Tourismus: Wann sind die Grenzen des Wachstums erreicht?
Wien, 6. März 2026 – Anlässlich der Abschiedsvorlesung von Univ. Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider fand an der Universität für Bodenkultur Wien ein Fachsymposium zum Thema „Grenzen des touristischen Wachstums“ statt. Fachvorträge aus Wissenschaft und Praxis bildeten die Grundlage für eine anschließende Podiumsdiskussion zur Frage, wie negative Entwicklungen des Tourismus in Österreich vermieden werden können.
Zur Eröffnung betonte Departmentleiter Univ. Prof. Dr. Stöglehner die große Bedeutung des Tourismus für Österreich sowie die Herausforderung, wirtschaftliche Chancen und Belastungen in Balance zu halten. Institutsleiter Assoc. Prof. Dr. Arne Arnberger würdigte die wissenschaftliche Laufbahn von Univ. Prof. Dr. Pröbstl-Haider an der BOKU, ihre Erfolge sowie ihre Rolle als Begründerin von JORT und dankte ihr für ihren langjährigen Einsatz in der Erholungs- und Tourismusplanung, beispielsweise für ihre wichtige Rolle bei der vom Institut begründeten Tagungsserie zu Monitoring und Lenkung von Besucher*innen in der Landschaft (MMV).
Univ. Prof. Dr. Pröbstl-Haider zeigte anhand von Fallbeispielen die Auswirkungen eines wachsenden Tourismus auf Klima, Ressourcen, Natur und die Lebensqualität der Bevölkerung auf und betonte die Bedeutung einer nachhaltigen Tourismusplanung.
Prof. Dr. Harald Pechlaner (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) stellte das Beispiel Südtirol vor, wo mithilfe einer Bettenobergrenze versucht wird, das Wachstum des Tourismus zu begrenzen, und warnte vor einem möglichen Verlust gesellschaftlicher Akzeptanz. Prof. Dr. Christof Pforr (Curtin University, Australien) thematisierte Overtourism und betonte, dass mehr Wachstum nicht automatisch besseren Tourismus bedeutet. Nachhaltige Entwicklung erfordere langfristige Strategien und ein Umdenken hin zu einem „Post-Growth“-Ansatz und einen Just-Right-Tourismus.
Im zweiten Teil der Veranstaltung unterstrich Vizerektor Univ. Prof. Dr. Obinger die gesellschaftliche Relevanz des Themas. Er verwies auf die zahlreichen Beiträge von Univ. Prof. Dr. Pröbstl-Haider für Wissenschaft und Praxis und betonte, dass sie dem Fachgebiet weiterhin verbunden bleiben werde. In ihrer Abschiedsvorlesung plädierte Univ. Prof. Dr. Pröbstl-Haider für eine grundlegende Transformation des Tourismus und machte deutlich, dass bisherige Nachhaltigkeitsansätze zentrale Probleme nicht ausreichend lösen.
In der Podiumsdiskussion wurden unterschiedliche Perspektiven sichtbar: Karl-Heinz Zanon (zbc3 communications) kritisierte die zunehmende touristische Verdichtung und warnte vor Akzeptanzverlusten. Norbert Kettner (CEO Wien Tourimus) unterstrich die Bedeutung einer datenbasierten Steuerung und verwies auf positive Entwicklungen in Wien. Mag. Monika Klinger (BMWET) sprach sich für eine differenzierte, faktenbasierte Betrachtung unter Einbeziehung sozialer und ökologischer Aspekte aus. Prof. Dr. Dagmar Lund-Durlacher (Zentrum für nachhaltigen Tourismus, Berlin und Institute for Tourism Sustainability, Wien) forderte eine strategische Neuausrichtung hin zu Qualität, Wertschöpfung und Lebensqualität.
Zum Abschluss dankte Univ. Prof. Dr. Pröbstl-Haider der BOKU und betonte die Notwendigkeit, Tourismus künftig stärker an lokalen Gegebenheiten und gesellschaftlichen Bedürfnissen unter Berücksichtigung naturschutzfachlicher Erfordernisse auszurichten. Gleichzeitig hob sie die Bedeutung wissenschaftlicher Forschung in diesem Bereich hervor.
Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und ist online verfügbar: https://www.youtube.com/live/4cTVllye7TA