Erkenntnisse für die Managementpolitik des Biosphärenreservats Oxapampa-Asháninka-Yanesha" (Peru) basierend auf dem lokalen Wissen und den verfügbaren globalen wissenschaftlichen Erkenntnissen

Ein Projekt, gefördert von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (UNESCO Man and Biosphere Programm).

Bereits im Jahr 1973, zwei Jahre nach der Gründung des MAB-Programms bei der UNESCO, wurde auf Basis eines Vertrages mit dem Ministerium für Wissenschaft und Forschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) das Österreichische MAB-Nationalkomitee eingerichtet. Österreich zählt somit zu den ersten Staaten, die sich am UNESCO MAB-Programm beteiligt haben.

Ziel des Nationalkomitees ist es die MAB-Forschung in Österreich zu steuern und zu koordinieren. Es beobachtet die österreichische Forschungslandschaft, analysiert den Forschungsbedarf, formuliert neue Forschungsstrategien und stimuliert und finanziert Forschungsprojekte. Das Nationalkomitee berät und unterstützt die Verantwortlichen der Biosphärenparks in wissenschaftlichen und technischen Fragen und stellt das Bindeglied um MAB-Sekretariat in Paris dar. Darüber hinaus ist es für die Einreichung eines Gebietes als Biosphärenpark bei der UNESCO sowie für die Einhaltung der UNESCO-Vorgaben verantwortlich.

Was läuft gerade?

Mai & Juni 2020

Das Biosphärenreservat Oxapampa - Asháninka - Yánesha feiert am 2. Juni 2020 sein 10-jähriges Jubiläum. Aufgrund der aktuellen Reisebeschränkungen wird die Feier nur online stattfinden. Sie können den Veranstaltungen unter diesem Link folgen:  Facebook Oxapampa

Zur Feier des Jubiläum bereiten wir derzeit ein Buch in spanischer Sprache vor: „Zehn Jahre Biosphärenreservat Oxapampa-Asháninka-Yánesha (BIOAY): Zeugnisse, Überlegungen und Erfolge“. Die Publikation behandelt die Geschichte der BIOAY, Forschungsergebnisse, sowie Interviews mit indigenen Völkern über ihre Erfahrungen in den vier Sprachen der Region: Asháninka, Yánesha, Quechua und Deutsch im Dialekt der BewohnerInnen der Gemeinde Pozuzo.

Rückblicke

Februar 2020

Moritz Egger, Masterstudent der BOKU, hat die ersten Ergebnisse seiner Forschung zum Thema: „SMART Nachhaltigkeitsanalyse in der biologischen Kaffeeproduktion“ in der indigenen Gemeinschaft von Ñagazu (Peru) präsentiert.
Anwesend waren lokale VertreterInnen des Biosphärenreservats Oxapampa Ashaninka Yanesha, darunter der „Kornesha“, oberster Verantwortlicher der Gemeinschaft der Yanesha.
Der öffentliche Workshop diente als Rahmen, um die Ergebnisse der Untersuchung von M. Egger zu diskutieren. Es sollen Wege gefunden werden diese Ergebnisse in das lokale Management von Kaffeeplantagen einfließen zu lassen. Der Dialog zwischen den verschiedenen Interessengruppen ist unverzichtbar, um Strategien zur Bewältigung der Herausforderungen in der Wertschöpfungskette für biologischen Kaffee gemeinsam weiterzuentwickeln.
Der Workshop wurde von der Kooperative „Villa Rica Golden Coffee“ moderiert. Beteiligt waren außerdem lokale Kaffeebauern, Dorfvorsteher, die Asociacion de Productores Sostenibles Yaneshas (APSY), Federacion de Comunidades Nativas Yaneshas (FECONAYA) und das Ministeriums für Kultur.

Jänner 2020

Eva Arhar ist gerade erst aus dem Biosphärenreservat zurückgekehrt. Sie hat dort im Jahr 2019 Forschungsarbeiten für ihre Masterarbeit durchgeführt. Ihre Arbeit beschäftigt sich damit, wie sich die lokale Kulturartenvielfalt auf die Diversität der Ernährung von Stadtbewohner in Oxapampa auswirkt.
Während der Feldforschung wurde KonsumentInnen, lokale VerkäuferInnen auf Märkten und in Geschäften, BesitzerInnen von Restaurants und LandwirtInnen befragt. Dabei wurde erhoben ob/wie sich die lokale Kulturartenvielfalt im Umfeld von Oxapampa in der Ernährung, im Sortiment der Märkte/Geschäfte oder bei der Zubereitung von Lebensmitteln in Oxapampa wiederspiegelt.
Während der Feldforschung lernte Eva eine Vielzahl von unterschiedlichsten Personen kennen, die in Oxapampa oder deren unmittelbare Umgebung leben. Besonders in Erinnerung ist ihr die Schokoladenfabrik Kemito geblieben. Dort wird von einer Peruanerin, die erst seit kurzem von Deutschland in ihre Heimatdorf zurückgekehrt ist, Schokolade produziert. Kakaobohne werden von einer indigenen Gemeinschaft, die sich tief im Regenwald befindet, gekauft und weiterverarbeitet. Das Ziel ist es die Bewohner dieser Gemeinschaft zu unterstützen und zu fördern.

