5. Symposium Konsum Neu Denken - 23. - 24. September 2021

"Ein gutes Leben durch weniger Konsum – Widerspruch oder Lösungsweg? Die Bedeutung von Suffizienz für den Konsum der Zukunft. "

Das 5. Symposium Konsum Neu Denken findet von 23.-24. September 2021 an der Universität für Bodenkultur statt und soll Raum bieten, das Thema Suffizienz in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen. Neben dem kritischen Gedankenaustausch in Formaten wie Podiumsdiskussionen, Präsentationen wissenschaftlicher Erkenntnisse unterschiedlicher Fachrichtungen und Erfahrungsberichten verschiedener Akteur*innen, möchte das Symposium auch Impetus zu neuen Ideen und Forschungsthemen in verschiedensten Disziplinen geben und zur inter- und transdisziplinären Vernetzung beitragen.

Ziel der Symposiumreihe Konsum Neu Denken ist es, verschiedene Perspektiven einer breit verstandenen Konsumforschung in Austausch zu bringen.

Hier finden Sie den vollständigen Call im PDF Format.

Zielgruppe & Anmeldung

Das Symposium richtet sich an alle interessierten Personen. Expert*innen aus Wissenschaft (Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Philosophie, Nachhaltigkeitsforschung, Bildungswissenschaften, Fachdidaktik, Politikwissenschaft und andere) und Praxis (Politik, Unternehmen, Lehrpersonen an Schulen, NGOs, Soziale Bewegungen) sind ebenso eingeladen, wie Bürger*innen mit Erfahrungen in suffizienten Lebensweisen.

Die Teilnahme am 2-tägigen Symposium ist kostenlos. Die Anmeldung ist von 1.06. bis spätestens 15.08. 2021 möglich.

Informationen zu Unterkünften und Anreise finden Sie hier.

Für Doktoratsstudierende besteht bei Bedarf die Möglichkeit eines Reisekostenzuschuss, bitte wenden Sie sich hierfür an suffizienz-symposium(at)boku.ac.at.

Weitere Details zur Anmeldung folgen in Kürze.

Call for papers

Das Symposium möchte einen Beitrag zur Verbraucherforschung im Zusammenhang mit (ökologischer, sozialer, und wirtschaftlicher) Nachhaltigkeit und suffizienten Lebensstilen leisten. Hierfür laden wir zur Einreichung von Beiträgen zu den Themenbereichen Suffizienz/ Reduktion/ Verzicht/ Mäßigung/ Degrowth/ Voluntary Simplicity und verwandten Aspekten aus verschiedenen Fachrichtungen und Perspektiven ein.

Neben Beiträgen zu den folgenden exemplarischen Fragestellungen sind auch Beiträge zu nicht explizit genannten Aspekten und Themen herzlich willkommen.

  1. Welche (historische, aktuelle und zukünftige) Bedeutung hat Konsumreduktion als gesellschaftliches Phänomen?

  2. Welche Voraussetzungen sind für suffiziente Lebensstile notwendig (wie bspw. Einkommensverteilung, gesellschaftliche Werte, persönliche Einstellungen, institutionelle Unterstützung, u.a.)? Welche institutionellen Rahmenbedingungen sowie individuelle und soziale Faktoren unterstützen die Etablierung von suffizienten Lebensstilen?

  3. Wie gestaltet sich der Alltag von Menschen, die bereits suffiziente Lebensstile wählen? Welche Barrieren und Hindernisse gibt es bei der Umsetzung von suffizienten Lebensweisen? 

  4. Wie wirken sich suffiziente Lebensstile auf das persönliche Well-Being aus?

  5. Welchen Beitrag kann Suffizienz für den Umwelt- und Klimaschutz, individuelle Lebensqualität und eine gerechte Gesellschaft leisten?

