Das Zuhause als Hitzefalle
Immer mehr Menschen in Österreich leiden in ihren eigenen vier Wänden unter extremer Hitze. Das belegt die Auswertung der rund zweimonatigen Temperaturmessungen der BOKU University gemeinsam mit Greenpeace und der Volkshilfe.
Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie und Klimatoligie an der BOKU: „Die Klimakrise treibt die Temperaturen in Österreich weiter in die Höhe – Hitzetage und Tropennächte nehmen deutlich zu. Besonders stark heizen sich Wohnungen auf, die direkt besonnt werden und keine außenliegende Beschattungsmöglichkeit haben (etwa Außenrollos). Unser Gebäudebestand muss dringend nachgerüstet werden, um für zukünftige Hitzewellen gerüstet zu sein.”
Die Untersuchungen zeigen: Je schlechter saniert eine Wohnung ist und je mehr Menschen darin leben, desto heißer wird es. Auch das Lüftungsverhalten und die direkte Sonneneinstrahlung spielen eine Rolle. Einmal aufgeheizt, dauert es lange, bis die Wohnungen wieder abkühlen. Neubauwohnungen, in denen wenige Personen wohnen, erwärmen sich tendenziell langsamer und bleiben auch bei Hitzewellen unter 27 Grad. Die unsanierten Altbauwohnungen wie auch die dicht bewohnten Wohnungen haben oftmals eine höhere Grundtemperatur, heizen sich schneller auf und kühlen auch langsamer ab. So bleibt es auch nach Ende einer Hitzewelle oder nachts länger heiß. Neben der Temperatur ist auch die Luftfeuchtigkeit bedeutend - je höher, desto unangenehmer wird die Hitze in den Wohnungen.
BOKU-Factsheet zu den Temperaturmessungen: https://act.gp/Factsheet_Hitze_PK
Greenpeace und die Volkshilfe warnen in einer Pressekonferenz mit Umweltmedizinerin der Medizinischen Universität Wien vor gesundheitlichen Folgen und fordern ein umfassendes Hitzeschutzpaket und eine Sanierungsoffensive von der Bundesregierung.
Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich: „Die Zahlen sind eindeutig: In unsanierten und unbeschatteten Wohnungen ist der Sommer einfach unerträglich. Die Bundesregierung muss umgehend eine Sanierungsoffensive starten, Straßen begrünen, Häuser beschatten und Wände dämmen. Zudem müssen unbedingt alte Öl- und Gasheizungen getauscht werden. So schützen wir nicht nur Menschen vor Hitze, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.”
Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe: „Von Armut betroffene Menschen leiden stärker unter der Hitze. In engen, überfüllten Wohnungen fehlen ihnen die Möglichkeiten, um sich vor Überhitzung zu schützen. 244.000 Kinder und Jugendliche müssen in solchen Wohnverhältnissen leben. Sie zahlen einen hohen Preis für die Klimakrise, die sie nicht verursacht haben. Wenn wir jetzt an klimasozialen Maßnahmen sparen, setzen wir die Gesundheit dieser Kinder langfristig aufs Spiel.”
Daniela Haluza, Umweltmedizinerin und Professorin an der Medizinischen Universität Wien: „Hitze ist nicht nur ein medizinisches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Sie belastet Körper und Psyche und trifft vor allem Menschen mit geringen finanziellen Ressourcen. Neben wirksamen Hitzeschutz in Wohnungen braucht es auch mehr Begrünung in der Stadt, um Abkühlung zu schaffen. Hitzeschutz bedeutet Gesundheitsschutz – und ist eine gemeinsame Aufgabe, die niemanden zurücklassen darf.“