Forschung trifft Praxis
Was sind die wichtigsten Aufgaben in Ihrer Funktion?
Meine Aufgabe ist es, die Anliegen und Leistungen von Frauen in der Land- und Forstwirtschaft sichtbar zu machen und ihre Interessen auf Bundesebene zu vertreten. Gemeinsam mit Bundesbäuerin, Landesbäuerinnen sowie den Referentinnen gestalten wir Bildungs-, Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit und bringen Frauenperspektiven in agrarpolitische Prozesse ein.
Die Bäuerinnenorganisation ist von der Orts- bis zur Bundesebene sowie international vernetzt – etwa im Copa-Cogeca-Frauenausschuss und beim DACH-Vierländertreffen.
Ein besonderer Schwerpunkt ist die Bildungsarbeit: Fast 40.000 Kinder erreichen die Bäuerinnen jährlich mit Aktionstagen in den Volksschulen, weitere 120.000 durch Seminarbäuer*innen und Schule am Bauernhof.
Wie beschreiben Sie die aktuelle Situation von Frauen in der Landwirtschaft in Österreich?
Österreich weist mit knapp 36 % Betriebsführerinnen einen hohen Frauenanteil in der Betriebsführung auf. Bäuerinnen sind hervorragend ausgebildete Unternehmerinnen, prägen vielfach die Direktvermarktung sowie andere Diversifizierungsformen und sind oft das organisatorische und betriebswirtschaftliche Rückgrat der Familienbetriebe.
Strukturelle Herausforderungen bestehen bei finanzieller und rechtlicher Absicherung, Hofübernahmen, traditionellen Rollenbildern und der Mitbestimmung in Gremien. Viele Frauen tragen über Jahrzehnte Betriebs-, Erwerbs- und Care-Arbeit – eine Mehrfachleistung, die gesellschaftlich noch zu wenig gesehen und anerkannt wird.
Bäuerinnen tragen wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg der Betriebe bei. Diese Verantwortung muss sich auch in wirtschaftlicher Eigenständigkeit, gesellschaftlicher Anerkennung und Mitbestimmung widerspiegeln.
Welcher konkreten Maßnahmen bedarf es, um die Situation von Frauen in der Landwirtschaft nachhaltig zu verbessern?
Es braucht leicht zugängliche, zeit- und ortsunabhängige Bildungs- und Beratungsangebote, v.a. zu Eigentum, Betriebsführung sowie finanzieller und rechtlicher Absicherung. Frauen müssen in agrarischen Gremien, Interessenvertretungen und politischen Entscheidungsprozessen stärker mitgestalten und mitentscheiden.
Bäuerinnen schaffen regionale Wertschöpfung, entwickeln neue Einkommensstandbeine und tragen wesentlich zur Lebensqualität im ländlichen Raum bei. Diese Leistung muss sich in Strukturen, Fördermaßnahmen und guten Rahmenbedingungen für Vereinbarkeit, Entlastung und psychosozialer Gesundheit widerspiegeln. Diese Perspektive bringen wir auch in die aktuelle Weiterentwicklung der GAP ein.
Welche Erwartungen haben Sie an die BOKU in diesem Zusammenhang?
Ich wünsche mir eine starke wissenschaftliche Begleitung der Themen, die Frauen in der Land- und Forstwirtschaft betreffen, und einen verstärkten Austausch von Wissenschaft und Praxis. Die BOKU sehe ich als wichtige Partnerin, gerade bei Themen wie Betriebsführung, Diversifizierung, rechtlicher Absicherung, Innovation, Care-Arbeit und nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume. Forschung liefert Daten und Fakten, die politische Entscheidungen fundieren und wirksame Maßnahmen ermöglichen.