Project Details
ActSustainably - Enabling Transformative Actions to Leverage Sustainability of Eurasian Grasslands
ActSustainably ist ein internationales Forschungsprojekt, das die nachhaltige und gerechte Nutzung sowie den Schutz und Wiederherstellung halb-natürlicher Graslandschaften unterstützt. Das Projekt arbeitet in Österreich und Südtirol, Dänemark, Ungarn und Kasachstan und verbindet Forschung mit enger Zusammenarbeit vor Ort. Viele Graslandschaften in Eurasien sind fragmentiert, haben an ökologischer Qualität verloren oder sind durch Umnutzung oder Aufgabe verschwunden. Trotz bestehender Schutzmaßnahmen ist ihr Zustand oft unzureichend oder verschlechtert sich weiter. ActSustainably arbeitet deshalb mit lokalen Gemeinschaften, Landwirtinnen und Landwirten sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern zusammen.
Ziel ist zu verstehen, wie Flächen genutzt werden, was Menschen wichtig ist und welche Veränderungen nötig sind, damit Natur und Gesellschaft profitieren. Gemeinsam werden der Zustand erfasst, mögliche Zukunftsbilder entwickelt und konkrete, vor Ort umsetzbare Schritte geplant. Ein zentrales Anliegen des BIODIVERSA+ Forschungsprogramms ist Transformation. Es geht nicht nur um Verbesserungen im Alltag, sondern auch um grundlegende Veränderungen bei Werten, Regeln und Institutionen. Schon kleine, abgestimmte Anpassungen können langfristige und tiefgreifende Wirkungen entfalten. Untersucht wird, wie formale Gesetze, Regeln und lokale Praktiken zusammenspielen und wo Anpassungen bestehende Ansätze stärken, ohne lokale Akteur*innen zu belasten. Wenn lokale Werte und naturbezogene Regeln in Bewirtschaftung, Schutz und Wiederherstellung einfließen, entstehen Entscheidungen, die besser zu den Bedürfnissen von Menschen und Biodiversität passen.
Die Arbeit orientiert sich an vier Leitprinzipien aus dem IPBES-Bericht zu transformativen Veränderungen: Gerechtigkeit, Einbindung unterschiedlicher Perspektiven, respektvolle Beziehungen zwischen Mensch und Natur sowie gemeinsames Lernen. Diese Prinzipien prägen die Zusammenarbeit und dienen als Orientierung für die Entwicklung und dem Testen von Lösungen. Ein zentrales Werkzeug mit dem wir Arbeiten ist der Three-Horizons-Ansatz, der kurzfristige, praktikable Schritte mit langfristigen Zielen verbindet. ActSustainably entwickelt gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie relevanten Akteur*innen praxisnahe Lösungen. Dazu gehören gemeinsame Maßnahmen, kooperative Regeln und Instrumente für eine nachhaltigere Bewirtschaftung marginalisierter Grünlandflächen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Ziel ist es, Handlungswege und Empfehlungen aufzuzeigen, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. Biodiversität und ökologische Qualität zu verbessern, lokale Verantwortung zu stärken und artenreiche Graslandschaften für künftige Generationen zu sichern. Durch kontinuierlichen Austausch und gemeinsames Lernen entstehen langfristige Veränderungsprozess, den Gemeinschaften selbst mittragen und weiterentwickeln können.
Workpackage 1
Im Arbeitspaket 1 (WP1) werden statistische sowie räumlich-zeitliche Analysemethoden dazu beitragen, die Determinanten von Veränderungen der Landnutzung und der Bodenbedeckung zu verstehen. Sowohl eine Kombination aus qualitativen Daten aus den Arbeitspaketen 1 bis 3 als auch quantitative Schätzungen der Determinanten von Veränderungen der Landnutzung und der Bodenbedeckung werden herangezogen, um das räumlich explizite CLUE-S Landnutzungsmodell zu untermauern und szenariobasierte Prognosen zu Veränderungen der Landnutzung und der Bodenbedeckung sowie zu den damit verbundenen Veränderungen der Biodiversität und anderer Ökosystemleistungen zu unterstützen.
Koordiniert wird WP1 von Aarhus University und Universität Münster
Workpackage 2
WP2 stützt sich auf qualitative, halbstrukturierte Interviews (10–20 Interviews pro Fallstudienregion) und eine institutionelle Analyse. Die institutionelle Analyse basiert auf einer qualitativen Auswertung verschiedener Dokumente, darunter politische Dokumente, Chartas, Verfassungen, Governance-Strukturen und Medienberichte. Die Kontextdaten umfassen den historischen Hintergrund und die Entwicklung, die Rahmenbedingungen (z. B. die wirtschaftliche Lage) sowie die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Akteur/innen Koalitionen werden mithilfe einer strukturierten Methode zur Akteur/innen Kartierung erfasst.
Koordiniert wird WP2 von der BOKU
Workpackage 3
Zusätzlich zur qualitativen Datenerhebung (halbstrukturierte Interviews, teilnehmende Beobachtung) werden wir im Arbeitspaket 3 eine Umfrage mit repräsentativen Stichproben der Bevölkerung in den Fallstudienregionen durchführen, um die Rolle von Werten bei der Prägung der öffentlichen Einstellung zur Bewirtschaftung von Grünland zu untersuchen. Die Umfrageergebnisse werden mithilfe ökonometrischer Ansätze analysiert.
Koordiniert wird WP3 von Universität Zürich und der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Workpackage 4
Im WP4 werden qualitative und quantitative Methoden kombiniert. Es werden partizipative Workshops entwickelt und durchgeführt, um gemeinsam wünschenswerte Zukunftsszenarien für biodiversitätsfördernde sozioökologische Grünland-Systeme zu erarbeiten. Dies geschieht unter Verwendung des „3-Horizonte“-Rahmenkonzepts, das ausdrücklich die aktuelle Situation bzw. den „Business-as-usual“-Zustand (Horizont 1, kurzfristig), die wünschenswerte Zukunft (Horizont 3, langfristig) sowie die Veränderungen und Wege berücksichtigt, die erforderlich sind, um von Horizont 1 zu Horizont 3 zu gelangen. In jeder Fallstudienregion werden im Rahmen partizipativer Workshops gemeinsam mit 15 bis 20 Akteur/innen Szenarien erarbeitet. Ein Teil jedes partizipativen Workshops wird moderierten Beratungen der Akteur/innen über kollektive Maßnahmen und kooperative Regeln gewidmet sein, die zur Verwirklichung der zuvor in den Workshops entwickelten Szenarien erforderlich sind. Die beteiligten Akteur/innen werden zudem eingeladen, über formelle Regelungen zu beraten, die zur Unterstützung einer nachhaltigen Grünlandbewirtschaftung durch Mitglieder der lokalen Gemeinschaft und externe Grünlandnutzer/innen erforderlich sind. In zwei Projektfallstudien werden die während der partizipativen Workshops festgelegten Regeln in einem dynamischen Experiment zu gemeinsam genutzten Ressourcen unter Einbeziehung einzelner Akteur/innen getestet.
Koordiniert wird WP4 von der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften