"ABOWAT" Alternative Beikrautregulierung im Obst- und Weinbau auf Basis autonomer Technologien

Im Wein- und Obstbau stellt der Unterstockbereich einen höchstsensiblen Bereich hinsichtlich Wasser- und Nährstoffkonkurrenz zu den Kulturpflanzen dar. Dominante Problemunkräuter - wie z.B. die Gemeine Quecke - können zu Wuchsdepressionen, geringerer Reservestoffeinlagerung, höherer Ausfallrate und geringeren Erträgen der Kulturpflanzen führen.

Vielfach wird derzeit im Wein- und Obstbau noch Glyphosat im Unterstockbereich zur Beikrautkontrolle eingesetzt.

Aufgrund der derzeitigen Diskussion über den Wirkstoff Glyphosat sind viele Betriebe bestrebt auf alternative Verfahren der Unterstockbodenpflege umzustellen. Neben der gewünschten beikrautunterdrückenden Wirkung der verschieden Maßnahmen können die verursachten Nebenwirkungen ein Problem für das Ökosystem im Wein- und Obstbau (z.B. Erosion, Nützlingsreduktion, Stammverletzungen) darstellen.

Im Rahmen des Projekts „Alternative Beikrautregulierung im Obst- und Weinbau auf Basis autonomer Technologien“ werden verschiedene alternative Maßnahmen wie z.B. eine neuartige biologisch abbaubare Mulchabdeckung oder natürliche Substanzen auf ihre beikrautunterdrückende Wirkung untersucht. Des Weiteren ist es das Ziel abzuklären, welchen Effekt diese neuartigen Maßnahmen auf Nützlinge (Raubmilben) und arbuskuläre Mykorrhizapilze haben.

Diese neuen evaluierten Maßnahmen sollen Eingang in die Praxis finden, um eine nachhaltige Produktion und die Förderung der Biodiversität sicherzustellen.

Sedentäre pflanzenparasitäre Nematoden – „unsichtbare“ Schädlinge an Kulturpflanzen

Sedentäre Zysten- und Wurzelgallennematoden zählen zu den ökonomisch gesehen wichtigsten Schädlingen in der Landwirtschaft. Vertreter beider Gattungen besitzen ein großes Schadpotential. In den parasitierten Wurzeln kommt es zur Bildung eines Nährzellengewebes, von dem die Nematoden die benötigte Energie beziehen. Die Parasitierung bewirkt eine massive Umleitung an Nährstoffen, wodurch es zu den ertragsmindernden und schädigenden Effekten an den Kulturpflanzen kommt. Haben sich die Schädlinge einmal im Feld etabliert, ist es schwierig diese effektiv zu bekämpfen. Physikalische Sanierungsmaßnahmen sind teuer und zeitintensiv, chemische Bekämpfung trifft häufig Nicht-Zielorganismen.

Viele Nematoden-Arten sind darüber hinaus polyphag; das bedeutet, dass sie imstande sind eine Vielzahl an unterschiedlichen Wirtspflanzen zu parasitieren. Weiters sind die auftretenden Symptome häufig unspezifisch und werden demnach vom/von der  Landwirt/In häufig übersehen bzw. unterschätzt. Aus diesen Gründen ist es notwendig, eine Verbreitung dieser Kulturschädlinge möglichst zu unterbinden. Auf entsprechende Hygiene in der Kulturführung und die Vermeidung der Verbringung von mit Nematoden kontaminiertem Erdreich ist zu achten. Die entsprechende Wahl der resistenten/toleranten Sorten oder Anbau von Nicht-Wirtspflanzen in der Fruchtfolge ist ebenso von Bedeutung.

Alternativ dazu wird unter der Leitung von Dr. Krzysztof Wieczorek am Institut für Pflanzenschutz der BOKU an der Interaktion zwischen wurzelendophytischem Pilz, Wirtspflanze und pflanzenparasitären Nematoden geforscht. Das Projekt zielt darauf ab, molekulare Mechanismen hinter dieser Interaktion besser zu verstehen und mögliche antagonistische Effekte des Pilzes auf die Nematoden zu identifizieren. In weiterer Folge sollen der Pilz bzw. seine Ausscheidungen zur Entwicklung einer biologischen und nachhaltigen Kontrollmethode gegen Nematoden weiterentwickelt werden.

