Verantwortung, Werte und Emotionen in der Wissenschaft Podiumsdiskussion im Rahmen der Zukunftskonferenz

Podiumsdiskussion am 25.05.2022 - 13:30-15:00

In der Ethik-Charta der BOKU heißt es bei den Grundsätzen der Lehrenden u.a.: „Die Lehrenden fördern den kritischen Diskurs mit den Studierenden über Methoden, Lehrziele und -inhalte. Sie legen die dahinterstehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und Werthaltungen offen.“ Diese Formulierung impliziert, dass wissenschaftliche Fakten alleine als Basis für einen kritischen Diskurs nicht ausreichen - sondern, dass gerade auch die Werthaltungen der ForscherInnen, die diese Fakten erzeugen, interpretieren und kommunizieren, adressiert und hinterfragt werden sollten. Emotionen können bei der Umsetzung aber auch bei der Identifizierung eigener Wertehaltungen eine wichtige Rolle spielen.

Da solche Werthaltungen mehr widerspiegeln als eine private Moral der WissenschaftlerInnen, ist auch der gesellschaftliche Diskurs über ethische Nachfragen und Leitlinien in Bezug auf die Wissenschaften einzubeziehen. Zudem geht es um Übernahme von Verantwortung für Forschungsfolgen und für das Handeln in der Lehre.

Grundlegende Fragen sind berührt: In welchem Verhältnis stehen Werte, Emotionen, Wissen und Verantwortung zueinander? Kann es überhaupt eine emotions- und wertfreie Wissenschaft geben? Entstehen Widersprüche zum Anspruch auf eine „objektive Wissenschaft“? Gibt es Implikationen für Wahrnehmung von Verantwortung in Forschung und Lehre?

Die Podiumsdiskussion kann als unverbindliche Einleitung in ein praxisnahes Weiterbildungsseminar „Ethische Frage in die Lehre einbringen – wie geht das?“ verstanden werden und ist für den 27.09.2022 geplant.

Wissenschaftliche Freiheit *neuer Termin: 09.06.2022 18:30*

Vortrag & Diskussion: "Ein oder zwei Dinge, die ich über wissenschaftliche Freiheit weiß"

09.06.2022 18:30

Ein Vortrag von Michael Hagner, Professor für Wissenschaftsforschung, ETH Zürich

Die Freiheit der Wissenschaften gehört in den demokratischen Ländern zu jenen höchsten Gütern, die immer wieder beschworen werden. Allerdings zeigt sich in prekären Situationen wie der Corona-Pandemie (vom Klimawandel ganz zu schweigen) auch, dass diese Freiheit schnell in Frage gestellt wird, wenn die Wissenschaften sich öffentlich in einer Weise äußern, die zur politischen Meinung im Widerspruch steht. Was aber ist eigentlich unter wissenschaftlicher Freiheit zu verstehen? Und wie kann sie in Gefahr geraten? Diesen Fragen werde ich mich in meinem Vortrag widmen und auf drei Aspekte eingehen, die für die Frage der wissenschaftlichen Freiheit besonders relevant sind: ihre Beziehungen zu Politik und Wirtschaft sowie bestimmte Gewohnheiten und Praktiken in den Wissenschaften selbst. Dabei werde ich argumentieren, dass Freiheit in den Wissenschaften – wie auch in der Gesellschaft – kein einmal erworbenes Gut ist, sondern immer wieder neu befragt, begründet und verteidigt werden muss.