 

Was haben wir zuletzt erledigt?

Gabriela Albarracin war im Jahr 2019 in Oxapampa um weitere Daten zu erheben und Vorhaben zu erledigen. Derzeitet arbeitet sie an einem Buch zur 10-Jahresfeier der BIOAY.

Viviane Griesinger war im Rahmen ihrer Feldforschung 2018/2019 für die Masterarbeit im Biosphärenreservat unterwegs. Sie hat ihre Masterarbeit erfolgreich abgeschlossen. Viviane ist Geographin und studierte an der BOKU Umwelt- und Bioressourcenmanagement, ihre Masterarbeit schrieb sie zum Thema „Interaktion zwischen globaler Biosphärenforschung und lokalem Ressourcenmanagement“ im Biosphärenreservat Oxapampa-Yánesha-Asháninka. Sie untersuchet woher die Menschen in der BIOAY ihr Wissen rund um das Thema Ressourcennutzung und Reservatsverwaltung beziehen und wie dieses Wissen weitergegeben wird. Unterstützt wurde sie bei ihrer Forschung von der peruanischen Naturschutzgebietsagentur (SERNANP) in Oxapampa.

Hintergrund

In und um das Biosphärenreservat Oxapampa Ashaninka Yanesha (RBOAY) findet man auf den Kleinparzellen subsistenzorientierter Familienbetriebe und in deren Nachbarschaft eine hohe landwirtschaftliche genetische Vielfalt an Nutzpflanzen mit einer großen Vielfalt an assoziierten Organismen (Yarupaitán & Antezano, 2016) . Neben der Bedeutung dieser Vielfalt für Ökosysteme trägt eine hohe biologische Vielfalt auch zur Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Produktionssysteme und zur Ernährungssicherheit bei (Segnon & Achigan-Dako, 2014). Dennoch ist ein besseres Verständnis der Synergien zwischen natürlichen und bewirtschafteten Landschaften von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung traditioneller nachhaltiger Landbewirtschaftungssysteme und für das Management der RBOAY, die widerstandsfähige Landschaften und Artenvielfalt erhalten (vgl. Scherr & McNeely, 2008).

Über die Artenvielfalt der RBOAY wurden bereits vielen Studien realisiert! Sie wurden veröffentlicht und bereichern das globale Wissen. Aber sind die Ergebnisse für das RBOAY-Management oder für die lokale Bevölkerung verfügbar? Ist dieses globale Wissen eine Unterstützung für lokale Akteure? Ist globals Wissen im Untersuchungsgebiet in einer zugänglichen Form verfügbar?

Unsere Antwort lautet: "Nein!"

Ziele

Unser Projektschwerpunkt ist nicht das Hinzufügen neuer Primärdaten, sondern die lokale Bereitstellung verfügbarer Ergebnisse einer Metaanalyse von international und national verfügbaren Daten, die noch nicht ausreichend in die RBOAY-Managementpolitik integriert sind.

Unser Ziel ist es, Brücken zwischen dem verfügbaren globalen wissenschaftlichen Wissen über den RBOAY und lokalem Wissen innerhalb des RBOAY zu bauen.

In unserem Projekt implementieren wir eine interdisziplinäre Meta-Analyse von bereits verfügbaren Daten zu Agrobiodiversität und anderen Forschungsthemen, die RBOAY als Studienstandort genutzt haben.

Wir erarbeiten lokal zugängliche, gut durchdachte, sorgfältig getestete Botschaften auf Basis globalen Wissens, in Form von hochwertigen Medien (Video, Audio, Poster), die von lokalen Interessengruppen für ihre Bemühungen zur Förderung der Nachhaltigkeit in der RBOAY verwendet werden können.

Die Projektergebnisse können Strategien und Optionen aufzeigen, die in einer Reihe von Szenarien angewendet werden können, um die erweiterten Schutzgebiete sowohl in Peru als auch in Schutzgebietssystemen weltweit zu verwalten.

Das Projekt vertieft damit das Konzept interdisziplinärer Forschung, das auf die zunehmend dringlichen globalen Herausforderungen zur Erhaltung der kulturellen und biologischen Vielfalt reagiert, wie es das UNESCO-Programm "Man and Biosphere" und die Erklärung über die Rechte der indigenen Völker aus dem Jahr 2007 fordern.

Bezug zu Österreich (Tirol)

Das Untersuchungsgebiet RBOAY und Österreich weisen einige unerwartete Zusammenhänge auf: Österreicher aus dem Bundesland Tirol sind im Jahr 1859 in dieses Gebiet ausgewandert. Das Interesse Österreichs, insbesondere der Bürger des Landes Tirol, an diesem Gebiet ist daher bemerkenswert hoch.

