Hotspots des Fließgewässerschutzes


Eine Studie des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement (IHG) untersuchte den Schutzstatus ökologisch intakter Fließgewässer in Österreich.

Flusslandschaften zählen weltweit zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen. Durch die intensive Nutzung der Fließgewässer und ihrer Auensysteme während der letzten Jahrhunderte sind auch österreichische Flüsse starken Belastungen, ausgesetzt – hier insbesondere durch strukturelle Änderungen und Wanderhindernisse, durch Änderungen in der Abflussdynamik und der Fließgeschwindigkeit.

Im Rahmen des Projekts „Hotspots Schutz - Ausweisung wertvoller Gewässerstrecken in Österreich und deren Schutzstatus“ analysierten Wissenschaftlerinnen des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement (IHG) im Auftrag des WWF alle Fließgewässer Österreichs mit einem Einzugsgebiet ab 10 km² in Hinblick auf ihre (ökologische) Intaktheit und ihren Schutzstatus. 

Fünf Ausgewählte Basiskriterien wurden für die Analyse der ökologischen Intaktheit bzw. Relevanz der Fließgewässer - und damit deren Schutzwürdigkeit – herangezogen:  

  • (1)    sehr guter Ökologischer Zustand (15% des Gewässernetzes)
  • (2)    sehr guter Hydromorphologischer Zustand (19%)
  • (3)    Freie Fließstrecke (17%)
  • (4)    überragende naturschutzfachliche Bedeutung begleitender Auen (1%)
  • (5)    potentieller Lebensraum vom Aussterben gefährdeter Fischarten auf Strecken mit sehr gutem oder gutem ökologischen Zustand (6%; wobei 60 % der heimischen Flussfischarten gefährdet bis hin zu vom Aussterben bedroht sind)

Für die Ausweisung des Schutzstatus wurden sowohl naturschutzrechtliche als auch wasserrechtliche Schutzinstrumente – beides mit besonderem Fokus auf strengem Schutz hinsichtlich weiterer Verbauungen – berücksichtigt. 

Die Ergebnisse der Vergleichsanalyse zeigten schließlich, dass nur rund 24% aller schutzwürdigen Strecken streng vor weiterer Verbauung und Nutzung (insbes. durch Wasserkraft) geschützt sind. 

Vor dem Hintergrund der Ausarbeitung des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes einerseits und den Vorgaben der EU Wasserrahmenrichtlinie und der FFH-Richtlinie können die Ergebnisse einen wesentlichen Beitrag zur strategischen und ausgewogenen Entscheidungsfindung bezüglich eines weiteren Ausbaues der Wasserkraft leisten.
Pressetext WWF und Download der Studie:
https://www.wwf.at/de/wwf-fordert-rettungsplan-neue-boku-studie-zeigt-leises-sterben-in-oesterreichs-fluessen/


15.05.2020