15. BOKU CAS Herbsttagung
Nachbericht zur BOKU CAS Herbsttagung 2025
Klimawandel, geopolitische Spannungen, ein zunehmend harter globaler Wettbewerb sowie sich verschärfende ökonomische und strukturelle Rahmenbedingungen stellen die Landwirtschaft vor tiefgreifende Umbrüche. Um Ernährungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Landwirtschaft in der Europäischen Union und in Österreich auch künftig zu gewährleisten, sind Anpassungen auf unterschiedlichen Ebenen erforderlich.
Vor diesem Hintergrund widmete sich die Herbsttagung des BOKU-CAS, die am Freitag, dem 21. November 2025, im Festsaal der BOKU University stattfand, der Frage, wie sich aktuelle Krisen auf Agrarmärkte auswirken und welche Antworten Agrarpolitik, Wissenschaft und Landwirtschaft auf eine sich rasch verändernde Welt finden müssen. Im Mittelpunkt standen dabei der EU-Außenhandel, agrarpolitische Reaktionsmöglichkeiten auf multiple Krisen, die landwirtschaftliche Produktivität unter natürlichen und strukturellen Bedingungen sowie das Spannungsfeld zwischen Effizienz und Resilienz landwirtschaftlicher Betriebe.
Eröffnet wurde die Tagung von Jochen Kantelhardt, Leiter des BOKU-CAS sowie von Eva Schulev-Steindl, Rektorin der BOKU University. Sie betonte die Verantwortung der Universitäten, gesellschaftliche Transformationsprozesse wissenschaftlich zu begleiten und evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen.
Den fachlichen Auftakt gestaltete Jens-Peter Loy vom Institut für Agrarökonomie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. In seinem Vortrag „Der (Agrar-)Außenhandel der EU: Ist Freihandel passé?“ analysierte er die Ausgangslage im internationalen Agrarhandel aus EU-Sicht und diskutierte dann die Auswirkungen geopolitischer Spannungen, zunehmender Protektionstendenzen, Politikunsicherheit, Blockbildung im Welthandel sowie die Krise der WTO auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft und zeigte mögliche Entwicklungspfade für die EU-Handelspolitik auf.
Anschließend widmete sich Franz Fischler, ehemaliger EU-Agrarkommissar, den notwendigen Reaktionen der EU-Agrarpolitik auf die gegenwärtigen Herausforderungen und deren Konsequenzen für die österreichische Landwirtschaft. Er skizzierte zentrale Reformbedarfe der Gemeinsamen Agrarpolitik und betonte die Bedeutung stabiler, zugleich aber anpassungsfähiger agrarpolitischer Rahmenbedingungen.
Im weiteren Verlauf beleuchtete Klaus Salhofer vom Institut für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung der BOKU die Herausforderungen landwirtschaftlicher Produktion unter kleinen Strukturen und nachteiligen natürlichen Bedingungen. Dabei ging er insbesondere auf die Situation von Betrieben in benachteiligten Regionen ein und diskutierte politische und ökonomische Ansatzpunkte zur Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.
Mit einem Fokus auf die Rolle der Wissenschaft sprach Marianne Penker (BOKU) über „Wissenschaft in der Krise – Landwirtschaftliche Transformation verstehen und begleiten“. Sie zeigte auf, wie agrarwissenschaftliche Forschung zur Analyse und Gestaltung von Transformationsprozessen beitragen kann und welche Bedeutung transdisziplinäre Zugänge dabei haben.
Den Abschluss bildete Ika Darnhofer vom Institut für Agrar- und Forstökonomie der BOKU. In ihrem Beitrag zur Effizienz landwirtschaftlicher Betriebe und zur Resilienz von Bauernhöfen machte sie deutlich, dass Resilienz zunehmend zu einem zentralen Ziel landwirtschaftlicher Entwicklung wird, um mit Unsicherheiten, Krisen und langfristigen Veränderungen umgehen zu können.
Die Herbsttagung 2025 verdeutlichte insgesamt, dass die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft nur durch ein Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft und Praxis erreicht werden kann. Ziel der Veranstaltung war es, zentrale Handlungsfelder sichtbar zu machen und Impulse für Strategien zu geben, die wirtschaftliche Stabilität mit ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit verbinden. In Nachschau steht die Herbsttagung im BOKUstream auf https://youtube.com/live/S6_Cthh6UkI zur Verfügung.