Erkenntnisse für die Managementpolitik des Biosphärenreservats Oxapampa-Asháninka-Yanesha" (Peru) basierend auf dem lokalen Wissen und den verfügbaren globalen wissenschaftlichen Erkenntnissen

Ein Projekt, gefördert von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (UNESCO Man and Biosphere Programm).

Bereits im Jahr 1973, zwei Jahre nach der Gründung des MAB-Programms bei der UNESCO, wurde auf Basis eines Vertrages mit dem Ministerium für Wissenschaft und Forschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) das Österreichische MAB-Nationalkomitee eingerichtet. Österreich zählt somit zu den ersten Staaten, die sich am UNESCO MAB-Programm beteiligt haben.

Ziel des Nationalkomitees ist es die MAB-Forschung in Österreich zu steuern und zu koordinieren. Es beobachtet die österreichische Forschungslandschaft, analysiert den Forschungsbedarf, formuliert neue Forschungsstrategien und stimuliert und finanziert Forschungsprojekte. Das Nationalkomitee berät und unterstützt die Verantwortlichen der Biosphärenparks in wissenschaftlichen und technischen Fragen und stellt das Bindeglied um MAB-Sekretariat in Paris dar. Darüber hinaus ist es für die Einreichung eines Gebietes als Biosphärenpark bei der UNESCO sowie für die Einhaltung der UNESCO-Vorgaben verantwortlich.

Was läuft gerade?

Unsere Doktorandin Gabriela Albarracin war Anfang des Jahres für eine erste Vorstudie in Oxapampa um erste Daten zu erheben und sich mit den Menschen vor Ort zu vernetzen.

Derzeit ist die Masterstudentin Viviane Griesinger im Rahmen ihrer Abschlussarbeit im Biosphärenreservat unterwegs. Viviane ist Geographin und studiert an der BOKU Umwelt- und Bioressourcenmanagement, ihre Masterarbeit schreibt sie zum Thema „Interaktion zwischen globaler Biosphärenforschung und lokalem Ressourcenmanagement“ im Biosphärenreservat Oxapampa-Yánesha-Asháninka. Sie untersucht woher die Menschen im Reservat ihr Wissen rund um das Thema Ressourcennutzung und Reservatsverwaltung beziehen und wie dieses Wissen weitergegeben wird.
Unterstützt wird sie bei ihrer Forschung von der peruanischen Naturschutzgebietsagentur (SERNANP) in Oxapampa.

Ende September haben wir unser Projekt auf dem „Nationalen Kongress wissenschaftlicher Forschungsprojekte in Naturschutzgebieten“ auf unserer peruanischen Partneruniversität, der Universidad Nacional La Molina (UNALM), vorstellen.

Hintergrund

In und um das Biosphärenreservat Oxapampa Ashaninka Yanesha (RBOAY) findet man auf den Kleinparzellen subsistenzorientierter Familienbetriebe und in deren Nachbarschaft eine hohe landwirtschaftliche genetische Vielfalt an Nutzpflanzen mit einer großen Vielfalt an assoziierten Organismen (Yarupaitán & Antezano, 2016) . Neben der Bedeutung dieser Vielfalt für Ökosysteme trägt eine hohe biologische Vielfalt auch zur Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Produktionssysteme und zur Ernährungssicherheit bei (Segnon & Achigan-Dako, 2014). Dennoch ist ein besseres Verständnis der Synergien zwischen natürlichen und bewirtschafteten Landschaften von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung traditioneller nachhaltiger Landbewirtschaftungssysteme und für das Management der RBOAY, die widerstandsfähige Landschaften und Artenvielfalt erhalten (vgl. Scherr & McNeely, 2008).

Über die Artenvielfalt der RBOAY wurden bereits vielen Studien realisiert! Sie wurden veröffentlicht und bereichern das globale Wissen. Aber sind die Ergebnisse für das RBOAY-Management oder für die lokale Bevölkerung verfügbar? Ist dieses globale Wissen eine Unterstützung für lokale Akteure? Ist globals Wissen im Untersuchungsgebiet in einer zugänglichen Form verfügbar?

Unsere Antwort lautet: "Nein!"

Ziele

Unser Projektschwerpunkt ist nicht das Hinzufügen neuer Primärdaten, sondern die lokale Bereitstellung verfügbarer Ergebnisse einer Metaanalyse von international und national verfügbaren Daten, die noch nicht ausreichend in die RBOAY-Managementpolitik integriert sind.

Unser Ziel ist es, Brücken zwischen dem verfügbaren globalen wissenschaftlichen Wissen über den RBOAY und lokalem Wissen innerhalb des RBOAY zu bauen.

In unserem Projekt implementieren wir eine interdisziplinäre Meta-Analyse von bereits verfügbaren Daten zu Agrobiodiversität und anderen Forschungsthemen, die RBOAY als Studienstandort genutzt haben.

Wir erarbeiten lokal zugängliche, gut durchdachte, sorgfältig getestete Botschaften auf Basis globalen Wissens, in Form von hochwertigen Medien (Video, Audio, Poster), die von lokalen Interessengruppen für ihre Bemühungen zur Förderung der Nachhaltigkeit in der RBOAY verwendet werden können.

Die Projektergebnisse können Strategien und Optionen aufzeigen, die in einer Reihe von Szenarien angewendet werden können, um die erweiterten Schutzgebiete sowohl in Peru als auch in Schutzgebietssystemen weltweit zu verwalten.

Das Projekt vertieft damit das Konzept interdisziplinärer Forschung, das auf die zunehmend dringlichen globalen Herausforderungen zur Erhaltung der kulturellen und biologischen Vielfalt reagiert, wie es das UNESCO-Programm "Man and Biosphere" und die Erklärung über die Rechte der indigenen Völker aus dem Jahr 2007 fordern.

