Der neue Waldbiodiversitätsbericht der BOKU University und des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) zeichnet ein insgesamt ermutigendes Bild: Österreichs Wälder entwickeln sich zunehmend zu klimaresilienteren, strukturreicheren und artenreicheren Mischwäldern. Zugleich bestehen weiterhin Herausforderungen, dass beim Umgang mit invasiven Arten und beim Schutz gefährdeter Arten weiterhin entschlossen gehandelt werden muss.
„Der Bericht zeigt klar: Aktive Waldbewirtschaftung, nachhaltige Holznutzung, gezielte Forschung an klimafitten Baumarten und ein starkes Netzwerk an Naturwaldreservaten wirken. Sie stabilisieren unsere Wälder und fördern messbar die Biodiversität“, betont Bundesminister Norbert Totschnig.
Managementstrategien zeigen Wirkung
Die Analyse zeigt, dass waldbauliche Maßnahmen und langfristige Managementstrategien die biologische Vielfalt der heimischen Wälder stärken. Immer häufiger wachsen unterschiedliche Baumarten gemeinsam, auch die natürliche Verjüngung des Waldes wird vielfältiger. Zudem nimmt die Menge an Totholz zu – ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Gleichzeitig bestehen Herausforderungen fort, beispielsweise der Umgang mit invasiven Arten wie der Robinie, die heimische Arten verdrängen kann sowie mit gefährdeten Arten wie Mehlbeeren und Speierling. Dies macht deutlich, dass eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Waldbewirtschaftung unerlässlich ist.
Mehr Laub- und Mischwälder
Seit den 1990er-Jahren nimmt der Anteil nadelholzdominierter Bestände ab, während Laub- und Mischwälder zunehmen. Das ist ein Trend, der die Stabilität und Klimaanpassungsfähigkeit der Wälder stärkt. Stefanie Linser von der BOKU-University erklärt, dass auch die Verjüngung des Waldes vielfältiger wird: „Die Flächen mit Naturverjüngung nehmen zu, artenreiche, klimawandelresiliente Baumartenmischungen gewinnen an Bedeutung, Reinbestände gehen zurück.“
Totholz und Schutzgebiete als wichtige Lebensräume
Ein wichtiger Indikator für die Qualität von Waldökosystemen ist Totholz. In Österreich hat sich dessen Vorrat seit den 1990er-Jahren mehr als verdoppelt. Totholz bietet Lebensraum für zahlreiche Tiere, Pilze und Pflanzen.Rund ein Fünftel der österreichischen Waldfläche steht außerdem unter Schutz. Erstmals liegen auch österreichweite Daten zu sogenannten Habitatbäumen vor – also Bäumen mit besonderen Strukturen wie Höhlen oder Rindentaschen, die vielen Arten als Lebensraum dienen. Fast jeder fünfte lebende Baum mit mehr als zehn Zentimetern Stammdurchmesser weist mindestens ein solches Mikrohabitat auf. In sogenannten Trittsteinbiotopen sind es sogar mehr als drei von zehn Bäumen.
Anhaltender Druck auf Arten und Lebensräume
Trotz der Erfolge identifiziert der Bericht deutliche Warnsignale. Ein kritischer Faktor ist die Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten, die heimische Arten verdrängen und Waldstrukturen verändern können. „Parallel dazu nimmt der Druck auf gefährdete Arten zu“, erklärt Katharina Lapin, Leiterin des Instituts für Waldbiodiversität und Naturschutz des BFW, „Die Zahl der gefährdeten Gefäßpflanzen im Wald stieg von 200 im Jahr 1986 auf 286 im Jahr 2022.“ Dies signalisiert einen anhaltend hohen Handlungsbedarf – auch in Schutzgebieten, etwa im Rahmen von Natura 2000. Dort befindet sich nur ein kleiner Teil der Waldlebensräume und Waldarten in einem günstigen Erhaltungszustand.
Handlungsauftrag für die Zukunft
„Österreich hat bei der strukturellen und funktionalen Vielfalt Fortschritte erzielt, die sich etwa in der Menge des Totholzes, der Mischungsvielfalt und den genetischen Ressourcen zeigt. Doch Klimawandel, invasive Arten und der Zustand sensibler Lebensräume erfordern verstärkte Anstrengungen“, betonen die beiden Hauptautorinnen Stefanie Linser und Katharina Lapin.
Gefordert sind eine konsequent biodiversitätsorientierte Bewirtschaftung, gezielte Schutzmaßnahmen sowie ein weiter ausgebautes Monitoring, um die ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Funktionen des Waldes langfristig zu sichern. Auch die zunehmende Zerschneidung der Waldlandschaft bleibt eine Herausforderung. Maßnahmen wie sogenannte Trittsteinbiotope können helfen, Waldflächen besser miteinander zu vernetzen und so Lebensräume für viele Arten zu sichern.
Waldbiodiversitätsbericht als Download auf https://fprn.info/wp-content/uploads/2026/03/Waldbiodiversitaetsbericht_2026_barrierefrei.pdf
Über den Bericht: Der Waldbiodiversitätsbericht wurde von Expert*innen der BOKU University und des BFW der im Rahmen des Projekts „WaldBIOLOG“ erstellt und vom Waldfonds der Republik Österreich unterstützt. - WF M10 BMLRT/III-2021-M10/6 (FAI.8)
Rückfragehinweis:
Dr. Stefanie Linser
BOKU University
Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik
Zentrum für Bioökonomie
Email: stefanie.linser(at)boku.ac.at