PRÄHISTORISCHER SALZBERGBAU IN HALLSTATT

In der Archäologie spielen Holzfunde eine eher weniger prominente Rolle, dies auch deshalb weil Holzfunde in größerem Umfang selten gemacht wurden. Völlig anders stellt sich jedoch die Situation im prähistorischen Salzbergbau in Hallstatt dar. Zu einem gibt es eine Unzahl an Holzfunden, die durch die Konservierung im Salz perfekt erhalten blieben, und anderseits wurden seit den Grabungen im späten 19.Jhdt. die Holzfunde sorgfältig archiviert. Es steht nun ein Archiv an Holzfunden beginnend in der Bronzezeit (rund 1250 vor Christi Geburt) bis hin zur Römerzeit (ca. 2.Jhdt. AD) zu Verfügung.

Das Salzbergwerk und das prähistorische Gräberfeld in Hallstatt, OÖ, sind Österreichs bedeutendste archäologische Fundstätten. Die Funde aus dem früheisenzeitlichen Gräberfeld waren ausschlaggebend für die Benennung einer ganzen Epoche der europäischen Geschichte nach diesem Ort – Hallstatt Zeit, 8. – 4. Jhdt v. Chr. Die beschriebenen Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf den bronzezeitlichen Salzbergbau, und zwar auf die Grabungen im Alten Grubenoffen, Christian-Tusch-Werk.

In diesem bronzezeitlichen Abbaubereich graben die Archäologen des Naturhistorischen Museums in Wien seit 14 Jahren. Es wurden mehr als 500 Proben genommen, die Holzart bestimmt und dendrochronologische bearbeitet.

Grundriss der Grabungen im Tusch-Werk mit allen Grubenhölzern und der Holzartenverteilung

Eine Archäologische Sensation stellt die älteste Holzstiege der Welt dar. Sie wurden im Christian von Tusch-Werk, Alter Grubenoffen, als einziges nicht verstürztes Bauwerk gefunden.

Die älteste Holzstiege der Welt im bronzezeitlichen Salzbergbau in Hallstatt

Im Sommer 2005 konnten die Hölzer des Christian von Tusch-Werkes, Alter Grubenoffen dendrochronologisch, jahrgenau datiert werden: Die letzten Proben aus dem Abbaubereich datieren auf 1245 v. Chr.; die Stiege wurde 1344 v. Chr. Erbaut.

Die datierten Hölzer aus dem Tusch-Werk (Tanne-blau, Fichte-grün, Buche-rot, Lärche-violett, Ahorn-gelb)

Zur Erstellung der passenden Referenzchronologie mussten im Wasser des Schwarzen Sees (Dachstein) und im feuchten Milieu des Hochmoores Karmoos (Hallstatt) konservierte Baumstämme geborgen und beprobt werden.

Beprobung des Schwarzen Sees (Dachstein), und des Karmoos in Hallstatt

Alle Hölzer zusammenfassend konnte eine Chronologie zurück bis in das Jahr 1526 v. Chr. erstellt werden.

Die Belegungsdichte der Chronologien (Hallstatt und Dachstein)

DATIERUNG MITTELALTERLICHER KIRCHENDACHSTÜHLE

In Zusammenarbeit mit dem Bauforscher Dr. Hermann Fuchsberger werden systematisch alle mittelalterlichen Kirchendachstühle aufgesucht, vermessen, typisiert und dendrochronologisch beprobt.

VARIABILITÄT DES KLIMAS IN DEN ALPEN

Im Rahmen des EU-Projektes „ALP-IMP“ (http://www.zamg.ac.at/ALP-IMP/) wurden alpine Standorte und zwei Seen beprobt.

DIE GESCHICHTE DER HOLZTRIFT IM NATIONALPARK KALKALPEN

Der Erzabbau und das Schmelzen in Innerberg (Eisenerz) beanspruchten sämtliche Wälder in Form von Holzkohle und Brennholz in dieser Gegend. Deshalb durften sich die Eisenverarbeitenden Betriebe nicht in dieser Gegend ansiedeln, sondern mussten sich entlang der Handelswege – Eisenstraße und Ennsfluss– niederlassen. So entwickelten sich im Raum Weyer und Steyer bald zahlreiche Eisen verarbeitende Hammerwerke. Das Urbar der Herrschaft Steyer weist 1583 bereits 24 Hämmer im Bereich Weyer auf. Im 16. Jahrhundert entstanden im Steyer- und Ennstal rund 40 Sensenwerke. Der große Bedarf an Holzkohle führte rasch zu scharfer Konkurrenzierung und zu Kohlenmangel. Deshalb versuchte man jene Waldgebiete zu erschließen, die entsprechende Holzmengen liefern konnten. Die weitläufigen Waldgebiete im Reichraminger Hintergebirge und im Mollner Tal boten sich dazu an. Um die großen Distanzen vom Fällungsort zur Verkohlung zu überwinden – der Straßenbau war technisch noch nicht möglich – wurden die Wasserläufe zum Transport des Holzes genutzt.

