Gärtnerische Kultur- und Verwendungspraxis von Pflanzen im Siedlungsgrün

Zeitgemäße Pflanzgestaltungskonzepte haben ästhetische, ökologische und soziale Funktionen zu erfüllen. Nachhaltigkeit und Bioökonomie in der Zierpflanzenverwendung sind besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Klimaerwärmung sowohl im öffentlichen Grün wie auch für den privaten Garten gefordert.

Daher bezieht sich ein Teil der gartenbaulichen Forschung auf anwendungsorientierte Untersuchungen zur ostösterreichischen bzw. pannonischen Saum-, Halbtrockenrasen- und Trockenrasenvegetation. Es resultieren spezielle Ansaatmischungen in Kombination mit Auspflanzungen von krautigen Arten für das niederösterreichische Gemeindegrün oder nachhaltige Gestaltungsvarianten mit Einjährigen, Stauden und Kleingehölzen.

Die Anpassung von Pflanzungen an zunehmend extreme Standortbedingungen im Siedlungsfreiraum betrifft häufig Themen urbaner Gestaltungstrends wie extensives Platz- und Straßengrün, mobile Gärten oder Regenwassermanagement. Intensiver Nutzungsdruck sowie Hitze- und Niederschlagsextreme im städtischen Umfeld begünstigen Überlebenskünstler unter den Pflanzen - die österreichische Steppenvegetation ist damit von besonderem gärtnerischen Interesse, aber auch Pflanzenarten weiterer Herkunft. Für ein längerfristiges ansprechendes - ästhetisches und vitales - Siedlungsrün sind geeignete Pflanzen und Pflanzkonzepte entscheidend. Mit bewährtem Wissen und einem Verständnis für die Dynamik von Pflanzengemeinschaften entscheiden PlanerInnen über die Qualität von Pflanzungen - ausgehend vom Planungsaufwand über das atmosphärische Erscheinungsbild bis zu den für einen langfristigen Erhalt notwendigen Pflegeeingriffen.

Energy Globe Award 2020 Nachhaltige und innovative Staudenpflanzungen unter den besten Umweltprojekten aus Oberösterreich!

Mit dem Projekt „Zwischen Garten und Landschaft“ im Rahmen der Landesgartenschau 2019 in Aigen-Schlägl schafft das BOKU-Projektteam Sabine Plenk (Gartenbau), Barbara Brandstätter und Marlis Rief (Landschaftsarchitektur) eine Nominierung für die drei finalen Beiträge in der Kategorie Erde. Ein deutliches Statement gegen das Wachsen von Asphaltflächen und die


 

Im Rahmen einer erstmalig bio-zertifizierten Gartenschau legten die drei Pflanzplanerinnen den Fokus auf eine klimaangepasste, artenreiche und pflegeextensive Begrünung zum speziellen Einsatz im öffentlichen Gemeindefreiraum. Die Landschaft mit ihren Standortfaktoren, nachhaltig produziertes Pflanzgut und ein ressourcenschonendes Kreislaufdenken in der Pflanzenkultur bildeten den Rahmen für pflanzgestalterische Interventionen auf einer Gesamtfläche von 2000 m².  Ein erweitertes Verständnis im Umgang mit der Herkunft der ausgewählten Arten, der pflanzenbezogene Dialog zwischen Vertrautem und Neuem, Nützlichem und Schönem und das jahreszeitliche Erleben von Wachsen, Blühen und Reifen waren dabei wichtige kulturelle und soziale Komponenten.

Die Pflanzungen sind nach der Gartenschau in die öffentliche Nutzung übergegangen. Damit bietet sich die seltene Gelegenheit zu einer langfristigen wissenschaftlichen Beobachtung von Bestandsentwicklung und Pflegemanagement in der Praxis.

Das Projekt mit seinen besonderen Lösungen im nachhaltigen Umgang mit Pflanzen setzt ein wichtiges Zeichen gegen die zunehmende Bodenversiegelung und das Aufheizen von Stadträumen. Die Pflanzenkonzepte eignen sich für den Einsatz auf Plätzen, in Parkanlagen, entlang von Wegen und Straßen, auf Parkplätzen, in Wohnhausanlagen bis hinein in private Gartenflächen.