Bezug zu Österreich (Tirol)

Das Untersuchungsgebiet RBOAY und Österreich weisen einige unerwartete Zusammenhänge auf: Österreicher aus dem Bundesland Tirol sind im Jahr 1859 in dieses Gebiet ausgewandert. Das Interesse Österreichs, insbesondere der Bürger des Landes Tirol, an diesem Gebiet ist daher bemerkenswert hoch.

Ziel des Vorhabens ist es daher auch, die österreichisch-peruanische Interaktion, den Erfahrungsaustausch und den Aufbau von Kapazitäten für die nachhaltige Bewirtschaftung biokulturell vielfältiger Gebiete, wie sie in der Sevilla-Strategie zum Ausdruck kommen, zu intensivieren

Schlagworte

Ökologischer Landbau; Agrarökologie; Agrarpolitik; Nachhaltige Landwirtschaft; Empirische Sozialforschung; Ethnologie; Regionale Entwicklung; Wissensmanagement;Agrobiodiversität; Ethnobotanik; ländliche Entwicklung

Publikationen früherer Projekte, mit Bezug zu diesem Projekt

  • GRASSER,S., C. SCHUNKO, C. R. VOGL (2016): Children as ethnobotanists: methods and local impact of a participatory research project with children on wild plant gathering in the Grosses Walsertal Biosphere Reserve, Austria. Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine 12 (46)
  • SCHUNKO, C; GRASSER, S; VOGL, C. R. (2015): Explaining the resurgent popularity of the wild: motivations for wild plant gathering in the Biosphere Reserve Grosses Walsertal, Austria.J ETHNOBIOL ETHNOMED. 2015; 11:55
  • GRASSER, S; SCHUNKO, C; VOGL, C.R (2012): Gathering "tea" - from necessity to connectedness with nature. Local knowledge about wild plant gathering in the Biosphere Reserve Grosses Walsertal (Austria). Ethnobiology and Ethnomedicine; 8:31   doi.org/10.1186/1746-4269-8-31
  • SCHUNKO, C; GRASSER, S; VOGL, C. R. (2012): Intracultural variation of knowledge about wild plant uses in the Biosphere Reserve Grosses Walsertal (Austria). Ethnobiology and Ethnomedicine. 8: 23 doi.org/10.1186/1746-4269-8-23
  • GRASSER, S.; C. R. VOGL; C. SCHUNKO; M. GRABOWSKI; T. VOGL und B. VOGL-LUKASSER (2012): Biokulturelle Vielfalt. Vom Lokalen Erfahrungswissen zu Pflanzen im Biosphärenpark Großes Walsertal. Endbericht zum Forschungsprojekt "Monitoring of Biocultural Diversity in the Biosphere Reserve Großes Walsertal, Austria. The use and management of biodiversity of crops, cultivars and wild gathered plant species.". Gefördert vom "Man and Biosphere (MAB)" - Programm der Österreichischen Akademie der Wissenschaften., Eigenverlag. Department für Nachhaltige Agrarsysteme, Universität für Bodenkultur Wien.
  • Haselmair, Ruth Mag.a. (2012): Weitergabe und Tradierung von Wissen über Kulinarik in der österreichisch-deutschen Siedlung Pozuzo in Peru. Supervisors: Christian R. Vogl (DNAS/BOKU), Ernst Halbmayr (Institut für vergleichende Kulturforschung, Faculty of Social Science and Philosophy, Philipps-Universität Marburg)
  • HASELMAIR, R., H. A PIRKER, E. KUHN AND C. R. VOGL (2014): Personal networks: a tool for gaining insight into the transmission of knowledge of food and medicinal plants among Tyrolean (Austrian) migrants in Australia, Brazil and Peru. J ETHNOBIOL ETHNOMED, 10:1. doi: 10.1186/1746-4269-10-1.
  • PIRKER, H; HASELMAIR, R; KUHN, E; SCHUNKO, C; VOGL, C. R. (2012):  Transformation of traditional knowledge of medicinal plants: the case of Tyroleans (Austria) who migrated to Australia, Brazil and Peru. Ethnobiology and Ethnomedicine; 8(1):44-44. Highly Accessed.
  • KUHN E.; PIRKER, H.; HASELMAIR, R.; VOGL C. R. (2012): Tirolerknödel in aller Welt. Veränderung von kulinarischem Wissen Tiroler Migranten und Migrantinnen in Peru, Brasilien und Australien In: Tiroler Heimatblätter, 87 (1), 32-38, Tyrolia Verlag, Innsbruck
  • PIRKER, H.; KUHN, E.; HASELMAIR, R.; VOGL C. R. (2012): Wissen über Heilpflanzen bei Tiroler Migrant_innen und ihren Nachfahren in Australien, Brasilien und Peru In: Tiroler Heimatblätter, 87 (2), 66-73, Tyrolia Verlag, Innsbruck
  • HASELMAIR, R; PIRKER, H; KUHN, E; VOGL C:R. (2011): Veränderung von Wissen bei Tiroler Auswanderern in Peru, Brasilien und Australien. Teil 2: Palmbuschen - Tiroler Brauch fern von Tirol. Tiroler Heimatblätter, 86 (2), 76-80
  • KUHN, E; PIRKER H; HASELMAIR R; VOGL C.R. (2011): Veränderung von Wissen bei Tiroler Auswanderern in Peru, Brasilien und Australien. Teil 1: Einführung - Projektvorstellung. Tiroler Heimatblätter, 86 (1), 2-7