  6. Welche volkswirtschaftlichen Folgen ergeben sich durch die Etablierung von suffizienten Lebensweisen in der Gesellschaft? Was bedeutet Suffizienz für Märkte sowie für die Messung von volkswirtschaftlicher Leistung und Wachstum? Welche Degrowth-Konzepte sind zukunftsfähig?

  7. Ist Suffizienz ökonomisch in einem globalen Wirtschaftssystem umsetzbar? Unter welchen Bedingungen? In welchem Zeithorizont?

  8. Welche problematischen Konsequenzen bringen suffiziente Konsumgesellschaften mit sich? Welche Schattenseiten, Re-Bound Effekte, und Gegenbewegungen sind erwartbar?

  9. Welchen Beitrag kann eine plurale, schüler*innen- und lebensweltorientierte Wirtschafts- und Verbraucher*innenbildung zum Themenfeld Suffizienz und suffiziente Lebensstile in schulischen Kontexten leisten?

  10. Wie können Lernende für dieses Themenfeld sensibilisiert werden, ohne zu moralisieren, und wie können sie von einer entsprechenden ökonomischen Bildung bei selbst gewählten suffizienten Lebensformen unterstützt werden?

Bitte reichen Sie wissenschaftliche Beiträge in Form von Extended Abstracts (Länge max. 2 A4-Seiten, inkl. Angabe von Kontaktdaten, dem Titel der Arbeit und Inhaltsbeschreibung) zu diesen und verwandten Themen bis spätestens 14. Mai 2021 ein. Doktoratsstudierende und Nachwuchswissenschaftler*innen sind ausdrücklich zur Einreichung von Beiträgen eingeladen.

Weitere Informationen zu den Details der Einreichung folgen in Kürze.

Zum Thema der Veranstaltung

Suffizienz ist im deutschen Sprachgebrauch ein relativ neuer Begriff und subsummiert in seiner Bedeutung einige ältere Begriffe und Konzepte. So kann Suffizienz unterschiedlich verstanden werden, einerseits im Sinne von Reduktion, Mäßigung oder Verzicht, oder aber im Sinne der Frage nach dem „richtigen Maß“. Der Gedanke der Mäßigung hat eine jahrhundertlange Geschichte. Religionen sehen Mäßigung als eine Tugend, Philosophen und Soziologen betrachten sie als einen Weg zu einem guten Leben (e.g., Rosa 2016), und manche Verbraucher*innen sehen darin eine frei gewählte Strategie zu mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung (e.g. Reboucas & Soares, 2020).

Während die freiwillige Einschränkung des Konsums (im Englischen: Voluntary Simplicity) in den westlichen Gesellschaften bislang als Nischenphänomen gesehen werden kann, hat die COVID19-Pandemie die breite Masse der Verbraucher*innen in ihrem üblichen Konsum in beträchtlichem Ausmaß eingeschränkt und so persönliche Erfahrung mit Verzicht auferlegt. Im öffentlichen Diskurs werden - neben nachteiligen Auswirkungen der Lockdown-Phasen – auch mögliche positive kurz- und langfristige Veränderungen durch die Beschränkungen des Konsums von Gütern und Dienstleistungen, der sozialen Kontakte, sowie der Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten besprochen. In diesem Zusammenhang wird beispielsweise Entschleunigung, Besinnung, Wertschätzung für regionalen Wertschöpfungsketten und ökologische Resilienz genannt. Inwiefern die COVID19-Krise mittel- und langfristig eine Änderung in Konsummustern bringen kann – oder möglicherweise das Gegenteil durch nachgeholten Konsum – ist abzuwarten.

