854310 Subsistenz als Grundlage der Freiraumplanung


Art
Seminar
Semesterstunden
3
Vortragende/r (Mitwirkende/r)
Kölzer, Andrea
Organisation
Angeboten im Semester
Wintersemester 2018/19
Unterrichts-/ Lehrsprachen
Deutsch

Lehrinhalt

Viel mehr als Selbstversorgung
Subsistenz kann in einer Selbstversorgungswirtschaft wurzeln, aber Subsistenz wächst weit über die Selbstversorgung hinaus. Subsistenz ermöglicht einen Zugang zur Welt, der mit einem eigenen Verständnis von Arbeit, Wirtschaft, Fülle, Reichtum und gutem Leben verbunden ist. Einen Zugang zur Welt, der ökonomische, soziale und ethische Aspekte nicht getrennt voneinander betrachtet. Eine Beziehung zur Welt getragen vom Bewusstsein, dass unser alltägliches Handeln sich immer auch auf andere auswirkt: auf Menschen, Tiere, Pflanzen und auf unsere Lebensgrundlagen.
Für uns als PlanerInnen stellt sich in Bezug auf Subsistenz die Frage, inwieweit wir mit Planung Subsistenz stärken können. Welche Lebens- und Arbeitsorte sind einer Subsistenzwirtschaft angemessen? Welche baulich-räumlichen Strukturen erleichtern eine Subsistenzökonomie? Unter welchen Bedingungen können gemeinschaftliche Projekte entstehen? Wie können Räume geschaffen werden, in denen Handwerk und Kreativität gedeihen? An welchen Orten kann eine Lebenshaltung anspruchsvoller Genügsamkeit wachsen?
Um von gelungenen Beispielen zu lernen, wenden wir uns in der Lehrveranstaltung zunächst Lebensorten zu, die eine Subsistenzorientierung stützen. Mit Skizzen und Beschreibungen stellen wir uns gegenseitig solche Orte vor: private Parzellen in der Stadt, Höfe am Land, Nachbarschaftsgärten, Gemeinschaftsgärten, Internationale Gärten, gemeinschaftliche Werkstätten oder öffentliche Freiräume.
Anhand von Plänen, Bildern und Beschreibungen arbeiten wir die baulich-räumlichen und die sozialen Qualitäten der jeweiligen Orte heraus und gehen der Frage nach, wie die Wertschätzung von Subsistenz in planerischen Arbeiten Gestalt gewinnen kann.
Über die praktische Arbeit an und mit Planungsbeispielen hinaus weiten wir unseren Blick auf Subsistenz durch die Auseinandersetzung mit philosophischen, politischen und wissenschaftlichen Gedanken. Wir lesen und diskutieren Texte von:
- Veronika Bennholdt-Thomsen, die Subsistenz als gelebte Praxis und als Perspektive für die Zukunft sieht
- Vandana Shiva, die eine Erd-Demokratie als Alternative zur neoliberalen Globalisierung vorstellt
- Felix zu Löwenstein, der eine ökologische Intensivierung der Landwirtschaft fordert
- Florian Schwinn, der über unseren Umgang mit Tieren nachdenkt
- Elinor Ostrom, die eine bewahrende Nutzung von Gemeingütern untersucht hat
- Friederike Habermann, die mit dem Begriff der Ecommony die Verbindung von Ökonomie und Miteinander beschreibt
- Stephan Lessenich, der die negativen Folgen unserer Externalisierungsgesellschaft aufzeigt
- Hartmut Rosa, der Resonanz als Grundlage gelingender Weltbeziehung betrachtet
- Hannah Arendt, die über Freiheit und Politik nachdenkt und die Liebe zur Welt lehrt
- den italienischen Philosophinnen der Differenz, die dazu ermutigen das eigene Begehren in die Welt zu tragen und damit Welt zu gestalten
- Luisa Muraro, die die Idee der symbolischen Unabhängigkeit einführt
- Pierre Rabhi, der Genügsamkeit und unabhängige schöpferische Arbeit als Formen politischen Widerstands benennt und
- Martha C. Nussbaum, die über "Gerechtigkeit oder Das gute Leben" nachdenkt.

Die Auseinandersetzung mit Plänen und Texten soll über die Reflexion unserer Alltagserfahrungen zu einer bewussten Wahrnehmung und angemessenen Wertschätzung von Subsistenz anregen und zu symbolischer Unabhängigkeit führen.

Inhaltliche Voraussetzungen (erwartete Kenntnisse)

keine
.

Lehrziel

Die Lehrveranstaltung will die Aufmerksamkeit für die Fülle alltäglicher Subsistenztätigkeiten schärfen und zu einer bewussten Wahrnehmung und angemessenen Wertschätzung von Subsistenzarbeit und Subsistenzkultur führen.

Die Studierenden beschreiben und analysieren freiraumplanerische Beispiele.
Die Studierenden erkennen und differenzieren die Vielfalt alltäglicher Subsistenztätigkeiten.
Die Studierenden können Planungsbeispiele und Planungsentscheidungen in Bezug auf Subsistenz beurteilen.
Die Studierenden reflektieren eigene Werthaltungen vor dem Hintergrund von freiraumplanerischer Theorie und Subsistenztheorie.
Die Studierenden lesen und diskutieren philosophische, wissenschaftliche und politische Texte in Beziehung zu subsistenzorientierter Freiraumplanung.
Die Studierenden können Inhalte von Fachtexten auf ihre Planungsrelevanz prüfen und sich konstruktiv mit unterschiedlichen Lebenswelten und Gedankengängen auseinandersetzen.
Die Studierenden können Gruppenarbeitsprozesse aktiv gestalten und Verantwortung für gemeinsame Arbeitsergebnisse übernehmen.

.
Noch mehr Informationen zur Lehrveranstaltung, wie Termine oder Informationen zu Prüfungen, usw. finden Sie auf der Lehrveranstaltungsseite in BOKUonline.