(c) Pixabay

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Die beispiellos rasante Urbanisierung Chinas hat erhebliche langfristige Auswirkungen auf die Klimaziele des Landes, speziell aufgrund des dafür notwendigen Ressourcenverbrauchs. Eine internationale Studie unter Beteiligung der BOKU University zeigt nun, wie ungleich das Wachstum von Gebäuden in den letzten 20 Jahren stattgefunden hat und welche Rolle diese für klimaschädliche Emissionen haben.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Chinas Gebäude und die Menge an verbauten Baumaterialien seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt haben. Etwa 15 Prozent aller weltweit verbauten Materialien stecken in Chinas Gebäuden. Deren Produktion und der Bausektor sind für 19 Prozent der gesamten chinesischen Kohlenstoffemissionen verantwortlich. Seit 2016 hat sich das Wachstum der Baustoffbestände zwar verlangsamt, dennoch bleibt es eine große Herausforderung, die Ziele der CO₂-Neutralität und der weiteren Urbanisierung gleichzeitig zu erreichen.

Hochauflösende Gebäudedaten als neue Grundlage der Ressourcenforschung

Im Rahmen der Studie wurden hoch-detaillierte Karten auf 30 Meter Auflösung aller Gebäude und darin enthaltenen Baumaterialien für den Zeitraum von 2000 bis 2020 erstellt. Die Daten decken über 200 Millionen Gebäude ab und verbinden Satelliten-gestützte Erdbeobachtung, crowd-sourced Geodaten, Feldforschung und maschinelles Lernen. Dadurch konnten Materialien, Gebäudetypen und -höhen, sowie zeitliche Veränderungen präzise und unabhängig von offizieller Statistik erfasst werden. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich im renommierten Fachjournal Nature Climate Change veröffentlicht.

Dominik Wiedenhofer vom Institut für Soziale Ökologie an der BOKU University war zentral in grundlegende Methoden-Entwicklungen involviert und hat das chinesische Forschungsteam mit seiner Expertise unterstützt sowie die Auswertungen der Ergebnisse prominent vorangetrieben. Im Vergleich zu den von Wiedenhofer durchgeführten ähnlichen Studien zu Österreich und international zeigt sich, dass hierzulande pro Kopf in etwa doppelt so viele Ressourcen in unseren Gebäuden stecken wie in China, während wohlhabende Städte in China auf sehr vergleichbare Mengen kommen. 

Dringender Handlungsbedarf für Politik und Raumplanung

„Sowohl in China als auch in Österreich und der EU sind jedenfalls gezielte politische und raumplanerische Maßnahmen dringend notwendig um Lebensqualität zu sichern und Klimaziele zu erreichen“, so Wiedenhofer, „dazu zählt insbesondere die regionale Umsetzung einer ambitionierten Kreislaufwirtschaft, d.h. Renovierung und Sanierung vor Abbruch und Neubau, eine vorausschauende Stadt- und Infrastrukturplanung welche Zersiedelung beendet, sowie die strategische Vorbereitung auf das Recycling von Materialien aus künftigem Gebäudeabriss.“

Weitere Infos auf https://www.nature.com/articles/s41558-025-02527-3

Kontakt
Mag.Dr. Dominik Wiedenhofer, Bakk.techn.
Institut für Soziale Ökologie
Email: dominik.wiedenhofer(at)boku.ac.at
Telefon: +43 1 47654-73729