Grenzüberschreitendes forstliches Risikomanagement

FORRISK ist ein Österreich-Tschechisches INTERREG-Projekt

Das Institut für Waldbau hat für dieses grenzüberschreitende Projekt die Lead Partner Rolle übernommen und vertritt zusammen mit dem Institut für Forstentomologie, -pathologie und -schutz und dem Institut für Geomatik die Universität für Bodenkultur Wien als Projektpartner.

Link: www.at-cz.eu/forrisk

Die seit nun mehreren Jahren anhaltende erhöhte Schadsituation durch Borkenkäferbefall in den Wäldern der österreich-tschechischen Grenzregion stellt die Waldbesitzer*innen, die Behörden und Interessenvertreter*innen vor große Probleme und Herausforderungen im Hinblick auf Forstschutz, Holzernte, -logistik und -vermarktung sowie Wiederaufforstung. Jahrzehntelang wurde die Fichten-Bewirtschaftung forciert, welche sich unter den sich ändernden Klima-/Standortsbedingungen als risikoreich herausstellt. In der aktuellen Krise zeigt die enge grenzübergreifende Verzahnung des Forst- und Holzsektors deutlich, wie vorteilhaft ein gemeinsamer, grenzüberschreitender Informations- und Wissensaustausch und die Entwicklung eines abgestimmten Krisen- und Risikomanagements für eine zukünftige nachhaltige Waldbewirtschaftung wäre.

Das Institut für Waldbau hat für dieses Österreich-Tschechische INTERREG-Projekt die Lead Partner Rolle übernommen und vertritt zusammen mit dem Institut für Forstentomologie, -pathologie und -schutz (IFFF) und dem Institut für Geomatik (IG) die Universität für Bodenkultur Wien als Projektpartner. Ein weiterer österreichischer Projektpartner ist die Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen, die vor allem den ökonomischen Fragestellungen in diesem Projekt nachgeht. Auf tschechischer Seite ist die MENDELU Universität in Brno beteiligt, die ebenfalls über umfangreiche Erfahrungen im Bereich forstliche Anpassungsmaßnahmen bzw. Empfehlungen im Zuge des Klimawandels verfügt.

Im Rahmen von FORRISK werden zunächst die Schadereignisse durch Borkenkäferbefall, Trockenheit, Wind, Schnee und anderen Schadfaktoren in den beiden grenznahen Waldgebieten seit 2015 analysiert und bewertet sowie die damit im Zusammenhang stehenden Behörden- und Beratungsaktivitäten und staatlichen Maßnahmen zur Unterstützung der Waldeigentümer aufgezeigt. Forstbetriebe unterschiedlicher Größe und mit verschiedenen Standortsgegebenheiten haben in den vergangenen Jahren betriebliche Inventuren durchgeführt, die gesetzten Anpassungsmaßnahmen dokumentiert und Versuchsflächen angelegt, um die Erkenntnisse und Erfahrungen bezüglich Wiederaufforstungs- und Waldumbaumaßnahmen zu verbessern. Diese Datengrundlagen werden nun neu bewertet und der Wissensstand über verschiedene Bewirtschaftungsstrategien wird auf betrieblicher Ebene verbessert.

In einem zweiten Schritt erfolgt – aufbauend auf der Bewertung bestehender und potentieller Risiken im Projektgebiet – die Entwicklung von operativen und strategischen Alternativkonzepten zur Verringerung des mittel– bis langfristigen naturalen und finanziellen Schadpotentials auf Bestandes- und Betriebsebene sowie von darauf aufbauenden Förderprogrammen und Beratungsinstrumenten. Die Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Risikoträger werden festgelegt sowie das Risiko abgeschätzt und in einem Handbuch für ein integriertes Krisen- und Risikomanagement zusammengefasst.

Ergebniskarten des Projekts

PHENIPS plus 2020 - Karten © Josef PENNERSTORFER, Peter BAIER

Um ein effizientes und effektives, grenzübergreifendes Krisen- und Risikomanagement in der Forstwirtschaft auch nach Projektende zu gewährleisten, werden entsprechende Maßnahmen eingeleitet:

  • eine gemeinsame Frühwarnplattform zur gegenseitigen Vorab-Information im Falle sich entwickelnder potentieller Schadereignisse im Grenzgebiet
  • weiterer Ausbau der bereits vorhandenen Demonstrations- und Betriebsflächen für Waldumbau in den Grenzregionen und des entsprechenden bilateralen Informations- und Erfahrungsaustausches
  • Weiterentwicklung bzw. Verbesserung und Ausbau umsetzungsorientierter Aus- und Weiterbildung im Bereich Forschung und Lehre sowie für forstrelevante Institutionen und Betriebe.

Eine wichtige und entscheidende Rolle im Projekt FORRISK spielen die Strategischen Partner aus beiden Ländern, die auch gleichzeitig die anzusprechende Zielgruppe im Forstsektor darstellen: Waldeigentümer mit unterschiedlichen Betriebsgrößen und Eigentumsverhältnissen, Behörden auf unterschiedlichen Ebenen sowie land- und forstwirtschaftliche Interessensvertretungen. Durch die kontinuierliche Einbeziehung dieses Personenkreises bereits während der Projektlaufzeit können einerseits die Erfahrungen aus der Praxis bei der Entwicklung der Empfehlungen und Maßnahmen mitberücksichtigt und andererseits auch die Ergebnisse des Projektes nach der Projektlaufzeit direkt umgesetzt werden.

                          

Kontaktpersonen

  • Eduard Hochbichler (Institut für Waldbau)
  • Elisabeth Gerhardt (Institut für Waldbau)
  • Thomas Kirisits ( Institut für Forstentomologie, -pathologie und -schutz)
  • Markus Immitzer (Institut für Geomatik)

                           

Link: www.at-cz.eu/forrisk