Die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie bemühen sich, die Interaktion zwischen sozialen und natürlichen Systemen als deren Koevolution theoretisch und methodisch fundiert zu beschreiben.

Den Kern einer sozial-ökologischen Theorie bilden die Konzepte "Gesellschaftlicher Metabolismus" und "Kolonisierung natürlicher Systeme." Darin verbinden sich Vorstellungen aus den verschiedensten Wissenschaftstraditionen - Biologie, Soziologie, Ökonomie, Technik, Geschichte, Geografie und Kulturanthropologie - zu einer kohärenten Sichtweise der Gesellschaft-Natur-Beziehung.

Diese Sichtweise bringen die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie ein bei der konzeptuellen wie praktischen Entwicklung von Informationssystemen für die Umweltfolgen menschlichen Handelns ("pressures upon the environment"), und sie leitet unsere Forschung zu ökologischen und sozio-ökonomischen Aspekten nachhaltiger Entwicklung im lokalen, nationalen und globalen Maßstab.

Das Methodenspektrum erstreckt sich von Material- und Energieflussanalysen (MFA und EFA) und auf GIS und Fernerkundung basierten Verfahren über systemische Akteurs- und Organisationsanalysen bis zur Arbeit mit historischen Quellen. Zunehmend werden auch Modellierungsverfahren zur Datensimulation, zur synthetischen Präsentation von Ergebnissen und als Grundlage für Szenarios benutzt. Ermöglicht wird dies durch eine stabile interdisziplinäre Kooperationskultur und intensive Teamarbeit.

Themenfelder

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Neueste Projekte

Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2026-03-01 - 2026-08-31

Die Bioökonomie kann helfen, globale Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Ressourcenknappheit zu bewältigen. Durch die nachhaltige Nutzung erneuerbarer biologischer Ressourcen wie Pflanzen, Wälder und Reststoffe können fossile Rohstoffe in Bereichen wie Bau, Chemie und Energie ersetzt werden. Gleichzeitig ist Biomasse ein wichtiger Bestandteil von Ökosystemen und des globalen Kohlenstoffkreislaufs. Ihre Nutzung erfordert daher Abwägungen zwischen Klimaschutz, Naturschutz und Ernährungssicherung. Biomasse ist zwar erneuerbar, aber nicht unbegrenzt verfügbar. Landflächen sind begrenzt, Ökosysteme bereits belastet, und eine steigende Nachfrage kann die Konkurrenz um Land, Wasser und Nährstoffe verschärfen. Ob Bioenergie und biobasierte Materialien zur Dekarbonisierung beitragen, hängt von einer nachhaltigen Gewinnung, effizienter Nutzung und der Berücksichtigung von Alternativen wie der Kohlenstoffspeicherung in Ökosystemen ab. Die Studie untersucht das nachhaltig verfügbare globale Biomassepotenzial und die Faktoren, die seine Nutzung begrenzen – mit besonderem Fokus auf die G20-Staaten. Sie analysiert, ob Land-basierte Biomasse bis 2030 und 2050 den Bedarf an Nahrung, Futtermitteln, Materialien und Energie decken kann. Zudem werden Möglichkeiten wie Innovationen, Kreislaufwirtschaft, Handel und Maßnahmen zur Nachfragereduktion betrachtet. Ziel ist eine Wissensgrundlage für Strategien, die Klimaschutz, Biodiversität und Ernährungssicherheit miteinander verbinden.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2026-07-01 - 2026-09-30

Das Emissionshandelssystem 2 der Europäischen Union (ETS2) wird eine einheitliche EU-weite CO₂-Bepreisung für fossile Kraftstoffe einführen, von der ein großer Teil der Haushalte in der gesamten Union betroffen sein wird. Eine aktuelle Studie zur Wohnraumbegrenzung (Bertelsmann Stiftung 2026), die auf einer synthetischen EU-Bevölkerung von 188 Millionen Haushalten basiert, zeigt, dass zwar etwa die Hälfte aller Haushalte betroffen ist, die Mehrheit jedoch in der Lage ist, die zusätzlichen Kosten aufzufangen. Eine bedeutende Minderheit sieht sich jedoch mit erheblichen finanziellen Belastungen konfrontiert – insbesondere in Ost- und Südeuropa. Die Studie belegt ferner, dass die ETS2-Einnahmen grundsätzlich ausreichen, um die gravierendsten Verteilungsauswirkungen abzufedern. Neben dem Energieverbrauch in Privathaushalten stellt der Verbrauch fossiler Kraftstoffe den zweiten großen Sektor dar, der unter ETS2 fällt. Dieser Sektor wurde jedoch bislang nicht mit vergleichbarer Detailgenauigkeit analysiert. Diese Lücke zu schließen ist unerlässlich, nicht zuletzt, weil eine umfassende Bewertung erforderlich ist, um das gesamte Umverteilungspotenzial der ETS2-Einnahmen zu ermitteln. Dieses Projekt zielt daher darauf ab, eine detaillierte Analyse der regionalen und sozialen Auswirkungen der CO₂-Bepreisung im Verkehrssektor zu liefern und damit eine umfassendere und politikrelevante Bewertung von ETS2 zu ermöglichen.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2026-05-01 - 2029-04-30

Das Projekt untersucht die Wald-Umweltgeschichte im Gebiet des heutigen Nationalparks Berchtesgaden und stützt sich auf die historischen Quellen im lokalen Forst-Archiv. Das Projekt verfolgt zwei zentrale Themenschwerpunkte: Der erste Themenschwerpunkt untersucht, wie sich die Waldnutzung (Waldmanagement, Waldweide, Jagd) seit dem späten 18. Jahrhundert verändert hat und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf die C-Dynamiken in Berchtesgadens Wäldern hatten. Relevante Quellen für diese Frage sind unter anderem Visitationsprotokolle, Karten, Holzeinschlagsübersichten, Fällungspläne, und Servitutenbeschreibungen. Auf Basis dieser Quellen können unter Anwendung von C-Accounting und Modellierung C-Flüsse und -Bestände in Waldökosystemen über lange Zeiträume räumlich explizit rekonstruiert und analysiert werden. Der zweite Themenschwerpunkt untersucht, wie sich historische Interventionen (oder ihre Beendigung) auf die Biodiversität in den heutigen Wäldern in Berchtesgaden auswirken. Hierzu werden Daten, die im Zusammenhang mit dem ersten Themenschwerpunkt erhoben wurden, gegebenenfalls ergänzt durch weitere räumlich explizite Informationen, mit rezenten Biodiversitätsdatensätzen kombiniert und räumlich analysiert. Die Themenschwerpunkte werden als Elemente eines umwelthistorischen Dissertationsvorhabens weiter ausgearbeitet werden und je nach Quellenverfügbarkeit weiter spezifiziert. Gegebenenfalls werden Quellenbestände jenseits des Berchtesgadener Forstarchivs berücksichtigt.

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