Perfekt angepasst an Extreme
Die Lärche ist ein ausgesprochener Sonnenliebhaber und wächst besonders gut auf freien Flächen, steilen Hängen und kargen Böden. Sie kommt mit großen Temperaturunterschieden zurecht – von minus einem bis plus 14 Grad im Jahresmittel – und trotzt Frost, Schnee und Sturm. Ihr tiefreichendes Wurzelsystem sorgt für hohe Standfestigkeit, weshalb sie gemeinsam mit der Zirbe oft die Waldgrenze in den Alpen bildet. Mit rund 4,5 Prozent Anteil an der heimischen Waldfläche zählt sie neben Fichte, Kiefer und Tanne zu den vier wichtigsten Nadelbaumarten Österreichs.
Ein Nadelbaum mit Laubbaum-Strategie
Eine Besonderheit der Lärche ist ihr sommergrünes Verhalten: Als einziger heimischer Nadelbaum wirft sie im Herbst ihre Nadeln ab. Gerade in großen Höhen wäre es eigentlich ein Vorteil, die Nadeln über den Winter zu behalten, um im kurzen Sommer schneller wachsen zu können. Warum die Lärche selbst im Hochgebirge auf diesen scheinbaren Nachteil setzt, ist bis heute nicht vollständig geklärt. „Gerade das macht sie aus wissenschaftlicher Sicht besonders spannend“, so Hasenauer.
Lärchenwiesen – gelebte Kulturlandschaft
Auch kulturell hat die Lärche die Alpen geprägt: Während andere Baumarten gerodet wurden, ließ man sie stehen: Ihr Holz war wertvoll, ihre Nadeln zersetzen sich rasch und beeinträchtigen die Weiden nicht, und sie boten Schutz für Mensch und Tier. So entstanden die charakteristischen Lärchenwiesen, die bis heute das Landschaftsbild vieler Almen prägen.
Robust, aber nicht unverwundbar
Trotz ihrer Widerstandskraft ist die Lärche nicht frei von Risiken. Krankheiten wie der Lärchenkrebs oder Insekten wie der Graue Lärchenwickler können Vitalität und Holzqualität beeinträchtigen. „Entscheidend sind daher standortgerechte Bewirtschaftung und die Wahl genetisch geeigneter Herkünfte“, betont der Waldbauprofessor.
Holz von außergewöhnlicher Qualität
Das Holz der Lärche ist seit Jahrhunderten geschätzt. Sein rötlicher Kern macht es nicht nur optisch attraktiv, sondern auch besonders widerstandsfähig gegen Pilze und Schädlinge. Deshalb ist es vielseitig einsetzbar – vom Außenbereich über Hausbau und Schindeln bis zu Möbeln und Innenausbau. Seine Qualität hängt jedoch wesentlich, wie oben erwähnt, von der genetischen Herkunft der Bäume ab.
Ein Baum mit Zukunft
„Im Klimawandel brauchen wir Baumarten, die mit Extremen umgehen können. Die Lärche ist dafür ein hervorragendes Beispiel, sie verbindet ökologische Stabilität mit hoher wirtschaftlicher und landschaftlicher Bedeutung“, resümiert Hubert Hasenauer. Mit der Wahl zum Baum des Jahres 2026 rückt sie ins Rampenlicht – als Symbol für alpine Natur, nachhaltige Forstwirtschaft und die Zukunft der österreichischen Wälder.