Rege Diskussion beim Multiplier Event an der BOKU zum Thema Lebensmittelabfall und nachhaltiger Lebensmittelkonsum

Das Event unter der Leitung von Rainer Haas vom Institut für Marketing und Innovation diente der Vermittlung der Forschungsergebnisse und Aktivitäten aus dem dreijährigen Erasmus+ Projekt „Sustainable Consumption of Food“. Zusätzlich lieferten Impulsvorträge von ausgewählten Expert*innen wertvollen Input.

Gudrun Obersteiner vom Institut für Abfallwirtschaft referierte über Lebensmittelabfall in Österreich. Ihr Vortrag wurde mit regem Interesse verfolgt und resultierte in angeregten Diskussionen. Theo Koch vom Startup “To good to go”  präsentierte die gleichnamige App und wie diese dazu beiträgt Lebensmittelabfall zu reduzieren. Katrin Fischer von den "Esserwissern" stellte die Plattform dar und zeigte wie unterhaltsam und interessant die Vermittlung von Wissen an Konsument*innen sein kann.

Trotz der nicht einfachen Rahmenbedingungen aufgrund von COVID-19 und vieler Fragezeichen, ob die Stakeholder*innen bereit wären persönlich zu erscheinen, kamen ca. 30 Teilnehmer*innen aus Wirtschaft und Verwaltung an der BOKU zusammen, um Forschungsergebnisse und Lösungsansätze zur Nachhaltigkeit in der Lebensmittelkette zu diskutieren. Die anwesenden Stakeholder*innen repräsentierten die gesamte Lebensmittelwertschöpfungskette vom Bauernhof (z.B. LGV Sonnengemüse) bis zur Konsument*innenebene (Arbeiterkammer Wien, NGOs). Hochrangige Vertretende aus der Industrie und dem Einzelhandel wie Danone, REWE Group, M-Preis waren ebenso vertreten wie Teilnehmer*innen von caritativen NGOs wie Die Tafeln, Verein Ethisch Wirtschaften oder SOMA (Soziale Supermärkte).

Das Konzept der Veranstaltung beinhaltete drei wesentliche Ziele. Erstens, die wichtigsten Ergebnisse des SUSCOF-Projekts zu kommunizieren und zu teilen, zweitens, ausgewählten Interessensgruppen eine Plattform zu bieten, ihre Aktivitäten in Bezug auf Lebensmittelverschwendung und Nachhaltigkeit vorzustellen, und drittens, Diskussionen, Vernetzung und zukünftige Kooperationen der Teilnehmer*innen anzuregen.

Der Dialog war sehr lebhaft und alle Teilnehmer*innen beteiligten sich engagiert an einer zweistündigen Diskussion. Die diskutierten Themen waren die Auswirkungen der Kennzeichnungen „Mindesthaltbarkeitsdatum“ und „Ablaufdatum“ auf Lebensmittelverschwendung, der rechtliche Kontext in Österreich in Bezug auf Lebensmittelverschwendung, die Rolle des Einzelhandels und der Lebensmittelindustrie, die Rolle neuer Technologien („Internet der Dinge“ – beschreibt die Vernetzung von Geräten des Alltags über das Internet), die Bedeutung karitativer NGOs, die Lebensmittel verteilen, und die Notwendigkeit, ein Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung und nicht-nachhaltige Ernährungsgewohnheiten in der Gesellschaft zu schaffen. Alle Teilnehmer*innen waren sich einig, dass die meisten Verbraucher*innen durch die unterschiedlichen Kennzeichnungen verwirrt sind und das „Mindesthaltbarkeitsdatum“ dafür verantwortlich ist, mehr Lebensmittelabfälle als nötig zu verursachen, weil Verbraucher*innen Lebensmittel zu früh wegwerfen. Den meisten ist nicht bewusst, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum ein Qualitätskennzeichen ist, während das Ablaufdatum ein Sicherheitskennzeichen ist.

Es wurde vorgeschlagen, entweder das „Mindesthaltbarkeitsdatum“ nicht mehr zu verwenden oder beide Kennzeichnungen (Mindesthaltbarkeitsdatum und Ablaufdatum) auf dem Produkt zu verwenden. Eine aktuelle Studie des Instituts für Marketing und Innovation hat gezeigt, dass Verbraucher*innen, die Produkte mit beiden Labels auf der Verpackung sehen, deren Bedeutung besser verstehen, als Produkte, die nur eine Kennzeichnung aufweisen. Die karitativen NGOs erwähnten, dass der rechtliche Kontext in Österreich verlangt, dass die NGOs voll gesetzlich haften, falls Verbraucher*innen durch die von ihnen bereitgestellten Lebensmittel erkranken. Sie hoffen, dass es in Zukunft neue Rechtsvorschriften geben werde, die die Verantwortung für die Sicherheit der verteilten Lebensmittel aufheben. Die Gefahr von Rechtsstreitigkeiten könnte es in Zukunft unmöglich machen, weiterhin Nahrungsmittel an Menschen, die an oder unter der Armutsgrenze leben, zu verteilen.

Ein weiterer wichtiger Nutzen für die Teilnehmer*innen des Multiplikator-Events war die Vernetzung, die zukünftige Kooperationen zwischen ihnen anregen soll. Die karitativen NGOs begrüßten die Möglichkeit, mit Vertreter*innen des Einzelhandels zu sprechen, um zukünftige Kooperationen im Hinblick auf Lebensmittelspenden zu diskutieren.

Das Feedback der Teilnehmer*innen war sehr positiv, unter anderem wurde es sehr positiv angenommen, eine Veranstaltung unter persönlicher Teilnahme und nicht via Videokonferenzen abzuhalten.

 

Anbei finden Sie die Fotos der Veranstaltung.

Gerne können Sie die Fotos mit der Angabe der Fotocredits © Manfred Pichlbauer verwenden.

BOKU Keynote-Speech zur Nachhaltigkeit in der Food Chain beim Clusterpartnertag von Ecoplus in NÖ

Rainer Haas vom Institut für Marketing und Innovation präsentierte vor Stakeholder*innen aus Wirtschaft und Verwaltung strategische Handlungsoptionen für den Lebensmittelsektor, um klimafitter und nachhaltiger zu werden.

Warum Individuen und Gesellschaften immer weniger Zeit zur Anpassung an technologische Veränderungen haben und wie diese Cultural Angst produzieren? Wieso die extreme Futtermittelabhängigkeit der EU von den USA und Lateinamerika die Zerstörung der Regenwälder fördert und wieso sich die Nachfrage nach Soja-Proteinen bis 2050 verdoppeln wird? Warum die Kuh kein Klimakiller ist? Wie können Unternehmen des Lebensmittelsektors auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren? Warum stellen klimafitte Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zum Schutz unserer Demokratien dar?

Diese und weitere Fragen wurden im Anschluss an die Keynote-Speech von Rainer Haas vom Institut für Marketing und Innovation anlässlich des Lebensmittel-Clusterpartnertags am 3. November 2021 in Niederösterreich mit Vertretenden aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung diskutiert. Seine Keynote mit dem Titel „Globale und nationale Nachhaltigkeit in der Food Supply Chain – Ein Blick über den Tellerrand“ startete mit Beispielen globaler Anti-Nachhaltigkeit in der Food Chain und fokussierte dann auf strategische Handlungsoptionen für Lebensmittelunternehmen, um diese klimafitter und nachhaltiger zu gestalten.

Ecoplus (https://www.ecoplus.at), die Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich, veranstaltete diesen Clusterpartnertag mit dem Ziel die unterschiedlichen Aspekte des Themas Nachhaltigkeit in das Bewusstsein der Partnerinstitutionen zu rücken. Die zweite Keynote-Speakerin war Karin Dobernig vom Institut für Nachhaltigkeit (FH Wiener Neustadt). Sie referierte über die Dimensionen einer nachhaltigen Ernährung aus Konsumperspektive.

In den anschließenden Workshop-Gruppen wurden Lösungsansätze zu den folgenden Themen erarbeitet:

  1. Nachhaltige und kreislauffähige Verpackung
  2. Energiemanagement im Lebensmittelproduktionsbetrieb
  3. Lebensmittelabfälle reduzieren – Konzepte vom Reststoff zum Wertstoff

Anbei finden Sie die Fotos des Clusterpartnertages.

Gerne können Sie die Fotos mit der Angabe der Fotocredits © ecoplus – Daniel Hinterramskogler verwenden.

28.10.2021 - BOKU-Studie: Sind wir bereit für Fleisch aus dem Labor?

Eine repräsentative Befragung des Instituts für Marketing & Innovation zeigt, dass Fleisch aus tierischen Stammzellen in Österreich noch weitgehend unbekannt ist. 67 Prozent der Fleischesser*innen könnten sich prinzipiell vorstellen, In-Vitro-Fleisch zu probieren, aber lediglich 19 Prozent der Vegetarier*innen. Als Vorteile nannten die Befragten Tierwohl und Nachhaltigkeit, als Nachteile wurden Unnatürlichkeit sowie gesundheitliche und geschmackliche Bedenken angeführt.

Eine Verringerung des Fleischkonsums wird von vielen Seiten als ein Hebel für den Klima- und Umweltschutz gesehen, zeitgleich hat sich der weltweite Fleischkonsum in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt (Fleischatlas 2021). Als eine mögliche Antwort darauf wird neben pflanzlichen Fleischersatzprodukten seit einigen Jahren an der Entwicklung von In-Vitro-Fleisch gearbeitet, um den weltweiten Fleischbedarf in Zukunft zu decken.

Unter In-Vitro-Fleisch versteht man Fleisch, das aus tierischen Stammzellen im Labor hergestellt wird, ohne dabei Tiere zu schlachten. Der Herstellungsprozess gilt als ressourcenschonender und nachhaltiger als die konventionelle Fleischproduktion. Aktuell ist In-Vitro-Fleisch in den ersten Ländern – Singapur und Israel – erhältlich, in Europa ist es bislang noch nicht zugelassen.

Doch wären die Österreicher*innen überhaupt dazu bereit, Fleisch aus dem Labor zu essen? Das Institut für Marketing und Innovation der Universität für Bodenkultur Wien hat in einer Studie diese Frage einer Stichprobe von 521 Personen (im Alter von 18-65 Jahren, repräsentativ in Hinblick auf Geschlecht, Bildungsstand, Einkommen und Bundeslandwohnort) gestellt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass In-Vitro-Fleisch noch weitgehend unbekannt ist. Nur 3 von 10 Befragten hatten den Begriff davor bereits gekannt. Dennoch kann sich die Mehrheit der Befragten (61%) – nach Erläuterung des Herstellungsverfahrens – prinzipiell vorstellen, In-Vitro Fleisch zu probieren. Dabei zeigen sich wesentliche Unterschiede zwischen Vegetarier*innen und Personen, die regelmäßig Fleisch essen. So zeigen sich 67% der Personen, die regelmäßig Fleisch essen, zum Probieren von In-Vitro-Fleisch bereit, und lediglich 19% der Vegetarier*innen.

© Institut für Marketing & Innovation / BOKU

Die wesentlichen Vorteile dieser Food-Tech-Innovation sehen die Befragten in Tierwohl, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Die Unnatürlichkeit von In-Vitro Fleisch sowie gesundheitliche und geschmackliche Bedenken zählen hingegen zu den vorgebrachten Nachteilen aus Sicht der Konsument*innen. Das Risiko von Krankheitsübertragung und Verunreinigungen wird mehrheitlich als geringer oder ähnlich zur herkömmlichen Fleischproduktion erwartet.

Geht es um eine mögliche Markteinführung von In-Vitro-Fleisch in Österreich in Zukunft, sprechen sich 4 von 10 Befragten dafür aus. Ein Viertel sieht es als nicht wünschenswert. Als Zielgruppen werden mehrheitlich sowohl Personen, die Fleisch essen, als auch Personen mit vegetarischen Ernährungsstilen gesehen. Bezahlen würden die Österreicher*innen in etwa gleich viel (52%) oder weniger (42%) wie für marktübliche Fleischprodukte, mehr zu bezahlen können sich nur rund 6% vorstellen.

© Institut für Marketing & Innovation / BOKU

Zusammenfassend zeigt die Studie unter Fleischesser*innen einen mehrheitlich offenen und probierfreudigen Blick auf Fleisch aus tierischen Stammzellen. Wobei die Konsument*innen nicht bereit wären, mehr für In-Vitro-Fleisch zu zahlen.

Die Grafiken zur Studie können unter https://bokubox.boku.ac.at/index.php/#21bab34a92e2ff8c73eab021e002a402 

abgerufen werden. © Institut für Marketing & Innovation / BOKU

Kontakt:

Univ.-Prof. Dr. Petra Riefler
Institut für Marketing & Innovation
Universität für Bodenkultur Wien
Tel.: +43 1 47654 – 73511
petra.riefler(at)boku.ac.at

Leonore Lewisch, MSc
Dissertantin am
Institut für Marketing & Innovation
Universität für Bodenkultur Wien
leonore.lewisch(at)students.boku.ac.at

Sustainable Consumption LTT Event

Project partners finally meet face-to-face again in Vienna starting the first day of the LTT event at the University of Natural Resources and Life Sciences in Vienna.


Day 1 of the Learning Training Teaching (LTT) activity during the Erasmus+ Project SUSCOF (Sustainable Consumption of Food). Prof. Rainer Haas from the Institute of Marketing & Inovation presented an inspiring content followed by a group workshop and discussions. The topic of his presentation was "Sustainable Consumption of Food in Austria and in a global context. Presentation based on desk research and expert interviews“. In his presentation he showed the impact of global complex food supply chains on sustainability. He connected phenomena like obesity and the millions of hungry people with failures in global food systems. From there he talked about the current state of consumer food lifestyles and sustainability in Austria.

During five days researchers from Turkey, Sweden, Denmark, Slovakia and BOKU presented and tested learning materials developed during the project. Those learning materials are intended to educate adults to improve their food life style and to reduce food waste.

Part of the SUSCOF project is the development of an app about food waste and sustainable food consumption. During Day 3 the participants made a usability test with a prototype. The test results will be used in an iterative test design to improve the user friendliness of the app.

Frau Univ.Prof. Dr. Petra Riefler wurde die Auszeichung als "Outstanding Reviewer 2018" verliehen

Frau Univ.Prof. Dr. Petra Riefler, Professorin für Marketing & Innovation an der BOKU, wurde die Auszeichung als "Outstanding Reviewer 2018" für ihre Gutachtertätigkeit als Mitglied des Herausgeberbeirates der Zeitschrift International Marketing Review verliehen. Die Verleihung fand am 26. September durch den Emerald Publishing Verlag an der BOKU statt.

Globale Trends auf Agrarmärkten

Rainer Haas vom Institut für Marketing & Innovation der BOKU sprach am Agrargipfel 2018 über zukünftige globale und regionale Agrar-Marktentwicklungen Am vergangenen Agrargipfel in Oberösterreich hat Rainer Haas vom Institut für Marketing & Innovation vor Spitzenvertretern der ÖO- und NÖ-Agrarbranche über globale und regionale Entwicklungen der Agrarmärkte gesprochen. In seinem Vortrag betonte er die Notwendigkeit in das Narrativ über die österreichische Landwirtschaft den sicherheitspolitischen Aspekt einer Nahrungsmittelgrundversorgung wieder in den Vordergrund zu rücken. Speziell vor dem Hintergrund eines globalen exponentiellen Bevölkerungswachstums und drohender Ernteausfälle aufgrund zunehmender Wetterextreme sollte eine politische Diskussion über die zunehmende Flächenverbauung agrarischer Nutzflächen in Österreich verstärkt geführt werden (30 Fußballfelder täglich). Der globale Trend hin zu einer industrialisierten Landwirtschaft bietet Chancen das österreichische Modell einer kleinstrukturierten familienbasierten Landwirtschaft als nachhaltigen Gegenentwurf zu positionieren. Dazu müssen aber die geeigneten politischen Rahmenbedingungen gewährleistet sein. Ebenso muss Augenmerk auf ausreichende Vermarktungsstrukturen in österreichischen Wertschöpfungsketten gelegt werden. Eine zunehmende Ausdünnung beispielsweise von Mühlen oder Schlachthöfen könnte in Zukunft den Aufbau regionaler kurzer Lieferketten erschweren und damit dem Trend zu regionalen Lebensmitteln, deren Rohstoffe aus der Region kommen und in der Region verarbeitet werden, entgegenstehen. Kontakt: Ao. Univ. Prof. DI Dr. Rainer Haas
Institut für Marketing & Innovation
E-mail: rainer.haas(at)boku.ac.at

Photo mit freundlicher Genehmigung © Sebastian_Judtmann

Photo mit freundlicher Genehmigung von © Ernst Grilnberger