EU-Projekt: IntercropVALUES
Der Anbau von Leguminosen gilt als Schlüssel für eine nachhaltigere Landwirtschaft: Die Hülsenfrüchte verbessern die Bodengesundheit, binden Luft-Stickstoff und reduzieren damit den Bedarf an chemisch-synthetischen Düngemitteln. Besonders im Leguminosen-Mischanbau mit Getreide lassen sich die natürlichen Ressourcen effizienter nutzen, Treibhausgase reduzieren und wichtige Ökosystemleistungen fördern. Dennoch gibt es in Europa nur wenige Versuche zum Leguminosen-Mischanbau. Hier setzt das EU-Projekt IntercropValuesan. In 13 Fallstudien werden Mischkultursysteme an 15 verschiedenen Standorten untersucht und neue, innovative Methoden für das Management dieser Systeme entwickelt. Ziel ist es, die Ertragsleistung und Stabilität von Mischkulturen im Vergleich zu klassischen Monokulturen zu bewerten. Außerdem untersucht das Projekt, wie effizient die Pflanzen abiotische Ressourcen nutzen und welche Faktoren die Nährstoffzusammensetzung der Kulturen beeinflussen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Ökosystemleistungen – etwa in der natürlichen Regulierung von Unkräutern, Schädlingen und Krankheiten, die langfristig zur Verringerung von Ertragsverlusten und zum reduzierten Einsatz von Pestiziden beitragen können.
Ein entscheidender Schritt hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft ist der Wissenstransfer. Landwirt*innen benötigen praktische Erfahrung, um neue Anbausysteme erfolgreich einzusetzen. Im Projekt werden deshalb praxisnahe Werkzeuge und Methoden zur Bewertung und Steuerung von Mischanbausystemen entwickelt – von Indikatoren für die Anbauplanung über Erkenntnisse zu Ökosystemleistungen in Fruchtfolgen bis hin zu innovativen Maschinen, die in der Praxis bereits erprobt oder von Landwirt*innen selbst angepasst wurden.
Parallel dazu arbeitet ein Modellierungsteam daran, die Leistung verschiedener Mischkulturen in unterschiedlichen Zusammensetzungen zu simulieren. Durch solche Analysen können Wechselwirkungen zwischen Pflanzenarten, Ökosystemleistungen und potenziellen Risiken sichtbar gemacht und optimale Kombinationen aus Sorten und Anbaustrukturen identifiziert werden.
Auch die Qualität des erzeugten Getreides steht auf dem Prüfstand. Im Rahmen eines Arbeitspaketes wird untersucht, wie sich Mischkulturen im Vergleich zu Monokulturen hinsichtlich hygienischer und technologischer Eigenschaften sowie Nährstoffgehalt in der Lebensmittelverarbeitung unterscheiden und wie Faktoren wie Boden, Klima oder Stickstoffdüngung diese Qualität beeinflussen.
In einem Exaktversuch auf den biologisch bewirtschafteten Versuchsflächen der BOKU in Raasdorf wurden über zwei Vegetationsperioden (2023 und 2024) in einem Parzellenversuch Sojabohnen im Streifen-Mischanbau mit Mais unter verschiedenen Stickstoffdüngungsregimen mit den jeweiligen Monokulturen verglichen, wobei verschiedene Boden- und Pflanzenparameter sowie die mikroklimatischen Bedingungen erfasst wurden. Der Streifen-Mischanbau ist ein Produktionssystem, bei dem verschiedene Kulturen in breiten Streifen (in der Regel in der Breite einer Sämaschine, im Versuch 3 Reihen Mais, 3 Reihen Sojabohne) auf demselben Feld angebaut werden. Die Ergebnisse zeigen, dass die organische Stickstoffdüngung weder auf den Ertrag noch auf Ertragsindizes beider Kulturen einen signifikanten Einfluss hatte. Die Befunde unterstreichen das Potenzial der Mais–Sojabohnen-Mischkultur, N-Gaben zu reduzieren und die Nährstoffnutzungseffizienz im biologischen Landbau zu verbessern. Zugleich machen sie die Notwendigkeit systemischer Anpassungen zur Minderung von Konkurrenzungleichgewichten deutlich – z. B. angepasste Saatmuster, schattentolerante Sorten oder modifizierte Reihenanordnungen.
Mit diesen breit angelegten Untersuchungen im Projekt IntercropValues sollen praxisrelevante Grundlagen geschaffen werden, um den Leguminosen-Mischanbau in Europa voranzubringen. Ein weiterer wesentlicher Fokus liegt darin Barrieren und Chancen innerhalb der Wertschöpfungskette zu identifizieren, um den Mischfruchtanbau ökonomisch attraktiver zu machen. Eine breite Kommunikation der Projektergebnisse soll die Akzeptanz und praktische Umsetzung bei allen relevanten Akteur*innen steigern.
Autor*innen: Gabriele Gollner, Aliyeh Salehi, Sabine Seidel, Josef Eitzinger
Weitere Infos unter: https://intercropvalues.eu/