BIMat koordiniert European Training Network


Prof. Erik Reimhult vom Institut für biologisch inspirierte Materialien wird ein europäisches Ausbildungsnetzwerk (European Training Network, ETN) koordinieren zu Wundverbandmaterialien die pathogene Bakterien erkennen und abtöten könnten. Das Netzwerk umfasst Universitäten, Unternehmen und Spitäler. Ziel ist es, die nächste Generation von Forschungsleitern auszubilden und gleichzeitig neue Materiallösungen für die drängende Herausforderung der therapieassoziierten Infektionen zu erforschen.

Therapiesassoziierte Infektionen (Healthcare Associated Infections, HAIs) sind bakterielle Infektionen, die als Ergebnis einer klinischen Behandlung, z.B. nach einem medizinischen Eingriff, auftreten. HAIs sind ein Problem von enormem Ausmaß, da sich jährlich mehr als vier Millionen EG-Bürger infizieren. Das ECDC schätzt die Zahl der HAI-bedingten Todesfälle in Europa auf 147.000 pro Jahr, wobei ein großer Teil davon auf Wundinfektionen zurückzuführen ist.

Diese alarmierenden Tatsachen motivieren die dringende Notwendigkeit, neuartige medizinische Geräte zu entwickeln, insbesondere Wundverbände, die nach einem Stimulus rasch Signale aussenden und eine invasive bakterielle Besiedlung verhindern oder ausmerzen. Heutige antimikrobielle Beschichtungen beruhen auf einer langsamen, passiven Diffusion antimikrobieller Substanzen, weshalb die antimikrobielle Substanz möglicherweise nicht ausreichend konzentriert ist, um die Infektion zu beseitigen; solche Zonen niedriger Konzentration fördern die Entwicklung von Resistenzen.

Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung und beispielloser Antibiotikaresistenzen besteht ein dringender Bedarf an engagierten Forschungsleitern in Industrie und Wissenschaft, um diese Herausforderungen im Gesundheitswesen anzugehen. Diese Wissenschaftler der Zukunft werden immer noch eine Grundausbildung in Chemie oder Mikrobiologie benötigen, aber sie werden an der Schnittstelle zwischen den Disziplinen arbeiten müssen. Zukünftige Materialchemiker werden mikrobiologische Experimente durchführen und die Technik schätzen müssen, die erforderlich ist, um eine Erfindung aus dem Labor in einen Produktionsprototypen zu übertragen. Sie müssen das gesellschaftliche, geschäftliche und regulatorische Umfeld rund um die Entwicklung neuer medizinischer Geräte verstehen.

Aus diesem Grund haben sich führende akademische Forschungsgruppen und Unternehmen aus ganz Europa zusammengeschlossen, um eine Doktorandenschule zu gründen, die diese zukünftigen Forschungsleiter ausbilden und gleichzeitig Spitzenforschung betreiben soll. Univ.-Prof. Dr. Erik Reimhult, Leiter des Instituts für biologisch inspirierte Materialien in der Department für Nanobiotechnologie, wird das Konsortium koordinieren, das einen hochkompetitiven Marie Sklodowska Curie European Training Network-Förderzuschuss für die Einrichtung der europäischen Doktorandenschule in den kommenden vier Jahren erhalten hat.

Der Forschungsschwerpunkt vom ETN „Stimuli Responsive Materials for the Rapid Detection and Treatment of Healthcare Associated Infections“ (STIMULUS) liegt auf der theranostischen Behandlung von Wundinfektionen. Die Ziele sind: 1) Diagnostisch: Schaffung von Materialien, die deutlich und schnell signalisieren, wenn eine Infektion vorliegt; 2) Therapeutisch: Auslösung der Freisetzung von antimikrobiellen Mitteln zur Behandlung der Infektion; 3) Translationell und theranotisch: Integration von ansprechbaren Materialien in prototypische Wundverbände.


30.11.2020