Neben dem Ansatz der Suffizienz auf individueller Ebene sind institutionelle/politische (z.B. Anreize), gesellschaftliche (z.B. Werte und Normen einer Gesellschaft) sowie makroökonomische (z.B. Postwachstums-Volkswirtschaften) Rahmenbedingungen wichtige Themenfelder, die gesamtheitliche und interdisziplinäre Betrachtung benötigen. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich seit einigen Jahren eine fachübergreifende Debatte, die durch die COVID19-Pandemie aktuell verstärkt wird, ob suffiziente Lebensweisen zukunftsfähig im Sinn einer Nachhaltigen Entwicklung sind

In Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit mehren sich die Stimmen, die neben technologischen Innovationen (mit dem Ziel von Effizienzsteigerung und Reduktion von Ressourceneinsatz) die Notwendigkeit einer Änderung von Konsumgewohnheiten für die Erreichung von Klimazielen propagieren (e.g. Vita et al., 2019). Im österreichischen Kontext weisen beispielsweise die Österreichische Bioökonomie Strategie 2019 (BMNT 2019) und der Referenz-Nationaler Energie- und Klimaplan (Ref-NEKP; Climate Change Center Austria et al., 2019) auf diese Notwendigkeit hin. In Bezug auf soziale Nachhaltigkeit stellen sich zeitgleich eine Vielzahl von Fragen, etwa wie sich suffiziente Lebensstile auf verschiedene Gesellschaftsgruppen auswirken, was unterschiedliche Gesellschaftsgruppen unter suffizienten Lebensstilen verstehen und in welchem Maß sie diese akzeptieren, und welche Wirkung solche Lebensstile auf Ressourcen- und Verteilungsgerechtigkeit oder globale wie regionale Chancengleichheiten haben (e.g., Kalt & Lage, 2019). In Bezug auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit werden suffiziente Lebensstile sowohl als Chance, jedoch viel häufiger als Bedrohung von Wirtschaftsstandorten und Wohlstand gesehen. Auf individueller Ebene wird Suffizienz in Zusammenhang mit Arbeitszeitreduktion diskutiert (e.g., Pullinger, 2014). Auf betrieblicher Ebene werden vor allem alternative Konsumformen (wie Sharing-Konzepte) und Modelle der Kreislaufwirtschaft verfolgt, um aus einer Reduktion von Besitz neue Geschäftsmodelle zu schaffen (e.g., Bocken & Short, 2020).

Stellt das Konzept der Suffizienz das Paradigma wachstumsorientierter Wirtschaftssysteme in Frage? Können Alternativen (Postwachstumsökonomie; im Englischen: Degrowth) den Wohlstand von Gesellschaften trotz Konsumreduktion langfristig gewährleisten (Weiss & Cattaneo, 2017)?

Die erwähnten Aspekte sind nur einige einer Vielzahl inter- und transdiziplinärer Themen- und Problemfeldern, die mit der Vision von suffizienten Konsumgesellschaften einhergehen, und Ideen- und Lösungsfindung bedürfen. Zentral ist die Frage, ob und wie Suffizienz zu einem gängigen und von der Gesellschaft getragenen Modell werden kann. Im Rahmen des Symposiums sollen Chancen, Barrieren, Herausforderungen und Rahmenbedingungen für suffizientere Konsumgesellschaften näher beleuchtet und aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert werden

Veranstalter*innen

Organisator*innen des Instituts für Marketing & Innovation (BOKU):
Univ.Prof. Dr. Petra Riefler
Charlotte Baar, MSc

Wissenschaftlicher Beirat:
Prof. Dr. Oliver Büttner (Universität Duisburg-Essen)
Prof. Dr. Christian Fridrich (Pädagogische Hochschule Wien)
Dr. Renate Hübner (IUS, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt)
PD Dr. Michael Jonas (IHS Wien)
Dr. Sebastian Nessel (Karl-Franzens-Universität Graz)
Mag.a Nina Tröger (Arbeiterkammer Wien)

 

Veranstaltungsort

Universität für Bodenkultur
Ilse-Wallentin-Haus
Peter-Jordan-Straße 82, 1180 Wien

 

Kontakt

Kontaktperson: Charlotte Baar, MSc

Haben Sie Fragen zum Symposium oder benötigen Sie Informationen über mögliche Unterbringungsorte, freuen wir uns über Ihre Email.

 

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei