ALLTOGETHER (Obst-Gemüse Anbausysteme)
Das Projekt ALLTOGETHER
Förderung des kombinierten Anbaus von Obst und Gemüse
Vielfalt erhalten, fördern und steigern
Laufzeit: 1.4.2026 – 31.3.2029
Version 15.7.2026 (BVL, CRV – P3)
Der kombinierte1 Anbau von Obst- und Gemüse (Obst-Gemüse-Anbausystem) kann die Vielfalt, Stabilität und Krisensicherheit von Agrar- und Ernährungssystemen fördern, die Arbeitsqualität während der Bewirtschaftung verbessern und zu neuen Vermarktungsmöglichkeiten führen. Durch solche Obst-Gemüse-Anbausysteme können auch positive Wirkungen in Form so genannter Ökosystemleistungen erzielt werden, wie z.B. Bestäubung durch Insekten oder Minderung des Drucks von Schädlingen.
Obst-Gemüse-Anbausysteme bestehen aus ein- oder zweijährigen Gemüsearten und mehrjährigen fruchttragenden Arten (Bäume oder Sträucher). Sie weisen meist eine hohe Vielfalt an Arten und Sorten auf. Ihr Anbau und ihre Bewirtschaftung sind aber unter den Klima- und Bodenbedingungen Europas sehr herausfordernd. Für einen gezielten Aufbau solcher Systeme, mögliche Risiken und Leistungen, sowie eine erfolgreiche Kulturführung liegen kaum systematisch dokumentierte Erfahrungen vor.
Es gibt allerdings einige Bäuerinnen & Bauern sowie GärtnerInnen, die mit solchen Obst-Gemüse-Anbausystemen bereits Erfahrung haben2, die solche Systeme gerade aufbauen und ausprobieren oder dies planen. Diesen Hintergrund greift das Projekt ALLTOGETHER auf und hat folgende Ziele:
- Der Aufbau eines Netzwerkes von Beispielbetrieben entlang eines Nord-Süd-Gradienten von Schweden bis Spanien bzw. Italien, die Erfahrungen mit Obst-Gemüse-Anbausystemen haben oder solche gerade aufbauen.
- Sammeln, Auswerten und Austauschen von Erfahrungen zu Obst-Gemüse-Anbausystemen;
- Anregen von Experimenten zur Klärung drängenden Fragen im Anbau und der Bewirtschaftung von Obst-Gemüse-Anbausystemen;
- Identifikation der (Ökosystem-)Leistungen von Obst-Gemüse-Anbausystemen, aber auch hemmender und fördernder Faktoren für deren Aufbau bzw. Bewirtschaftung;
- Weiterentwicklung bestehender und Aufbau neuer Obst-Gemüse-Anbausysteme;
- Nutzbarmachen der Erfahrungen in Aus- und Weiterbildung, Beratung, Lehrplänen, Informationsmaterialien und Planungswerkzeugen.
Eingebunden sein sollen Bäuerinnen & Bauern, GärtnerInnen, WissenschaftlerInnen, Studierende, KonsumentInnen, BürgerInnen mit Interesse am Gartenbau & Nachhaltigkeit, sowie VertreterInnen aus Politik, Beratung und aus Interessensvertretungen.
Das Projekt ALLTOGETHER im Forschungsprogramm „Agroecology Europe Partnership“ wird von 10 Partnerorganisationen in 7 Ländern Europas umgesetzt. Die Partner haben unterschiedliche Aufgaben zu koordinieren. Die BOKU University (Österreich) ist gemeinsam mit der Universität Hohenheim (Deutschland) für die Koordination des Arbeitspaketes (AP) 1 zuständig. Nicht alle Aktivitäten müssen in allen mitwirkenden Betrieben / Living Labs3) umgesetzt werden. Das Projekt ist in diese Arbeitspakete gegliedert:
- AP1: Aufbau eines Netzwerkes von Betrieben mit Obst-Gemüse-Anbausystemen
- 1.1. Charakterisierung der Obst-Gemüse-Anbausysteme der mitwirkenden Betriebe;
- 1.2. In jedem Betrieb sollten Überlegungen zu Prioritäten, Zielen und Plänen im Hinblick auf die eigene Weiterentwicklung von Obst-Gemüse-Anbausystemen stattfinden. Herausforderungen und Erfolge bei der eigenen Umsetzung sollen identifiziert werden;
- 1.3. Implementierung von Maßnahmen, die das gegenseitige Lernen im Netzwerk fördern;
- 1.4. Analyse der Erfahrungen über den Lernprozess im Netzwerk und Planung weiterer sinnvoller Schritte.
