5. Symposium Konsum Neu Denken: Haben wir genug? Suffizienz und Mäßigung des Konsums als Weg in eine nachhaltigere Zukunft.

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Datum:

22.-23.09.2022, Präsenzveranstaltung auf der Universität für Bodenkultur

Nähere Informationen werden laufend auf dieser Website aktualisiert. 

Zur Veranstaltung

Das 5. Symposium Konsum Neu Denken findet von 22. bis 23. September 2022 an der Universität für Bodenkultur statt. Aufbauend auf dem Online-Pre-Symposium im September 2021, stellt es die Themen Mäßigung, Suffizienz und Konsumreduktion in den Mittelpunkt der Diskussion. Neben dem kritischen Gedankenaustausch in Formaten wie Podiumsdiskussionen, Präsentationen wissenschaftlicher Erkenntnisse unterschiedlicher Fachrichtungen und Erfahrungsberichten verschiedener Akteur:innen, möchte das Symposium auch Impetus zu neuen Ideen und Forschungsthemen in verschiedensten Disziplinen geben und zur inter- und transdisziplinären Vernetzung beitragen.

Zum Thema der Veranstaltung

Das Konzept der Suffizienz stellt die Frage nach dem „richtigen Maß“ bzw. nach „einer hinreichenden Menge von etwas“ (Princen, 2005). Die Idee der Mäßigung ist nicht neu. Mäßigung kann als eine Tugend gesehen werden (Religionen, Ethik), moderne Philosoph:innen und Soziolog:innen betrachten sie als einen Weg zu einem guten Leben (e.g. Rosa, 2016) und manche Verbraucher:innen sehen darin eine frei gewählte Strategie zu mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung (e.g. Rebouças & Soares, 2020). Die freiwillige Einschränkung des Konsums, des Besitzes oder der Arbeitszeit und somit des Einkommens (beschrieben in Konzepten wie beispielsweise Voluntary Simplicity, Minimalismus, Downshifting) kann bislang als Nischenphänomen gesehen werden. Soll Suffizienz über individuelle Entscheidungen hinaus auch auf gesellschaftlicher Ebene zur allgemein erwünschten Norm werden, dann braucht es entsprechende institutionelle, politische (z. B. Anreize und Verbote) sowie makroökonomische (z. B. Entstehung adäquater Wirtschaftsformen und alternativer Wohlstandskennzahlen) Rahmenbedingungen. Dies sind wichtige Themenfelder, die gesamtheitliche und interdisziplinäre Betrachtung benötigen. Das heurige Symposium soll auch zur fachübergreifenden Debatte, ob und wie suffiziente Lebensweisen im Sinn einer nachhaltigen Entwicklung zukunftsfähig sind, wie folgt beitragen.

In Bezug auf ökologische Nachhaltigkeit mehren sich die Stimmen, die neben technologischen Innovationen (mit dem Ziel von Effizienzsteigerung bzw. der Reduktion von Ressourceneinsatz) die Notwendigkeit einer Änderung von Konsumgewohnheiten für die Erreichung von Klimazielen propagieren (e.g. Vita et al., 2019). Im österreichischen Kontext weisen beispielsweise die Österreichische Bioökonomie-Strategie 2019 (BMNT, 2019) und der Referenz-Nationaler Energie- und Klimaplan (Ref-NEKP; Climate Change Center Austria et al., 2019) auf diese Notwendigkeit hin. In Bezug auf soziale Nachhaltigkeit stellen sich zeitgleich eine Vielzahl von Fragen, etwa wie sich suffiziente Lebensstile auf verschiedene Gesellschaftsgruppen auswirken, was unterschiedliche Gesellschaftsgruppen unter suffizienten Lebensstilen verstehen und in welchem Maß sie diese akzeptieren und welche Wirkung solche Lebensstile auf Ressourcen- und Verteilungsgerechtigkeit oder globale wie regionale Chancengleichheiten haben (e.g. Kalt & Lage, 2019). In Bezug auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit werden suffiziente Lebensstile sowohl als Chance, jedoch viel häufiger als Bedrohung von Wirtschaftsstandorten und Wohlstand gesehen. Auf individueller Ebene wird Suffizienz in Zusammenhang mit Arbeitszeitreduktion diskutiert (e.g. Pullinger, 2014). Auf betrieblicher Ebene werden vor allem alternative Konsumformen (wie Sharing/Repairing/Reusing/Recycling-Konzepte) und Modelle der Kreislaufwirtschaft verfolgt, um aus einer Reduktion von Besitz neue Geschäftsmodelle zu schaffen (e.g. Bocken & Short, 2020).

