Österreichische Forscher*innen warnen vor steigenden Gesundheitsrisiken


Rekordhitze, neue Evidenz und konkrete Handlungsvorschläge: Wie integrierte Klima- und Gesundheitspolitik klimagesundes Altern ermöglicht. Willi Haas: "Die derzeitige Hitzeperiode über Europa könnte ein Weckruf sein."

In einem Sonderheft der Fachzeitschrift Das Gesundheitswesen haben 40 Wissenschaftler*innen aus 25 Insitutionen ihre Erkenntnisse zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Gesundheit und Pflegeversorgung zusammengetragen. Am 30. Juni wurde der Sammelband bei einem Hintergrundgespräch der Presse vorgestellt.

Hitzeperioden nehmen rasch zu und treffen vor allem ältere und chronisch kranke Menschen. Mit der Zahl und Intensität der Hitzetage steigen Hospitalisierungen und Sterblichkeit. Das „Zusammenspiel von Klimawandel und Bevölkerungsalterung ist eine unbequeme Realität, der sich die Politik mit höchster Priorität stellen muss“, sagt Thomas Dorner, Herausgeber der Publikation und Leiter der Akademie für Altersforschung am Haus der Barmherzigkeit und Forscher für Public Health an der Medizinischen Universität Wien. “Und das nachhaltig”, betont Willi Haas, Forscher am Institut für Soziale Ökologie/BOKU University und an der Medizinischen Universität Wien. „Denn wenn es richtig heiß wird, gibt es zwar viele kurzfristige Angebote zur Linderung von Hitzestress – doch man muss langfristig denken.“

“Hitze betrifft nicht nur Pflegebedürftige, sondern auch ihre Angehörigen, die häufig von sozialer Isolation und psychischen Belastungen betroffen sind. Der Klimawandel verschärft ihre Situation zusätzlich”, sagt Andrea Schmidt, Gesundheitsökonomin am Kompetenzzentrum Klima und Gesundheit der Gesundheit Österreich.

 „Veränderungen im Alltag in den Bereichen aktive Mobilität und Freizeitgestaltung, Ernährung sowie Wohnen können sowohl der Gesundheit als auch dem Klima zugutekommen“, so Haas. Beispielsweise hat eine klimagesunde Ernährung nicht einmal den halben Karbonfußabdruck wie die derzeitige durchschnittliche Ernährung in Österreich. Sanierte Gebäude, Naherholungsräume und Grünflächen mit Bäumen reduzieren den Hitzestress. Eine attraktive gebaute Umwelt, von der Haustür bis zu Geschäften, Treffpunkten oder Gesundheitsservices, motiviert Personen beim Altwerden aktiv zu bleiben und soziale Kontakte zu pflegen. Das macht sie resilienter gegenüber Hitzeereignissen. Und ein aktiver Lebensstil ist mit weniger Krankenhausaufenthalten verbunden. „Es braucht jedoch eine zukunftsorientierte integrierte Gesundheits- und Klimapolitik, damit individuelles Hinwenden zu klimagesunden Lebensstilen zum neuen Normal wird“, unterstreicht Haas.

Der derzeit enggeführte Fokus auf Hitzewellen greift angesichts der alternden Gesellschaft und des fortschreitenden Klimawandels jedoch laut dem Forscher zu kurz: „Eine zukunftsorientierte integrierte Klima- und Gesundheitspolitik, die rasch ins Handeln kommt, kann langfristig für ein klimagesundes Altwerden sorgen. Das macht Altwerden gesünder, spart Treibhausgasemissionen und entlastet gleichzeitig das angespannte Gesundheitsbudget“, so Haas abschließend.

Sammelpublikation:
Dorner TE, Fastl C, Haider S, et al. (2026): Anpassungen auf klimawandel-bedingte Umweltphänomene zum Erreichen der Bewegungsempfehlungen für Menschen ab 65 Jahren. In: Das Gesundheitswesen: Gerontologische Perspektiven auf den Klimawandel: Gesundheitsförderung, Versorgung und Co-Benefits für Gesundheit und Klimaschutz.

Zum Nachsehen (ORF ZIB 13.00 v. 30.06.2026)


30.06.2026