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Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit
: 2026-05-01 - 2027-06-30
Das verfügbare Portfolio an Pflanzenschutzmittelwirkstoffen in der Europäischen Union unterliegt gegenwärtig einem massiven Wandel. Während die Anzahl der genehmigten Wirkstoffe in den letzten Jahren in etwa gleich blieb, war eine Verschiebung von chemischen Wirkstoffen hin zu Mikroorganismen und weiteren biologischen Wirkstoffen, wie Pflanzenextrakten und Pheromonen, zu beobachten.
Hintergrund dieser Entwicklung sind die stetige Anpassung der Untersuchungsmethoden an neue Erkenntnisse und an den Stand der Wissenschaften und die Berücksichtigung von zusätzlichen Kriterien bei der Wirkstoffgenehmigung (z. B. endokrine Eigenschaften). Dadurch soll auch das Ziel eines nachhaltigen Lebensmittelsystems im Rahmen des „Green Deals“ der europäischen Kommission unterstützt werden.
Während für einen Teil der nicht mehr genehmigten chemischen Wirkstoffe noch ausreichend Alternativen zu Verfügung stehen, zeigen jedoch langwierige Verhandlungen über einzelne Wirkstoffe im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel, sowie auch Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis, dass einige chemische Wirkstoffe nur noch schwer oder nicht ausreichend ersetzbar sind.
Bereits auf Basis der aktuell etablierten Bewertungsmethoden ist mit der Nicht-Genehmigung von weiteren chemischen Wirkstoffen zu rechnen. Zudem ist davon auszugehen, dass durch weitere Erkenntnisse bezüglich möglicher negativer Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt einzelne Wirkstoffe und auch ganze Wirkstoffgruppen mittelfristig die Genehmigung verlieren werden. So werden beispielsweise gegenwärtig die Problemfelder Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), Succinat-Dehydrogenase-Inhibitoren (SDHI) und die Verstärkung von Resistenzen im medizinischen Bereich durch Azol-Wirkstoffe diskutiert, aber auch die neuen CLP-Kriterien (Classification, Labelling and Packaging) sowie Adaptierungen der Trinkwasserverordnung könnten die Verfügbarkeit von PSM-Wirkstoffen beeinflussen.
Im Rahmen des Projekts soll nun unter Berücksichtigung der aktuell gültigen Bewertungskriterien sowie auch bereits bekannter zukünftiger Entwicklungen und Vorgaben auf europäischer Ebene eine Abschätzung vorgenommen werden, welche Wirkstoffe mittelfristig nicht mehr verfügbar sein könnten. Nach Analyse der potentiell entstehenden Behandlungslücken werden mögliche Alternativen hinsichtlich des Stands der Technik, der Praktikabilität und Wirksamkeit, der Relevanz für die österreichische Landwirtschaft und des Zeithorizonts bezüglich der zukünftigen Anwendung und Umsetzung diskutiert und bewertet.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit
: 2025-07-16 - 2028-03-31
Begünstigt durch zunehmende Hitze und Trockenheit ist der Zwiebelthrips Thrips tabaci Lindeman (Thysanoptera: Thripidae) ein Problemschädling in Sommerzwiebelkulturen in den Gemüseanbaugebieten Ostösterreichs. Ein natürlicher Gegenspieler ist der Raubthrips Aeolothrips spp. Tritt er regelmäßig und in ausreichender Zahl auf, hat er das Potenzial, T. tabaci-Populationen in Zwiebeln nachhaltig zu reduzieren. Vielversprechend in diesem Kontext ist gezieltes Habitatmanagement: Nützlingsblühstreifen mit einem Mix funktionell geeigneter Blühpflanzen können Ackerflächen für Aeolothrips spp. attraktiv und förderlich gestalten. Voraussetzung für den Erfolg dieser Bekämpfungsstrategie ist die Klärung bis dato offener Fragen zu Vorkommen, Verhalten, Populationsentwicklung und Prädationsleistung. Von grundlegender Wichtigkeit ist hier die Bestimmung der häufigsten Art der Gattung Aeolothrips und der Blühpflanze(n), auf der / denen diese Raubthripsart zu finden ist. Bonituren von Nützling und Schädling in Sommerzwiebelfeldern geben Aufschluss über deren Populationsdynamik im Freiland. Die Lockwirkung der Blühpflanzen und Zwiebelpflanzen mit T. tabaci-Befall auf Aeolothrips spp. wird unter Laborbedingungen untersucht, ebenso dessen Prädationsleistung auf befallenen Zwiebelpflanzen. Ein Feldversuch zum Vergleich der Populationsentwicklungen von Schädling und Nützling in einer Sommerzwiebelfläche mit gezielt konzipierten ein- und zweijährigen Blühstreifen erlaubt die Bewertung des Potenzials von Habitatmanagement zur biologischen Bekämpfung des Zwiebelthrips.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit
: 2025-03-15 - 2029-03-14
Die Sojabohnenproduktion in Europa nimmt kontinuierlich zu. In Österreich hat sich die Anbaufläche in den letzten 15 Jahren verdreifacht wodurch Soja zur viertwichtigsten Kulturpflanze des Landes geworden ist. Österreichische Sojabohnen sind insbesondere für den menschlichen Verzehr sowie die Saatgutproduktion von Bedeutung. In der EU wird eine Saatgutzertifizierung nur erteilt, wenn der Diaporthe Befall unter dem gesetzlich festgelegtem Schwellenwert von 15 % bleibt. Zudem führt eine Infektion mit dem Diaporthe-Krankheitskomplex zu einer erheblichen Reduktion der Keimfähigkeit und einer Qualitätsminderung, wodurch befallene Sojabohnen für den menschlichen Verzehr ungeeignet werden. Das Projekt: „Diaporthe auf der Spur: Epidemiologie eines Erregerkomplexes – Überleben, Übertragung und Wirtsdynamik in österreichischen Sojafeldern“ zielt darauf ab, die Auswirkungen von Diaporthe auf die österreichische Sojaproduktion zu untersuchen. Aufgrund der zunehmenden Anbaufläche und klimatisch günstigerer Bedingungen für den Erreger gewinnt dieses Thema an Bedeutung. Obwohl Diaporthe seit Langem erforscht wird, sind viele epidemiologische Aspekte nach wie vor ungeklärt.
Diaporthe ist ein Pilzkomplex, der aus verschiedenen Arten besteht und unterschiedliche Krankheitsbilder an Sojabohnen verursacht, darunter Phomopsis-Samenfäule, Hülsen- und Stängelbleiche sowie Stängelkrebs. Die Zusammensetzung dieses Komplexes variiert geografisch, weshalb es essenziell ist, mit den in einer Region dominierenden Diaporthe-Arten zu arbeiten. Die Krankheitsentwicklung wird durch hohe Luftfeuchtigkeit, Niederschläge und erhöhte Temperaturen bei der Abreife begünstigt. Der Klimawandel führt dazu, dass witterungsbedingte Krankheitsausbrüche häufiger auftreten.
Das Hauptziel dieses Projektes ist die Untersuchung epidemiologischer Aspekte des Diaporthe-Krankheitskomplexes, insbesondere der Überdauerungsstadien der in Österreich vorkommenden Diaporthe-Arten. Die Analyse dieser Pilze in den verschiedenen Organen der Sojabohne (Stängel, Hülse, Samen) sowie ihrer Überdauerungsstrukturen ermöglicht es, ihre Bedeutung als primäres Inokulum für die folgende Vegetationsperiode abzuschätzen. Zusätzlich beinhaltet das Projekt eine umfassende Untersuchung der Prävalenz von Diaporthe-Arten in anderen Wirtspflanzen, darunter Fruchtfolgekulturen und Unkräuter, um deren potenzielle Rolle bei der Erhöhung des Infektionsdrucks in einer Region oder einem Feld zu bewerten. Außerdem werden die Mechanismen der Übertragung zwischen Pflanzen sowie die räumlich-zeitlichen Verteilungsmuster in der Umwelt erforscht, um ein besseres Verständnis der Verbreitung vom Pilz zu erlangen. Aufgrund der langen Latenzzeit ist das Verhalten von Diaporthe innerhalb der Pflanze weitgehend unbekannt, weshalb auch der Kolonisierungsprozess in Sojabohnen untersucht wird.
Die Ergebnisse dieser Forschung liefern wertvolle Erkenntnisse über die Lebenszyklen der Diaporthe-Arten in Soja. Die Untersuchung der Rolle anderer Kulturpflanzen und Unkräuter könnte die Notwendigkeit unterstreichen, Fruchtfolgen und weitere landwirtschaftliche Praktiken anzupassen, um die verfügbare Inokulummenge zu reduzieren, insbesondere angesichts der wachsenden Sojaanbauflächen. Dieser umfassende Forschungsansatz wird das Verständnis des Krankheitskomplexes vertiefen und den Weg für eine effektivere Diaporthe-Bekämpfung sowie nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken ebnen.