Stadtmobilität ohne eigenes Auto – Ergebnisse der „Auto‑Wette“ in Wien


Unser Institut hat die wissenschaftliche Auswertung der „Auto‑Wette“ von Wiener Linien abgeschlossen. In dem Realexperiment verzichteten 46 Teilnehmer:innen aus 37 Haushalten in Wien-Währing drei Monate lang auf ihren privaten Pkw. Ziel war es, Grenzen und Potenziale urbaner Multimodalität unter Alltagsbedingungen zu testen.

Der Verzicht auf den eigenen Pkw ist in der Stadt nicht nur möglich, sondern oftmals kostengünstiger und klimaverträglicher – ohne spürbare Einbußen bei der Mobilität.

Studiendesign:

  • Zeitraum: 3 Monate ohne Privat-Pkw; begleitend App‑Tracking der Wege
  • Anreiz: Mobilitätsguthaben in Höhe von 500 Euro zur Nutzung alternativer Verkehrsmittel (Zufußgehen, Radverkehr, Öffis, Sharing, Taxi)
  • Datengrundlage: Bewegungs- und Ausgabendaten, Vorher–Nachher‑Vergleich, ergänzende Befragungen

Zentrale Ergebnisse:

  • Finanzen: Die monatlichen Mobilitätsausgaben sanken im Schnitt um 40 %. Das 500‑Euro‑Guthaben wurde selten ausgeschöpft.
  • Klima: Während der Testphase wurden insgesamt 5,5 Tonnen CO2 eingespart.
  • Erreichbarkeit und Zeit: Ziele lagen im Schnitt 5 % weiter entfernt; die tägliche Reisezeit stieg nur um etwa 3 % – die Mobilität blieb faktisch erhalten.
  • Verkehrsverhalten: Über 80 % der Wege wurden mit umweltfreundlichen Modi (Zufußgehen, Rad, Öffis) zurückgelegt.
  • Langfristige Wirkung: Mehr als die Hälfte der befragten Haushalte (15 von 28) hat das Auto bereits verkauft oder plant dies.

Die Ergebnisse zeigen: In dicht bebauten, multimodal erschlossenen Stadtteilen lässt sich Mobilität ohne eigenen Pkw zuverlässig und alltagstauglich organisieren – mit deutlichen Kostenvorteilen und messbaren Klimawirkungen. Gleichzeitig bleiben strukturelle Herausforderungen für Fahrten über die Stadtgrenzen hinaus bestehen, insbesondere in Richtung suburbaner und ländlicher Räume. Hier sind Angebotsdichte, zeitliche Verlässlichkeit (frühe/späte Verbindungen) sowie Sharing‑Optionen entscheidend.

Forschungsteam: Oliver Roider (Projektleitung), Reinhard Hössinger, Roman Klementschitz, Tobias Dürhammer, Roxani Gkavra, Vera Kretschmer.

Wir danken Wiener Linien für die Zusammenarbeit und allen teilnehmenden Haushalten für ihre Mitwirkung.


19.01.2026