- AP 2: Analyse von Leistungen und Herausforderungen der Obst-Gemüse-Anbausysteme
- 2.1. Gemeinsame Identifikation von Aspekten (Indikatoren) deren Messung sinnvoll wäre, um die Leistungen der Obst-Gemüse-Anbausysteme darzustellen;
- 2.2. & 2.3. Messung der Indikatoren in ausgewählten mitwirkenden Betrieben;
- 2.4. Gemeinsame Diskussion der Ergebnisse.
- AP 3: Strategien und Werkzeuge für die Planung von Obst-Gemüse-Systemen bereitstellen
- 3.1. Verstehen, wie bislang die Anlage von Obst-Gemüse-Anbausystemen geplant wurde;
- 3.2. Analyse der der Nutzbarkeit bestehender Planungswerkzeuge;
- 3.3. Entwicklung eines für Obst-Gemüse-Anbausysteme passenden neuen Planungswerkzeuges;
- 3.4. Anwendung und Testung eines neuen innovativen Planungswerkzeuges.
- AP 4: Informations-, Beratungs- und Lehrmaterialien entwickeln und bereitstellen
- 4.1. Mitwirkende Betriebe (bei Interesse) in Lehre und Ausbildung einbinden;
- 4.2. Gemeinsame Entwicklung neuer Lehr- und Beratungsmaterialien;
- 4.3. Aus-/ Weiterbildung zu Obst-Gemüse-Anbausystemen ausbauen.
- AP 5: Analyse der aktuellen politischen Rahmenbedingungen für Obst-Gemüse-Anbausysteme
- 5.1. Sichtung bestehender politischer Maßnahmen für die Förderung von Obst-Gemüse-Anbausystemen;
- 5.2. Analyse von Defiziten und Potentialen;
- 5.3. Formulierung des Handlungsbedarfes.
- AP 6: Kommunikation der Projektinhalte
- Schreiben von Artikeln, Broschüren, Informationsmaterialien;
- Mitwirken an Informationsveranstaltungen, etc.
1Kombiniert“ meint in unserem Projekt den Anbau von Obst und Gemüse auf ein und derselben kleineren oder größeren Fläche; nebeneinander, übereinander, miteinander, wobei das „Design“ sehr unterschiedlich und ortsabhängig sein kann: spontan durcheinander, überlegt in Gruppen, exakt geplant in Reihen, usw.
2In vielen Ländern des globalen Südens sind solche kombinierten Obst-Gemüse-Anbausysteme üblich, wie etwa in den Hausgärten der Maya in Mesoamerika, den Waldgärten in Kandy, Sri Lanka, etc. Auch in Europa sind – je nach Land, Stadt bzw. Verein – Kombinationen von Obst und Gemüse beispielswiese in Schrebergärten nicht nur üblich, sondern mancherorts sogar vorgeschrieben.
3„Betriebe“, i) die im Bereich der Nachhaltigkeit neue Dinge ausprobieren, um noch nachhaltiger zu werden, ii) die mit Forschung und Beratung zusammenarbeiten, iii) die neugierig und offen für die Weitergabe ihrer Erfahrungen und deren Reflexion sind, werden im Projekt auch „Living Labs“ (oder Reallabore) genannt. In Marktgärten, Nachbarschaftsgärten oder Hausgärten werden laufend „Dinge ausprobiert“, weswegen diese Bezeichnung für einen Ort des Experimentierens und der Entwicklung an alltäglichen Herausforderungen eigentlich ganz gut passt.