FWF fördert ein von der BOKU koordiniertes Emergency Field zu Mikro- und Nanoplastik aus dem Ozean mit 4,8 Mio. Euro.

Emerging Fields: BOKU koordiniert Forschung zu Mikro- und Nanoplastik aus dem Ozean

Brechende Wellen könnten eine bislang unterschätzte Quelle für Mikro- und Nanoplastik in der Atmosphäre sein. Ein neues Forschungsprojekt unter der Leitung der BOKU University untersucht nun, wie Plastikpartikel aus dem Ozean in die Luft gelangen und welche Folgen dies für Umwelt und Gesundheit haben könnte. Das Projekt Marine Micro/Nanoplastics: Emission, Fate and Health Impacts wird im Rahmen der Exzellenzinitiative excellent=austria vom Wissenschaftsfonds FWF mit 4,8 Millionen Euro gefördert.

Das Konsortium vereint Forschende der BOKU University, der Universität Wien und der TU Wien. Ziel ist es, erstmals Emission, atmosphärischen Transport und mögliche Gesundheitseffekte von Mikro- und Nanoplastik gemeinsam zu untersuchen. „Wir wollen einen Paradigmenwechsel anstoßen: Der Ozean wird bisher vor allem als Senke für Plastikverschmutzung betrachtet. Unsere Forschung zeigt, dass er auch eine Quelle sein kann, die Plastik wieder in die Atmosphäre freisetzt“, sagt Markus Holzner vom Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der BOKU und Koordinator des Projekts.

Wellen als mögliche Quelle für Plastik in der Luft

Mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung leben in Küstennähe. Wenn Wellen brechen, steigen unzählige Luftblasen auf, platzen an der Wasseroberfläche und schleudern winzige Tröpfchen – sogenannte Meeresgischt – in die Luft. Diese Tröpfchen können auch im Wasser schwebende Stoffe wie Mikro- und Nanoplastik enthalten. Wie viel Plastik auf diesem Weg tatsächlich in die Atmosphäre gelangt, ist bislang kaum erforscht.

Um diese Prozesse zu untersuchen, bringt das Forschungsteam ein Stück Ozean ins Labor: Im BOKU Riverlab werden Wellenbrüche in einer groß angelegten Hochwirbelanlage unter kontrollierten Bedingungen nachgestellt. Hochgeschwindigkeitskameras ermöglichen es, die turbulenten Strömungen und das Verhalten aufsteigender Luftblasen detailliert zu analysieren und nachzuvollziehen, wie Plastikpartikel an die Oberfläche transportiert werden.

Parallel dazu untersucht eine zweite BOKU-Forschungsgruppe unter der Leitung von Bernadette Rosati vom Institut für Meteorologie und Klimatologie die Eigenschaften jener Aerosolpartikel, die tatsächlich in die Atmosphäre gelangen. Besonders entscheidend sind dabei Partikelgröße und -form, da sie bestimmen, wie weit die Partikel transportiert werden und wie tief sie in die menschlichen Atemwege eindringen können.

Neben den BOKU-Forschenden sind auch Andreas Stohl (Meteorologie und Geophysik) und Lea Ann Dailey (nanomedicine and phamaceutical biophysics) von der Universität Wien sowie Alfredo Soldati (Strömungsmechanik) von der TU Wien am Projekt beteiligt. Gemeinsam wollen sie ein umfassendes Bild der Entstehung, des Transports und der möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik aus dem Meer entwickeln.

Die Förderung erfolgt im Rahmen der Exzellenzinitiative excellent=austria, mit der der FWF besonders innovative und risikoreiche Forschungsansätze unterstützt. In der aktuellen Ausschreibungsrunde wurden sechs Emerging-Fields-Konsortien aus insgesamt 37 Einreichungen ausgewählt.

„Als Wissenschaftsministerin ist es mir ein zentrales Anliegen, dass Spitzenforschung immer auch neue Denkräume eröffnet. Mit der Förderung von Emerging Fields wollen wir genau das erreichen: Wir wollen wissenschaftliche, hochinnovative Pionier*innenarbeit ermöglichen, die Disziplinengrenzen überwindet. Die Forschungsprojekte bringen nicht nur neue Fragestellungen hervor, sondern dürfen auch ein besonderes Risiko nehmen. Besonders erfreulich ist, dass bei der Hälfte der diesjährigen Emerging-Fields-Konsortien Frauen als Koordinatorinnen die Führung übernehmen. Ein wichtiges Zeichen für Gleichberechtigung von Frauen in der Forschung!“, so Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung.