"Ein gutes Leben durch weniger Konsum – Widerspruch oder Lösungsweg? Die Bedeutung von Suffizienz für den Konsum der Zukunft"

PRE-SYMPOSIUM: 23.09.21 Online Vorträge & Diskussion

Das Haupt-Symposium wird im September 2022 als Präsenzveranstaltung an der BOKU stattfinden. Weitere Informationen dazu folgen auf dieser Website zeitgerecht.

 

Pre-Symposium: ONLINE

Wir laden Sie sehr herzlich zum diesjährigen Pre-Symposium Konsum Neu Denken zum Thema Suffizienz ein. Das Pre-Symposium findet als Online-Veranstaltung statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Hier finden Sie den Flyer mit allen Informationen.

Datum:

23.09.2021, 09-12:00 Uhr über ZOOM

 

Programm:

09:00 Begrüßung

09:15 Niko Paech (Universität Siegen): All you need is less -- eine ökonomische Logik der Genügsamkeit

09:45 Q&A

10:00 Christa Liedtke (Wuppertal Institut): Ich möchte leben … wie geht das in einer Welt voll globaler Reduktionsziele?

10:30 Q&A

10:45 Pause

11:00 Podiumsdiskission mit:

Kim Aigner (Verein SOL - Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil - Projektleitung und Referentin)

Johanna Bürger (AK - Konsumforscherin und Politische Referentin)

Livia Regen (DeGrowth Vienna - Koordinatorin Degrowth & Strategy Publication)

Christoph Schneider (WKO - Abteilungsleitung Wirtschafts- und Handelspolitik)

Moderation:

Ines Omann ÖFSE (selbständig in Nachhaltigkeitsforschung und Prozessbegleitung, ÖFSE- Associated Senior-Researcher, BMK – Koordination Klimarat)

Nähere Informationen zu den Vortragenden:

apl. Prof. Dr. Niko Paech

studierte Volkswirtschaftslehre, promovierte 1993, habilitierte sich 2005 und vertrat den Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg von 2008 bis 2016. Derzeit forscht und lehrt er an der Universität Siegen im Masterstudiengang Plurale Ökonomik. Seine Forschungsschwerpunkte sind Postwachstumsökonomik, Klimaschutz, nachhaltiger Konsum, Sustainable Supply Chain Management, Nachhaltigkeitskommunikation und Innovationsmanagement. Er ist in diversen nachhaltigkeitsorientierten Forschungsprojekten, Netzwerken, Initiativen sowie Genossenschaften tätig.

Prof. Dr. Christa Liedtke

Studium Diplom Biologie, Lehramt Sek I/II ev. Theologie und Biologie, Abschluss Dipl. Biologin. Promotion in der Zellbiologie. Seit 2003 Leiterin der Forschungsgruppe, seit 2018 der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, seit August 2012 Gast-Professorin und seit April 2016 Professorin für Nachhaltigkeitsforschung im Design an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Im Juli 2019 wurde sie in den Sachverständigenrat für Verbraucherfragen am BMJV berufen. Sie ist Mitglied im Lenkungsausschuss des SDSN Germany (Sustainable Development Solutions Network Germany). Seit Januar 2020 hat sie den Mit-Vorsitz der Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 inne. Von 2013-2019 und wieder seit 2021 ist sie Vorsitzende der Ressourcenkommission des Umweltbundesamtes. 

Zielgruppe & Anmeldung

Das Pre-Symposium richtet sich an alle interessierten Personen. Expert*innen aus Wissenschaft (Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Philosophie, Nachhaltigkeitsforschung, Bildungswissenschaften, Fachdidaktik, Politikwissenschaft und andere) und Praxis (Politik, Unternehmen, Lehrpersonen an Schulen, NGOs, Soziale Bewegungen) sind ebenso eingeladen, wie Bürger*innen mit Erfahrungen in suffizienten Lebensweisen.

Hier gelangen Sie zur Anmeldung. Diese ist bis zum 20.09.21 möglich. Die Teilnahme am Pre-Symposium ist kostenlos.

Zum Thema der Veranstaltung

Suffizienz ist im deutschen Sprachgebrauch ein relativ neuer Begriff und subsummiert in seiner Bedeutung einige ältere Begriffe und Konzepte. So kann Suffizienz unterschiedlich verstanden werden, einerseits im Sinne von Reduktion, Mäßigung oder Verzicht, oder aber im Sinne der Frage nach dem „richtigen Maß“. Der Gedanke der Mäßigung hat eine jahrhundertlange Geschichte. Religionen sehen Mäßigung als eine Tugend, Philosophen und Soziologen betrachten sie als einen Weg zu einem guten Leben (e.g., Rosa 2016), und manche Verbraucher*innen sehen darin eine frei gewählte Strategie zu mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung (e.g. Reboucas & Soares, 2020).

Während die freiwillige Einschränkung des Konsums (im Englischen: Voluntary Simplicity) in den westlichen Gesellschaften bislang als Nischenphänomen gesehen werden kann, hat die COVID19-Pandemie die breite Masse der Verbraucher*innen in ihrem üblichen Konsum in beträchtlichem Ausmaß eingeschränkt und so persönliche Erfahrung mit Verzicht auferlegt. Im öffentlichen Diskurs werden - neben nachteiligen Auswirkungen der Lockdown-Phasen – auch mögliche positive kurz- und langfristige Veränderungen durch die Beschränkungen des Konsums von Gütern und Dienstleistungen, der sozialen Kontakte, sowie der Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten besprochen. In diesem Zusammenhang wird beispielsweise Entschleunigung, Besinnung, Wertschätzung für regionalen Wertschöpfungsketten und ökologische Resilienz genannt. Inwiefern die COVID19-Krise mittel- und langfristig eine Änderung in Konsummustern bringen kann – oder möglicherweise das Gegenteil durch nachgeholten Konsum – ist abzuwarten.

Neben dem Ansatz der Suffizienz auf individueller Ebene sind institutionelle/politische (z.B. Anreize), gesellschaftliche (z.B. Werte und Normen einer Gesellschaft) sowie makroökonomische (z.B. Postwachstums-Volkswirtschaften) Rahmenbedingungen wichtige Themenfelder, die gesamtheitliche und interdisziplinäre Betrachtung benötigen. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich seit einigen Jahren eine fachübergreifende Debatte, die durch die COVID19-Pandemie aktuell verstärkt wird, ob suffiziente Lebensweisen zukunftsfähig im Sinn einer Nachhaltigen Entwicklung sind

In Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit mehren sich die Stimmen, die neben technologischen Innovationen (mit dem Ziel von Effizienzsteigerung und Reduktion von Ressourceneinsatz) die Notwendigkeit einer Änderung von Konsumgewohnheiten für die Erreichung von Klimazielen propagieren (e.g. Vita et al., 2019). Im österreichischen Kontext weisen beispielsweise die Österreichische Bioökonomie Strategie 2019 (BMNT 2019) und der Referenz-Nationaler Energie- und Klimaplan (Ref-NEKP; Climate Change Center Austria et al., 2019) auf diese Notwendigkeit hin. In Bezug auf soziale Nachhaltigkeit stellen sich zeitgleich eine Vielzahl von Fragen, etwa wie sich suffiziente Lebensstile auf verschiedene Gesellschaftsgruppen auswirken, was unterschiedliche Gesellschaftsgruppen unter suffizienten Lebensstilen verstehen und in welchem Maß sie diese akzeptieren, und welche Wirkung solche Lebensstile auf Ressourcen- und Verteilungsgerechtigkeit oder globale wie regionale Chancengleichheiten haben (e.g., Kalt & Lage, 2019). In Bezug auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit werden suffiziente Lebensstile sowohl als Chance, jedoch viel häufiger als Bedrohung von Wirtschaftsstandorten und Wohlstand gesehen. Auf individueller Ebene wird Suffizienz in Zusammenhang mit Arbeitszeitreduktion diskutiert (e.g., Pullinger, 2014). Auf betrieblicher Ebene werden vor allem alternative Konsumformen (wie Sharing-Konzepte) und Modelle der Kreislaufwirtschaft verfolgt, um aus einer Reduktion von Besitz neue Geschäftsmodelle zu schaffen (e.g., Bocken & Short, 2020).

Stellt das Konzept der Suffizienz das Paradigma wachstumsorientierter Wirtschaftssysteme in Frage? Können Alternativen (Postwachstumsökonomie; im Englischen: Degrowth) den Wohlstand von Gesellschaften trotz Konsumreduktion langfristig gewährleisten (Weiss & Cattaneo, 2017)?

Die erwähnten Aspekte sind nur einige einer Vielzahl inter- und transdiziplinärer Themen- und Problemfeldern, die mit der Vision von suffizienten Konsumgesellschaften einhergehen, und Ideen- und Lösungsfindung bedürfen. Zentral ist die Frage, ob und wie Suffizienz zu einem gängigen und von der Gesellschaft getragenen Modell werden kann. Im Rahmen des Symposiums sollen Chancen, Barrieren, Herausforderungen und Rahmenbedingungen für suffizientere Konsumgesellschaften näher beleuchtet und aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert werden.

Weiterführende Literatur (KND) - Bamberger Manifest

Veranstalter*innen

Organisator*innen des Instituts für Marketing & Innovation (BOKU):
Univ.Prof. Dr. Petra Riefler
Charlotte Baar, MSc

Wissenschaftlicher Beirat:
Prof. Dr. Oliver Büttner (Universität Duisburg-Essen)
Prof. Dr. Christian Fridrich (Pädagogische Hochschule Wien)
Dr. Renate Hübner (IUS, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt)
PD Dr. Michael Jonas (IHS Wien)
Dr. Sebastian Nessel (Karl-Franzens-Universität Graz)
Mag.a Nina Tröger (Arbeiterkammer Wien)

Kontakt

Kontaktperson: Charlotte Baar, MSc

Haben Sie Fragen zum Symposium oder benötigen Sie weitere Informationen? Wir freuen uns über Ihre Email!

Quellen

BMNT, BMBWF & BMVIT (Eds.) (2019). Bioökonomie: Eine Strategie für Österreich. www.bmk.gv.at/themen/innovation/publikationen/energieumwelttechnologie/biooekonomiestrategie.html

Bocken, N.M, Short, S.W. (2020): Transforming business models: towards a sufficiency-based circular economy, in: Brandao et al. (eds), Handbook of Circular Economy, doi.org/10.4337/9781788972727.00028

Climate Change Center Austria et al. (2019): Referenzplan als Grundlage für einen wissenschaftlich fundierten und mit den Pariser Klimazielen in Einklang stehenden Nationalen Energie- und Klimaplan für Österreich (Ref-NEKP), Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, ccca.ac.at/wissenstransfer/uninetz-sdg-13/referenz-nationaler-klima-und-energieplan-ref-nekp

Kalt, T., Lage, J. (2019): Die Ressourcenfrage (re)politisieren! Suffizienz, Gerechtigkeit und ökologische Transformation, GAIA – Ecological Perspectives for Science and Society, doi.org/10.14512/gaia.28.3.4

Pullinger, M. (2014). Working time reduction policy in a sustainable economy: Criteria and options for its design, Ecological Economics, doi.org/10.1016/j.ecolecon.2014.04.009

Rebouças, R., Soares, A.M. (2020): Voluntary simplicity: A literature review and research agenda, International Journal of Consumer Studies, doi.org/10.1111/ijcs.12621

Rosa, H. (2016): Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung, Berlin: Suhrkamp Verlag.

Vita, G., Lundström, J.R., Hertwich, E.G., Quist, J., Ivanova, D., Stadler, K., Wood, R. (2019): The Environmental Impact of Green Consumption and Sufficiency Lifestyles Scenarios in Europe: Connecting Local Sustainability Visions to Global Consequences, Ecological Economics, doi.org/10.1016/j.ecolecon.2019.05.002

Weiss, M., Cattaneo, C. (2017): Degrowth – Taking Stock and Reviewing an Emerging Academic Paradigm, Ecological Ecoonomics, doi.org/10.1016/j.ecolecon.2017.01.014

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei