BOKU nimmt Abschied


Die BOKU trauert um Alfred J. Noll, der als Rechtswissenschaftler und öffentlicher Intellektueller die Debatten zu Verfassungs- und Grundrechtsfragen in Österreich prägte.

Geboren 1960 in Salzburg, führte Nolls Weg zunächst über eine technische Ausbildung an die Universität Salzburg, wo er Studium der Rechtswissenschaften studierte. Ab 1992 war er als Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Urheber-, Medienrecht und Menschenrechte tätig. 1998 habilitierte er sich bei Univ.-Prof. Welan an der BOKU mit seiner vielbeachteten Arbeit „Sachlichkeit oder Gleichheit?“, einer grundlegenden Studie zur Gleichheit vor dem österreichischen Verfassungsgerichtshof. Im selben Jahr begann er seine Lehrtätigkeit im öffentlichen Recht, die er mit großer Leidenschaft und intellektueller Schärfe über viele Jahre hinweg ausübte. 2013 wurde ihm der Berufstitel Universitätsprofessor verliehen.

Alfred Noll verstand Wissenschaft stets als lebendigen Diskurs. Seine Lehrveranstaltungen zeichneten sich durch analytische Präzision, interdisziplinäre Offenheit und die konsequente Einbindung aktueller gesellschaftlicher Fragestellungen aus. Studierende schätzten ihn als fordernden, aber inspirierenden Lehrer, der juristisches Denken nicht als bloße Technik, sondern als kritische Reflexion gesellschaftlicher Ordnung vermittelte.

Sein wissenschaftliches Wirken reichte weit über die BOKU hinaus. Als ausgewiesener Experte für Medien-, Urheber- und Menschenrechte verband er juristische Praxis mit theoretischer Tiefe. Seine Tätigkeit als Herausgeber, Autor und Übersetzer – insbesondere seine intensive Auseinandersetzung mit dem politischen Denken von Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant – zeugt von seiner außergewöhnlichen intellektuellen Bandbreite. 

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war Noll ein engagierter Teilnehmer am öffentlichen Diskurs. Als Publizist suchte er konsequent die inhaltliche Auseinandersetzung und trat für eine differenzierte, argumentationsbasierte Debattenkultur ein. Er war ein streitbarer Citoyen, ein politischer Denker, der stets nicht das individuelle, sondern das gemeinschaftliche Interesse im Auge hatte.

Sein politisches Engagement führt Alfred Noll schließlich bis ins Parlament. Von 2017 bis 2019 war er Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat für die Liste Jetzt. In seiner parlamentarischen Tätigkeit setzte er sich insbesondere für rechtsstaatliche Prinzipien, Transparenz und Grundrechte ein. Seine Arbeit war geprägt von juristischer Präzision und einer klaren Haltung in grundlegenden verfassungs- und demokratiepolitischen Fragen. 

Die BOKU verliert mit Alfred Noll nicht nur einen exzellenten Wissenschaftler, sondern auch eine Persönlichkeit, die für intellektuelle Unabhängigkeit, kritisches Denken und die Verbindung von Wissenschaft und gesellschaftlicher Verantwortung stand. Sein Beitrag zur Entwicklung des öffentlichen Rechts an der Universität sowie sein Einsatz für eine lebendige akademische Diskussionskultur werden unvergessen bleiben.


17.03.2026