Zukunftskonferenz für eine nachhaltige Jagd

Wien, 25.Nov.2011
Die Jagd der Zukunft ist eine verantwortliche und weise Nutzung natürlicher Ressourcen

Hochrangige Vertreter aus der Jagd, Politik, Verwaltung, Naturschutz, Grundbesitzerverbänden und der Jagdpresse fanden sich im Rahmen der Zukunftskonferenz "10 Jahre Kriterien und Indikatoren einer nachhaltigen Jagd" an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) ein, um über die Zukunft der Jagd in Österreich zu diskutieren. Univ. Prof. Dr. Klaus Hackländer, Vorstand des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU, der durch das Programm führte, wies darauf hin, dass laut Weltnaturschutzorganisation IUCN die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen einen wesentlichen Beitrag zum Artenschutz leisten kann. "Die selbstkritische Reflexion vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit ist für die Jagd überlebenswichtig", so Hackländer. Doch was kennzeichnet eine nachhaltige Jagd? Dazu referierten DI Josef Hackl und DI Wolfgang Lexer (Umweltbundesamt), Ao. Univ. Prof. Dr. Friedrich Reimoser (Vet. Med. Univ. Wien) und DI Martin Forstner (WWN, Techn. Büro für Forstwirschaft) aus dem von ihnen gemeinsam mit DI Felix Heckl (Umweltbundesamt) erstellten Katalog an Prinzipien und Kriterien. Seit nunmehr 10 Jahren steht der Jägerschaft damit ein praktikabler Leitfaden zur Verfügung, der anhand eines Selbsttests die Nachhaltigkeit des Weidwerks aus ökologischer, ökonomischer und soziokultureller Sicht ermöglicht. Im Verlauf der Tagung kamen Vertreter europäischer (FACE, European Landowner's Organization) und internationaler (CIC) Organisationen zu Wort, um den Gedanken der Nachhaltigkeit in ihrer Verbandsarbeit zu erläutern. Erfolgreiche Best-Practice-Modelle für die Umsetzung der Nachhaltigkeitskriterien wurden auch von DI Martin Forstner für größere Land- und Forstbetriebe und vom Akademischen Jagdwirt Kurt Hofer (Fair Hunt) für innovative Jagdtourismusunternehmen dargelegt. Das vernetzte Zusammenspiel aller Interessensgruppen sei mehr denn je gefordert, so auch Dr. Georg Erlacher (Österr. Bundesforste AG), der eindringlich die Grundeigentümer und die Jäger dazu ermahnte, Verantwortung für zum Teil überhöhte Wildbestände und daraus resultierender Nutzungskonflikte in der Natur- und Kulturlandschaft zu übernehmen. Spannend geführt wurde die abschliessende Podiumsdiskussion nach einem Ausblick in die Zukunft des Jägers im Jahr 2030, skizziert von Prof. Dr. Beutelmeyer (market Institut) auf Basis einer repräsentativen Umfrage. Demnach "verfüge der Jäger der Zukunft über ein umfangreicheres theoretisches jagdliches Wissen, jedoch wird er praktisch immer weniger in der Lage sein, dieses aufgrund mangelnder Zeitressourcen auch umszusetzen. Den Jägern gelinge es zunehmend weniger, glaubwürdig Naturkompetenz zu vermitteln", so Beutelmeyer. Für die Zukunft wird es notwenig sein, die Nachhaltigkeitsstrategie in der Jagd verstärkt in der Aus- und Weiterbildung der Jägerschaft einzubauen und die wesentlichen Inhalte permanent nach innen und aussen zu kommunizieren. Des Weiteren wurde von den Teilnehmern die Notwendigkeit gesehen, die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen in einem integralen Ansatz zu beleuchten, bei dem neben Land- und Forstwirschaft auch die Freizeitwirtschaft eingebunden wird. Die gegenseitige Berücksichtigung der Interessensgruppen bildet die Basis für die Nachhaltigkeit und ein konfliktfreies Miteinander - zum Wohle des Wildes und der Gesellschaft. (Abb. v.l.n.r.): Dr. Lebersorger (Zentralstelle der Österr. Landesjagdverbände), DI Montecuccoli (Land & Forst Betriebe Österreich), Mag. Mair-Markart (Naturschutzbund Österreich), von Münchhausen (Deutsche Wildtier Stiftung), Dr. Seltenhammer (Lebensminsterium).

Weitere Informationen und Vorträge finden Sie hier (downloads): Programm der Festveranstaltung "10 Jahre Kriterien und Indikatoren einer nachhaltigen Jagd" Ein Gedicht für Jäger und Förster - aus: "Lieder und Reimereien eines alten Grünrocks" von Carl Eduard Ney, 1841 - 1915.

Referate:
Zur Entwicklung der Jagd im Sinne der Nachhaltigkeit - Vortrag F.Reimoser, Vortrag S.Hackl
Zur Messbarkeit der Nachhaltigkeit in der Jagd - Vortrag W.Lexer
Internationale Entwicklungen, insbesondere in der EU - Vortrag K.Hecker, Vortrag Rupprechter-Rödlach, Vortrag P.Miller-Aichholz Erfahrungen mit nachhaltiger Jagd in der Praxis - Vortrag M.Forstner
Nachhaltigkeit und Jagdtourismus - Vortrag K.Hofer
Zukunftsvision 2030: Wie kann die Jagd in zwei Dekaden aussehen? - Vortrag W.Beutelmeyer Literatur:
Reimoser, F., Lexer, W., Brandenburg, Ch., Zink, R., Heckl, F., Bartel, A., Ferner, B. & Muhar, A. (2008) Integriertes nachhaltiges Wildtiermanagement im Biosphärenpark Wienerwald. MAB-Programm, Projektendbericht, Wien (Bericht, 14,7MB, pdf).

Forstner, M., Reimoser, F., Lexer, W., Heckl, F. & Hackl, J. (2006) Nachhaltigkeit der Jagd. Prinzipien, Kriterien und Indikatoren. Umweltbundesamt, Monographie, Erweiterte Fassung, Wien (Bericht, 1,7MB, pdf). Forstner, M., Reimoser, F., Lexer, W., Heckl, F. & Hackl, J. (2006) Sustainable Hunting. Principles, Criteria and Indicators. Umweltbundesamt, Vienna, Austria (Überarbeitete und ergänzte Version des Berichtes - in englisch, pdf).