Stellt das Konzept der Suffizienz das Paradigma wachstumsorientierter Wirtschaftssysteme in Frage? Können Alternativen wie beispielsweise die Postwachstumsökonomie (Postgrowth) trotz Konsumreduktion langfristig Wohlstand und Lebensqualität gewährleisten (Weiss & Cattaneo, 2017)? Was sind neue bzw. alternative Wohlstandskonzepte, die nicht nur das Bruttoinlandsprodukt bzw. ökonomische Kennzahlen heranziehen (Beyond GDP)? Was bedeutet eine Reduktion für den/die Einzelne:n? Ist eine Reduktion gleichbedeutend mit Verzicht? Welche positiven Lebensaspekte könnten zeitgleich gestärkt werden? Und wie kommen wir überhaupt zu einer Gesellschaft, in der viele Menschen genügsamer leben?

Die erwähnten Aspekte sind nur einige einer Vielzahl inter- und transdisziplinärer Themen- und Problemfelder, die mit der Vision von suffizienten Konsumgesellschaften einhergehen, und Ideen- und Lösungsfindung bedürfen. Zentral ist die Frage, ob und wie Suffizienz zu einem gängigen und von der Gesellschaft getragenen Modell werden kann. Im Rahmen des Symposiums sollen Chancen, Barrieren, Herausforderungen und Rahmenbedingungen für suffiziente Gesellschaften näher beleuchtet und aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert werden.

Zielgruppen

Das Symposium richtet sich an alle interessierten Personen. Expert:innen aus Wissenschaft (Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Philosophie, Nachhaltigkeitsforschung, Bildungswissenschaften, Fachdidaktik, Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaften und andere) und Praxis (Politik, Unternehmen, Lehrpersonen an Schulen, NGOs, soziale Bewegungen, Bürgerinitiativen/Graswurzelbewegungen/Basisbewegungen) sind ebenso eingeladen, wie Bürger:innen mit Erfahrungen in und Interesse an suffizienten Lebensweisen.

Hier gelangen Sie zum Call for Abstracts und zu Informationen zur Einreichung von Beiträgen.

Anmeldung, Unterkunft, Veranstaltungsort

Die Teilnahme am 2-tägigen Symposium ist kostenlos. Die Anmeldung ist von 1.06. bis spätestens 15.09.2022 auf dieser Website möglich, das Formular folgt in Kürze

Veranstaltungsort: Universität für Bodenkultur, Ilse Wallentin Haus, Peter Jordan Straße 82, 1190 Wien, https://boku.ac.at/.

Informationen zu Unterkünften und Anreise finden Sie zeitgerecht auf dieser Website. Für Doktoratstudierende besteht bei Bedarf die Möglichkeit eines Reisekostenzuschusses, bitte wenden Sie sich hierfür an suffizienz-symposium(at)boku.ac.at.

Informationen bzgl. COVID-Maßnahmen auf der Veranstaltung veröffentlichen wir rechtzeitig auf dieser Website.

