854310 Subsistenz als Grundlage der Freiraumplanung


Art
Seminar
Semesterstunden
3
Vortragende/r (Mitwirkende/r)
Kölzer, Andrea
Organisation
Angeboten im Semester
Wintersemester 2021/22
Unterrichts-/ Lehrsprachen
Deutsch

Lehrinhalt

Ökonomie in Beziehung
Subsistenzorientierung verbindet Menschen in einem Geflecht sozialer und ökonomischer Beziehungen. Es ist dieses bunte Beziehungsgewebe menschlicher Angelegenheiten, das den Alltag trägt und Zusammenleben strukturiert, das einen Bezugsrahmen bildet, in dem Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten ausgehandelt werden.
Für uns als PlanerInnen gilt es in Bezug auf Subsistenz zunächst die alltäglichen Lebensorte in den Blick zu nehmen. Dabei gehen wir von den baulich-räumlichen Strukturen aus, betrachten aber auch soziale Aspekte, denn eine eingebettete Ökonomie bedarf sowohl der Räume als auch der Anlässe.
Für uns stellt sich die Frage, inwieweit baulich-räumliche Strukturen Anknüpfungspunkte für Beziehungsnetze bieten können, inwieweit wir mit Planung Subsistenz stärken können.
Um von gelungenen Beispielen zu lernen, wenden wir uns in der Lehrveranstaltung zunächst Lebensorten zu, die eine Subsistenzorientierung stützen. Mit Skizzen und Beschreibungen stellen wir uns gegenseitig solche Orte vor: private Parzellen in der Stadt, Höfe am Land, Nachbarschaftsgärten, Gemeinschaftsgärten, Internationale Gärten, gemeinschaftliche Werkstätten oder öffentliche Freiräume.
Anhand von Plänen, Bildern und Beschreibungen arbeiten wir die baulich-räumlichen und die sozialen Qualitäten der jeweiligen Orte heraus und gehen der Frage nach, wie die Wertschätzung von Subsistenz in planerischen Arbeiten Gestalt gewinnen kann.
Neben der praktischen Arbeit an und mit Planungsbeispielen setzen wir uns mit freiraumplanerischer Theorie und mit philosophischen, politischen und wissenschaftlichen Gedanken auseinander und weiten unseren Blick auf Subsistenz durch Lektüre und Diskussion.
Als Anregung um über Maßstäbe und Wertvorstellungen im Zusammenhang von Subsistenz und Freiraumplanung nachzudenken, lesen und diskutieren wir Texte von:
- Veronika Bennholdt-Thomsen, die Subsistenz als gelebte Praxis und als Perspektive für die Zukunft sieht
- Andrea Baier, die den Subsistenzbegriff als Schlüssel für ein kritisches Verständnis von Ökonomie, Entwicklung und Wachstum beschreibt
- den italienischen Philosophinnen der Differenz, die dazu ermutigen das eigene Begehren in die Welt zu tragen
- Luisa Muraro, die die Idee der symbolischen Unabhängigkeit einführt
- Hannah Arendt, die über das Beziehungsgewebe menschlicher Angelegenheiten nachdenkt
- Martha C. Nussbaum, die die Bedeutsamkeit menschlichen Fähigkeiten für Gerechtigkeit und das gute Leben wertschätzt
- Stephan Lessenich, der die negativen Folgen unserer Externalisierungsgesellschaft aufzeigt und Verteilungsgerechtigkeit einfordert
- Caspar Dohmen, der sich mit Lieferketten und den Risiken globaler Arbeitsteilung beschäftigt
- Felix zu Löwenstein, der eine ökologische Intensivierung der Landwirtschaft fordert
- Felwine Sarr, der in Afrotopia Ansätze für eine verantwortungsvollere Zivilisation beschreibt
-Ursula Knecht-Kaiser, die Freiheit und Abhängigkeit zusammendenkt und für das "Sowohl als auch" als Alternative zum Schwarz-Weiß Denken plädiert
- Daniela Gottschlich, die kommenden Nachhaltigkeit als offenen Prozess vorstellt
- Fabian Scheidler, der Natur und Gesellschaft neu denken will.

Die Auseinandersetzung mit Plänen und Texten soll über die Reflexion unserer Alltagserfahrungen zu einer bewussten Wahrnehmung und angemessenen Wertschätzung von Subsistenz anregen und zu symbolischer Unabhängigkeit führen.

Inhaltliche Voraussetzungen (erwartete Kenntnisse)

keine

Lehrziel

Die Lehrveranstaltung will die Aufmerksamkeit für die Fülle alltäglicher Subsistenztätigkeiten schärfen und zu einer bewussten Wahrnehmung und angemessenen Wertschätzung von Subsistenzarbeit und Subsistenzkultur führen.

Die Studierenden beschreiben und analysieren freiraumplanerische Beispiele.
Die Studierenden erkennen und differenzieren die Vielfalt alltäglicher Subsistenztätigkeiten.
Die Studierenden können Planungsbeispiele und Planungsentscheidungen in Bezug auf Subsistenz beurteilen.
Die Studierenden reflektieren eigene Werthaltungen vor dem Hintergrund von freiraumplanerischer Theorie und Subsistenztheorie.
Die Studierenden lesen und diskutieren philosophische, wissenschaftliche und politische Texte in Beziehung zu subsistenzorientierter Freiraumplanung.
Die Studierenden können Inhalte von Fachtexten auf ihre Planungsrelevanz prüfen und sich konstruktiv mit unterschiedlichen Lebenswelten und Gedankengängen auseinandersetzen.
Die Studierenden können Gruppenarbeitsprozesse aktiv gestalten und Verantwortung für gemeinsame Arbeitsergebnisse übernehmen.

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Noch mehr Informationen zur Lehrveranstaltung, wie Termine oder Informationen zu Prüfungen, usw. finden Sie auf der Lehrveranstaltungsseite in BOKUonline.