731394 Alternative Wirtschaftsformen in Theorie und Praxis


Art
Seminar
Semesterstunden
2
Vortragende/r (Mitwirkende/r)
Kniepert, Martin
Organisation
Angeboten im Semester
Wintersemester 2021/22
Unterrichts-/ Lehrsprachen
Deutsch

Lehrinhalt

Utopien – entworfen für ganze Gesellschaften, als Experiment für Teilbereiche oder auch nur für persönliche Lebensentwürfe – werden angetrieben von Wünschen und Ideen. Gleichwohl entstehen sie nicht ohne Rücksicht auf natürliche Gegebenheiten und technologische Möglichkeiten; oft sind Utopien sogar ganz explizit als Gegenentwurf zu einem bestehenden Missstand zu verstehen. Bestärkt werden sie typischerweise von einer gehörigen Portion an Phantasie, Einsatz, Gestaltungswillen und notwendigenfalls auch Frustrationstoleranz. In jedem Fall setzt utopisches Denken voraus, dass eine andere als nur die allzu offensichtlich vorgezeichnete Welt möglich ist.

Ob und welche Zukunftsentwürfe sich durchsetzen oder ob es letztlich doch bei einer bloßen Fortschreibung bisheriger Entwicklungen bleibt, wird gesellschaftlich entschieden. Die Entwicklung innovativer wie auch die Wiederaufnahme tradierter Formen wirtschaftlicher Organisationen können dabei wichtige Impulsgeber sein. Auch bereits bestehende Konzepte können sich als überprüfbar und entwicklungsfähig erweisen.

Der genannte gesellschaftliche Entscheidungsprozess ist dabei von durchaus widersprüchlichen Interessen geprägt. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in der Relevanz wider, die den Fragen der Überlastung natürlicher Ressourcen, nationaler Standortsicherung oder globaler Entwicklung und Verteilung eingeräumt wird. Die tieferen Ursachen dieser Widersprüche mögen dabei in der Verteidigung bloß angestammter Rechte liegen oder auch in der Fehleinschätzung tatsächlich gegebener Möglichkeiten. Zur Diskussion stehen damit Eigentumsrechte sowie die Verantwortung für öffentliche Güter.

Vor diesem Hintergrund werden in dieser Lehrveranstaltung Konzepte von Gemeinwohlökonomie, Komplementärwährungen, Co-Working, Crowd-Funding, Solidarischer Landwirtschaft u.a. eingeführt. Sie werden zunächst – auch durch Rückgriff auf verfügbare Erfahrungsberichte – aus einer betrieblichen Perspektive betrachtet. Im Weiteren werden sie anhand ihrer speziellen Charakteristika eingeordnet in das Gesamtspektrum betrieblicher Organisationsmöglichkeiten. Auch wenn die Unterschiede zu konventionellen Wirtschaftsformen nur gering sein mögen, möglicherweise sogar nur in einer anderen Art des sozialen Miteinanders bestehen, können sie doch über das betrachtete Projekt hinauswirken.

Inhaltliche Voraussetzungen (erwartete Kenntnisse)

Es werden keine Vorkenntnisse erwartet, die nicht durch ein abgeschlossenes Bachelorstudium und ein gelebtes Interesse an sozialwissenschaftlichen Fragen abgedeckt wären.

Lehrziel

Die Studierenden lernen verschiedene alternative Wirtschaftsformen kennen. Sie sind in der Lage, ihre jeweiligen Besonderheiten nach Kriterien allgemeiner gesellschaftlicher Entwicklungskonzepte einzuordnen. Damit sind sie auch in der Lage Perspektiven für diese Konzepte zu entwickeln und diese im einem weiteren Kontext zu diskutieren.
Noch mehr Informationen zur Lehrveranstaltung, wie Termine oder Informationen zu Prüfungen, usw. finden Sie auf der Lehrveranstaltungsseite in BOKUonline.