Wälder sollen Holz liefern, Kohlenstoff speichern, Infrastruktur schützen, Artenvielfalt sichern und als Erholungsraum dienen. Doch wie lassen sich diese Ansprüche in Zeiten von Klimawandel, Borkenkäferkalamitäten und steigenden Nutzungskonflikten vereinbaren? Das europäische Forschungsprojekt TRANSFORMIT mit Beteiligung der BOKU University geht dieser Frage mit einem integrativen Ansatz nach. Am österreichischen Living Lab Wegscheid zeigt sich, wie moderne Waldbewirtschaftung Nutzungs- und Biodiversitätsziele vereint.

Im niederösterreichischen Forstrevier Wegscheid (8.155 Hektar) testen die Österreichische Bundesforste in Kooperation mit Forschenden der BOKU neue Wege der integrativen Waldbewirtschaftung. Das „Ökologische Landschaftsmanagement“ verbindet Nutzung und Naturschutz systematisch – von der Erfassung geschützter Gebiete über die Dokumentation von Lebensraumtypen bis hin zur Vernetzung hochwertiger Waldstrukturen für Spechte, Höhlenbrüter und andere altholzgebundene Arten.

„Der Wald soll heute alles gleichzeitig leisten – Holz liefern, Klima schützen, Artenvielfalt sichern. Dass dabei Zielkonflikte entstehen, ist unvermeidlich. Integrated Forest Management bedeutet, diese Wechselwirkungen ehrlich mitzudenken und gezielt Synergien zu nutzen, statt Konflikte zu ignorieren", erklärt Harald Vacik vom Institut für Waldbau der BOKU.

Europäische Vernetzung

TRANSFORMIT vernetzt sieben Living Labs von Lappland bis Katalonien sowie rund 30 Demonstrationsflächen. Workshops, Schulungen und eine virtuelle Plattform fördern den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis, Naturschutzbehörden und Politik – mit direktem Bezug zum EU Green Deal, zur Biodiversitätsstrategie und zur EU-Waldstrategie 2030.

Marteloskope – Trainingsflächen für unterschiedliche Bewirtschaftungsstrategien – ermöglichen den Austausch zwischen Forstpraktiker*innen, Forschenden und Naturschutzexpert*innen. Mit Stakeholdern partizipativ erarbeitete 17 Schlüsselindikatoren decken Biodiversität, Waldstruktur, Verjüngung, Klimawandelanpassung sowie sozioökonomische Aspekte ab. Sie machen messbar, wie gut integrative und klimafitte Waldbewirtschaftung gelingt – von der lokalen bis zur europäischen Ebene. 

Living Lab Wegscheid

Seit 2022 wurden im Living Lab Wegscheid auf rund 512 Hektar sogenannte Habitat-Trittsteine ausgewiesen. Zusätzlich wurden drei Marteloskope eingerichtet: 

  • ein Altbestand mit zahlreichen Spechtlebensräumen
  • ein natürlich verjüngter Bestand mit hoher Baumartenvielfalt
  • ein junger Fichtenbestand mit starken Schälschäden

Diese Flächen dienen als forstliche Demonstrations- und Übungsstandorte, an denen unterschiedliche Durchforstungsvarianten und Maßnahmen zur Förderung der Naturverjüngung analysiert werden können. Eine spezielle App macht die Auswirkungen verschiedener Auszeigeentscheidungen direkt im Wald sichtbar. Die Marteloskop-Standorte ermöglichen Studierenden, Förster*innen, Waldbesitzer*innen und weiteren Interessengruppen, ihre Entscheidungen zur Waldbewirtschaftung praxisnah zu trainieren.

Bis zum Projektende im Dezember 2027 werden außerdem digitale Entscheidungshilfen für die Waldbewirtschaftung getestet, um die Planung integrativer Waldmanagementkonzepte zu unterstützen (https://decidetool.at/). Ergebnisse und Erfahrungen werden über das Forest Knowledge Gateway verbreitet und durch Seminare und Schulungen mit Fachleuten und Praxispartnern geteilt.

Das mit 6,9 Millionen Euro aus dem EU-Programm Horizon Europe geförderte Projekt TRANSFORMIT wird vom European Forest Institute koordiniert und vereint 16 Institutionen aus 12 Ländern. Ziel ist es, die Wirksamkeit von Integrated Forest Management zu prüfen und praxisnahe Empfehlungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in Europa zu entwickeln.

Wissenschaftlicher Kontakt

ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing.Dr.nat.techn. Harald Vacik
BOKU University
Institut für Waldbau
Email: harald.vacik(at)boku.ac.at

Dr.rer.nat Stefanie Linser
BOKU University 
Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik sowie Zentrum für Bioökonomie
Email: stefanie.linser(at)boku.ac.at

Weitere Informationen: https://transformforests.eu

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