Dieses Projekt wird vom FWF finanziert und die erhaltenen Ergebnisse werden 2020/2021 in relevanten Fachjournalen publiziert.

Ist eine effiziente Spinnmilbenbekämpfung durch die Raubmilbe "Phytoseiulus persimilis" auch bei Hitzestress möglich?

Projekttitel: Auswirkungen von Hitzewellen auf eine Räuber-Beute Beziehung

Programm: FWF-Einzelprojekt

Projektleitung: Institut für Pflanzenschutz, BOKU

Ansprechpartner: Mag. Dr. Andreas Walzer

Aufgrund der Klimaerwärmung sind längere Hitzewellen mit höherer Intensität und Häufigkeit in den nächsten Jahren zu erwarten. Organismen können sich an Hitzestress durch plastische Modifikationen bis zu einem gewissen Grad anpassen. Was passiert aber, wenn ein Räuber und seine Beute unterschiedliche plastische Anpassungspotenziale haben? Führt dies zu einer Entkoppelung der meistens fein abgestimmten Räuber-Beute Beziehungen? Diese Fragen sollen anhand der Raubmilbe Phytoseiulus persimilis und dessen Beute, der Spinnmilbe Tetranychus urticae, die im biologischen Pflanzenschutz prominente Gegenspieler sind, untersucht werden. 

Naturnahe Landschaftselemente in der Nähe von Weingärten können Schädlingsausbrüche und den Pestizideinsatz verringern

Laut einem in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Ecology Letters (bitte für den Artikel hier klicken) veröffentlichten Artikel von UC Davis in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur können naturnahe Landschaftselemente in der Nähe von Weingärten den Ausbruch von Schädlingen verringern und den Pestizideinsatz reduzieren.

 

Ein fünfköpfiges internationales Team unter der Leitung von Dr. Daniel Paredes am UC Davis in Kalifornien analysierte eine 13-jährige Datenbank aus Andalusien, um festzustellen, wie naturnahe Landschaftselemente rund um 400 spanische Weingärten den Schädlingsbefall durch den Bekreuzten Traubenwicklers (Lobesia botrana) und den Insektizideinsatz beeinflussen. Bei der Ernte war der Schädlingsbefall in monotonen, von Weingärten dominierten Landschaften im Vergleich zu strukturreichen Landschaften mit einem höheren Anteil von naturnahen Landschaftselementen viermal so hoch. Dieses Ergebnis weist darauf hin, dass einfache, monotone Landschaften den Ausbruch des Traubenwicklers und folglich auch die Häufigkeit des Insektizideinsatzes stark erhöhen können. Im Gegensatz dazu werden in Weingärten, die in vielfältigeren Landschaften eingebettet sind, deutlich weniger Insektizide eingesetzt.

 

Diese Forschungsarbeit zeigt deutlich die Bedeutung des Landschaftseinflusses auf das betriebliche Schädlingsmanagement in Weingärten auf. Diese Zusammenhänge konnten jedoch nur durch diese langjährigen, großen Datensätze aufgezeigt werden, die Dr. Daniel Paredes federführend ausgewertet hat.

Diese Forschungsarbeit wurde durch das paneuropäische Forschungsprojekt SECBIVIT „Szenarien für die Bereitstellung multipler Ökosystemleistungen und Biodiversität in Weinbaulandschaften“ finanziert, das von Dr. Silvia Winter von der Universität für Bodenkultur in Wien koordiniert wird.

Weiterführende Informationen finden Sie in der aktuellen Top-Story der Universität für Bodenkultur.

