BOKU gestaltet Wiens Stadtlogistik
Der Wiener Gemeinderat hat den Masterplan Urbane Logistik am 19. Mai 2026 beschlossen. Darin hebt die Stadt Wien mit thinkport VIENNA und dem Forschungsprojekt FAMOUS zwei Beispiele hervor, an denen das Institut für Produktionswirtschaft und Logistik der BOKU University maßgeblich beteiligt ist.
Im aktuellen Forschungsprojekt FAMOUS entwickeln BOKU-Forschende gemeinsam mit Projektpartner*innen ein Simulationsmodell, das die Auswirkungen geplanter Maßnahmen vor ihrer Umsetzung sichtbar macht. Mit thinkport VIENNA schuf das Institut gemeinsam mit dem Hafen Wien einen offenen Raum für die Entwicklung und Erprobung neuer Logistiklösungen. Beide Beispiele stehen für eine besondere Stärke des Instituts: Es verbindet wissenschaftliche Modellierung mit praktischer Erprobung und langfristigem Wissenstransfer.
Mit dem Masterplan legt die Stadt Wien eine Gesamtstrategie für einen effizienteren, klimaverträglicheren und stadtgerechten Wirtschaftsverkehr vor. Zu den geplanten Maßnahmen zählen emissionsarme Lösungen für die letzte Meile, ein verbessertes Ladezonenmanagement, betreiberunabhängige Paketboxen, alternative Zustellfahrzeuge und die Prüfung von Zero-Emission-Zonen.
FAMOUS: Auswirkungen vor der Umsetzung sichtbar machen
Der urbane Güterverkehr ist für die Versorgung der Bevölkerung und das Funktionieren der städtischen Wirtschaft unverzichtbar. Gleichzeitig beanspruchen Lieferverkehre begrenzten öffentlichen Raum und verursachen Emissionen, Lärm und Nutzungskonflikte.
Maßnahmen wie Zero-Emission-Zonen können Emissionen und Verkehrsbelastungen reduzieren, wirken sich jedoch zugleich auf Lieferketten, Unternehmen, Verkehrsströme und die Erreichbarkeit einzelner Stadtgebiete aus. Um praxistaugliche Regelungen zu entwickeln, müssen diese Wechselwirkungen frühzeitig untersucht werden.
Hier setzt FAMOUS – Freight Access Model for Optimizing Urban Space – an. Forschende des Instituts für Produktionswirtschaft und Logistik entwickeln gemeinsam mit den Projektpartner*innen ein datenbasiertes Simulationsmodell, mit dem sich unterschiedliche Maßnahmen für den urbanen Güterverkehr untersuchen und vergleichen lassen. Dazu gehören räumliche oder zeitliche Zufahrtsregelungen, Zero-Emission-Zonen und Mikro-Hubs, an denen Waren gebündelt und für die letzte Etappe auf kleinere oder emissionsarme Fahrzeuge umgeladen werden.
Das Institut bringt dafür seine Expertise in mathematischer Modellierung, Simulation und Optimierung ein. Das Modell macht mögliche Folgen geplanter Maßnahmen frühzeitig sichtbar und liefert fundierte Entscheidungsgrundlagen für ein effizienteres und klimaverträglicheres Güterverkehrsmanagement. Im Zusammenhang mit der Evaluierung von Zero-Emission-Zonen nennt der Wiener Masterplan wissenschaftliche Erkenntnisse aus FAMOUS ausdrücklich als wertvolle Grundlagen für die Planung und Begleitung der praktischen Umsetzung.
thinkport VIENNA: Innovation gemeinsam erproben
Während FAMOUS wissenschaftliche Grundlagen für zukünftige Entscheidungen schafft, steht thinkport VIENNA für die gemeinsame Entwicklung und praktische Erprobung neuer Lösungen. Das Institut für Produktionswirtschaft und Logistik baute thinkport VIENNA gemeinsam mit dem Hafen Wien als offenes Mobilitäts- und Innovationslabor auf. Die Plattform bringt Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen, um neue Lösungen für die urbane Gütermobilität nicht nur zu diskutieren, sondern unter realen Bedingungen zu entwickeln und zu erproben.
In Stakeholderdialogen, Co-Creation-Prozessen und Testumgebungen beschäftigt sich thinkport VIENNA unter anderem mit nachhaltiger Güter- und Baulogistik, Kreislaufwirtschaft, Energie, Inlandterminals und emissionsarmen Transportkorridoren. Damit schafft die Plattform eine Schnittstelle, an der wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Anwendungen übersetzt werden.
Heute wird thinkport VIENNA als eigenständiger Verein weitergeführt. Die langfristige Fortführung über das ursprüngliche Kooperationsprojekt hinaus zeigt, wie aus wissenschaftlichem Wissenstransfer eine dauerhafte Innovationsplattform entstehen kann. In seiner eigenständigen Organisationsform kann thinkport VIENNA den offenen Austausch mit unterschiedlichen Partner*innen fortsetzen, neue Themen aufgreifen und Lösungen gemeinsam weiterentwickeln.
Laut Wiener Masterplan ist thinkport VIENNA ein Vorzeigebeispiel dafür, wie durch Kooperation und Innovation wirtschaftlich und ökologisch tragfähige Lösungen für die urbane Logistik entstehen. Die Weiterführung als eigenständiger Verein zeigt zugleich, wie Wissenstransfer über die Laufzeit eines einzelnen Kooperationsprojekts hinaus wirken kann.
Von der Forschung zur dauerhaften Wirkung
FAMOUS und thinkport VIENNA zeigen zwei sich ergänzende Wege, auf denen das Institut die urbane Logistik mitgestaltet. FAMOUS übersetzt komplexe Zusammenhänge in wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen. Mit thinkport VIENNA hat das Institut einen Raum geschaffen, in dem neue Lösungen gemeinsam entwickelt, praktisch erprobt und langfristig weitergeführt werden.
Die Darstellung im Wiener Masterplan macht damit nicht nur einzelne Beiträge sichtbar. Sie unterstreicht die Fähigkeit des Instituts, Forschung, Anwendung und Wissenstransfer zu verbinden – von der Analyse möglicher Maßnahmen bis zur Umsetzung tragfähiger Lösungen für eine klimaverträgliche und lebenswerte Stadt.
Weiterführende Informationen
MASTERPLAN URBANE LOGISTIK DER STADT WIEN: https://www.wien.gv.at/pdf/ma18/masterplan-urbane-logistik.pdf
INSTITUT FÜR PRODUKTIONSWIRTSCHAFT UND LOGISTIK: https://boku.ac.at/wiso/pwlo
FORSCHUNGSPROJEKT FAMOUS: https://boku.ac.at/wiso/pwlo/forschungsprojekte/nachhaltige-transportlogistik/famous
THINKPORT VIENNA: https://www.thinkportvienna.at/