Leistungsvereinbarung 2019-2020: Projekt "Voll gut drauf? Psychosoziale Gesundheit an der BOKU"

Grundlagen, Relevanz und Motivation

„Psychisch gesund fühlt sich eine Person, wenn sie ihre intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten ausschöpft, die alltäglichen Lebensbelastungen bewältigt, produktiv arbeitet und in der Gemeinschaft einen Beitrag leisten kann." (WHO 2003).

Die jüngsten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigen, dass in den Industriestaaten seelisches Leid die größte Gesundheitsgefahr im 21. Jahrhundert sein wird: 2020 werden psychische Leiden nach Herz-Kreislauferkrankungen an zweiter Stelle liegen. 1 von 4 Menschen haben im Laufe ihres Berufslebens Probleme im Bereich psychosozialer Gesundheit. 25 Tage dauert durchschnittlich ein durch psychische Erkrankungen verursachter Krankenstand. 21 Mrd. Euro Kosten entstehen jährlich in deutschen Unternehmen durch Krankenstände in diesem Bereich (WHO, 2001/BKK Health Report, 2013/Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2014)

Laut Robert Koch Institut erkrankt die Hälfte der EU-Bevölkerung im Verlauf des Lebens mindestens einmal an einer psychischen Störung.

Diese Zahlen decken sich auch mit den Ergebnissen der BOKU Mitarbeiter*innenbefragung 2013 und 2016, wo anhand eines Ampelsystems gefährdete Personen anonymisiert sichtbar gemacht wurden.

Da auch eines der 10 Gesundheitsziele Österreichs – „Gesundheitsziel 9 - Psychosoziale Gesundheit bei allen Bevölkerungsgruppen fördern“ einen politisch relevanten Fokus erhalten hat, möchte die „Gesunde BOKU“ in den nächsten 3 Jahren einen Projektschwerpunkt auf das Thema „psychosoziale Gesundheit am Arbeitsplatz“ legen und nachhaltig an der BOKU im bestehenden betrieblichen Gesundheitsmanagement verankern. Fokus liegt auf Prävention - Förderung - Erhaltung und Wiederherstellung der psychosozialen Gesundheit und damit auch der Arbeitsfähigkeit. Das Konzept der Salutogenese von Antonovsky dient als Orientierungshilfe und Grundgerüst.

Berufsbezogene psychosoziale Belastungen und Beanspruchungen sind zB.

  • Konflikte, psychischer Druck, Belästigungen am Arbeitsplatz, Mobbing und Diskriminierung
  • Burnout, Depressive Störungen, Depressionen
  • Arbeitssucht, Süchte (Online, Digital, Drogen, ...)
  • Schlechte Erholungsfähigkeit, Stress, Arbeitsverdichtung
  • Fehlende Wertschätzung/Anerkennung
  • Fehlen von alternsgerechter Unterstützung im Hinblick auf sich stets wandelnde Arbeitsanforderungen
  • Definiert in 4 Dimensionen zur Evaluierung psychischer Belastungen (1. Aufgabenanforderungen und –tätigkeiten; 2. Sozial- und Organisationsklima; 3. Arbeitsumgebung; 4. Arbeitsorganisation und –abläufe) – hierzu haben wir bereits an der BOKU für die Departments und Außenstellen aussagekräftige Daten und Fakten welche zielgerichtete Maßnahmen ermöglichen

 

Zielgruppe

  • psychosozial gefährdete, belastete und erkrankte Menschen
  • Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Belastungen (z.B. ältere Personen, Menschen mit Betreuungspflichten, Behinderte)
  • Burnoutgefährdete Personen - laut Mitarbeiter*innenbefragung ca 16% + 3,8% die sich im Burnout befinden
  • Mitarbeiter*innen im technischen und administrativen, Forschungs- und Lehrbereich mit häufigem Studierenden-Kontakt
  • Drittmittelpersonal
  • Teilzeitmitarbeiter*innen
  • Gemobbte
  • Altersgruppen 50+
  • Menschen die aus verschiedenen Gründen keine ausgeglichene Erholungs-/Belastungsbilanz haben