Dezember 2019 - Milch in Glasflaschen zu kaufen ist gut für die Umwelt? Leider nicht! Gängige Studien zur Ökobilanz von Milchverpackungen zeigen, dass der Getränkekarton hier besser abschneidet. Dennoch erfreuen sich Glasflaschen im Handel zunehmender Beliebtheit. Eine Masterarbeit, die an der Universität für Bodenkultur Wien durchgeführt wurde, untersuchte das Kaufverhalten österreichischer Konsumentinnen und Konsumenten bei Milch in Glasflaschen. (Foto: Tim Reckmann)

Milch in Glasflaschen: Gut für die Umwelt?

Dezember 2019 - Milch in Glasflaschen zu kaufen ist gut für die Umwelt? Leider nicht! Gängige Studien zur Ökobilanz von Milchverpackungen zeigen, dass der Getränkekarton hier besser abschneidet. Dennoch erfreuen sich Glasflaschen im Handel zunehmender Beliebtheit. Eine Masterarbeit, die an der Universität für Bodenkultur Wien durchgeführt wurde, untersuchte das Kaufverhalten österreichischer Konsumentinnen und Konsumenten bei Milch in Glasflaschen.

Immer mehr Österreicherinnen und Österreicher entscheiden sich beim Kauf von Trinkmilch für Glasflaschen. Doch ist dieses neu eingeführte Verpackungsmaterial tatsächlich gut für die Umwelt? Laut wissenschaftlicher Expertise ist dem nicht so: Ein Vergleich der Ökobilanzen zeigt, dass der Getränkekarton aus ökologischer Sicht zu bevorzugen ist und vor allem Einweg-Glasfalschen hier deutlich schlechter abschneiden. Das liegt daran, dass bei der Herstellung von Glasflaschen sehr hohe Mengen Energie verbraucht und klimarelevante Emissionen freigesetzt werden. Auch beim Transport verursachen Glasverpackungen aufgrund des höheren Gewichts und der schlechtere Packmaße mehr treibhausgasrelevante Emissionen. Diese Nachteile kann auch ein Mehrweg-System gegenüber dem Getränkekarton meist nicht ausgleichen. Denn ob der Kauf von Milch in Glasflaschen im Mehrwegsystem sinnvoll ist, ist abhängig von der Transportstrecke (zum Werk und wieder zurück), der Rücklaufquote, der Bruchrate und der Umlaufzahl der Flaschen. Generell gilt, dass die Flaschen nicht weiter als 200 km weit transportiert und mindestens 15 Mal benutzt und wiederbefüllt werden müssen, damit ein ökologischer Vorteil gegenüber dem Getränkekarton entsteht; laut dem IFEU Institut in Deutschland würden Sie dann sogar besser abschneiden. Österreich wird diese Werte nicht erreichen, da die neu errichteten Anlagen in Aschbach und Wörgl lediglich 11 Wiederbefüllungen anstreben und die Transportstrecke für die meisten Teile Österreichs zu groß ist.

Doch ist dies alles Konsumentinnen und Konsumenten von Trinkmilch bewusst? Zur Beantwortung dieser Frage untersuchte vorliegende BOKU-Masterarbeit den Stellenwert ausgewählter, wesentlicher Produktmerkmale für die Kaufentscheidung bei Trinkmilch. In einem experimentellen Untersuchungsdesign wurden die Produktmerkmale Preis, Qualität bei der Herstellung, Regionalität, Tierwohl und Verpackungsmaterial berücksichtigt. Das Ergebnis der Untersuchung legt überraschenderweise nahe, dass die Kaufentscheidung bei Trinkmilch zu mehr als einem Drittel vom Verpackungsmaterial abhängig ist, wobei die Mehrweg-Glasflasche den weitaus höchsten Nutzen für Konsumentinnen und Konsumenten stiftet. Obwohl Mehrweg-Glasflaschen für Milch derzeit noch nicht im Handel erhältlich sind, wurden diese bei der Befragung eindeutig als am wichtigsten für die Kaufentscheidung ermittelt, gefolgt von der Herstellungsweise (mit besonderer Bedeutung der Merkmalsausprägung „AMA Bio Siegel“). Die Regionalität und der Preis spielen laut den Ergebnissen des durchgeführten Kaufverhaltens-Experiments eine weniger bedeutende Rolle. Der Wunsch nach einem Mehrwegsystem dürfte demnach hoch sein, andere Attribute – wie die Qualität – spielen eine untergeordnete Rolle. Dies könnte auch daran liegen, dass die allgemein hohe Qualität von österreichischer Trinkmilch als gegeben angenommen und daher kaum als wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen einzelnen Herstellern wahrgenommen wird.

Zusätzlich wurden die Einstellung und das Wissen zu Verpackungsmaterialien für Milch erhoben. Demnach stehen österreichische Konsumentinnen und Konsumenten dem Verpackungsmaterial Glas eher positiv gegenüber, haben allerdings nur einen mäßigen Wissensstand zur Umweltverträglichkeit und dem Recycling der Verpackungsmaterialien. Die Befragten beurteilen das Material überwiegend nach der persönlichen Möglichkeit der Entsorgung, nicht aber nach dem Emissionsausstoß bei Herstellung, Transport und Wideraufbereitung bzw. Entsorgung.

Aufgrund des empirischen Designs der Studie sind die Forschungsergebnisse nicht für die gesamte österreichische Bevölkerung repräsentativ. Aufgrund der Erhebungsmethodik wurde eine überwiegend junge, weibliche und gebildete Zielgruppe erreicht. Allerdings konnten bereits bei dieser bildungsnahen und an Ernährungsthemen wohl interessierten Zielgruppe einige Irrtümer im Hinblick auf die Nachhaltigkeit von Trinkmilch-Verpackungen aufgedeckt werden. Wie es hier in der österreichischen Gesamtbevölkerung aussieht, kann nur vermutet werden und sollte entsprechend untersucht werden. Ein „besseres“ Bild im Sinne eines höheren Kenntnisstandes als im Rahmen dieser Studie ist aber wohl nicht zu erwarten.

Medienkontakt: Sarah Pippan, Oliver Meixner

Institut für Marketing und Innovation

Department für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Wien, am 19.12.2019


20.12.2019