Der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und die Europäische Kommission (ERC) verlangen, dass begutachtete wissenschaftliche Publikationen, die aus geförderten Projekten hervorgehen, sofort und ohne Embargo Open Access (OA) zugänglich gemacht werden.  

FWF und ERC stellen ausführliche Infomaterialien zu ihren Policies zur Verfügung (s. Links). Mit dem „Journal Checker Tool“, können Forschende zudem überprüfen auf welche Weise sie bei einer Veröffentlichung in einer Zeitschrift die OA-Vorgaben des Fördergebers einhalten können.

1. Erstveröffentlichung als OA-Beitrag (Gold-OA)

Der Artikel erscheint mit einer offenen Lizenz (üblicherweise CC BY) in einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder bei Open Research Europe (ORE)

Oftmals fallen hierfür Kosten (APCs) an. Informieren Sie sich auf der Website der Universitätsbibliothek, ob diese im Rahmen der Verlagsvereinbarungen oder der FWF-OA-Pauschale übernommen werden können. APCs in Gold-OA- (aber nicht Hybrid-OA-) Zeitschriften sind unter Umständen aus dem Budget von ERC-Projekten finanzierbar.  

Wichtig! Selbst, wenn die Version of Record (VOR) unmittelbar OA erscheint, muss zusätzlich eine Kopie in einem geeigneten Repositorium hinterlegt werden!

2. Zweitveröffentlichung in einem Repositorium (Green-OA)

Die VOR oder das Author Accepted Manuscript (AAM) werden in einem Repositorium hinterlegt (siehe OpenDOAR), üblicherweise mit der CC-BY-Lizenz und ohne Embargofrist

Im Fall der Closed-Access-Veröffentlichung der VOR sichert die so hinterlegte Version die Compliance mit der OA-Policy des Fördergebers

Bei einem Closed-Access-Artikel muss darauf geachtet werden, dass sich die Autor*innen ausreichend Verwertungsrechte vorbehalten (Rights Retention):

Bei der Einreichung einer Publikation muss folgender Text auf der ersten Seite oder in Acknowledgement und Copyright enthalten sein, die im Text angesprochenen Bedingungen müssen zudem vom Verlag bestätigt werden:

FWF: „This research was funded in whole or in part by the Austrian Science Fund (FWF) [grant DOI]. For open access purposes, the author has applied a CC BY public copyright license to any author accepted manuscript version arising from this submission.“

HEU: “This work was funded by the European Union under the Horizon Europe grant <grant number>. As set out in the Grant Agreement, beneficiaries must ensure that at the latest at the time of publication, open access is provided via a trusted repository to the published version or the final peer-reviewed manuscript accepted for publication under the latest available version of the Creative Commons Attribution International Public License (CC BY) or a license with equivalent rights. CC BY-NC, CC BY-ND, CC BY-NC-ND or equivalent licenses could be applied to long-text formats.”

Achtung: bei manchen Verlagen können Manuskripte die Rights-Retention-Formulierungen enthalten nur als Gold-OA-Publikationen erscheinen. In diesem Fall muss eine APC bezahlt werden.

Üblicherweise soll mittels DOI auf die VOR verwiesen werden.  

Praktische Umsetzung: Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Vor der Einreichung:

  • Lesen der OA-Policy Ihres Fördergebers.
  • Prüfen, inwiefern in einer Zeitschrift die OA-Vorgaben eingehalten werden können (z. B. über das Journal Checker Tool oder Open Policy Finder).
  • Kann ich den Artikel selbst als OA-Artikel veröffentlichen (Gold-OA)?  
    • Meist muss eine APC bezahlt werden, es gibt jedoch Möglichkeiten zur Finanzierung:
      • An der Universitätsbibliothek:
      • Verlagsvereinbarungen mit namhaften Verlagen
      • FWF-OA-Pauschale
      • Projektbudget von Horizon Europe Projekten
    • Sicherstellen, dass der Autorenvertrag so gestaltet ist, dass ausreichend Verwertungsrechte für eine Selbstarchivierung des AMM oder der VOR mit CC -BY-Lizenz bei den Autor*innen verbleiben (ggf. Rights Retention anwenden).

 

2. Bei Annahme des Artikels

  • Falls die VOR nicht hinterlegt werden kann: Die AAM-Version speichern und für die Hinterlegung vorbereiten.
  • Metadaten ergänzen (Fördergeber, Grant-ID, DOI der Originalpublikation)
  • Sicherstellen, dass die Fördergeber und Projekte richtig acknowledged werden.
  • Bei FWF Grant-DOI statt Projektnummer!

 

3. Am Tag der Veröffentlichung:

  • Die AAM oder VoR in einem vertrauenswürdigen Repositorium hochladen (siehe OpenDOAR).
  • Metadaten (Funder, Grant-Nummer, DOI der Originalpublikation) ergänzen.
  • Die CC-Lizenz korrekt zuweisen.

 

4. Nach der Hinterlegung:

  • Den Persistent Identifier (PID, z. B. DOI oder Handle) des im Repositorium hinterlegten Dokuments in Projektberichten angeben.

 

5. Fazit: Warum diese Vorgaben wichtig sind

Die Open-Access-Pflichten von FWF und Horizon Europe zielen darauf ab, wissenschaftliche Erkenntnisse frei zugänglich zu machen, um die Transparenz, Nachnutzbarkeit und globale Verbreitung von Forschung zu fördern. Durch die Selbstarchivierung wird sichergestellt, dass Publikationen auch dann frei verfügbar bleiben, wenn sie in kostenpflichtigen Zeitschriften erscheinen.

Forschende sollten sich frühzeitig mit den Anforderungen vertraut machen, um **Compliance-Probleme** zu vermeiden. 

 

Hilfreiche Ressourcen sind:

OpenAIRE-Leitfaden für Horizon Europe: www.openaire.eu/how-to-comply-with-horizon-europe-mandate-for-publications

FWF: www.fwf.ac.at/ueber-uns/aufgaben-und-aktivitaeten/open-science/open-access-policy/open-access-policy-fuer-begutachtete-publikationen

cOAlition S Journal Checker Tool: journalcheckertool.org

DOAJ (Directory of Open Access Journals): doaj.org

OpenDOAR Directory of Open Access Reposiories: opendoar.ac.uk