HOT TOPIC: BOKU-Agrarforschung zur Zukunftsfähigkeit der Nutztierhaltung


Aktuelle Forschungsprojekte zum Thema Zukunftsfähigkeit der Nutztierhaltung

Die landwirtschaftliche Tierhaltung steht häufig im Zentrum gesellschaftlicher Kritik. Kritikpunkte betreffen v.a. die Art der Tierhaltung, die Umweltwirkung der tierischen Produktion und die Nahrungskonkurrenz zwischen Nutztieren und Menschen. Oft verläuft die Diskussion um eine zukunftsfähige Nutztierhaltung wenig differenziert. Die zentrale Funktion zumindest großer Bereiche der Tierhaltung, nämlich die Transformation nicht essbarer pflanzlicher Biomasse in hochwertige Lebensmittel und die Bereitstellung sogenannter Ökosystem-Dienstleistungen als „Nebenprodukte“ werden meist ausgeblendet.

Die BOKU-Nutztierwissenschaften tragen sowohl zu einer validen Bewertung von Leistungen und unerwünschten Folgen der Tierhaltung als auch zur Erarbeitung von Optimierungsansätzen bei, wie im Folgenden exemplarisch dargestellt wird.

Mit dem Ziel die Umweltwirkungen der Tierhaltung zu reduzieren, wird im Projekt Breed4green an züchterischen Verbesserungen zur Erhöhung der Futter- bzw. Energieeffizienz und zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen geforscht. Erstmals werden Geräte zur Messung des Methan-Ausstoßes von Kühen auf einer Reihe von Zuchtbetrieben installiert. Unter Zuhilfenahme des Infrarot-Spektrums der Milch werden indirekte Indikatoren zur Messung des Methanausstoßes und der Futtereffizienz entwickelt. Da Infrarot-Spektren im Rahmen der Milchleistungskontrolle bei fast einer halben Million Kühen erhoben werden, kann zukünftig wohl systematisch auf Methan-Reduktion und verbesserte Futtereffizienz gezüchtet werden.

Dem so genannten ‚positiven Tierwohl‘ widmet sich ein Teilprojekt der European Partnership Animal Health & Welfare. „Positives Tierwohl“ geht dabei über die reine Abwesenheit von Beeinträchtigungen der Tiergesundheit oder des Verhaltens hinaus und umfasst vielmehr auch die Ermöglichung des Erlebens positiver Erfahrungen. Neben der Erstellung systematischer Literaturreviews zu präferierten und geschätzten Bedingungen und potenziellen Indikatoren für positives Tierwohl von Wiederkäuern widmet sich die BOKU auch der Frage, ob und wie Tiere ‚Flow‘ erleben. In einem zweiten Teilprojekt werden anhand von Fallstudien die Zusammenhänge zwischen tierwohlfördernden Haltungsbedingungen und anderen Dimensionen der Nachhaltigkeit untersucht.

Das Projekt Hecken für Hühner beschäftigt sich mit den Bereichen Fütterung von Legehennen, Verhalten im Freiland und Erhaltung der Biodiversität. Der Fokus liegt dabei auf Pflanzen und Insekten. Diese spielen eine wichtige Rolle in der Ernährung von Freilandhühnern, wobei die Menge des im Freiland aufgenommenen Futters bisher kaum untersucht wurde. Über Kotanalysen der in Freilandpflanzen vorkommenden n-Alkane wird bestimmt, was die Tiere zusätzlich zum kommerziellen Mischfutter fressen. Zudem können Veränderungen der Pflanzengemeinschaften aufgezeigt werden, um die Freilandhaltung in Zukunft nachhaltiger zu gestalten.

Die Aquakultur ist der am schnellsten wachsende Agrarsektor. Mit höherer Fischproduktion steigt die Nachfrage nach Fischmehl. Die meisten kommerziell erhältlichen Fischmehle werden bei Temperaturen von 110-120°C verarbeitet, um die mikrobielle Aktivität zu reduzieren, aber auch um die Fischfutterverarbeitung und die Produktionskapazität zu optimieren. Dabei kann es zu Hitzeschäden kommen, die die Verdaulichkeit insbesondere der Aminosäuren Lysin und Arginin beeinträchtigen. Ziel des Projektes Feed for Fish ist es, den Einfluss der Verarbeitungstemperatur von Fischmehl auf die Verdaulichkeit und Leistung von Regenbogenforellen zu untersuchen.


23.07.2024