Ziel des Vorhabens ist es daher auch, die österreichisch-peruanische Interaktion, den Erfahrungsaustausch und den Aufbau von Kapazitäten für die nachhaltige Bewirtschaftung biokulturell vielfältiger Gebiete, wie sie in der Sevilla-Strategie zum Ausdruck kommen, zu intensivieren

Schlagworte

Ökologischer Landbau; Agrarökologie; Agrarpolitik; Nachhaltige Landwirtschaft; Empirische Sozialforschung; Ethnologie; Regionale Entwicklung; Wissensmanagement;Agrobiodiversität; Ethnobotanik; ländliche Entwicklung

Publikationen früherer Projekte, mit Bezug zu diesem Projekt

  • GRASSER,S., C. SCHUNKO, C. R. VOGL (2016): Children as ethnobotanists: methods and local impact of a participatory research project with children on wild plant gathering in the Grosses Walsertal Biosphere Reserve, Austria. Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine 12 (46)
  • SCHUNKO, C; GRASSER, S; VOGL, C. R. (2015): Explaining the resurgent popularity of the wild: motivations for wild plant gathering in the Biosphere Reserve Grosses Walsertal, Austria.J ETHNOBIOL ETHNOMED. 2015; 11:55
  • GRASSER, S; SCHUNKO, C; VOGL, C.R (2012): Gathering "tea" - from necessity to connectedness with nature. Local knowledge about wild plant gathering in the Biosphere Reserve Grosses Walsertal (Austria). Ethnobiology and Ethnomedicine; 8:31   doi.org/10.1186/1746-4269-8-31
  • SCHUNKO, C; GRASSER, S; VOGL, C. R. (2012): Intracultural variation of knowledge about wild plant uses in the Biosphere Reserve Grosses Walsertal (Austria). Ethnobiology and Ethnomedicine. 8: 23 doi.org/10.1186/1746-4269-8-23
  • GRASSER, S.; C. R. VOGL; C. SCHUNKO; M. GRABOWSKI; T. VOGL und B. VOGL-LUKASSER (2012): Biokulturelle Vielfalt. Vom Lokalen Erfahrungswissen zu Pflanzen im Biosphärenpark Großes Walsertal. Endbericht zum Forschungsprojekt "Monitoring of Biocultural Diversity in the Biosphere Reserve Großes Walsertal, Austria. The use and management of biodiversity of crops, cultivars and wild gathered plant species.". Gefördert vom "Man and Biosphere (MAB)" - Programm der Österreichischen Akademie der Wissenschaften., Eigenverlag. Department für Nachhaltige Agrarsysteme, Universität für Bodenkultur Wien.
  • Haselmair, Ruth Mag.a. (2012): Weitergabe und Tradierung von Wissen über Kulinarik in der österreichisch-deutschen Siedlung Pozuzo in Peru. Supervisors: Christian R. Vogl (DNAS/BOKU), Ernst Halbmayr (Institut für vergleichende Kulturforschung, Faculty of Social Science and Philosophy, Philipps-Universität Marburg)
  • HASELMAIR, R., H. A PIRKER, E. KUHN AND C. R. VOGL (2014): Personal networks: a tool for gaining insight into the transmission of knowledge of food and medicinal plants among Tyrolean (Austrian) migrants in Australia, Brazil and Peru. J ETHNOBIOL ETHNOMED, 10:1. doi: 10.1186/1746-4269-10-1.
  • PIRKER, H; HASELMAIR, R; KUHN, E; SCHUNKO, C; VOGL, C. R. (2012):  Transformation of traditional knowledge of medicinal plants: the case of Tyroleans (Austria) who migrated to Australia, Brazil and Peru. Ethnobiology and Ethnomedicine; 8(1):44-44. Highly Accessed.
  • KUHN E.; PIRKER, H.; HASELMAIR, R.; VOGL C. R. (2012): Tirolerknödel in aller Welt. Veränderung von kulinarischem Wissen Tiroler Migranten und Migrantinnen in Peru, Brasilien und Australien In: Tiroler Heimatblätter, 87 (1), 32-38, Tyrolia Verlag, Innsbruck
  • PIRKER, H.; KUHN, E.; HASELMAIR, R.; VOGL C. R. (2012): Wissen über Heilpflanzen bei Tiroler Migrant_innen und ihren Nachfahren in Australien, Brasilien und Peru In: Tiroler Heimatblätter, 87 (2), 66-73, Tyrolia Verlag, Innsbruck
  • HASELMAIR, R; PIRKER, H; KUHN, E; VOGL C:R. (2011): Veränderung von Wissen bei Tiroler Auswanderern in Peru, Brasilien und Australien. Teil 2: Palmbuschen - Tiroler Brauch fern von Tirol. Tiroler Heimatblätter, 86 (2), 76-80
  • KUHN, E; PIRKER H; HASELMAIR R; VOGL C.R. (2011): Veränderung von Wissen bei Tiroler Auswanderern in Peru, Brasilien und Australien. Teil 1: Einführung - Projektvorstellung. Tiroler Heimatblätter, 86 (1), 2-7