Österreichischer Preis für Entwicklungsforschung 2025
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Melanie Pichler (Institut für Soziale Ökologie, SEC), Andreas Melcher und Stefanie Lemke (beide Institut für Entwicklungsforschung), Bundesministerin Eva Maria Holzleitner, Hauptpreisträger Felix Dorn (SEC), Nachwuchspreisträgerin Anna Maria Brunner (Institut für Entwicklungsforschung), Geschäftsführer Jakob Calice (OeAD) und Christina Plank (Institut für Entwicklungsforschung). © BOKU/Andreas Bauer
Der renommierte, alle zwei Jahre vergebene Preis des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung in Kooperation mit der OeAD-GmbH würdigt herausragende Beiträge zur Entwicklungsforschung in Österreich. Neben einem Hauptpreis für wegweisende wissenschaftliche Leistungen wird auch eine exzellente Nachwuchsarbeit ausgezeichnet, die sich mit globalen Herausforderungen im Kontext der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) auseinandersetzt.
Hauptpreis für Felix Dorn: Politische Ökologie der Dekarbonisierung im Fokus
Der Hauptpreis ging an Felix Dorn vom Institut für Soziale Ökologie der BOKU: Ausgezeichnet wurde er für sein außergewöhnliches Engagement, das weit über klassische akademische Publikationen hinausreicht. In seiner Forschung zur politischen Ökologie der Dekarbonisierung beleuchtet Dorn kritisch die sozialen und politischen Dimensionen globaler Transformationsprozesse. Er zeigt, wie Klimaschutzmaßnahmen neue Ungleichheiten erzeugen können – und macht zugleich die Handlungsspielräume lokaler, insbesondere indigener Gemeinschaften sichtbar.
Ein besonderes Markenzeichen seiner Arbeit ist die innovative Wissenschaftskommunikation: Gemeinsam mit lokalen Filmemacher*innen in Lateinamerika produzierte er zwei Dokumentarfilme, die wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiten Publikum zugänglich machen und die Perspektiven betroffener Akteur:innen unmittelbar erfahrbar werden lassen.
Nachwuchspreis für Anna-Maria Brunner: Methodisch kreativ, inhaltlich ambitioniert
Mit dem Nachwuchspreis wurde Anna-Maria Brunner vom Institut für Entwicklungsforschung der BOKU ausgezeichnet. Die Jury hob die außergewöhnliche wissenschaftliche Qualität ihrer Arbeit ebenso hervor wie deren hohe thematische Relevanz und inhaltliche Ambition.
Besonders beeindruckte der kreative, zugleich klar begründete und reflektierte Einsatz ihrer Methoden. Ihre präzise Positionierung im Forschungsfeld sowie ihre ausgeprägte Reflexionsfähigkeit verleihen der Arbeit zusätzliche Tiefe – und zeigen eindrucksvoll die Stärke der Nachwuchsförderung an der BOKU.
Ergänzend zu den Preisträger*innen würdigte die Jury auch die herausragenden Leistungen der weiteren Persönlichkeiten auf der Short-List – ein starkes Zeichen für die Breite und Qualität der österreichischen Entwicklungsforschung und für das engagierte Umfeld, in dem die BOKU eine zentrale Rolle einnimmt.
Andreas Melcher: Netzwerker, Mentor, Impulsgeber
Andreas Melcher vom Cluster for Development Research der BOKU wurde für seine prägende Rolle im Aufbau tragfähiger Netzwerke und zentraler institutioneller Strukturen gewürdigt. Mit großem Engagement stärkt er seit Jahren die Entwicklungsforschung in Österreich – nicht nur durch eigene Projekte, sondern vor allem durch seine Fähigkeit, Menschen, Institutionen und Kontinente miteinander zu verbinden.
Als Initiator des 2020 gegründeten Africa-UniNet setzte er einen Meilenstein für die österreichisch-afrikanische Wissenschaftskooperation. Zahlreiche gemeinsame Projekte mit afrikanischen Forscher:innen zeugen von seinem konsequent partnerschaftlichen Zugang. Auch im Rahmen der Allianz Nachhaltige Universitäten in Österreich (UniNEtZ) trug er maßgeblich zur Sichtbarkeit und konkreten Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der Agenda 2030 bei. Darüber hinaus wirkt Melcher als Mentor und Impulsgeber weit über Österreich hinaus: Eine ganze Generation von Entwicklungsforscher:innen in unterschiedlichen Ländern wurde durch seine Begleitung, Unterstützung und strategische Weitsicht geprägt.
Internationale Kooperation als Motor nachhaltiger Entwicklung
„Dieser Preis rückt außergewöhnliche Leistungen in der Entwicklungsforschung in den öffentlichen Fokus. Die ausgezeichneten Forscher*innen untersuchen zentrale Probleme, die global verursacht werden, aber Menschen im Globalen Süden besonders hart treffen, wie die Folgen des Klimawandels. Entwicklungsforschung bedeutet, globale Zusammenhänge sichtbar zu machen und wissenschaftlich fundierte Grundlagen für gerechtere Entscheidungen zu schaffen“, so Bundesministerin Eva Maria Holzleitner.
OeAD-Geschäftsführer Jakob Calice betont: „Entwicklungsforschung als breites transdisziplinäres Forschungsfeld erarbeitet nachhaltige Lösungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen in strukturschwachen Regionen und stellt einen evidenzbasierten Beitrag zur Verwirklichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen dar. Exzellente Wissenschaftskooperationen – wie sie etwa auch im österreichisch-afrikanischen Forschungsnetzwerk Africa-UniNet verwirklicht werden – bereichern die heimische Wissenschaft. Der Preis ist eine Würdigung dieses wichtigen Engagements.“