In Raasdorf, auf den biologische bewirtschafteten Versuchsflächen der BOKU, wurde im Frühling 2026 ein europaweit einzigartiges Agrarlandschafts-experiment angelegt, ein großparzelliger, randomisierter Exaktversuch auf rund 20 Hektar, das zeigt, wie sich Produktivität, Biodiversität und Klimaschutz und -anpassung gemeinsam fördern lassen. Drei Stufen der Diversifizierung werden in dem Agrarlandschaftsexperiment auf ihre ökologischen, ökonomischen und klimatischen Wirkungen hin wissenschaftlich untersucht: (i) Reinsaaten (Kontrolle), (ii) Streifenanbau mit üblichen Kulturen wie Mais, Weizen, Soja aber auch Funktionsstreifen, sowie (iii) Streifenanbau mit Funktionsstreifen wie in (ii) aber auch Agroforst (alley cropping). In den Funktionsstreifen spielen einjährige (z.B. Kräuter, Kulturen wie Mariendistel, Ringelblume) und mehrjährige Pflanzen (z.B. Kleegras, Gewürzfenchel, Brachen, Blühstreifen), aber auch die Agroforststreifen eine entscheidende Rolle, sie fördern Bodenschutz, Biodiversität und beeinflussen das Mikroklima. So werden vielfältige Lebensräume, Habitate und Biotopkorridore geschaffen.

Im Agrarlandschaftsexperiment werden erstmals in Österreich umfangreiche interdisziplinäre Daten zu Ökosystemleistungen und Biodiversitätsindikatoren erhoben, um zu quantifizieren, wie sich Strukturvielfalt auf Ertrag, Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt, Kohlenstoffspeicherung und Artenvielfalt aber auch auf Arbeitsaufwand und Lohnkosten auswirkt. Dies geschieht durch innovative Technologien – Drohnen- und KI-gestützte Datenerfassung und Sensorik und erlaubt den Aufbau eines „Digital Twin“. Diese Ergebnisse liefern eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für zukünftige agrar- und umweltpolitische Entscheidungen.

Kontaktperson: Prof. Sabine Seidel, Dr. Gabriele Gollner

Kooperationspartner: Versuchwirtschaft Groß Enzersdorf, Bio Austria NÖ und Wien, FIBL Österreich, Baumfeldwirtschaft