AGRI002062 Überlebensmittelsphilosophie


Art
Vorlesung und Seminar
Semesterstunden
2
Vortragende/r (Mitwirkende/r)
Freyer, Bernhard
Organisation
Biologische Landwirtschaft
Angeboten im Semester
Wintersemester 2026/27
Unterrichts-/ Lehrsprachen
Deutsch

Lehrinhalt

„vom guten leben“
Gesellschaftlicher Wandel ist heute geprägt durch soziale Ungleichheiten, ökologische Risiken und autoritäre Versuchungen – die Welt im Krisenmodus! Und damit auch das Individuum? Wenn an anderen Orten Krieg ist, ist es dann moralisch opportun, „Wohlstand“ und Glück (-seligkeit) zu optimieren? Ist es deshalb moralisch geradezu notwendig, das gute leben neu zu definieren? Allen Orten und in allen Lebenssparten geht es um Transformation / Wandel / Wende zu vermeintlich Besserem. Doch die sozialen, ökonomischen und ökologischen Bilanzen zeigen einen nur marginalen Fortschritt für „Alle“, wenn nicht gar dramatische Rückschritte in vielen Regionen der Welt. Was läuft da schief?
Kann eine auf die „“ich“ Gesellschaft abgestimmte Lebensphilosophie von „Glück“ gekrönt sein? In der Philosophie ist diese Frage bedeutsam! Die Philosophie vom guten Leben sucht nach dem letzten (eigentlichen) Zweck des menschlichen Daseins und PhilsophInnen der zurückliegenden Jahrhunderte unterbreiten dazu Vorschläge. Sokrates, Platon und Aristoteles sahen in Eudaimonia (der gelungenen Lebensführung), das Ziel der Philosophie. Unter “Glück” verstanden sie nicht gute Gefühle, sondern das Resultat, eines gelungenen, erfüllten Lebens, das durch die Entfaltung des eigenen Potenzials, vernunftgeleitetes Handeln und Tugendhaftigkeit erreicht wird.
In den potentiellen Berufsfeldern sind wir in vielerlei Hinsicht als GestalterInnen angefragt. Stellen wir uns in dieser Tätigkeit die Frage nach dem guten Leben für alle? Worin bestehen also unsere Leitprinzipien, um die Widersprüchlichkeiten zwischen Arm und Reich aufzulösen? Worin besteht unser eigenes Verständnis vom guten leben? Haben wir einen Plan, ein Konzept, eine Vorstellung davon? In welchen eigenen „Werken“ kommt das gute leben zum Ausdruck? Welche Änderungen sind zur Realisierung von einer Idee vom guten leben notwendig? Haben wir die emotionalen, intellektuellen, sozialen und ökonomischen Mittel dazu, LQ zu erreichen? Sind wir gedrängt LQ zu realisieren oder geht dieser Wunsch im Alltag unter und bleibt unerreicht? Gibt es (k)einen Plan B (Udo Lindenberg)? Haben wir uns je diesen Fragen gestellt? Und wie kommt gute Leben zum Ausdruck in den verschiedenen Welten, in denen wir uns bewegen? Gibt es Leitbilder, Lebensentwürfe, zu denen wir sagen können – ja das stimmt so? „Der Gärtner von Versailles – Portrait eines glücklichen Menschen“ (Eric Orsenna) oder „Versuch über den geglückten Tag“ (Peter Handke) versuchen dies zu beschreiben.
Und schliesslich – was braucht es für ein gutes Leben? Ein (physisches) Zuhause – eine Architektur, Musik, Farbe, eine Landschaft, Essen, körperliche, geistige, psychische Gesundheit, Freundschaften und Familie, …, eine kulturelle / geographische Einbettung? Die Liste mag unendlich sein, oder ganz kurz! Aber: individuell geformt und interpretiert! Und was sagt uns dazu der Happinessindex in der bhutanischen Ausprägung?
Diese und weitere Fragen werden uns in diesem Seminar beschäftigen – über Diskussionen, Studium von Texten und sollte es gelingen, auch einzelne Vortragende, aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen.

Inhaltliche Voraussetzungen (erwartete Kenntnisse)

Keine spezifischen Voraussetzungen - Interesse an philosophischen und gesellschafts-politischen Themen

Lehrziel

Erwartetes Lernergebnis
Die Studierenden setzen sich mit unterschiedlichen Vorstellungen vom guten Leben auseinander und prüfen diese vor dem Hintergrund gegenwärtiger gesellschaftlicher, ökologischer und politischer Krisen. Sie lernen, philosophische Positionen nicht nur historisch einzuordnen, sondern auf eigene Lebensentwürfe, berufliche Handlungsfelder und gesellschaftliche Verantwortung zu beziehen.
Am Ende des Seminars sollen die Studierenden in der Lage sein, zentrale Fragen nach Glück, gelingendem Leben, Verantwortung und Lebensqualität eigenständig zu reflektieren. Sie können unterschiedliche Deutungen des guten Lebens vergleichen, ihre Voraussetzungen erkennen und kritisch darauf beziehen, wie individuelle Lebensführung, soziale Ungleichheit, ökologische Grenzen und kulturelle Prägungen zusammenhängen.
Erworbene Kompetenzen
Die Studierenden vertiefen ihre Fähigkeit zur philosophischen Reflexion und zur begründeten Urteilsbildung. Sie lernen, eigene Wertvorstellungen zu hinterfragen, Argumente anderer nachzuvollziehen und Positionen sprachlich klar zu formulieren.
Sie erwerben die Kompetenz, Texte aus Philosophie, Literatur und Gesellschaftsanalyse sinnverstehend zu lesen und auf aktuelle Fragen zu beziehen. Dabei geht es nicht um die Übernahme fertiger Antworten, sondern um die Entwicklung eines eigenen Denkweges.
Darüber hinaus stärken die Studierenden ihre Fähigkeit, Fragen des guten Lebens mit beruflicher Praxis, Gestaltungsspielräumen und gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden. Sie reflektieren, welche Leitbilder ihr eigenes Handeln prägen und welche Bedingungen notwendig sind, damit Lebensqualität nicht nur individuell, sondern auch sozial und ökologisch tragfähig verstanden werden kann.
Noch mehr Informationen zur Lehrveranstaltung, wie Termine oder Informationen zu Prüfungen, usw. finden Sie auf der Lehrveranstaltungsseite in BOKUonline.