Stadtmobilität ohne eigenes Auto – Ergebnisse der „Auto‑Wette“ in Wien
Der Verzicht auf den eigenen Pkw ist in der Stadt nicht nur möglich, sondern oftmals kostengünstiger und klimaverträglicher – ohne spürbare Einbußen bei der Mobilität.
Studiendesign:
- Zeitraum: 3 Monate ohne Privat-Pkw; begleitend App‑Tracking der Wege
- Anreiz: Mobilitätsguthaben in Höhe von 500 Euro zur Nutzung alternativer Verkehrsmittel (Zufußgehen, Radverkehr, Öffis, Sharing, Taxi)
- Datengrundlage: Bewegungs- und Ausgabendaten, Vorher–Nachher‑Vergleich, ergänzende Befragungen
Zentrale Ergebnisse:
- Finanzen: Die monatlichen Mobilitätsausgaben sanken im Schnitt um 40 %. Das 500‑Euro‑Guthaben wurde selten ausgeschöpft.
- Klima: Während der Testphase wurden insgesamt 5,5 Tonnen CO2 eingespart.
- Erreichbarkeit und Zeit: Ziele lagen im Schnitt 5 % weiter entfernt; die tägliche Reisezeit stieg nur um etwa 3 % – die Mobilität blieb faktisch erhalten.
- Verkehrsverhalten: Über 80 % der Wege wurden mit umweltfreundlichen Modi (Zufußgehen, Rad, Öffis) zurückgelegt.
- Langfristige Wirkung: Mehr als die Hälfte der befragten Haushalte (15 von 28) hat das Auto bereits verkauft oder plant dies.
Die Ergebnisse zeigen: In dicht bebauten, multimodal erschlossenen Stadtteilen lässt sich Mobilität ohne eigenen Pkw zuverlässig und alltagstauglich organisieren – mit deutlichen Kostenvorteilen und messbaren Klimawirkungen. Gleichzeitig bleiben strukturelle Herausforderungen für Fahrten über die Stadtgrenzen hinaus bestehen, insbesondere in Richtung suburbaner und ländlicher Räume. Hier sind Angebotsdichte, zeitliche Verlässlichkeit (frühe/späte Verbindungen) sowie Sharing‑Optionen entscheidend.
Forschungsteam: Oliver Roider (Projektleitung), Reinhard Hössinger, Roman Klementschitz, Tobias Dürhammer, Roxani Gkavra, Vera Kretschmer.
Wir danken Wiener Linien für die Zusammenarbeit und allen teilnehmenden Haushalten für ihre Mitwirkung.