SWIFT - Innovationen durch Frauen für die sozial gerechte und zukunftsfähige Landwirtschaft
Frauen spielen eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft und somit für unser Ernährungssystem. Im europäischen Agrarsektor besteht noch immer ein hohes Maß an Gender-Ungleichheit, und die vielfältigen Arbeitsleistungen, das Wissen, die Erfahrungen, sowie die unbezahlte Care-Arbeit von Frauen in der Landwirtschaft bleiben häufig unsichtbar.
Das EU-Horizon Projekt SWIFT („Supporting Women-Led Innovations in Farming and Rural Territories“) beschäftigt sich mit der Förderung frauen-geführter Innovationen in der Landwirtschaft und in ländlichen Regionen. Gemeinsam mit 14 Organisationen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft in neun europäischen Ländern arbeitet das Projekt-Team mit bäuerlichen Initiativen zusammen, die von Frauen oder LGBTQIA+ Personen geleitet werden. Diese Initiativen engagieren sich für die Gleichstellung der Geschlechter, für soziale und ökologische Diversität, für die Integration marginalisierter Gruppen, sowie für gesetzliche Rahmenbedingungen, die den bestehenden Ungleichheiten entgegenwirken können.
Methodisch verfolgt SWIFT einen feministischen und menschenrechtsbasierten Ansatz, der darauf abzielt, ungleiche und sich überschneidende (intersektionale) gesellschaftliche Machtverhältnisse aufzuzeigen. Durch partizipative Aktionsforschung wird die Lebensrealität sowie das Praxis- und Erfahrungswissen von Bäuer*innen ins Zentrum gerückt. Der partizipative Ansatz hat zudem das Ziel, über Mitbestimmung und Ermächtigung einen unmittelbaren Beitrag zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen zu leisten:
- Mit partizipativen Videos dokumentieren und reflektieren Bäuer*innen der niederländischen Partnerorganisation Toekomstboeren ihre Visionen für eine nachhaltige und gerechte Landwirtschaft.
- Im SWIFT-Podcast „Soil Sisters“ sprechen Bäuer*innen und Projektpartner*innen über Migration im Agrarsektor, ihr Verständnis von Agrarökologie, gemeinschaftlich organisierte Trainings sowie die wichtige Rolle von Zusammenhalt über die Generationen hinweg.
- Mit der Photovoice Methode dokumentieren und diskutieren Bäuer*innen in unterschiedlichen Regionen ihre Herausforderungen und Visionen für eine gerechte Landwirtschaft. Die Fotos werden am 16. September 2026 im Rahmen der BOKU CAS Herbsttagung ausgestellt.
Mittels teilnehmender Beobachtung haben SWIFT-Partner*innen in Spanien die vielseitige soziale reproduktive Arbeit von Bäuer*innen erhoben. Die innovative Forschung trägt zu einer Neubewertung von landwirtschaftlicher Rentabilität und Lebensfähigkeit bei, in der die unterschätzte Leistung von Frauen dokumentiert und sichtbar ist.
In Politik-Dialogen, die 2025 in Spanien, Polen, Österreich und Brüssel durchgeführt wurden, tauschten sich Bäuer*innen, Forscher*innen und politische Entscheidungsträger*innen über Hindernisse, Bedarfe und Möglichkeiten hin zu einer geschlechtertransformativen Agrarpolitik aus. Die Erkenntnisse dieser Dialoge wurden in einem Policy Brief zusammengefasst und in Form eines Comic-Books umgesetzt, um sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Die Erfahrungen in SWIFT zeigen deutlich, wie groß die strukturellen Barrieren auf individueller und lokaler Ebene sind, wenn es beispielsweise um Zugang zu Land oder politische Teilhabe geht. Durch die enge Zusammenarbeit mit den bestehenden Initiativen konnten wir aber auch zeigen, dass Bäuer*innen kreative Strategien entwickeln, um diese Barrieren zu überwinden. Durch den innovativen methodischen Ansatz trägt SWIFT zu neuen theoretischen Konzepten bei, die die Wechselwirkungen sozialer und ökologischer Transformation in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum beschreiben - einschließlich politischer Empfehlungen, wie Transformation umgesetzt werden kann. Darüber hinaus rückt SWIFT bestehende lokale, nationale und internationale Initiativen in den Vordergrund und stärkt sie in ihrem Engagement für nachhaltige, gerechte und inklusive Ernährungssysteme.
Diese und andere Ergebnisse sind auf dem SWIFT Portal veröffentlicht.
Autorinnen: Charlotte Voigt, Barbara Stadlmayr, Stefanie Lemke, Institut für Entwicklungsforschung, BOKU University
Weitere Informationen: https://swiftproject.eu