Mut zu Präsenz


Die persönlichen Erfahrungen und die eigene Umsetzung sind im Rahmen einer Ausbildung wie in Gewässerökologie enorm wichtig. Die Online-Lehre ist kein vollwertiger Ersatz. Die BOKU optimiert ständig ihre Corona-Maßnahmen und setzt auf Risikovermeidung, Risikominimierung – aber auch auf die Erfüllung ihrer hochqualitativen Ausbildung. Ein gelungenes Musterbeispiel.

Seit Jahrzehnten hält das Institut für Hydrobiologie der Universität für Bodenkultur Wien am Lunzer See praktische Übungen zur Gewässerökologie ab. Dieser Kurs gibt Studierendenden der Fachrichtungen KTWW und LAP/LARCH nicht nur direkte Einblicke in unterschiedliche Gewässertypen und deren Lebenswelt, er veranschaulicht auch die Aspekte der Anwendungen zum Schutz der Gewässer und die Sicherung der Artenvielfalt.

Dabei können Studierende direkte Erfahrungen mit den ökologischen Grundlagen von Gewässern gewinnen: Plankton sammeln und im Seelabor analysieren, Makroinvertebraten und deren Rolle in der Bioindikation in Fließgewässern beobachten, Untersuchungsmethoden der Fischökologie selbst anwenden, die Artengemeinschaften österreichischer Fließgewässer kennen lernen, die Fischzuchtanlage für Wiederansiedlungsprojekte (der Huchen wird in der Nähe gezüchtet) besuchen, die in Lunz noch vorhandene Lebensraumheterogenität (eine wichtige Grundlage für die Biodiversität aquatischer Lebensräume) studieren u.v.m. Die persönlichen Erfahrungen und die eigene Umsetzung sind im Rahmen dieser Ausbildung enorm wichtig. Machen wir uns nichts vor: Die Online-Lehre ist kein vollwertiger Ersatz, um Wissen durch praktische Anwendung zu vertiefen.

Damit dann auch alles klappt wie vorgesehen, dauern die Vorbereitungsarbeiten für eine Lehrveranstaltung wie diese schon in nicht Corona-Zeiten nahezu ein Jahr. Man hat es sich mit der Entscheidung, sie im Sommersemester 2021 schlussendlich doch abzuhalten, nicht leicht gemacht. Die drei Übungswochen und Exkursionen zur Hydrobiologie konnten mit großen Sicherheitsauflagen stattfinden. Das dafür eigens ausgearbeitete Sicherheitskonzept für rund 170 Studierende – streng getrennt in Kleingruppen von max. 10 Personen - und insgesamt 20 Mitarbeiter*innen sah regelmäßige Testungen vor. Für die Unterstützung bei der Umsetzung der Testungen sei besonders der Gemeinde Lunz gedankt. Die aktive Mitarbeit der Teilnehmenden bei der Einhaltung der entsprechenden Corona-Maßnahmen trug schließlich entscheidend zum Erfolg bei.

In diesem Jahr hielt auch das Wetter einiges an Herausforderungen bereit: Von winterlichen Bedingungen mit Schneefall in der ersten Kurswoche über ergiebige Niederschläge in der zweiten bis hin zu sonnigen Frühlingstagen in der dritten bot die Lehrveranstaltung einen zusätzlichen Erfahrungsgewinn für das „echte“ Leben zukünftiger Hydrobiolog*innen.


29.06.2021