expert*innen identifizieren drei Hauptgründe, allen voran den zunehmenden globalen Warentransport, gefolgt vom Klimawandel und dem Ausmaß wirtschaftlichen Wachstums. Die Studie zeigt auch auf, dass bei ambitionierten Gegenmaßnahmen die Ausbreitung von Neobiota stark gebremst werden kann.

Die Forscher*innen untersuchten auch den Einfluss der Ausbreitung von Neobiota auf verschiedene Regionen der Welt: So spielt der Tourismus eine besondere Rolle in der Einschleppung von Arten in tropische und subtropische Regionen, während der Klimawandel mit milderen Wintern vor allem in den polaren und gemäßigten Regionen das Überleben und die Etablierung von Neobiota in der Zukunft begünstigt.

Politik in der Verantwortung

Die Wissenschafter*innen sehen die politischen Entscheidungsträger*innen in der Verantwortung zu handeln: "Unsere Studie zeigt, welchen Handlungsspielraum wir momentan haben, um den Einfluss von Neobiota in der Zukunft zu reduzieren", sagt Bernd Lenzner: "Die Ergebnisse bilden eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung internationaler Abkommen, wie den Sustainable Development Goals oder der Biodiversitätskonvention. Nur so lassen sich die negativen Folgen durch Neobiota für die globale Biodiversität und unsere Gesellschaft reduzieren".

Publikation in "Global Change Biology": Essl, F., et al. Drivers of future alien species impacts: An expert-based assessment. Global Change Biology, 2020. DOI: https://doi.org/10.1111/gcb.15199.

Wissenschaftliche Kontakte:

Dr. Brady Mattsson

Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft

Universität für Bodenkultur

Gregor-Mendel-Straße 33

A-1180 Wien

brady.mattsson@boku.ac.at 

Ass.-Prof. Mag. Dr. Franz Essl

Department für Botanik und Biodiversitätsforschung

Universität Wien

1030 Wien, Rennweg 14/1

T +43-676-609-1638

franz.essl(at)univie.ac.at

Dr. Bernd Lenzner

Department für Botanik und Biodiversitätsforschung

Universität Wien

1030 Wien, Rennweg 14/1

T +43-680-327-8884

bernd.lenzner(at)univie.ac.at


Starkniederschläge beeinflussen Bruterfolg der Kohlmeise

Neben ansteigenden Temperaturen konnte in den letzten Jahrzehnten auch ein Anstieg der Anzahl seltener Wetterereignisse, wie z.B. Starkniederschläge, beobachtet werden. Der Einfluss von außergewöhnlichen und sehr lokal auftretenden Wetterbedingungen kann jedoch nur schwer untersucht werden, da diese Wetterereignisse selten auftreten.

Im Rahmen der am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft durchgeführten Langzeitstudie wurde untersucht, inwieweit der Bruterfolg der Kohlmeise (Parus major) von lokalen Wetterbedingungen beeinflusst wird. Es zeigte sich, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit der Küken im Nest mit steigender Anzahl der Starkregentage (> 20 mm/Tag) abnahm. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Journal of Avian Biology veröffentlicht.

Mehr dazu findet sich hier: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jav.02418

Wissenschaftliche Kontakte:

Dr. Eva Maria Schöll: eva.schoell(at)boku.ac.at,

PD Dr. Sabine Hille: sabine.hille(at)boku.ac.at


Aller guten Dinge sind drei!

Das dritte erfolgreiche Rigorosum am IJW für heuer bestritt Marcia Sittenthaler mit Bravour.

Mit ihrer Dissertation über den Fischotter in Österreich überzeugte sie die Gutachter und den Prüfungssenat.

Wir gratulieren herzlich!


Wirbeltierpopulationen in Österreich seit 1990 um 40% geschrumpft!

Wirbeltierpopulationen in Österreich seit 1990 um 40% geschrumpft!

Der Verlust an Biodiversität stellt eine der größten Herausforderungen des Anthropozäns dar.

Um Biodiversität zu quantifzieren, werden verschiedene Indizes herangezogen. Für Wirbeltiere hat der World Wide Fund for Nature (WWF) den Living Planet Index (LPI) entwickelt. Er gibt die globale Entwicklung der Populationsgröße verschiedener Arten wieder. Katharina Semmelmayer und Klaus Hackländer vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft haben den LPI für österreichische Wirbeltierpopulationen berechnet und das traurige Ergebnisse in der Zeitschrift "Die Bodenkultur" publiziert (https://content.sciendo.com/view/journals/boku/71/1/article-p19.xml): 

Die Wirbeltierpopulationen gingen in Österreich um durchschnittlich 40% zurück, doppelt so stark wie im globalen Vergleich!


Problemwolf in Salzburg

Die BH St. Johann im Pongau hat gestern per Bescheid einen Wolf zum Abschuss freigegeben, der im letzten Jahr auf der Tofernalm mehrere Schafe in kurzer Zeit gerissen hat (Link zum entsprechenden Artikel auf der Internetseite des Landes Salszburg).

In diversen Medien wird suggeriert, dass ein Gutachten von Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer die Grundlage  diese Entscheidung darstellt (z.B. https://salzburg.orf.at/stories/3053558/).

Um Missverständnissen entgegenzuwirken und die Grundlagen für die Entscheidung transparent zu machen, stellen wir hier das besagte Gutachten zur Verfügung.

Hier das Gutachten zum Download (PDF)

Darin wird nicht der Abschuss als erste Wahl empfohlen, sondern der Fang, die Besenderung und die Vergrämung des potentiellen Problemwolfes. Davon unbenommen bleibt natürlich die Frage der Relevanz der aktuellen Entscheidung, da der besagte Wolf das betroffene Gebiet offensichtlich bereits seit Längerem verlassen hat.