Unter Trift versteht man das Schwemmen von losem Holz in natürlichen Fließgewässern. Im Gegensatz dazu war das Flößen der Transport von mit Seilen verbundenem Holz auf dem Wasserweg. Damit ein Bach als Triftgewässer verwendet werden konnte, musste er eine entsprechende Breite, Tiefe, günstiges Gefälle und größere Wassermassen aufweisen. Reichte das Bachwasser nicht für den Triftbetrieb aus, so errichtete man Klausen und Schwellwerke, um damit größere Wassermengen stauen und speichern zu können. Der Holztransport erfolgte dann mit dem abgelassenen Klauswasser. Das Gebiet war das für die Holztrift best erschlossene Waldgebiet Österreichs. Die Zentrale Klause – die „Große Klause“ oder „Mitterwendt Claus“ – ist bereits in der Waldordnung Rudolfs II, 1604 erwähnt. Diese ist rund 12 km von Reichraming – rund eine Stunde mit dem Klauswasser – entfernt, und mit 20 Meter Stauhöhe neben der Sitzenbachklause eine der Größten im Nationalpark Kalkalpen.

In mehrwöchigen Beprobungen wurden insgesamt 33 Triftanlagen im Reichraminger Hintergebirge und dem Sengsen-Gebirge – dem heutigen Gebiet des Nationalpark Kalkalpen – aufgesucht. Die hölzernen Reste dieser einst eindrucksvollen Bauwerke wurden beprobt. Zum Teil waren nur noch wenige Stämme, die im Wasser der Bäche konserviert wurden, vorhanden (z.B. Dukateneckklause, Leeren Sack Klause). Zum Teil jedoch waren die Bauwerke noch nahezu in ihrer gesamten Größe aufzufinden (wie z.B. Pleißaklause, Sitzenbachklause). Der Erhaltungszustand des Holzes hängt in erster Linie vom Grad der Konservierung durch Wasser oder durch Überschüttung von Geröll ab. Intakte, durchfeuchtete Stämme wurden mit einem forstlichen Zuwachsbohrer beprobt. Aus trockenem Holz wurde mit einem speziellen Hohlbohrer Bohrkerne entnommen. Bei zerstörten Strukturen, d.h. einzeln herumliegenden Stämmen, wurden zum Teil auch Stammscheiben entnommen. Insgesamt wurden aus den Triftbauwerken mehr als 500 Proben entnommen. 376 Proben konnten datiert werden.

Weiters wurden 24 Standorte, die mit möglichst alten Bäumen der Holzarten Fichte, Tanne und Lärche bestockt sind aufgesucht und beprobt. Hierbei wurden 294 Bäume beprobt und vermessen.

Ergebnis der Datierungen im Nationalpark Kalkalpen

Die „Große Klause“ (historisches Bild)  Beprobung von Klausenresten

DIE SÄRGE AUS KLEINMARIAZELL

Die Gründung des Stiftes Kleinmariazell geht auf das Jahr 1136 AD zurück. 1250 kam es zu einer völligen Zerstörung durch ein türkisches Reitervolk. Das wieder errichtet Stift wurde 1782 durch Kaiser Joseph II enthoben und 1825 versteigert.

Im Jahr 1995 wurden durch das Bundesdenkmalamt dutzende Särge unter dem Hauptschiff der Stiftskirche entdeckt und geborgen. Nahezu alle Hölzer der Särge wurden dendrochronologisch bearbeitet. Von 49 geborgenen Särgen konnten 40 datiert werden. Die ermittelten Datierungen lassen zwei Bestattungsphasen erkennen. Die erste fällt in das 12. Jhdt. Die zweite erstreckt sich über einen längeren Zeitraum vom 14. bis zum 18. Jhdt.

Skizzen der Särge bei der Bergung durch das BDA

Ergebnis der Datierungen der Särge aus Kleinmariazell