Rückblick auf das PRE-Symposium 2021

Das PRE-Symposium Suffizienz: „Ein gutes Leben durch weniger Konsum - Widerspruch oder Lösungsweg?“ fand am 23.9.2021 online mit den Keynote Speaker*innen Niko Paech und dem Beitrag „All you need is less – eine ökonomische Logik der Genügsamkeit“ sowie Christina Liedtke mit dem Vortrag „Ich möchte leben… wie geht das in einer Welt voller globaler Reduktionsziele?“, statt. Die anschließende Podiumsdiskussion mit den Teilnehmer*innen Kim Aigner (Verein SOL), Johanna Bürger (AK), Livia Regen (DeGrowth Vienna) und Christoph Schneider (WKO) fand unter der Moderation von Ines Omann (ÖFSE) statt.

Sie können die Aufzeichnung des Zoom-Meetings unter folgendem Link abrufen:  https://youtu.be/BDTcIeHNyAo

Veranstalter:innen

Organisator:innen:
Univ.Prof. Dr. Petra Riefler
Charlotte Baar, MSc
Institut für Marketing und Innovation
Department für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
BOKU Wien

Wissenschaftlicher Beirat:
Prof. Dr. Oliver Büttner (Universität Duisburg-Essen)
Prof. Dr. Christian Fridrich (Pädagogische Hochschule Wien)
Dr. Renate Hübner (IUS, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt)
PD Dr. Michael Jonas (IHS Wien)
Dr. Sebastian Nessel (Karl-Franzens-Universität Graz)
Mag.a Nina Tröger (Arbeiterkammer Wien)

Kontakt

Kontaktperson: Charlotte Baar, MSc

Haben Sie Fragen zum Symposium oder benötigen Sie weitere Informationen? Wir freuen uns über Ihre Email!

Quellen

Princen, T. (2005). The Logic of Sufficiency. In Massachusetts Institute of Technology. Mit Press.

BMNT (Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), BMBWF (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung), & BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) (Eds.) (2019). Bioökonomie: Eine Strategie für Österreich. https://www.bmk.gv.at/themen/innovation/publikationen/energieumwelttechnologie/biooekonomiestrategie.html

Bocken, N.M, Short, S.W. (2020): Transforming business models: towards a sufficiency-based circular economy, in: Brandao et al. (eds), Handbook of Circular Economy, https://doi.org/10.4337/9781788972727.00028

Climate Change Center Austria et al. (2019): Referenzplan als Grundlage für einen wissenschaftlich fundierten und mit den Pariser Klimazielen in Einklang stehenden Nationalen Energie- und Klimaplan für Österreich (Ref-NEKP), Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, https://ccca.ac.at/wissenstransfer/uninetz-sdg-13/referenz-nationaler-klima-und-energieplan-ref-nekp

Kalt, T., Lage, J. (2019): Die Ressourcenfrage (re)politisieren! Suffizienz, Gerechtigkeit und ökologische Transformation, GAIA – Ecological Perspectives for Science and Society, https://doi.org/10.14512/gaia.28.3.4

Pullinger, M. (2014). Working time reduction policy in a sustainable economy: Criteria and options for its design, Ecological Economics, doi.org/10.1016/j.ecolecon.2014.04.009

Rebouças, R., Soares, A.M. (2020): Voluntary simplicity: A literature review and research agenda, International Journal of Consumer Studies, https://doi.org/10.1111/ijcs.12621

Rosa, H. (2016): Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung, Berlin: Suhrkamp Verlag.

Vita, G., Lundström, J.R., Hertwich, E.G., Quist, J., Ivanova, D., Stadler, K., Wood, R. (2019): The Environmental Impact of Green Consumption and Sufficiency Lifestyles Scenarios in Europe: Connecting Local Sustainability Visions to Global Consequences, Ecological Economics, https://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2019.05.002

Weiss, M., Cattaneo, C. (2017): Degrowth – Taking Stock and Reviewing an Emerging Academic Paradigm, Ecological Ecoonomics, https://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2017.01.014

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „Austrian Climate Research Programme“ durchgeführt.