Untersuchungen zur chemischen Ökologie und Wirtspflanzenselektion des Rübenderbrüsslers "Bothynoderes punctiventris"

Projekttitel: Untersuchungen zur chemischen Ökologie und Wirtspflanzenselektion des Rübenderbrüsslers Bothynoderes punctiventris

Programm: Pfeil 20

Projektleitung: Institut für Pflanzenschutz, BOKU

Ansprechpartnerin: Ao. Prof. Dr. Elisabeth Koschier

Der Rübenderbrüssler verursacht enorme Schäden im österreichischen Zuckerrübenbau. Ziel des Projektes ist es, offene Fragen im Bereich der Wirtspflanzenfindung von B. punctiventris zu klären. Geplant sind Untersuchungen zur Attraktivität und Nahrungseignung von (Neben-)Wirtspflanzen sowie zur anlockenden oder abweisenden Wirkung von sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und mineralischen Substanzen. Kenntnisse über die Verhaltensweisen dieses Schädlings sind Voraussetzung für die Entwicklung künftiger nachhaltiger Bekämpfungsstrategien.

Faktenbasis zur Glyphosat-Diskussion – breit verständlich aufbereitet

Unter der Leitung von Prof. Siegrid Steinkellner erstellten 25 Wissenschaftler dreier BOKU-Institute sowie der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) eine umfangreiche "Nationale Machbarkeitsstudie zum Glyphosatausstieg". Sie wurde im Sommer 2019 vorgelegt. Link zur Studie.

Alwin Schönberger hat u.a. diese Studie im Magazin "profil" zu einer detailreichen, aber breit verständlichen Titelstory verarbeitet. Diesen begrüßenswert faktenbasierten Beitrag zu einer manchmal überschießend emotional geführten Diskussion lesen Sie hier: Link zur Titelstory im "profil".

„Pflanzenschutz – Notwendigkeit oder Übel?“ – ein Vortragsabend bei den „Sceptics in the Pub“

"Skeptics in the Pub“ diskutieren, so ihre Selbstdarstellung, die heißen Eisen aus Wissenschaft, Technik und Gesellschaft bei kaltem Bier. Im November 2019 luden Sie Prof. Siegrid Steinkellner zu einem Vortrag ins Wiener Area und produzierten dabei das hier verlinkte Youtube-Video. Es bietet einen kompakten Überblick über Nutzen, Probleme und Risiken zeitgemäßer Pflanzenschutzstrategien - als hilfreiche Faktenbasis für jede Diskussion über dieses Thema. Hier geht es zum Youtube-Video.

Pflanzenschutz-Nachwuchs mit dem Georg Prosoroff-Preis ausgezeichnet!

Im Rahmen der 60. Österreichischen Pflanzenschutztage 2019 wurden mit Andreas Schmolmüller, Lisa Sitavanc und Theresa Steiner drei BOKU-Studierende für ihre Masterarbeiten am Institut für Pflanzenschutz durchgeführten Arbeiten ausgezeichnet.

Der Georg Prosoroff-Preis für Forschungsarbeiten zum integrierten Pflanzenschutz ist mit 3.200 Euro dotiert und wird für wissenschaftliche Arbeiten (Dissertationen, Diplom- bzw. Masterarbeiten etc.) vergeben, die sich Themen des integrierten Pflanzenschutzes zur Sicherung einer nachhaltigen und bedarfsdeckenden Produktion von pflanzlichen Erzeugnissen in der Landwirtschaft widmen.

Der erste Preis ging an Andreas Schmolmüller für seine Masterarbeit „The development of a plant disease forecast model for Pseudocercospora fijiensis, the causative agent of Black Sigatoka banana disease, using high resolution microclimatic data".

Den zweiten Preis holte sich Lisa Sitavanc. Sie untersuchte in ihrer Masterarbeit „Einflussfaktoren auf die Ascosporenentlassung aus Chasmothezien des Echten Mehltaus der Rebe“.

Der dritte Preis ging an Theresa Steiner für ihre Masterarbeit „Heat stress effects on egg number and size of the spider mite biocontrol agents Phytoseiulus persimilis & Neoseiulus womersleyi“.

Das Institut für Pflanzenschutz gratuliert herzlich!