LAWI100047 Ethik in Wissenschaft, Technikentwicklung und Gesellschaft
- Art
- prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
- Semesterstunden
- 3
- Vortragende/r (Mitwirkende/r)
- Steffens, Lasse , Giese, Bernd Moritz
- Organisation
- Sicherheits- und Risikowissenschaften
- Angeboten im Semester
- Sommersemester 2027
- Unterrichts-/ Lehrsprachen
- Deutsch
- Lehrinhalt
-
Die Veranstaltung soll die Teilnehmenden dazu befähigen, die Schwere und Reichweite moralischer Konflikte wahrzunehmen und zu ethischen Fragestellungen argumentativ Stellung zu nehmen. Dazu werden sie durch Vortrag und gemeinsame Übungen anhand aktueller Fallstudien (z.B. GVO, Biokraftstoffe, in vitro-Fleisch, Patente auf Organismen, Gene Drives) mit folgenden Inhalten vertraut gemacht:
1. Wertfreiheit von Wissenschaft und Forschung?
- Der Anspruch der Wertfreiheit
- Epistemische Werte vs. Moralische Werte
- Wissenschaft als soziale Praxis: Warum völlige Wertfreiheit kategorial unmöglich bleibt
2. Technikcharakterisierung:
- Einführung in Reichweite und Wirkmächtigkeit technischer Handlungen sowie dem damit verbundenen Risikopotenzial
- Nichtwissen im Zusammenhang mit technischem Handeln
- Fallstudien zu unterschiedlichen Technologien, z.B. GVO, Biokraftstoffe, in vitro-Fleisch, Patente auf Organismen, Gene Drives
Diese Fallstudien begleiten als praktischer Anwendungsfall die Vermittlung der folgenden weiteren Themen der Lehrveranstaltung:
3. Grundbegriffe in der Ethiktheorie
- Begriff der Normativität und sein Problemcharakter
- Handlungsgründe und ihre Rechtfertigung
4. Technikethik und Moraltheorien
- Deontologische Ansätze: Formale Prinzipien und ihre Grenzen
- Utilitaristische Traditionen: Nutzenmaximierung und das Problem des Vergleichs
5. Verantwortung von Wissenschaft und Forschung
- Autonomie, Verantwortung und die Frage nach moralischer Zurechnung
- Verantwortung wofür? Für Erkenntnis? Für Folgen? Für Governance?
- Die Frage der Kollektivität: individuelle vs. institutionelle vs. systemische Verantwortung
- Dialektik von Erkenntnisfortschritt und Risiko: warum mehr Wissen nicht automatisch bessere Entscheidungen erzeugt
6. Vorsorgeprinzip
- Vorsorge als verantwortungsvoller Umgang mit Nichtwissen
- Auslegungsarten des Vorsorgeprinzips
- das Vorsorgeprinzip in der europäischen Regulierung von Risikotechnologien
- Inhaltliche Voraussetzungen (erwartete Kenntnisse)
-
keine Voraussetzungen
- Lehrziel
-
Die Lehrveranstaltung befähigt die Studierenden, unter moralischen Gesichtspunkten und mithilfe von Begriffen der Ethik, die Risiken von Wissenschaft und Forschung bzw. Technikentwicklung zu diskutieren. Sie haben ein erweitertes Bewusstsein für die gesellschaftlichen und umweltbezogenen Wirkungen technischer Handlungen entwickelt.
Die Studierenden sind mit wichtigen Moralkonzeptionen vertraut. Ihre moralische Urteilsfähigkeit bezüglich Wissenschaft, Forschung und Entwicklung und den mit ihnen einhergehenden komplexen Handlungszusammenhängen ist gereift.
Die Studierenden erkennen die Dimensionen von Verantwortung und können entsprechend zwischen individuellen und gesamtgesellschaftlichen Verantwortungszuschreibungen unterscheiden. Sie können das Vorsorgeprinzip als Beispiel des verantwortlichen Umgangs mit Nichtwissen bei Risikotechnologien erklären und auch Möglichkeiten des vorsorgenden Handelns für konkrete Problemfälle benennen. Letzterem dienen vor allem die aus verschiedenen Perspektiven durchgeführten Fallstudien.
Noch mehr Informationen zur Lehrveranstaltung, wie Termine oder Informationen zu Prüfungen, usw.
finden Sie auf der Lehrveranstaltungsseite in BOKUonline.