Hintergrund

Der internationale Forschungs- und Innovationssektor hat in den vergangenen Jahren eine neue geopolitische Bedeutung erlangt. Wissenschaftliche Erkenntnisse, Schlüsseltechnologien, Daten und kritische Rohstoffe sind zu strategischen Ressourcen geworden. 

Zahlreiche Technologien – insbesondere in den Lebens-, Umwelt-, Klima-, Energie- und Materialwissenschaften – besitzen Dual-Use-Potenzial: Sie können sowohl zivil als auch militärisch oder sicherheitsrelevant genutzt werden.

Einzelne Staaten nutzen internationale Kooperationen gezielt, um technologisches Know-how zu erwerben, strategische Abhängigkeiten aufzubauen oder Einfluss auf wissenschaftliche Diskurse zu nehmen.

Für Universitäten entstehen daraus neue Herausforderungen. Neben klassischen Fragen wissenschaftlicher Qualität und Integrität rücken Aspekte wie ungewollter Wissenstransfer, ausländische Einflussnahme und Schutz sensibler Infrastrukturen in den Fokus und tragen so zur Entstehung einer neuen querschnittlichen Disziplin bei: Forschungs- und Wissenssicherheit.

Europäischer und nationaler Rahmen

Mit der Empfehlung des Rates der Europäischen Union zur Stärkung der Forschungssicherheit (C/2024/3510) vom 30. Mai 2024 wurden die die Mitgliedstaaten der EU aufgefordert:

  • nationale Strategien zu entwickeln,
  • Unterstützungsstrukturen für Hochschulen auszubauen,
  • evidenzbasierte Risikoanalysen zu fördern.

Parallel dazu betreffen mehrere EU- und nationale Rechtsakte die Arbeit von Universitäten – etwa im Bereich Dual-Use, kritische Rohstoffe, Exportkontrolle, Datenschutz oder Resilienz kritischer Einrichtungen.

Forschungs- und Wissenssicherheit ist damit kein isoliertes Thema, sondern Teil eines umfassenden regulatorischen und strategischen Rahmens.

Forschungs- und Wissenssicherheit an der BOKU

Die BOKU baut im Rahmen ihrer Leistungsvereinbarung mit dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) ein strukturiertes Risikomanagementsystem für Forschungs- und Wissenssicherheit auf. Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, angemessen zu bewerten und durch geeignete Maßnahmen sowie klar definierte Prozesse zu steuern.

Das System umfasst:

  • nachvollziehbare Kriterien zur Risikoidentifikation und -analyse,
  • transparente Entscheidungs- und Zuständigkeitsstrukturen,
  • verhältnismäßige Schutz- und Begleitmaßnahmen.

Forschungs- und Wissenssicherheit wird dabei als kontinuierlicher Entwicklungsprozess verstanden, der strategische, rechtliche und wissenschaftspraktische Aspekte miteinander verbindet.

Risikomanagement nach ISO 31000

Die BOKU orientiert sich am international anerkannten Standard ISO 31000:2018 für Risikomanagement.

Dieser Rahmen unterstützt dabei:

  • Risiken systematisch zu identifizieren
  • Eintrittswahrscheinlichkeiten und Auswirkungen zu bewerten
  • geeignete Maßnahmen zur Risikominimierung festzulegen
  • kontinuierliche Verbesserungsprozesse zu etablieren

Die Norm ist im Ö-Normen-Lesesaal zugänglich.