Wir über "Waldbau"
Einleitung zum Waldbau
Wälder bedecken etwa 33% der europäischen Landfläche und sind auch in Österreich eine sehr bedeutende Landnutzungsform (rund 48% Waldanteil). Dabei stellt unsere Gesellschaft zahlreiche Ansprüche an den Wald, die wir unter der Wirtschafts-, der Schutz-, der Wohlfahrts- sowie der Erholungsfunktion zusammenfassen können. Wälder spielen eine entscheidende Rolle im weltweiten anthropogenen Klimawandel, da sie direkt von den klimatischen Veränderungen betroffen sind – diese aber auch beeinflussen können.
Ohne die Kohlenstoffaufnahme der Wälder wäre die globale Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre um etwa 30% höher. Produkte aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung gelten als erneuerbare Ressourcen und können Treibhausgasemissionen verhindern, wenn sie Produkte ersetzen, die aus fossilen Rohstoffen hergestellt wurden. Bei entsprechender Lebensdauer der Produkte kann die Kohlenstoffspeicherung im Holz über den natürlichen Kohlenstoffkreislauf in Waldökosystemen hinaus gespeichert werden.
Der Begriff Nachhaltigkeit, eingeführt vor mehr als 300 Jahren im 18. Jahrhundert von Hans Carl von Carlowitz, berücksichtigte seinerzeit vor allem die nachhaltige Holzproduktion. Heute muss die Waldbewirtschaftung darüber hinaus verschiedenste Waldfunktionen, Produkte und Dienstleistungen nachhaltig sicherstellen.
Waldbauliche Maßnahmen erlauben es, unsere Wälder in einem günstigen Zustand zu halten oder deren Entwicklung in eine gewünschte Richtung zu lenken. Die nicht immer kompatiblen Zielsetzungen werden durch Nutzungskonzepte gesichert, die waldbauliche Daten mit Modellkonzepten verknüpfen, abhängig von den jeweiligen Erfordernissen hinsichtlich der räumlichen Lage wie auch der zeitlichen Entwicklung.
Das Institut für Waldbau
Wer sind wir?
Das Institut für Waldbau wurde im Jahre 1875 als „Institut für forstliche Produktionslehre“ gegründet und ist damit eines der ältesten Universitätsinstitute an der Universität für Bodenkultur Wien. Unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Hubert Hasenauer, Professor für Waldökosystemmanagement, arbeiten aktuell 48 Personen am Institut für Waldbau (Stand: März 2026).
Wir sind die einzige akademische Institution Österreichs, die sich aktiv mit Ausbildung und Forschung zum Thema Waldmanagement beschäftigt. Weiters wurde das Waldbau-Institut im Jahre 2001 als eines der ersten Universitätsinstitute in Österreich ISO-9001-zertifiziert.
Was machen wir?
Seit der Übernahme des Instituts durch Univ. Prof. Dr. Hubert Hasenauer im Jahr 2007 fokussiert sich die Arbeit am Institut auf Themen des Waldbaues bzw. Waldökosystemmanagements. Waldökosystemmanagement wird dabei als Weiterentwicklung des traditionellen Waldbaus im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung des Ökosystems verstanden, das Veränderungen in den Wachstumsbedingungen (Stichwort Klimawandel) und den daraus resultierenden neuen Anforderungen an eine nachhaltige Waldwirtschaft methodisch integriert.
Innerhalb des Kompetenzfeldes „Bodennutzung und Landökosysteme“ an der BOKU realisiert das Institut für Waldbau somit Waldökosystemanalysen. Diese ermöglichen es, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Gesellschaft in Bezug auf Waldökosysteme nachhaltig zu sichern, wodurch Disziplinen der Ökologie, Technik und Sozioökonomie integriert werden.
Der Schlüssel und die Motivation unserer Arbeit ist die Stärkung der nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Wälder. So werden die Interessen von Forstbetrieben, politischen Entscheidungsträgern, Naturschutzverbänden und anderen Akteuren verknüpft. Um eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder zu gewährleisten, ist das Institut für Waldbau fachlich folgendermaßen aufgestellt:
- Prozess- und Kreislaufverständnis der Waldbewirtschaftung (C, H2O, N etc.)
- die Erforschung von Klimawandelfolgen auf die Waldwirtschaft (Störungen und Risiken, Adaption und Mitigation, Feuermanagement, Umwelteinflüsse)
- Fragestellungen der Waldgenetik und des Biodiversitätsmanagements mit heimischen und gebietsfremden Baumarten
- Waldökosystemleistungen (Schutzwirkungen, Kohlenstoffspeicherung, Wasser)
- Wald-Holz-Kette
- waldbauliche Planung und Gebirgswaldbewirtschaftung
Die am Institut für Waldbau erarbeiteten Zielformulierungen, Maßnahmen und Lösungsansätze werden in Forschung, Lehre und Third Mission implementiert, um unserem Anspruch einer forschungsgeleiteten Waldbaulehre gerecht zu werden.
Wie setzten wir das um?
Die Infrastruktur des Instituts für Waldbau, die für die Bearbeitung der wissenschaftlichen Themen und Anwendungsfelder unerlässlich ist, setzt sich aus einer bewährten Kombination aus Methoden und Daten zusammen. Diese bilden die Grundlage unserer Arbeit. Zentral sind dabei Modellierungstheorien und Decision-Support-Systeme sowie die praktischen Analysemethoden im genetischen bzw. analytischen Labor sowie im Freilandlabor (waldbauliche Versuchsanlage Knödelhütte). Datenbanken zu Waldbrand, Wetter/Klima, Versuchsanlagen, europäische Walddaten aus Waldinventuren und Remote Sensing ergänzen und unterstützen das wissenschaftliche Arbeiten.
Auf dieser Basis wird der Erfolg des Instituts für Waldbau durch verschiedene Forschungsprojekte, Lehre, Abschlussarbeiten sowie Publikationen und Berichte charakterisiert.
Innerhalb der Forschungsprojekte werden Themen der nachhaltigen Waldwirtschaft im Klimawandel, Waldökosystemdienstleistungen sowie der Genetik und des Biodiversitätsmanagements heimischer und gebietsfremder Baumarten bearbeitet. Dass etwa jede zweite am Institut für Waldbau arbeitende Person durch ein laufendes Projekt finanziert wird, unterstreicht den Stellenwert der projektorientierten Arbeit.
Durch die angebotene forschungsbasierte Waldmanagement- bzw. Waldbaulehre wird das am Institut erarbeitete Wissen laufend weitergegeben. Somit positionieren wir das Institut für Waldbau nach außen, und die Studierenden werden zu Botschafter*innen des Waldbaus. An den 39 durch das Institut für Waldbau angebotenen Lehrveranstaltungen in verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengängen der BOKU nehmen jährlich etwa 1900 Studierende teil. Hieraus resultierende Abschlussarbeiten (aktuell ca. 50 laufende Bachelor- und Masterarbeiten sowie 14 Dissertationen) sind wichtige Erfolgskennzahlen für die Arbeit am Institut (Stand: 2025).
So können wir unser Wissen und Verständnis von Waldökosystemen stetig verbessern und gleichzeitig Antworten für Bedürfnisse von Stakeholdern und zu aktuellen Themen anbieten. Die konzeptuelle Verknüpfung von Themen, Methoden und Daten ermöglicht es uns, weltweit anwendbare waldbauliche Managementkonzepte und Lösungen für gewünschte Ökosystemdienstleistungen zu entwickeln.
Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001:2015
Um die Ziele in Forschung und Lehre wirksam zu erreichen, hat das Institut für Waldbau ein auf ständige Leistungsverbesserung ausgerichtetes Qualitätsmanagementsystem (QMS) nach ISO 9001:2015 eingeführt und verwirklicht. Im Zentrum der Bemühungen steht die kontinuierliche Weiterentwicklung einer international konkurrenzfähigen Forschung und Lehre. Von diesem ausgehend wurden die folgenden sechs Schlüsselprozesse definiert:
- Planung und Durchführung von
nationalen und internationalen Forschungsprojekten - Planung und Durchführung von
Lehrveranstaltungen - Auswahl, Planung und Betreuung von Dissertationen
- Auswahl, Planung und Betreuung von Masterarbeiten
- Auswahl, Planung und Betreuung von Bachelorarbeiten
- Community Services durchführen
(z.B.: Gutachtertätigkeit, Mitwirkung in Gremien, Weiterbildungsveranstaltungen abhalten)
Lesen Sie hier weiter: Institutsgrundsätze