Interview mit DI Johann Steinwider, Abteilung Risikobewertung, AGES und Obmann des Agrarabsolvent*innenverbands der BOKU

Können Sie uns bitte einen kurzen Überblick über Ihren Aufgabenbereich bei der AGES geben?

In der von mir geleiteten Abteilung Risikobewertung bewerten wir Risiken für sichere Lebensmittel und widmen uns neuen Risikothemen wie z.B. Mikroplastik und sogenannten Ewigkeitschemikalien. Dabei betrachten wir die gesamte Lebensmittelkette und konzentrieren uns vor allem auf chemische Risiken, die aus der Umwelt über die Landwirtschaft in Lebensmittel gelangen. 

Darüber hinaus befassen wir uns mit neuartigen Lebensmitteln, Gentechnik, Kosmetika, Tabakprodukten sowie der Identifikation neuer Risiken. Wir arbeiten eng mit nationalen Partnern wie dem Umweltbundesamt und Universitäten, sowie mit internationalen Organisationen wie der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA und weiteren EU-Agenturen zusammen. Die EFSA ist unsere zentrale Referenz für wissenschaftliche Risikobewertungen. Unsere Expert*innen wirken in deren Fachgremien mit und führen Projekte im Auftrag der EFSA durch. 

Wo sehen Sie Verbindungen zwischen Ihrem Aufgabenfeld und den agrarwissenschaftlichen Themenfeldern an der BOKU?

Landwirtschaft bildet die Grundlage für sichere und hochwertige Lebensmittel. Kontaminationen in Landwirtschaft oder Umwelt beeinflussen die Sicherheit der Produkte entlang der gesamten Lebensmittelkette. 

Die AGES übernimmt als One-Health-Agentur eine zentrale Rolle und arbeitet dabei interdisziplinär – eine direkte Brücke zur BOKU, an der mein agrarwissenschaftliches Studium das Denken in ganzheitlichen Ansätzen gefördert hat. Es gilt die Risikolage umfassend zu erfassen, mit bestehenden Maßnahmen zu vergleichen und neue pragmatische Lösungen zu entwickeln. 

Sie sind auch Obmann des Agrarabsolvent*innenverbandes der BOKU, können Sie diesen bitte kurz vorstellen?

Der Agrarabsolvent*innenverband versteht sich als Plattform zwischen der BOKU und ihren Absolvent*innen sowie als Interessensvertretung für Absolvent*innen agrarwissenschaftlicher Studienrichtungen.

Er besteht seit über 100 Jahren und zählt rund 1.500 Mitglieder. Ziel ist es, den Austausch zwischen der Universität und ihren Absolvent*innen aktiv zu fördern z. B. durch BOKU-Treffs, Jahrestreffen, Exkursionen und internationale Studienreisen.

Zudem unterstützen wir BOKU-Studierende über den Semester-Touchdown der AW, bei dem herausragende Abschlussarbeiten prämiert werden. Ein besonderer Dank gilt dem CAS für dessen Organisation. 

Wir arbeiten eng mit BOKU ALUMNI zusammen, dieses bietet u. a. Unterstützung bei der Arbeitssuche, Informationen über aktuelle Entwicklungen an der BOKU und organisiert den ALUMNI-Tag; zudem gibt es Vorteile für ALUMNI Mitglieder im BOKU Shop mit exklusiven Produkten mit BOKU Logo. 

Welche Erwartungen haben Sie an die AW-Forschung an der BOKU? 

Ich erwarte von der AW-Forschung, dass sie praxisorientierte Lösungen für eine nachhaltige, klimaresiliente und zugleich wettbewerbsfähige Landwirtschaft entwickelt. Es geht um Fragen der Ressourceneffizienz, Klimafitness, Tierwohl, innovative Pflanzenschutzstrategien sowie den Einsatz moderner Technologien. Diese Themen müssen nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch ökonomisch bewertet und transparent kommuniziert werden, um Akzeptanz bei Landwirtschaft und Gesellschaft sicherzustellen.

 


12.02.2026